Frakturen (Knochenbrüche)

Die Ursachen von Frakturen können vielfältig sein. Frakturen entstehen häufig im Zusammenhang mit Unfällen, etwa einem Sturz, mit erheblicher Krafteinwirkung auf den Knochen. Bei älteren Menschen mit Osteoporose oder Personen mit anderen Erkrankungen des Knochens kann schon eine geringe Krafteinwirkung zum Knochenbruch führen.

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Allgemeine Informationen zu Frakturen

Eine Fraktur ist ein Knochenbruch. Es gibt verschiedene Typen von Frakturen. Vor der Behandlung muss abgeklärt werden, ob eine Fehlstellung des Knochens vorliegt oder ob die anatomische Lage der Knochen erhalten ist.

Frakturtypen

  • Bei einer Kompressionsfraktur wird die Knochenstruktur zusammengedrückt und zerstört, weil der Knochen einem erhöhten Druck nicht standhalten kann. Die kann Folge eines Aufpralls (etwa ein Sprung aus großer Höhe) sein oder aber ein Alterunagsprozess osteoporotischer Knochen, z. B. eines Wirbelknochens.
  • Risse im Knochen werden häufig bei Kindern beobachtet. Bei diesen Rissen spricht man auch von einer Grünholzfraktur, entsprechend dem Knickverhalten von jungem, grünem Holz. Der Knochen (gleichsam einem Zweig) bricht nicht vollständig, sondern wird nur auf einer Seite beschädigt. In der Regel ist die elastische Knochenhaut noch auf beiden Seiten intakt, sodass der Knochen anatomisch weiterhin korrekt steht.
  • Man unterscheidet darüber hinaus zwischen offenen und geschlossenen Frakturen. Typisch für eine offene Fraktur ist eine Wunde. Gelegentlich können Knochenstücke aus der Wunde in der Haut herausragen, das Infektionsrisiko ist daher sehr hoch. Geschlossene Frakturen sind durch eine intakte Hautoberfläche gekennzeichnet.

Ursachen von Knochenbrüchen

Die Ursachen von Frakturen können vielfältig sein. Frakturen entstehen häufig im Zusammenhang mit Unfällen (Sturz, Aufprall) mit erheblicher Krafteinwirkung auf den Knochen. Durch Osteoporose oder andere Krankheiten (u. a. Krebs) geschwächte Knochen können jedoch auch bei geringer Krafteinwirkung brechen.

Zudem gibt es sogenannte Ermüdungsfrakturen, die v. a. im Bereich der Fußknochen auftreten (Marschfraktur). Sie werden durch eine dauerhafte Überbeanspruchung, zum Beispiel nach dem Gehen oder Laufen extrem großer Distanzen, verursacht.

Allgemeine Anzeichen einer Fraktur

Einige der häufigsten Anzeichen von Frakturen sind:

  • Schmerzen und ausgeprägte Druckempfindlichkeit dort, wo die Verletzung lokalisiert ist. Schmerzhafter Druck in Längsrichtung.
  • Abnorme Beweglichkeit der Extremität oder des Gelenks im Bereich der Verletzung. Gelegentlich sind Veränderungen sichtbar oder tastbar, z. B. eine Bruchstelle oder ein abnorm geformter Körperteil. Offenen Frakturen sind durch Weichteilverletzungen gekennzeichnet, und gelegentlich treten Knochenstücke aus der Wunde aus.
  • Knistergeräusche sind bei vorsichtiger Bewegung des verletzten Körperteils wahrnehmbar.
  • Um die Verletzung herum besteht eine Schwellung. Nach kurzer Zeit kann es aufgrund der Blutung in der Unterhaut zu einer bläulichen Verfärbung kommen.
  • Beeinträchtigte Funktion des betroffenen Körperteils.

Kompressionsfrakturen der Wirbelkörper aufgrund einer Osteoporose können aber auch recht unbemerkt voranschreiten und werden manchmal erst auf einem Röntgenbild erkannt, das wegen unbestimmter Rückenschmerzen angefertigt wurde.

