Operative Therapie des Hallux valgus

Bei einem Hallux valgus stehen verschiedene Operationsmethoden zur Wahl. Der Eingriff wird in der Regel ambulant vorgenommen, nach wenigen Stunden kann man wieder nach Hause fahren. Bis die Knochen wieder ganz verheilt sind, muss der Fuß jedoch eine Zeit lang geschont werden.

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Hallux valgus bezeichnet einen Schiefstand der Großzehe (Hallux), bei dem er sich in Richtung des kleinen Zehs dreht und verschiebt. Das Grundgelenk des großen Zehs ist zusätzlich in Richtung des anderen Fußes nach innen verschoben. Typische Befunde sind ein schiefer großer Zeh und Schmerzempfinden über dessen Grundgelenk. Das Gelenk schwillt oft an, tritt an der Innenseite des Fußes deutlich hervor und wird schmerzhaft und empfindlich. Wegen der Veränderungen des Fußes ist es oft schwierig, passende Schuhe zu finden.

Der Verlauf der Krankheit ist sehr verschieden: Manche Patienten erleben trotz deutlicher Schiefstellung keine oder kaum Beschwerden, bei anderen lassen sich die Schmerzen sehr gut durch geeignete Schuhe und orthopädische Einlagen lindern. Oft helfen auch Hochlagern, Kühlen und Schmerzmittel in den schmerzhaften Phasen. Reicht diese Therapie aus, wird in der Regel nicht zu einer Operation geraten.

Eine Operation ist aber angezeigt, wenn

  • die Betroffenen in ihren täglichen Aktivitäten durch starke Fußschmerzen behindert werden, was die Gehfähigkeit und Benutzung geeigneter Schuhe einschließt.
  • eine chronische Entzündung des Grundgelenks besteht und die Schwellung im Gelenk in Ruhe oder unter Anwendung von Medikamenten nicht besser wird.
  • der Zeh stark deformiert ist, der große Zeh sich zunehmend in Richtung kleiner Zeh abwinkelt und entsprechende Beschwerden bestehen.
  • Steifigkeit des Zehs besteht, der Zeh weder gebeugt noch gestreckt werden kann.
  • Medikamente keine Schmerzlinderung verschaffen.
  • andere Behandlungsmaßnamen erfolglos bleiben.

Vorbereitungen

Spezielle Vorbereitungen auf die Operation gibt es nicht. Die Operation erfolgt in der Regel ambulant. Der Eingriff dauert ca. eine Stunde, anschließend bleiben die Patienten noch einige Stunden unter Beobachtung, bevor sie nach Hause gehen dürfen.

Operative Therapie

Hallux valgus

Sehr viele verschiedene Operationsmethoden kommen zur Anwendung, wobei keine deutlich besser ist als die jeweils anderen. Die Wahl der Methode hängt daher auch sehr von der Erfahrung der Chirurgin/des Chirurgen ab. Die häufigste Methode besteht darin, den Mittelfußknochen des großen Zehs gezielt zu durchtrennen und so zu verschieben, dass der Schiefstand korrigiert wird. Dabei werden sozusagen die Knochen gebrochen, und dieser Bruch muss anschließend heilen. Der Fuß sollte für 6–8 Wochen in Gips gehalten werden, oder es sollte eine Orthese bzw. ein Spezialschuh getragen werden. Kontrollen werden vor Ort nach der Operation vereinbart. Bei der Kontrolle wird der Gips entfernt, und die Fäden in der Haut werden gezogen.

Überblick über operative Ansätze:

  • Eine Reparatur der Sehnen und Bänder um den großen Zeh: Diese Gewebe sind auf der einen Seite womöglich zu straff und auf der anderen zu locker, was für ein Ungleichgewicht sorgt, das den großen Zeh immer schiefer stehen lässt. Der Eingriff wird oft mit der Osteotomie kombiniert, wobei ein Knochenkeil entfernt wird, um die Zehenstellung zu korrigieren. Die zu straffen Sehnen und Bänder werden verlängert, während die zu lockeren entsprechend verkürzt werden.
  • Arthrodese: Hierbei handelt es sich um eine Entfernung der geschädigten Gelenkflächen, gefolgt von einer Versteifung des Gelenks mittels Schrauben oder Platten, die die beiden Knochenenden in Position halten, bis sie zusammengewachsen sind. Diese Methode stellt normalerweise das „letzte Mittel der Wahl“ dar.
  • Exostosektomie: Hier wird der knöcherne Auswuchs am Zehengrundgelenk entfernt. Dieser Eingriff wird nur selten allein vorgenommen, weil er nicht die Ursache der Beschwerden behebt, sondern meist in Kombination mit einer der anderen Methoden.
  • Resektionsarthroplastik: Hierbei wird der zerstörte Teil des Gelenks entfernt. Diese Methode wird vor allem bei älteren Patienten vorgenommen, die zuvor schon operiert wurden oder eine ausgeprägte Gelenkentzündung (Arthritis) haben.
  • Osteotomie: Entfernung eines Knochenkeils, um die Zehenstellung zu korrigieren.

