Operative Therapie des Hallux valgus

Bei einem Hallux valgus stehen verschiedene Operationsmethoden zur Wahl. Der Eingriff wird ambulant vorgenommen, nach wenigen Stunden kann man wieder nach Hause fahren. Bis die Knochen wieder ganz verheilt sind, muss der Fuß jedoch eine Zeit lang geschont werden.

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Hallux valgus bezeichnet einen Schiefstand der Großzehe (Hallux), bei dem er sich in Richtung des kleinen Zehs (valgus) dreht. Das Grundgelenk des großen Zehs zusätzlich in Richtung des anderen Fußes nach innen verschoben. Typische Befunde sind ein schiefer großer Zeh und Schmerzempfinden über dessen Grundgelenk. Das Gelenk schwillt an, tritt an der Innenseite des Fußes deutlich hervor und wird schmerzhaft und empfindlich. Wegen der Veränderungen des Fußes ist es oft schwierig, passende Schuhe zu finden.

Eine Operation ist angezeigt, wenn:

  • man in seinen täglichen Aktivitäten durch starke Fußschmerzen behindert wird, was die Gehfähigkeit und Benutzung geeigneter Schuhe einschließt,
  • eine chronische Entzündung des Grundgelenks besteht und die Schwellung im Gelenk in Ruhe oder unter Anwendung von Medikamenten nicht besser wird,
  • der Zeh stark deformiert ist, der große Zeh sich zunehmend in Richtung kleiner Zeh abwinkelt,
  • Steifigkeit des Zehs besteht, der Zeh weder gebeugt noch gestreckt werden kann,
  • Medikamente keine Schmerzlinderung verschaffen,
  • andere Behandlungsmaßnamen erfolglos bleiben.

Vorbereitungen

Spezielle Vorbereitungen auf die Operation gibt es nicht. Die Operation erfolgt ambulant. Der Eingriff dauert ca. eine Stunde, anschließend bleibt man noch einige Stunden unter Beobachtung, bevor man nach Hause gehen darf.

Operative Therapie

Hallux valgus

Verschiedene Operationsmethoden kommen zur Anwendung, wobei keine deutlich besser ist als die jeweils anderen. Die häufigste Methode besteht darin, den Mittelfußknochen des großen Zehs gezielt zu durchtrennen und so zu verschieben, dass der Schiefstand korrigiert wird. Dabei bricht der Chirurg sozusagen den Knochen, und dieser Bruch muss anschließend heilen. Der Fuß sollte für 6–8 Wochen in Gips gehalten werden oder es sollte eine Orthese beziehungsweise ein Spezialschuh getragen werden. Kontrollen werden vor Ort nach der Operation vereinbart. Bei der Kontrolle wird der Gips entfernt, und die Fäden in der Haut werden gezogen.

Andere operative Ansätze:

  • Eine Reparatur der Sehnen und Bänder um den großen Zeh Diese Gewebe sind auf der einen Seite womöglich zu straff und auf der anderen zu locker, was für ein Ungleichgewicht sorgt, das den großen Zeh immer schiefer stehen lässt. Der Eingriff wird oft mit der Osteotomie kombiniert, wobei ein Knochenkeil entfernt wird, um die Zehenstellung zu korrigieren. Die zu straffen Sehnen und Bänder werden verlängert, während die zu lockeren entsprechend verkürzt werden.
  • Arthrodese Hierbei handelt es sich um eine Entfernung der geschädigten Gelenkflächen, gefolgt von einer Versteifung Gelenks mittels Schrauben oder Platten, die die beiden Knochenenden in Position halten, bis sie zusammengewachsen sind. Diese Methode stellt normalerweise das „letzte Mittel der Wahl“ dar.
  • Exostosektomie Hier wird der knöcherne Auswuchs am Zehengrundgelenk entfernt. Dieser Eingriff wird nur selten allein vorgenommen, weil er nicht die Ursache der Beschwerden behebt, sondern meist in Kombination mit einer der anderen Methoden.
  • Resektionsarthroplastik Hierbei entfernt man den zerstörten Teil des Gelenks. Diese Methode wird vor allem bei älteren Patienten vorgenommen, die zuvor schon operiert wurden oder eine ausgeprägte Gelenkentzündung (Arthritis) haben.
  • Osteotomie Entfernung eines Knochenkeils, um die Zehenstellung zu korrigieren.

Der Eingriff wird in der Regel unter Lokal- oder Regionalanästhesie durchgeführt – ohne Vollnarkose.

Bei weniger als 10 % der Patienten kommt es durch den Eingriff zu Komplikationen. Mögliche Komplikationen sind Infektionen, ein Wiederauftreten des Hallux valgus, Nervenschädigungen oder anhaltende Schmerzen. Die Komplikationen sind mit unterschiedlichem Erfolg behandelbar.