Komplikationen von Knochenbrüchen

Die meisten Frakturen machen langfristig wenige Beschwerden, wenn sie richtig versorgt wurden. Frakturen, die infolge der Einwirkung großer Kräfte verursacht werden, z. B. durch Verkehrsunfälle oder einen Sturz aus großer Höhe, können jedoch schwerwiegende Folgen haben. Bei Frakturen fürchtet man in erster Linie drei Komplikationen:

  • Infektionen können bei offenen Frakturen ein großes Problem darstellen. Wenn Bakterien in die Wunde und in den Knochen gelangen, können sich schwerwiegende und schwer behandelbare Infektionen entwickeln. Die Infektion kann sich über die Blutbahn ausbreiten und durch die Besiedelung des Blutes mit Bakterien zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Ein solcher Zustand kann lebensbedrohlich sein.
  • Blutung. Auch bei geschlossenen Frakturen ist mit einer starken Blutung zu rechnen. Knochen bestehen nicht aus toter Materie, sondern sind reichlich mit Blutgefäßen durchzogen. Bei einer offenen Fraktur kann es daher zu einem erheblichen Blutverlust kommen. Eine Blutung aus einer geschlossenen Fraktur ist in der Regel begrenzt. Ausnahmen sind Becken- und Oberschenkelfrakturen, bei denen die Blutung im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Solche Blutungen sind dann meist die Folge von einer zusätzlichen Verletzung von großen Arterien, die nahe am Knochen verlaufen und durch die Verletzung ebenfalls geschädigt wurden.
  • Nervenschädigung. Im Zusammenhang mit Frakturen können Nerven rund um die Verletzung verschiedenen Belastungen ausgesetzt sein. Am häufigsten wird eine Reizung oder Schädigung der Nerven aufgrund der Fehlstellung oder Schwellung im Bereich der Fraktur beobachtet. Dies kann sich durch Kribbeln, Empfindungsverlust und/oder herabgesetzte Kraft im Versorgungsgebiet des Nervs äußern. Gelegentlich können Nerven durch spitze Knochenkanten durchtrennt werden. In einem solchen Fall werden die Ärzte versuchen, die Nervenenden in einem chirurgischen Eingriff wieder zusammen zu nähen.
  • Muskelschäden. Manchmal kommt es zu einer Fraktur in einem geschlossenen Bereich, wie beispielsweise im Oberschenkel, wo der Knochen von Muskelgruppen umgeben ist. Diese sind durch eine Bindegewebshaut gegenüber dem umgebenden Gewebe abgetrennt. Im Fall von Blutungen und Schwellungen innerhalb dieser Bindegewebshaut kann der Druck so stark ansteigen, dass die Blutgefäße, die die Muskulatur versorgen, abgeklemmt werden, sodass die Gefahr eines Absterbens von Muskelgewebe besteht (Kompartmentsyndrom).
  • Organschäden: Selten können Frakturen innere Organe schädigen, etwa eine gebrochene Rippe das Lungegewebe. Dies kann eine Notfalloperation erforderlich machen. Nach z. B. einem schweren Autounfall sind allerdings oft sowohl Knochen als auch innere Organe unabhängig voneinander verletzt. 

Therapie

Stoppen Sie eine eventuelle Blutung. Üben Sie mit einem sterilen Verbandspäckchen, einem sauberen Tuch oder einem Kleidungsstück Druck direkt auf die Wunde aus. Halten Sie den Druck aufrecht, bis die Blutung gestillt ist. Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Verdacht auf eine Fraktur:

  1. Ruhigstellung des verletzten Körperteils.
  2. Lagern Sie das verletzte Körperteil nach Möglichkeit hoch, legen Sie einen Druckverband an und sorgen Sie für eine Kühlung des Bereichs.
  3. Sprechen Sie mit dem Betroffenen und beruhigen ihn. Bleiben Sie dabei, bis ein Arzt bzw. Rettungssanitäter zu Hilfe kommt.

