Steißbeinschmerzen

Steißbeinschmerzen treten meist als Folge eines Sturzes auf das Gesäß oder seltener auch bei Frauen nach einer Geburt auf; das Sitzen verursacht starke Schmerzen. Die Erkrankung heilt fast immer von selbst aus.

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Das Steißbein

Das Steißbein ist der untere Teil der Wirbelsäule. Bei der Entwicklung des Embryos werden drei bis fünf Steißbeinwirbel angelegt. Diese entwickeln sich nie zu normalen Wirbeln, sondern bleiben kleinere Knochenteile und verschmelzen meist im Jugend- oder Erwachsenenalter zu einem dreieckigen Knochen, dem Steißbein (Os coccygis). In der Umgebung befinden sich verschiedene Bänder und Muskeln zur Stabilisierung.

Ursachen

Meist kommt es zu Schmerzen am Steißbein, weil der Betroffene nach hinten gefallen oder ausgerutscht ist und sich im Bereich des Steißbeins abgefangen hat. Folgen sind Prellungen oder ein Bruch. Das Steißbein kann auch in seiner Position deutlich verschoben sein. Frauen leiden etwa 5-mal häufiger als Männer an Beschwerden in diesem Bereich. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wegen des unterschiedlichen Aufbaus des Beckens das Steißbein bei Frauen etwas mehr hervortritt als bei Männern und daher verletzungsanfälliger ist. Auch komplizierte vaginale Geburten können Steißbeinschmerzen zur Folge haben. Zusätzlich kann es aber auch eine ganze Reihe anderer Ursachen geben: entzündliche oder degenerative Veränderungen an Steißbein oder der unteren Wirbelsäule oder der Bandscheiben oder auch Erkrankungen des Darms oder anderer Organe in der Umgebung des Steißbeins. Bei einigen Menschen besteht eine ungünstige Position zwischen Steißbein und angrenzenden Wirbelkörpern, was im Laufe des Lebens zu Schmerzen führt. Es können sich auch angrenzende Knochen gegeneinander verschoben haben (Luxation). Manchmal lässt sich für die Beschwerden aber keine Ursache finden (sogenannte idiopathische Schmerzen).

Diagnose

Bei Steißbeinschmerzen wird der Arzt nach einem eventuellen Sturz oder einer anderen Verletzung fragen. Die Schmerzen treten beim Vorbeugen oder auch beim Gehen, Radfahren oder während des Stuhlgangs auf. Meist kann der Patient kaum oder gar nicht richtig sitzen. Bei der Untersuchung durch den Arzt lässt sich der Schmerz durch Druck von außen auf das Steißbein auslösen. Der Arzt wird meist auch mit einem Finger vom Enddarm aus das Steißbein von innen abtasten, um zusätzlich auch andere mögliche Ursachen (z.B. eine Gewebeinfektion, einen Tumor) diagnostizieren oder ausschließen zu können.

Eine Röntgenuntersuchung wird bei Verdacht auf einen Bruch des Steißbeins oder anderer Knochen im Bereich des Beckens empfohlen, manchmal auch ein CT oder MRT. Manchmal ist das Röntgenbild trotz starker Schmerzen aber unauffällig und scheint nicht zu den Beschwerden zu passen. Bringt aber die Injektion von Kortison oder einem Mittel zur örtlichen Betäubung in diesen Bereich deutliche Besserung, ist dies ein deutlicher Hinweis auf eine Steißbeinverletzung als Ursache für die Beschwerden.

Therapie

In den allermeisten Fällen gehen die Schmerzen innerhalb weniger Wochen von selbst zurück. Es gibt verschiedene Methoden, die Schmerzen zu lindern: Patienten können Schmerzmittel als Tablette einnehmen, der Arzt kann auch gezielt Kortison oder Mittel zur örtlichen Betäubung in den schmerzhaften Bereich spritzen. Geeignete Sitzringe oder Ähnliches entlasten das Steißbein, sodass man zumindest zeitweise sitzen kann. Warme Bäder können ebenfalls hilfreich sein. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, sind Massagen, Krankengymnastik oder auch spezielle andere Schmerztherapien möglich. 

Darüber hinaus muss man geduldig sein, die Beschwerden können sich schon nach ein oder zwei Wochen deutlich bessern; in einigen Fällen bestehen die Schmerzen allerdings über Wochen und Monate.

Selten führt die akute Erkrankung zu chronischen Steißbeinschmerzen. Bessern sich die Schmerzen trotz Therapie innerhalb von 6 Monaten nicht, kann dann eine Operation in Betracht gezogen werden, um das beschädigte Steißbein zu entfernen. Dies ist jedoch keine leichte und einfache Operation und gilt daher als letzte Option. Um festzustellen, ob die Schmerzen tatsächlich vom Steißbein ausgehen, ist zuvor eine gründliche Untersuchung unabdingbar; es ist außerdem wichtig, über mögliche Komplikationen der Operation umfassend aufzuklären.

Prognose

Die Erkrankung kann sehr schmerzhaft sein, aber in fast allen Fällen ist die Prognose gut, d.h. die Beschwerden gehen innerhalb einiger Wochen oder Monate vollständig zurück. Auch nach einer Operation können Schmerzen jedoch noch längere Zeit bestehen bleiben.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Das Steißbein ist das untere Ende der Wirbelsäule.
Das Steißbein ist das untere Ende der Wirbelsäule.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Steißbeinschmerzen (Kokzygodynie). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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