Meniskusverletzung im Kniegelenk

Die Menisken sind zwei stoßdämpfende Knorpelscheiben innerhalb des Kniegelenks. Typische Verletzungen der Menisken sind Rissbildungen oder Brüche. Das häufigste Symptom sind starke, oft stechende Schmerzen im Knie.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Die Menisken können durch Traumata und bei der Entwicklung von Arthrose in den Knien beschädigt werden. Nur bei manchen Meniskusverletzungen ist eine Operation erforderlich.

Was sind die Menisken?

Die Menisken sind zwei Knorpelkissen, die sich in jedem Kniegelenk befinden. Diese beiden Knorpel liegen auf beiden Seiten des Knies, direkt im Gelenk. Die wichtigsten Funktionen sind:

Sie bilden eine „Grube“, in der sich der Oberschenkelknochen bewegen kann, ohne dass der Knochen „aus dem Gelenk fällt“.

  • Sie haben eine stoßdämpfende Funktion. Sie verteilen die Gewichtsbelastung auf die Gelenkflächen, sodass der Verschleiß so klein wie möglich und die Bewegung im Knies weich und glatt ist.
  • Sie verteilen die Gelenkflüssigkeit, sodass sich das Gelenk mit minimalen Widerstand bewegen kann.
  • Sie stabilisieren das Knie.
Knie mit Kreuzband, Knie-Seitenband und Menisken, Vorderansicht.jpg
Knie mit Kreuzband, Knie-Seitenbänder und Menisken

Was ist eine Meniskusverletzung?

Typische Verletzungen der Menisken sind Rissbildungen oder Brüche. Der Meniskus auf der Innenseite des Kniegelenks (medialer Meniskus, Innenmeniskus) wird viel häufiger verletzt als der äußere (lateraler Meniskus, Außenminiskus). Die Erklärung ist, dass der mediale Meniskus mit anderen Strukturen in der Umgebung verbunden und damit im Vergleich zum lateralen Meniskus etwas weniger beweglich ist.

Ursachen

Meniskusverletzungen treten häufig bei Sportlern auf, vor allem bei Kontaktsportarten wie Handball und Fußball. Sie können plötzlich auftreten oder sich langsam über einen längeren Zeitraum entwickeln. Die akute Verletzung entsteht in der Regel durch eine starke Verdrehung in einer Position mit gebeugtem Knie.

Meniskusläsionen, Übersicht
Meniskusschaden: Lappenriss und Korbhenkelläsion

Verletzungen, die über einen längeren Zeitraum entstehen, werden vor allem auf den allmählichen Verschleiß über mehrere Jahre zurückgeführt. Die Menisken verlieren im Laufe der Jahre an Elastizität und Flexibilität und sind deshalb zunehmend dem Verschleiß ausgesetzt.

Symptome

Das häufigste Symptom sind starke, oft stechende Schmerzen im Knie. Sie sind in der Regel auf den Auflageflächen des Gelenks an der Innenseite des Knies lokalisiert. Der Schmerz kommt und geht und wird bei körperlicher Belastung stärker. Schmerzen im Meniskus entstehen vor allem bei der Drehung des Kniegelenks. Für viele Patienten kann das Umdrehen im Bett und Treppensteigen sehr schmerzhaft sein. Auch hocken kann besonders schmerzhaft sein.

In den ersten Stunden nach der akuten Verletzungen entsteht eine Schwellung im Knie. Nach einiger Zeit kann bei Bewegungen im Knie ein Knacken auftreten. Bei Patienten, bei denen kleine Stücke des Knorpels abgerissen sind oder der Meniskus splittert, kann eine Gelenkblockade auftreten. Das Knie ist dann plötzlich blockiert und kann nicht bewegt werden. Das ist äußerst schmerzhaft und sollte von einem Arzt untersucht werden.

Diagnostik

Viele Patienten können die Situation, in der die Verletzung geschehen ist, genau beschreiben. Dies ist häufig eine große Hilfe für den Arzt. Auf der Grundlage der Befunde einer normalen Knieuntersuchung und der Anamnese kann der Arzt eine Verdachtsdiagnose stellen. Bei manchen Patienten ist der Schmerz so groß, dass die Untersuchung des Knies schwierig ist. Es ist dann üblich, die Untersuchung nach drei bis vier Tagen zu wiederholen, wenn die akuten Schmerzen vorüber sind.

