Fraktur des Os naviculare – Stressfraktur des Fußes

Navicularefrakturen können infolge einer Verletzung oder Überbelastung auftreten, letzteres wird als Stressfraktur bezeichnet.

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Os naviculare

Das Os naviculare (Kahnbein oder Os naviculare pedis) befindet sich im Fuß, vor dem Sprungbein (Talus) und an der Innenseite des Fußes. Es grenzt mit seinen Gelenkflächen zum einen an den Talus, zum anderen an drei Fußwurzelknochen sowie das Os cuboideum im mittleren Bereich des Fußes, ist also mit mehreren Knochen im Mittelfuß über (recht unbewegliche) Gelenke verbunden. Navicularefrakturen können infolge einer Verletzung oder Überbelastung auftreten, Letzteres wird als Stressfraktur bezeichnet.

Stressfrakturen, die auf Überbelastung zurückgehen, werden leicht mehrere Monate lang übersehen. Studien haben gezeigt, dass vom Einsetzen der Symptome bis zur Stellung der Diagnose im Durchschnitt vier bis sieben Monate vergehen. Stressfrakturen treten meist bei jungen Sportlern und Sporttreibenden auf, die ihre Füße erheblichen Gewichtsbelastungen aussetzen. Wiederholte Kontraktionen von Muskeln, die am Kahnbein befestigt sind, und Gewichtsbelastung ohne ausreichende Ruhe, stellen eine abnorm hohe Belastung dar, die eine Stressfraktur verursachen kann.

Es gibt drei verschiedene Arten von Frakturen des Os naviculare – eine Fraktur am hinteren Rand des Knochens (dorsale Randfraktur), eine Fraktur mit einem Riss quer durch den Hauptteil des Knochens (Korpusfraktur) sowie ein Abbruch oder Riss der sogenannten Tuberositas naviculare. Die Tuberositas ragt seitlich am Os naviculare nach innen hervor; hier setzt die Sehne eines wichtigen Unterschenkelmuskels an. Die Fraktur des Os naviculare tritt relativ selten auf.

Diagnose

Eine Stressfraktur beginnt oft vage, verursacht aber nach und nach zunehmende Beschwerden. Der Schmerz ist oft schwer zu lokalisieren. Die Schmerzen werden insbesondere beim Laufen, Springen und Sprinten provoziert und bessern sich im Ruhezustand. Der Patient hat keine Anzeichen einer Blutung, Schwellung oder Verletzung festgestellt. Bei verzögerter Diagnose machen es die Schmerzen allmählich schwieriger, mit dem Fuß zu gehen, und die Aktivitäten des Alltags werden behindert.

Bei der ärztlichen Untersuchung werden in der Regel vage Befunde festgestellt, wenn die Fraktur nicht durch eine Verletzung verursacht wurde. Oft zeigt sich eine leichte Schmerzempfindlichkeit, die entlang der Innenseite des Fußgewölbes oder des Fußrückens ausstrahlt. Mit der Zeit kann der Schmerz im Kahnbein lokalisiert werden.

Röntgenaufnahmen sind bei Stressfrakturen oft unzuverlässig. Aus demselben Grund sind Röntgenaufnahmen auch nicht zur Beurteilung der Heilung geeignet. Es kann eine Computertomografie, eine Magnetresonanztomografie oder eine Isotopenuntersuchung erforderlich sein, um die Diagnose zu stellen. Isotopenuntersuchungen sind am zuverlässigsten. Eine Computertomografie kann hilfreich sein, um die Heilung der Fraktur zu verfolgen.

Therapie

Ziel der Therapie ist es, eine Heilung der Verletzung zu erreichen, damit die normale Funktion des Fußes wiederhergestellt werden kann.

  • Stressfraktur ohne Verschiebung:
    • Empfohlen wird eine konservative Therapie. Andere Arten von Frakturen und Frakturen, die bei konservativer Therapie nicht heilen, werden operiert.
  • Abrissfrakturen der Tuberositas, Korpus- und Trümmerfrakturen ohne Verschiebung werden konservativ behandelt.
  • Korpusfrakturen mit Verschiebung von mehr als zwei Millimetern, bestimmte Trümmerfrakturen und Frakturen, die bei konservativer Therapie nicht heilen, werden operiert.

