Osgood-Schlatter-Krankheit

Die Osgood-Schlatter-Krankheit ist eine Entzündung der Befestigung des großen Oberschenkelmuskels an der Vorderseite des Schienbeins (Tibia) knapp unterhalb des Knies. Typische Symptome sind Schmerzen im oberen Teil des Schienbeins, die im Zusammenhang mit Aktivitäten auftreten.

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Was ist die Osgood-Schlatter-Krankheit?

Osgood-Schlatter-Krankheit
Osgood-Schlatter-Krankheit

Die Erkrankung kommt vor allem bei Kindern und Jugendlichen vor, die meist zwischen 11 und 14 Jahren alt und sportlich aktiv sind. Jungen sind dreimal häufiger davon betroffen als Mädchen. Das Vorkommen steigt bei erhöhter sportlicher Aktivität.

Ursache

Die Krankheit ist eine Schädigung durch Überlastung. Sie wird durch die oft wiederholte Betätigung und die Belastungen der großen Oberschenkelmuskelsehne verursacht, und zwar an der Stelle, an der diese am Schienbein befestigt ist. Die Befestigung „reißt“, und während des Reparaturprozesses entsteht eine deutliche Schwellung am Ansatz am Knochen, die aus einer Kalkablagerung besteht. Ein auslösender Faktor hierfür kann sein, dass der Oberschenkel ein wenig höher auf dem Schienbein aufsetzt als normal; ein weiterer möglicher Grund ist, dass die Befestigung am Schienbein breiter ist als gewöhnlich.

Der Schmerz wächst mit der Ausübung der Aktivitäten stetig an, bei denen der Oberschenkelmuskel (Musculus quadriceps femoris) aktiv genutzt wird, also etwa beim Springen, Laufen, Knien und Stretchen des Knies. Der Schmerz kann ebenfalls ausgelöst werden, wenn das Knie eine längere Zeitlang gebeugt ist, z. B. im Bus, in der Bahn oder im Flugzeug. Der direkte Druck auf diesen Bereich ist ebenfalls schmerzhaft.

Diagnostik

Die Diagnose ist bei sportlich aktiven Jungen oder Mädchen in der Regel leicht zu stellen. Typisch sind Schmerzen und Schwellungen unterhalb der Kniescheibe. Es bildet sich eine kleine Rundung, die in den meisten Fällen weit nach außen tritt. Diese Rundung ist empfindlich gegenüber Berührung. Größe und Berührungsempfindlichkeit der Rundung nehmen nach dem Einlegen einer Ruhepause ab, können aber bei neuen Belastungen wieder zunehmen.

Die Erkrankung ist so charakteristisch, dass es nicht notwendig ist, Röntgen- oder andere Untersuchungen vorzunehmen, um die Diagnose zu bestätigen. Wenn aus anderen Gründen Röntgenaufnahmen gemacht werden, kann man die Veränderungen auf dem Röntgenbild deutlich erkennen.

Symptome, die auf eine andere Krankheit hindeuten, sind:

  • Rötung und Wärme an der schmerzenden Stelle
  • Schmerzen treten akut nach einer Verletzung am Knie auf
  • Nächtliche Schmerzen während Perioden ohne Aktivität

Andere Erkrankungen, die Schmerzen im Knie auslösen können, können durch eine gründliche Untersuchung des Knies von der Osgood-Schlatter-Krankheit unterschieden werden.

Therapie

Die Osgood-Schlatter-Krankheit ist eine gutartige Erkrankung, die in der Regel von selbst wieder verschwindet. Das Kind kann sein Training und seine Aktivität am Grad der Schmerzen ausrichten. Werden die Aktivitäten erweitert, kann dies mehr Schmerzen nach sich ziehen. Werden die Aktivitäten reduziert, gehen auch die Schmerzen zurück, treten bei neuen Aktivitäten aber oft sofort wieder auf.

Wenn die Schmerzen gelindert werden sollen, kann die Stelle, an der die Sehne am Schienbein befestigt ist, mit Eis gekühlt werden, oder man kann Paracetamol einnehmen. In einigen Fällen kann eine kurzzeitige Therapie mit einem NSAR die Schmerzen lindern. 

Die Intensität der Schmerzen wird durch den Grad der Aktivität bestimmt. Das komplette Aussetzen sportlicher Aktivitäten wird im Allgemeinen nicht empfohlen. Vielmehr wird sogar dazu geraten, weiterhin Sport zu treiben, auch wenn die Patienten dabei Schmerzen verspüren. Die Schmerzen sollten aber innerhalb von 24 Stunden danach zurückgehen. Ist das nicht der Fall, sollte man die Trainingsintensität herabsetzen.

Nur ausnahmsweise wird bei dieser Erkrankung eine Operation durchgeführt. Dies kommt nur für Kinder und Jugendliche in Frage, die während einer Behandlungszeit von 1,5–2 Jahren keine Besserung erzielen konnten. Das gilt auch für erwachsene Menschen, die immer noch Beschwerden und Schmerzen an dieser Stelle am Schienbein haben, nachdem Sie aus der Wachstumsperiode heraus sind.

Prognose

Die Krankheit verschwindet von alleine wieder. Normalerweise geschieht dies innerhalb von 6–18 Monaten, in einigen Fällen bleiben die Symptome aber über viele Jahre bestehen. Laut einer Studie gibt jeder Vierte an, 10 Jahre nach der Erstdiagnose immer noch Beschwerden zu haben, und 60 % fühlen sich immer noch unwohl, wenn Sie versuchen, sich hinzuknien.

Anhaltende Schmerzen über einen Zeitraum von 1–2 Jahren hinaus sollten radiologisch abgeklärt werden. Die Erklärung hierfür kann sein, dass sich eine Verknöcherung in der Oberschenkelsehne gebildet hat oder dass die Befestigung der Sehne am Schienbein (Tuberkel) sich vom Knochen losgerissen hat (sogenannte Avulsionsfraktur).

Der Knochenvorsprung an der Tibia, an dem die Sehne zur Kniescheibe befestigt ist, wird in den allermeisten Fällen höchstens vergrößert aufrechterhalten und bildet eine deutliche Kuhle unterhalb des Kniegelenks aus. Dies kann in seltenen Fällen dazu führen, dass sich so stark ausgeprägte Symptome zeigen, dass man eine Operation in Betracht ziehen muss. Eine Operation sollte aber nie in Betracht gezogen werden, bevor ein Kind nicht ganz ausgewachsen ist und sich die Wachstumszonen im Skelett geschlossen haben.

Weitere Informationen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Osgood-Schlatters sykdom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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