Ein normales Röntgenbild kann die Meniskusverletzung nicht zeigen. Meist wird aber trotzdem eine Röntgenaufnahme gemacht, um andere Verletzungen oder Erkrankungen im Knie auszuschließen. Eine endgültige Diagnose kann in den meisten Fällen mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) gestellt werden, oder indem man nach einem Hautschnit mit einer kleinen Kamera direkt ins Knie schaut (Arthroskopie). Diese Untersuchungen werden normalerweise nur durchgeführt, wenn der Patient starke Schmerzen hat oder eine Operation erwogen wird.

Behandlung

Erste Hilfe

Bei allen akuten Verletzungen wird zunächst nach dem PECH-Prinzip vorgegangen.

  • P – Pause. Beenden Sie die Aktivitäten und legen Sie sich auf den Rücken, wenn möglich.
  • E – Eis. Legen Sie eine Kältekompresse auf das Knie. Durch die Kühlung wird der Schaden begrenzt. Stellen Sie sicher, dass Sie keine Erfrierungen bekommen.
  • C – Compression (Engl.)/Kompression. Legen Sie einen Kompressionsverband um das Knie.
  • H – Hochlegen. Wenn möglich, lagern Sie Ihre Knie über Herzhöhe.

Beim Arzt können Sie schmerzstillende oder entzündungshemmende Medikamente (nichtsteroidale Antirheumatika, NSARs) erhalten, die die Verletzung begrenzen können. Durch eine richtige Behandlung der akuten Verletzung heilt diese meist schneller und es treten weniger Schmerzen auf. Allerdings sollten NSARs nicht zu lange gegeben werden, da sie die Heilung beeinträchtigen können.

Konservative Therapie

Kleinere Verletzungen des Meniskus müssen nicht operativ behandelt werden. Die Behandlung besteht aus einer kurzen Phase der Schonung, auf die ein schrittweise gesteigertes Training folgt. Es wird empfohlen, Krücken zu benutzen und zunächst die volle Belastung des Kniegelenks zu vermeiden. Beim Training wird besonderer Wert auf die Stärkung der Muskeln rund um das Kniegelenk gelegt.

Operation

Bei stärkeren Verletzungen der Menisken und bei Menschen, die dauerhaft Beschwerden haben, ist häufig eine Operation notwendig. Dabei wird der Meniskus „repariert" oder Teile davon entfernt (partielle Meniskektomie). Je nach Alter des Patienten und Zustand des Meniskus während des Eingriffs wird entschieden, was gemacht wird.

Die Reparatur der Meniskus: Wird vor allem bei jungen Menschen und bei relativ „frischen“ Verletzungen durchgeführt. Bei einer Reparatur des Meniskus kommt es häufiger zu einer Re-operation als bei der partiellen Meniskektomie, auf lange Sicht ist die Prognose jedoch besser und es treten weniger degenerative Veränderungen auf. Eine Meniskusreparatur sollte an einem stabilen Knie durchgeführt werden. Zusätzliche Bänderverletzungen können zur Instabilität im Knie führen. Deshalb werden in der Regel gleichzeitig die Bänder repariert.

Partielle Meniskektomie: Dabei wird so wenig Meniskus wie möglich entfernt, um die stoßabsorbierenden Fähigkeiten des Meniskus zumindest teilweise zu erhalten. Bei Menschen über 40 Jahren sind die Menisken selten in einem Zustand, in dem sie repariert werden können. Deshalb ist die partielle Meniskektomie die bevorzugte operative Methode in dieser Altersgruppe. Die partielle Meniskektomie bietet kurzfristig eine schnellere Heilung und bessere funktionelle Ergebnisse, ein langfristiger Nutzen ist nicht in guten Studien dokumentiert. Der Meniskus wird nur selten vollständig entfernt. Bei degenerativen Veränderungen im Kniegelenk (Gonarthrose) ist die Entfernung des Meniskus nicht erforderlich. Meniskusverletzungen aufgrund von altersbedingten Veränderungen sind Teil der Gonarthrose. Meniskusbeschwerden können die ersten Zeichen für diese Erkrankung sein. Es gibt keinen Nachweis, dass die Entfernung des Meniskus die Beschwerden bei einer frühen oder späten Gonarthrose lindert.