Konservative Therapie

  • Stressfraktur:
    • Wird meist mit Entlastung und sechs- bis achtwöchigem Gips behandelt.
    • Wenn der Fuß dann nicht schmerzempfindlich ist, wird mit einem Aufbautraining begonnen, das etwa sechs Wochen dauert (siehe unten), und in den meisten Fällen kann man nach etwa sechs Wochen den Fuß wieder voll belasten (die Sportaktivitäten wiederaufnehmen).
  • Fraktur der Tuberositas:
    • Wird mit sechswöchigem Stiefelgips und Belastung bis zur Schmerzgrenze behandelt. Die Kontrolle erfolgt bei der Abnahme des Gipses. Hinterher kann ein Abmeißeln erforderlich sein, wenn die Tuberositas (der Auswuchs) Abschürfungen verursacht.
  • Korpusfraktur:
    • Frakturen ohne Verschiebung werden mit achtwöchigem Stiefelgips behandelt. Kontrollen werden nach zwei Wochen und bei der Abnahme des Gipses durchgeführt.
  • Trümmerfrakturen des Korpus:
    • Werden nach individueller Beurteilung operativ oder konservativ mit zwei- bis dreiwöchigem Stiefelgips zur Schmerzlinderung behandelt, danach Belastung bis zur Schmerzgrenze. Kontrollen werden bei der Abnahme des Gipses und danach individuell durchgeführt.

Operative Therapie

  • Trümmerfrakturen des Korpus:
    • In den meisten Fällen versucht man, die Fraktur einzurichten und zu fixieren, gegebenenfalls kann eine operative Gelenkversteifung (Arthrodese) des Gelenks durchgeführt werden, zu dem das Kahnbein gehört.
    • Eine operative Gelenkversteifung (Arthrodese) kann im späteren Verlauf angezeigt sein, wenn sich ein schmerzhafter Verschleiß entwickelt.
  • Korpusfrakturen mit Verschiebungen:
    • Werden mit einer Operation behandelt, bei der die Knochenstücke eingerichtet und aneinander befestigt werden – dies kann auch für Stressfrakturen gelten
    • Danach wird der Fuß vier Wochen lang entlastet, gegebenenfalls mit Bewegungstraining

Aufbautraining nach Stressfrakturen

Der Gips wird in der Regel nach etwa sechs Wochen entfernt. Wenn der Fuß weiterhin schmerzempfindlich ist, wird der Gipszeitraum um zwei Wochen verlängert. Voraussetzung für ein fortgesetztes Aufbautraining ist, dass es nicht schmerzhaft ist. Bei Schmerzen muss das Training reduziert werden.

In der ersten und zweiten Woche nach der Abnahme des Gipses ist wieder ein normales Alltagsleben möglich. In der dritten Woche kann jeden zweiten Tag fünf Minuten auf Rasen gejoggt werden, in der vierten Woche kann die Dauer auf zehn Minuten erhöht werden. In der fünften und sechsten Woche wird jeden zweiten Tag mit 50 % der Höchstgeschwindigkeit gelaufen und an den dazwischenliegenden Tagen gegangen, gegen Ende der sechsten Woche kann die Intensität auf 75 % gesteigert werden. Gehen Sie danach wieder zum vollen Training über, wenn der Fuß damit zurechtkommt.

Prognose

Die Therapie von Stressfrakturen durch sechs- bis achtwöchige Immobilisierung mit Gips (Gips, mit dem man nicht gehen darf) erreichte in einer Studie in fast 90 % der Fälle eine Heilung. Im Durchschnitt dauerte es fünf bis sechs Monate, bis der Patient wieder zurück im Aktivsport war. Eine Gewichtsbelastung in Kombination mit der konservativen Therapie erhöhte das Risiko einer ausbleibenden Heilung und einer Zerstörung des Knochens (avaskuläre Nekrose).

Mit der operativen Therapie als primärer Therapie bei Stressfrakturen wurden fast ebenso gute Ergebnisse erzielt. Im Durchschnitt dauerte es 3,8 Monate, bis der Patient wieder zurück im Aktivsport war. Wenn die Operation nach der konservativen Therapie durchgeführt wurde (sekundäre Therapie), sank der Anteil der erfolgreichen Ergebnisse auf 70 %, und es dauerte im Durchschnitt vier bis fünf Monate, bis der Patient wieder zurück im Aktivsport war.

Eine durch Verletzungen verursachte Fraktur des Os naviculare heilt mit Immobilisierung und Gewichtsbelastung bis zur Schmerzgrenze in der Regel gut.

Weiterführende Informationen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Navikularefraktur. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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