Sinding-Larsen-Krankheit, Patellaspitzensyndrom

Die Schmerzen werden durch körperliche Aktivitäten ausgelöst und sind in der Regel am stärksten in den Stunden nach körperlicher Belastung. Davon betroffen sind vor allem Jungen im Alter von zehn oder elf Jahren bzw. Mädchen im Alter von neun bis zehn Jahren.

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Was ist die Sinding-Larsen-Krankheit?

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Sinding-Larsen-Krankheit

Die Sinding-Larsen-Krankheit ist eine entzündliche Erkrankung des Sehnenansatzes an der unteren Kante der Kniescheibe (Apex patellae); man spricht deshalb auch von „Patellaspitzensyndrom“. Die Oberschenkel-Muskulatur zieht an der Sehne. Die Krankheit tritt bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum auf, häufig bei aktiven Sportlern. Während des Wachstums wird der Muskel oft „zu stark“ für den Sehnenansatz und es können sich kleine Risse und Entzündungen in der Wachstumszone des Beines bilden. Durch die Entzündung wird das Knorpelwachstum stimuliert, und am Ort der Entzündung kann sich eine Eindellung bilden. Die Verletzungsmechanismus ist der gleiche wie beim Morbus Osgood-Schlatter, bei dem jedoch die Schmerzen vom Sehnenansatz am Schienbein ausgehen. Der große Schenkelstrecker (Quadrizeps) auf der Vorderseite des Oberschenkels ist mittels einer starken Sehne am oberen Rand der Kniescheibe (Patella) befestigt. Diese Sehne setzt sich unterhalb der Kniescheibe fort und ist an einem Knochenvorsprung oben am Schienbein befestigt.

Epidemiologie

Der Zustand tritt relativ häufig bei Kindern im Wachstum auf. Die betroffene Altersgruppe ist in der Regel im Alter von zehn oder elf Jahren bei Jungen bzw. Mädchen im Alter von neun bis zehn Jahren. Die Symptome treten also in der Regel ein bis zwei Jahre früher auf, als es für den Morbus Osgood-Schlatter üblich ist. Jedoch können Kinder bis zu 14 Jahren darunter leiden.

Ursache

Die Ursache der Erkrankung sind kleine Schäden rund um den Sehnenansatz an der Kniescheibe. Starker Druck und Zug auf die Sehne führen zu Rissen in den Sehnenfasern und in der Sehne und am Sehnenansatz entstehen Entzündungen. Auf die Entzündung folgen kleine Verkalkungen in diesem Bereich.

Symptome

Am häufigsten sind Schmerzen und Druckempfindlichkeit am unteren Rand der Kniescheibe. Die Schmerzen werden durch körperliche Aktivitäten ausgelöst und sind in der Regel am stärksten in den Stunden nach körperlicher Belastung. Nach einer kurzen Pause nehmen die Schmerzen ab oder verschwinden vollständig. Die Schmerzen können auch ausgelöst werden, wenn das Kind mit dem Knie gegen etwas stößt oder sich hinkniet.

Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte (Anamnese) und einer normalen ärztlichen Untersuchung des Knies. Für die Bekräftigung der Diagnose sind für gewöhnlich keine Röntgenaufnahmen oder andere Untersuchungen erforderlich. Jedoch können auf Röntgenbildern gewisse charakteristische Veränderungen zu erkennen sein.

Therapie

Die Behandlung zielt auf die Linderung der Symptome, während man darauf wartet, dass der Zustand von selber vorüber geht. Das Kind kann selbst die Symptome begrenzen, indem es Aktivitäten vermeidet, die Probleme hervorrufen. Den Aktivitätsgrad kann das Kind selbst steuern. Bei schweren Symptomen sollte das Kind es vorübergehend etwas ruhiger angehen lassen, bei geringeren Beschwerden kann das Kind ohne Risiko körperlich aktiv sein. Gelegentlich können für kurze Zeit Schmerzmittel wie Paracetamol erforderlich sein. Bei akuten Schmerzen, wie nach großer körperlicher Anstrengung, kann ein kühlender Umschlag an der schmerzenden Stelle helfen. Ein kühlender Umschlag oder Eiswürfel in einem Plastikbeutel, eingeschlagen in ein Handtuch, etwa 20 Minuten auf die schmerzende Stelle aufgelegt, wirkt lindernd.

Muskelaufbautraining für den Schenkelstrecker (Quadrizeps) hat sich bei der Erkrankung als wirksam gezeigt.

In sehr seltenen Fällen, bei starken Symptomen und einem Ausbleiben der üblichen Besserung, kann eine Operation erwogen werden.

Prognose

Die Krankheit ist vollkommen harmlos und heilt immer von selbst aus, egal was man unternimmt. Normalerweise dauert es drei bis zwölf Monate, bis die Symptome verschwunden sind, aber in manchen Fällen dauern sie zwei Jahre an und das kann äußerst beschwerlich sein. Das Kind muss die Aktivitäten an den Grad der Beschwerden anpassen. Wenn das Kind in der Lage ist, Sport zu treiben, gibt es keinen Anlass, das Kind von solchen Aktivitäten fernzuhalten.

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