Postoperative Behandlung

Sowohl nach der Meniskusreparatur als auch bei einer partiellen Meniskektomie ist es in den ersten Monaten wichtig, die Belastung des Kniegelenks zu begrenzen und Drehbewegungen zu vermeiden. Später werden Bewegungstraining und Kräftigungsübungen empfohlen.

Nach einer partiellen Meniskektomie wird empfohlen, das Knie an den ersten Tagen zu kühlen und hochzulegen. In der ersten Woche sollten Krücken verwendet werden. Nach einer Weile kann die Gewichtsbelastung auf das Kniegelenk nach und nach erhöht werden, je nachdem wie viel der Patient verträgt.

Nach einer Meniskusoperation sollte man mit Gewichtsbelastung noch vorsichtiger sein. Eine Vollbelastung sollte mindestens für vier bis sechs Wochen vermieden werden. Die Bewegungen des Knies, insbesondere die vollständige Beugung, sollte begrenzt werden, um die Belastung der reparierten Stelle zu reduzieren. Patienten sollten mindestens zwei Monate nach der Operationen auf Sportarten verzichten, bei denen sie sich das Knie verdrehen könnten (Fußball, Handball, Basketball usw.).

Eine Knieorthese ist nach einer Meniskektomie in der Regel nicht notwendig. Nach der Meniskusreparatur hängt die Notwendigkeit einer Orthese unter anderem vom Aktivitätsniveau des Patienten und dem Zustand des operierten Gewebes ab.

Prognose

Kleine Verletzungen werden bei richtigem Training in der Regel innerhalb von Wochen oder Monaten heilen. Ein operiertes Knie wird meist nach vier bis sechs Wochen annähernd normal funktionsfähig sein. Es besteht eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf die langfristigen Auswirkungen der Operation. Alte Operationen, bei denen der gesamte Meniskus entfernt wurde, führten einige Jahre nach der Operation oft zu Problemen und Arthrose. Mit den modernen Techniken scheinen die Beschwerden auf lange Sicht weniger stark auszufallen.