Nach der Operation

Wenn Sie einen Gips/eine Orthese/spezielle Schuhe tragen, können Sie meist sofort wieder zu Fuß gehen. Falls man nicht voll belasten darf, wird man darüber unterrichtet. Ansonsten darf man sich so viel bewegen, wie man hinsichtlich der Schmerzen kann. In der ersten Zeit nach der Operation könnte der Fuß schmerzen – eine normale, durch die Schwellung hervorgerufene Reaktion. Zur Linderung dieser Beschwerden sollte das Bein im Sitzen hoch auf einem Stuhl gelagert werden – dadurch geht die Schwellung zurück.

Während des Duschens sollte man vermeiden, dass der Gipsverband nass wird. Man kann den Fuß zum Beispiel in eine wasserdichte Plastiktüte einpacken und gut mit Klebeband verschließen. Um trotz Gips auftreten zu können, sind Sohlen für den Gips oder auch Spezialschuhe erhältlich. Manchmal lässt sich auch ein alter Schuh entsprechend zuschneiden. Für eine gewisse Zeit sind Gehhilfen nützlich.

In den ersten Tagen nach der Operation können Schmerzen im Bein auftreten. Entweder kann man rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel verwenden oder man bekommt ein Rezept für etwas stärkere Schmerzmittel.

Wie erfolgreich die Operation wird, hängt auch davon ab, wie gut man die folgenden Ratschläge befolgt:

  • Verwenden Sie die Orthese/die Spezialschuhe (oder den Gips) konsequent für 6–8 Wochen. Um ein Wiederauftreten des Hallux valgus zu vermeiden, ist diese Verhaltensregel entscheidend.
  • Die ersten paar Tage nach der Operation sollten Gehhilfen, ein Stock oder ein Gehgestell benutzt werden. Die Belastung auf den Fuß kann mit zunehmender Heilung des Fußes allmählich gesteigert werden. In den ersten Wochen sollten nur kurze Strecken zu Fuß zurückgelegt werden. Solange eine Orthese nötig ist, sollte man nicht Auto fahren.
  • Während der ersten Tage nach der Operation sollte man den Fuß möglichst hochlegen und eventuell kühlen, wenn er geschwollen ist und schmerzt. Die Schwellung des Fußes wird für etwa 6 Monate bestehen bleiben. Nachdem der Gips/die Orthese/der Spezialschuh entfernt wurde, sollte man die nächsten Monate nur Turnschuhe/Sportschuhe/weiche Schuhe tragen, bis die Heilung vollständig abgeschlossen ist. Auch anschließend sollte man grundsätzlich entsprechend geeignete Schuhe wählen. Modische Schuhe oder Schuhe mit hohen Absätzen sollten frühestens nach 6 Monaten getragen werden – und dann auch nur für kurze Zeit.
  • Übungen zur Stärkung und Wiedererlangung der Beweglichkeit des Fußes sind sehr sinnvoll. Es sollte behutsam begonnen werden, die Belastung kann allmählich erhöht werden, wenn die Übungen keine Beschwerden verursachen.

Folgendes sollte beachtet werden:

  • Nehmen die Schmerzen 5–7 Tage nach der Operation zu, sollte das ärztliche Personal konsultiert werden. Es kann zu einer Entzündung der Operationswunde kommen.
  • Wird der Gipsverband in den ersten Tagen sehr blutig, sollte man sich an die chirurgische Ambulanz wenden.
  • Schwellen die Zehen an, werden sie blau oder taub, sind das Anzeichen dafür, dass der Gipsverband zu eng ist. In diesem Fall sollte Rücksprache mit dem Hausarzt oder der chirurgischen Ambulanz gehalten werden.
  • Eine Krankschreibung hängt von der Art der beruflichen Tätigkeit ab und variiert zwischen 3 und 8 Wochen.

Die Operationsergebnisse

Die meisten Betroffenen haben nach dem Eingriff deutlich weniger Schmerzen, zudem bleibt die Großzehe nun deutlich gerader ausgerichtet. Dennoch kann es bis zu 6 Monate dauern, bevor der Fuß wieder seine normale Funktion erlangt. Einige Betroffene erleben nach einer gewissen Zeit einen Rückfall mit erneuter Fehlstellung des Fußes und neuen Beschwerden. Sollte der Knorpel des großen Zehs zerstört sein, muss das Gelenk versteift werden (primäre Arthrodese).

Die Operation ermöglicht es hingegen nicht, eine kleinere Schuhgröße oder spitze Schuhe zu tragen. Man sollte sich auf jeden Fall darauf einstellen, auch anschließend meist geeignetes Schuhwerk zu tragen. Die Hinweise in den Bemerkungen über den Hallux valgus zur Anprobe neuer Schuhe sollten beachtet werden. Werden wieder spitze, enge Schuhe getragen, tritt die Erkrankung eher wieder erneut auf.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Hallux valgus am rechten Fuß, am linken Fuß nach der Operation.
Hallux valgus am rechten Fuß, am linken Fuß nach der Operation.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hallux valgus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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