Aufgrund der Schmerzen und der Funktionsbeeinträchtigung suchen die meisten Betroffenen ärztlichen Rat. Um eine Fraktur mit Sicherheit nachzuweisen und um eine gute Behandlung zu gewährleisten, werden stets Röntgenaufnahmen von dem verletzten Bereich gemacht. Ist die Fraktur auf dem Röntgenbild nicht genau genug zu erkennen, wird evtl. zusätzlich ein CT angefertigt. Auf einem MRT lassen sich zudem Schäden von Bändern und anderem Gewebe erkennen, falls dies erforderlich ist.

In den meisten Fällen besteht die Therapie darin, den Knochen soweit möglich in die Nomalstellung zurückzubringen und zu fixieren, um ein korrektes Zusammenwachsen zu gewährleisten. Auch muss für eine stabile Lage der Knochen gesorgt werden, damit die gebrochenen Knochenenden sich nicht bewegen und umgebendes Gewebe wie Blutgefäße und Nerven schädigen können. Dies ist einer der Gründe, warum Frakturen stets stabilisiert werden sollten. Das verletzte Körperteil sollte vorzugsweise provisorisch geschient werden, bevor die verletzte Person bewegt wird. Eine Hochlagerung des verletzten Körperteils kann darüber hinaus einer Schwellung und Blutung im Bereich der Fraktur entgegenwirken.

Die orthopädische bz.w chirurgische Behandlung richtet sich nach mehreren Faktoren. Zunächst wird die Schwere der Fraktur beurteilt, ob es sich um eine offene oder geschlossenen Fraktur handelt und welcher Knochen betroffen ist. Nachfolgend werden die häufigsten Behandlungsarten bei Frakturen aufgeführt:

  • Gips. Wenn die Fraktur eine günstige Position aufweist (keine oder minimale Fehlstellung), ist ein Gipsverband um das verletzte Körperteil meist ausreichend. Manchmal muss der Knochen vor dem Eingipsen gerichtet werden. Da im verletzten Bereich meist eine Schwellung besteht, wird gewöhnlich zunächst ein provisorischer Gips („Schiene“) gelegt, der an einer Seite offen ist. Ein Gipsverband, der die gesamte Fraktur umschließt, kann aufgrund der darunter entstehenden Enge zu einer Schädigung von Nerven und Blutgefäßen führen. Nach 5–10 Tagen wird in den meisten Fällen die Schiene entfernt und ein neuer, geschlossener Gipsverband angelegt.
  • Extension. Bei einigen Frakturen dauert es länger, sie in die richtige Position zu ziehen. Dies gilt insbesondere für Ober- und Unterschenkelfrakturen. Es sollte ein konstanter Zug angewendet werden, der in einigen Fällen relativ lange aufrecht erhalten werden muss. In diesen Fällen muss gegebenenfalls ein Nagel in den Knochen eingebracht werden, an dem Gewichte befestigt werden können. Anschließend wird mithilfe von Drähten, Platten und Gewichten ein dauerhafter Zug in die richtige Richtung gewährleistet. Ein solches Extensionsverfahren (vom lat. extendere: auseinanderziehen) muss häufig noch vor einer anderen Therapie (beispielsweise Gipsverband) erfolgen.
  • Operation. Einige Brüche müssen operiert werden. Chirurgen sorgen dafür, dass die Knochen in ihre anatomische Stellung verbracht werden und entfernen gegebenenfalls kleine Knochensplitter. In der Regel werden die Knochenteile mithilfe von Metallnägeln, Drähten, Schrauben und/oder Platten in der richtigen Position zusammengehalten. Je nach Lokalisation der Fraktur und auch Alter des Patienten ist es nicht erforderlich, die Schrauben nach Ausheilung der Fraktur wieder zu entfernen. Bei Kindern, die sich noch im Wachstum befinden, werden Nägel, Schrauben und Platten jedoch entfernt, um das weitere Wachstum nicht zu beeinträchtigen.

