Ermüdungsbruch

Ermüdungsbrüche treten am häufigsten bei Athleten und Sportlern auf und kommen bei Frauen eventuell etwas häufiger vor.

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Was ist ein Ermüdungsbruch?

Ein Ermüdungsbruch, auch Stressfraktur genannt, tritt nicht infolge einer akuten Verletzung, sondern als Folge einer Überlastung auf. Der betreffende Knochen ist über längere Zeit Dehnungen und Biegungen ausgesetzt und bricht schließlich, genauso wie ein Metallstab nach wiederholter Biegung irgendwann brechen kann.

Ermüdungsbrüche treten am häufigsten bei Athleten und Sportlern auf und kommen bei Frauen etwas häufiger vor. Die häufigste Stelle eines Ermüdungsbruchs ist das Schienbein (Tibia), aber auch im Wadenbein (Fibula) können Stressfrakturen auftreten. Ermüdungsbrüche betreffen auch häufig die Knochen des Fußes, wie z.B. das Sprungbein (Talus), das Kahnbein (Os naviculare) und die Mittelfußknochen (Ossa metatarsalia). Ermüdungsbrüche treten tendenziell wiederholt auf, und etwa 60 % der Patienten hatten bereits früher Stressfrakturen.

Ursache

Ein Ermüdungsbruch wird in der Regel durch eine konstante und wiederholte Belastung verursacht, welche die Fähigkeit des Knochens, sich selbst zu reparieren, überschreitet. Schließlich kommt es zu einem teilweisen oder vollständigen Bruch des Knochens.

Die wichtigsten Gründe für Ermüdungsbrüche des Unterschenkels oder des Fußes sind starke und lang anhaltende Belastungen auf harten Oberflächen (wie z.B. beim Joggen auf Asphalt), unzureichende Stoßdämpfung in Laufschuhen oder eine zu schnelle Steigerung der Trainingsintensität. Bei einigen Menschen kann eine fehlerhafte Belastung die Wahrscheinlichkeit eines Ermüdungsbruchs erhöhen. Ein erhöhtes Risiko besteht für hart trainierende Sportlerinnen, die an Essstörungen, einem Verlust der Menstruation und Osteoporose leiden.

Bei Sportlern besteht eine Tendenz zu Ermüdungsbrüchen im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf große Wettkämpfe. Sportler und Soldaten können durch einen zu schnellen Einstieg ins Training oder in Märsche Stressfrakturen erleiden.

Diagnose

Typisch für die Diagnose ist es, dass ohne vorherige Verletzungen plötzlich starke Schmerzen in einem abgegrenzten Bereich des Unterschenkels oder des Fußes auftreten. Die Schmerzen verschlimmern sich sofort, sobald man versucht, zu gehen oder zu laufen. Jedes Auftreten  löst  starke Schmerzen aus.

Auf einfachen Röntgenaufnahmen sind Ermüdungsbrüche oft erst mehrere Tage oder Wochen nach der Verletzung feststellbar. Bei Verdacht auf einen Ermüdungsbruch wird eine MRT durchgeführt. Mit Hilfe der dabei entstandenen Bilder ist es möglich, die Diagnose frühzeitig zu stellen. Alternativ kann eine Isotopenuntersuchung des Unterschenkels/des Fußes durchgeführt werden, diese ist jedoch weniger präzise als eine MRT.

Behandlung

Die meisten Brüche heilen mithilfe von Entlastung von selbst aus. Bei einer Fraktur des Schienbeins muss das Bein sechs bis acht Wochen entlastet werden – zu Beginn durch Verwendung von Krücken. Bei einem Bruch des Wadenbeins ist eine vierwöchige Entlastung erforderlich, zu Beginn mithilfe von Krücken. Dieselben Regeln für die Entlastung gelten auch für Stressfrakturen an anderen Stellen. Nur in Ausnahmefällen ist eine operative Behandlung erforderlich.

Zu Beginn können bei Bedarf Schmerzmittel wie Paracetamol verwendet werden. NSAR sollten hingegen nicht zum Einsatz kommen, da sie den Heilungsprozess verzögern können. Es darf nicht ausprobiert werden, ob die Fraktur schneller ausgeheilt ist als prognostiziert, da sich dadurch das Risiko eines Rückfalls und einer längeren Heilungszeit erhöhen würde.

Die Heilung von Brüchen im Fuß kann in manchen Fällen schlecht verlaufen, weshalb häufig ein Gips angelegt oder eine Orthese verwendet wird.

Sportler, die während des Heilungsprozesses nicht zu viel an Kondition und Kraft einbüßen wollen, sollten alternative Trainingsmethoden nutzen. Die Ausdauer kann zum Beispiel mithilfe von Radfahren oder Rudern aufrechterhalten werden. Krafttraining kann weiterhin betrieben werden, sofern dabei der Unterschenkel nicht belastet wird.

Wenn sich der Zustand nach und nach bessert, kann die Belastung langsam und vorsichtig wieder erhöht werden. Treten Schmerzen auf, ist dies eine Anzeichen dafür, dass die Belastung zu schnell gesteigert wird. Die Trainingssteigerung sollte ohne Schmerzen erfolgen.

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass elektrische Stimulation, gepulster Ultraschall oder Laserbehandlungen eine Wirkung auf Stressfrakturen haben. Allerdings gibt es Berichte darüber, dass niedrig-intensiver gepulster Ultraschall (LIPUS) einen Effekt haben kann.

Prognose

Bei einer frühzeitigen Diagnose und angemessenen Entlastung, eventuell mit Immobilisierung, heilen die meisten Stressfrakturen des Unterschenkels aus. Erneute Ermüdungsbrüche zu einem späteren Zeitpunkt sind jedoch nicht ungewöhnlich.

Eine vorbeugende Behandlung ist wichtig – sowohl um erstmalige Brüche zu vermeiden als auch um neuen Verletzungen vorzubeugen. Die wichtigsten Maßnahmen sind folgende:

  • Tragen Sie stoßdämpfende Schuhe.
  • Vermeiden Sie intensives Training auf hartem Untergrund, und versuchen Sie, möglichst auf wechselnden Untergründen zu trainieren.
  • Zeigen Sie Geduld und vermeiden Sie eine übermäßig schnelle Steigerung der Trainingsintensität.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Stressfraktur. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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