Es ist wichtig zu wissen, dass eine Meniskusverletzung das Risiko für spätere degenerative Veränderungen im Kniegelenk erhöht. Wenn Sie wieder körperlich aktiv werden, sollten Sie sich dessen bewusst sein und sich nicht unnötigen Gefahren einer erneuten Knieverletzung aussetzen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Meniskusverletzung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC). Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. (DGU). Meniskuserkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 033-006. S2k, Stand 2015. www.awmf.org
  2. Baker BS. Meniscus injuries. Medscape, last updated Jun 23, 2015. emedicine.medscape.com
  3. Englund M, Guermazi A, Gale D et al. Incidental meniscal findings on knee MRI in middle-aged and elderly persons. N Engl J Med 2008; 359: 1108-15. New England Journal of Medicine
  4. Scholten RJPM, Devillè WLJM, Opstelten W, Bijl D, et al. The accuracy of physical diagnostic tests for assessing meniscal lesions of the knee, A meta-analysis. J Fam Pract 2001; 50: 938-44. PubMed
  5. Eren OT. The accuracy of joint line tenderness by physical examination in the diagnosis of meniscal tears. Arthroscopy. 2003 Oct. 19(8):850-4. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Lee JH, Lim YJ, Kim KB, Kim KH, Song JH. Arthroscopic pullout suture repair of posterior root tear of the medial meniscus: radiographic and clinical results with a 2-year follow-up. Arthroscopy. 2009 Sep. 25(9):951-8. www.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Karachalios T, Hantes M, Zibis AH, et al. Diagnostic accuracy of a new clinical test (the Thessaly test) for early detection of meniscal tears. J Bone Joint Surg Am 2005; 87: 955-62. PubMed
  8. Crawford R, Walley G, Bridgman S, et al. Magnetic resonance imaging versus arthroscopy in the diagnosis of knee pathology, concentrating on meniscal lesions and ACL tears: a systematic review. Br Med Bull 2007; 84: 5-23. PubMed
  9. Ryzewicz M, Peterson B, Siparsky PN, Bartz RL. The diagnosis of meniscus tears: the role of MRI and clinical examination. Clin Orthop Relat Res 2007; 455: 123-33. PubMed
  10. Bernthal NM, Seeger LL, Motamedi K, et al. Can the reparability of meniscal tears be predicted with magnetic resonance imaging? Am J Sports Med 2011; 39: 506-10. PubMed
  11. Shetty AA, Tindall AJ, James KD, Relwani J, Fernando KW. Accuracy of hand-held ultrasound scanning in detecting meniscal tears. J Bone Joint Surg Br 2008; 90-B: 1045-8. www.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Katz JN, Brophy RH, Chaisson CE, et al. Surgery versus physical therapy for a meniscal tear and osteoarthritis. N Engl J Med 2013;368:1675-84 New England Journal of Medicine
  13. Sihvonen R, Paavola M, Malmivaara A, et al. Arthroscopic partial meniscectomy versus sham surgery for a degenerative meniscal tear. N Engl J Med. 2013: 26; 369: 2515-24. doi: 10.1056/NEJMoa1305189 DOI
  14. Khan M, Evaniew N, Bedi A, et al. Arthroscopic surgery for degenerative tears of the meniscus: a systematic review and meta-analysis. CMAJ 2014; 186: 14. doi:10.1503/cmaj.140433 DOI
  15. Kise NJ, Risberg MA, Stensrud S, et al. Exercise therapy versus arthroscopic partial meniscectomy for degenerative meniscal tear in middle aged patients: randomised controlled trial with two year follow-up. BMJ 2016; 354: i3470. doi:10.1136/bmj.i3740 DOI
  16. Siemieniuk RAC, Harris IA, Agoritsas T, et al. Arthroscopic surgery for degenerative knee arthritis and meniscal tears. BMJ 2017; 357: j1982. doi:10.1136/bmj.j1982 DOI
  17. Bergenstock M, Min W, Simon AM, et al. A comparison between the effects of acetaminophen and celecoxib on bone fracture healing in rats. J Orthop Trauma 2005; 19: 717-723. PubMed
  18. Machado GC, McLachlan A. Efficacy and safety of paracetamol for spinal pain and osteoarthritis: systematic review and meta-analysis of randomised placebo controlled trials. BMJ 2015; 350: h1225. www.bmj.com
  19. O'Connor JP, Lysz T. Celecoxib, NSAIDs and the skeleton. Drugs Today (Barc) 2008; 44: 693-709. PubMed
  20. Yim JH, Seon JK, Song EK, et al. A comparative study of meniscectomy and nonoperative treatment for degenerative horizontal tears of the medial meniscus. Am J Sports Med 2013 May 23. PMID: 23703915. PubMed
  21. IQWiG. Arthroskopie des Kniegelenks bei Gonarthrose. Abschlussbericht N11-01. 14.03.2014. www.iqwig.de
  22. Paxton ES, Stock MV, Brophy RH. Meniscal repair versus partial meniscectomy: a systematic review comparing reoperation rates and clinical outcomes. Arthroscopy 2011; 27: 1275-1288. PubMed
  23. Beaufils P, Hulet C, Dhénain M, et al. Clinical practice guidelines for the management of meniscal lesions and isolated lesions of the anterior cruciate ligament of the knee in adults. Orthop Traumatol Surg Res 2009; 95: 437-442. PubMed
  24. Baek J et al. Repair of Avascular Meniscus Tears with Electrospun Collagen Scaffolds Seeded with Human Cells. Tissue Eng Part A. 2016 Mar;22(5-6):436-48. doi: 10.1089/ten.TEA.2015.0284. Epub 2016 Mar 3 www.ncbi.nlm.nih.gov