Warnungen

Bei Empfindungsverlust oder Blaufärbung von Fingern oder Zehen nach dem Anlegen eines Gipsverbandes müssen Sie ärztlichen Rat einholen. Möglicherweise ist der Gips zu eng. In diesem Fall muss ein neuer Gips angelegt werden um Folgeschäden zu vermeiden.

Die Haut unter dem Gips ist empfindlicher als sonst. Häufig kommt es unter dem Gipsverband zu Juckreiz. Da die Haut sehr empfindlich ist, sollte man aber zu heftiges Kratzen vermeiden und z. B. keine Stricknadel oder Ähnliches unter den Gips schieben.

Die Immobilisierung bewirkt, dass die Gelenke etwas steif werden und man an Muskelkraft einbüßt. Muskeltraining ist daher sowohl während der Behandlung (soweit möglich und erlaubt)  als auch nach Entfernung des Gipses wichtig. Fachärzte und Physiotherapeuten können Sie im Hinblick auf effektive Übungen beraten. 

Wie kann man Frakturen vorbeugen?

Zwei der wichtigsten Faktoren zum Erhalt gesunder Knochen sind:

  • Die ausreichende Zufuhr von Kalzium mit der Nahrung.
  • Ausreichende Aktivität und Belastung der Knochen.

Vor allem Frauen nach der Menopause nehmen häufig zu wenig Kalzium zu sich. Nach der Menopause produzieren Frauen weniger Östrogen, wodurch sich der Kalzium-Stoffwechsel im Körper verändert. Aus diesem Grund sollten Sie Ihre Knochen mit ausreichend Kalzium versorgen und bereits vor der Menopause regelmäßig Sport treiben.

Mit den Knochen ist es wie mit den Muskeln: Je mehr sie eingesetzt werden, desto stabiler und stärker werden sie! Zum Erhalt der Knochenstabilität müssen Sie deshalb aktiv bleiben (spazieren gehen, Rad fahren, laufen, allgemein in Bewegung bleiben).

Prognose

In der Regel dauert die Ausheilung einer Fraktur in der unteren Körperhälfte doppelt so lang (16 Wochen) wie in der oberen Körperhälfte (8 Wochen). Die meisten Schmerzen treten im Allgemeinen während der ersten 4 Wochen auf. Viele Betroffene sind (ja nach Art der Fraktur) erst nach einem halben Jahr wieder völlig schmerzfrei. Bei Kindern heilen Frakturen doppelt so schnell aus.

Die meisten Brüche wachsen gut zusammen und nach einer Weile ist die Funktionalität voll wiederhergestellt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich der Knochen im Bereich der Verletzung etwas dicker anfühlt. Dieses Gefühl geht mit der Zeit zurück. Einige wenige Frakturen können nicht in ihrer ursprünglichen Stellung wieder zusammengefügt werden. Dadurch kann es zu geringfügigen Fehlstellungen und einer leicht eingeschränkten Beweglichkeit kommen. Der Körper besitzt aber ein außerordentliches Vermögen, derartige Fehlstellungen zu kompensieren, sodass mit einer nur minimalen Funktionsherabsetzung zu rechnen ist.

Komplizierte Frakturen mit unter anderem Nerven- und Muskelbeteiligung können dauerhafte Spätfolgen in Form von Empfindungsstörungen sowie Funktions- und Bewegungseinschränkungen des verletzten Körperteils nach sich ziehen.

Kompressionsfrakturen der Wirbelkörper stabilisieren sich zwar oft wieder etwas, führen aber zu einer Verkürzung oder auch Verformung der Wirbelsäule und heilen aufgrund der sowieso vorhandenen Knochenschwäche oft nicht ganz aus. In manchen Fällen muss die Wirbelsäule an diesen Stellen mit Platten stabilisiert werden. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen