Skoliose (Seitabweichung der Wirbelsäule)

Skoliose ist definiert als eine seitliche Drehverbiegung der Wirbelsäule. Etwa 3–5 von 1.000 Kindern bzw. Jugendlichen haben eine Skoliose. Nicht alle Skoliosen sind behandlungsbedürftig.

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Was ist eine Skoliose?

Eine strukturelle Skoliose bezeichnet eine Seitabweichung der Wirbelsäule, die durch eine veränderte Form bzw. Ausrichtung der Wirbelkörper entsteht. Dadurch biegt sich die Wirbelsäule zur Seite, bei der häufigsten Form der Skoliose im Bereich der Brustwirbelsäule meist nach rechts. Von hinten gesehen kann der Rücken eine S-Form oder C-Form aufweisen. Da die Rippen mit den Wirbelkörpern verbunden sind, treten sie beim Vornüberbeugen aufgrund der Drehung der Wirbelkörper auf einer Seite als sogenannter Rippenbuckel in Erscheinung. Im Lendenbereich kann beim Nach-vorne-Beugen ein Lendenwulst erkennbar sein.

Skoliosen, für die man keine Ursache feststellen kann (idiopathisch), werden je nach Alter ihres Auftretens unterteilt und fallen meist während eines Wachstumsschubs im 10.–12. Lebensjahr auf. Die idiopathische Skoliose die häufigste Form der Skoliosen. Etwa 3–5 von 1.000 Kindern bzw. Jugendlichen haben eine idiopathische Skoliose. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen.

In manchen Fällen treten Skoliosen auch sekundär, d. h. als Folge einer anderen Erkrankung auf, z. B. durch angeborene oder erworbene Skeletterkrankungen, Nervenschäden, Muskelerkrankungen oder nach Operationen im Brustkorbbereich.

Skoliosen können allerdings auch ohne strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule auftreten, z. B. im Rahmen von einer veränderten Körperhaltung durch Schmerzzustände oder durch einen Beckenschiefstand. Man spricht dann von einer funktionellen Skoliose, die meist durch Haltungsveränderungen rückgängig zu machen ist (reversibel).

Viele Skoliosen machen zunächst keine oder nur geringe Beschwerden und werden häufig zufällig entdeckt. Eine starke Seitabweichung der Wirbelsäule kann allerdings auch zu Problemen führen, z. B. zu Schmerzen und zu Einschränkungen der Atmung sowie des Kreislaufs. Auch soziale bzw. psychische Probleme sind möglich, z. B. Mobbing oder Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche.

Ursachen der idiopathischen Skoliose

Die zugrunde liegende Ursache der idiopathischen Skoliose ist unbekannt. Es besteht allerdings eine genetische Komponente. Außerdem werden muskuläre, hormonelle oder nervliche Störungen als Auslöser vermutet. Man geht davon aus, dass es zu einem ungleichmäßigen Wachstum der Wirbelkörper kommt, wodurch sich die Wirbelkörper drehen. Eine stark unterschiedliche Beinlänge kann ursächlich für eine Skoliose sein. Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass Fehlhaltungen oder stark einseitige sportliche Aktivitäten eine Skoliose begünstigen.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

Die Entwicklung einer Skoliose geschieht meist über einen längeren Zeitraum und ist in der Regel zunächst schmerzlos. Dennoch sollte die Abklärung bei einem Verdacht auf eine Skoliose möglichst rasch erfolgen. Eine Früherkennung ist wichtig, um eine Zunahme der Skoliose und mögliche Komplikationen zu verhindern.

Diagnostik

Die Diagnose wird in der Regel in Zusammenschau der möglicherweise vorhandenen Beschwerden, der ärztlichen Untersuchung und der Röntgenaufnahme der Wirbelsäule gestellt. Die Skoliose kann z. B. im Rahmen einer U-Untersuchung auffällig werden.

In der körperlichen Untersuchung wird zunächst der Rücken und das Becken betrachtet und u. a. darauf geachtet, ob eine Beinlängendifferenz besteht. Im Stehen kann ggf. eine S-Form oder C-Form der Wirbelsäule beobachtet werden. Möglicherweise sind auch die Schulterblätter unterschiedlich hoch. Anschließend wird die Wirbelsäule im vornübergebeugtem Zustand beurteilt. Dabei können die Rippen sowie der Lendenbereich deutlich hervortreten. Daneben erfolgt meist eine allgemeine körperliche sowie eine neurologische Untersuchung. Um das Ausmaß der Skoliose besser beurteilen zu können, wird mittels Röntgenaufnahmen u. a. der sogenannte Cobb-Winkel bestimmt. Dieser gibt an, wie stark die Seitabweichung der Wirbelsäule ist. Die Röntgenaufnahme hat zudem den Vorteil, dass die Wirbelsäule auf Fehlbildungen untersucht werden kann. Ggf. werden weitere Untersuchungen angeschlossen, z. B. eine MRT.

Therapie

Die Behandlung der Skoliose ist u. a. abhängig vom Ausmaß der Skoliose (Cobb-Winkel), dem Alter sowie dem Wachstumspotenzial und eventuellen Risikofaktoren.

Das Ziel der Therapie ist es, eine Zunahme der Skoliose sowie Komplikationen zu verhindern und die Beweglichkeit zu erhalten. Eine Früherkennung ist deshalb wichtig. Bei einer geringen Seitabweichung ist in der Regel zunächst eine Physiotherapie sowie eine regelmäßige Kontrolle ausreichend.

Neben physiotherapeutischen Maßnahmen kann es in manchen Fällen sinnvoll sein, eine Korsettbehandlung durchzuführen. Das Korsett sollte möglichst 23 Stunden pro Tag getragen werden. Die Skoliose wird im Verlauf regelmäßig kontrolliert und das Korsett ggf. angepasst.

In manchen Fällen, vor allem bei einem großen Cobb-Winkel, wird eine operative Therapie empfohlen. Es existieren mehrere operative Techniken. Diese werden ständig weiterentwickelt, um die Beweglichkeit sowie ein normales Wachstum zu ermöglichen.

Betroffene Kinder sollten an körperlichen Aktivitäten mit Gleichaltrigen teilnehmen und keine schweren Rucksäcke tragen. Es ist allerdings nicht möglich, den spontanen Verlauf der idiopathischen Skoliose mit körperlichem Training zu beeinflussen.

Verlauf und Prognose

Je nach Ursache und Ausmaß der Skoliose ist der Verlauf unterschiedlich und kann von einem spontanen Rückgang bis hin zu einer schweren Zunahme reichen, die einer operativen Therapie bedarf. Die Zunahme der Skoliose wird meist mit dem abgeschlossenen Wachstum geringer.

Die Prognose ist eher abhängig von einem frühen oder späten Beginn als von der Form (idiopathisch vs. sekundär). Frühzeitig einsetzende Skoliosen nehmen oftmals schnell in ihrer Schwere zu und können eher Komplikationen (z. B. eingeschränkte Atmung) verursachen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Illustrationen

Skoliose
Skoliose
 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Skoliose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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