Der Eingriff wird in der Regel unter Lokal- oder Regionalanästhesie durchgeführt – ohne Vollnarkose.

Bei weniger als 10 % der Patienten kommt es im Durchschnitt durch den Eingriff zu Komplikationen. Mögliche Komplikationen sind Infektionen, ein Wiederauftreten des Hallux valgus, Nerven-/Gefäßschädigungen, Schäden am Gelenk, eine Thrombose oder weiterhin anhaltende Schmerzen. Die Komplikationen sind mit unterschiedlichem Erfolg behandelbar.

Nach der Operation

Wenn Sie einen Gips, eine Orthese oder spezielle Schuhe tragen, können Sie meist sofort wieder zu Fuß gehen. Falls Sie den Fuß nicht voll belasten dürfen, werden Sie darüber informiert. Ansonsten dürfen Sie sich so viel bewegen, wie Sie hinsichtlich der Schmerzen können. In der ersten Zeit nach der Operation könnte der Fuß schmerzen – eine normale, durch die Schwellung hervorgerufene Reaktion. Zur Linderung dieser Beschwerden sollte das Bein im Sitzen hoch auf einem Stuhl gelagert werden – dadurch geht die Schwellung zurück.

Während des Duschens sollten Sie vermeiden, dass der Gipsverband nass wird. Sie können den Fuß zum Beispiel in eine wasserdichte Plastiktüte einpacken und gut mit Klebeband verschließen. Um trotz Gips auftreten zu können, sind Sohlen für den Gips oder auch Spezialschuhe erhältlich. Manchmal lässt sich auch ein alter Schuh entsprechend zuschneiden. Für eine gewisse Zeit sind Gehhilfen nützlich.

In den ersten Tagen nach der Operation können Schmerzen im Bein auftreten. Sie können entweder rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel verwenden, oder Sie erhalten ein Rezept für etwas stärkere Schmerzmittel. Möglicherweise ist eine Thromboseprophylaxe erforderlich. 

Wie erfolgreich die Operation wird, hängt auch davon ab, wie gut Sie die folgenden Ratschläge befolgen:

  • Verwenden Sie die Orthese/die Spezialschuhe (oder den Gips) konsequent für 6–8 Wochen. Um ein Wiederauftreten des Hallux valgus zu vermeiden, ist diese Verhaltensregel entscheidend.
  • Die ersten paar Tage nach der Operation sollten Gehhilfen, ein Stock oder ein Rollator benutzt werden. Die Belastung auf den Fuß kann mit zunehmender Heilung des Fußes allmählich gesteigert werden. In den ersten Wochen sollten nur kurze Strecken zu Fuß zurückgelegt werden. Solange eine Orthese nötig ist, sollten Sie nicht Auto fahren.
  • Während der ersten Tage nach der Operation sollten Sie den Fuß möglichst hochlegen und eventuell kühlen, wenn er geschwollen ist und schmerzt. Die Schwellung des Fußes kann etwa 6 Monate lang bestehen bleiben. Nachdem der Gips/die Orthese/der Spezialschuh entfernt wurde, sollten Sie die nächsten Monate nur Turnschuhe/Sportschuhe/weiche Schuhe tragen, bis die Heilung vollständig abgeschlossen ist. Auch anschließend sollten Sie grundsätzlich entsprechend geeignete und bequeme Schuhe wählen. Modische Schuhe oder Schuhe mit hohen Absätzen sollten frühestens nach 6 Monaten getragen werden – und dann auch nur für kurze Zeit.
  • Übungen zur Stärkung und Wiedererlangung der Beweglichkeit des Fußes sind sehr sinnvoll. Beginnen Sie behutsam, die Belastung kann allmählich erhöht werden, wenn die Übungen keine Beschwerden mehr verursachen.
  • In den Wochen nach der Operation wird wahrscheinlich eine Kontrolle durch ein Röntgenbild erfolgen, um zu beurteilen, wie gut der Knochen bzw. das Gelenk verheilt sind.

Beachten Sie Folgendes

  • Nehmen die Schmerzen 5–7 Tage nach der Operation zu, sollte das ärztliche Personal konsultiert werden. Es kann zu einer Entzündung der Operationswunde kommen.
  • Wird der Gipsverband in den ersten Tagen blutig, sollten Sie sich an die chirurgische Ambulanz wenden.
  • Schwellen die Zehen an, werden sie blau oder taub, sind das Anzeichen dafür, dass der Gipsverband zu eng ist. In diesem Fall sollten Sie sofort Rücksprache mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt oder der chirurgischen Ambulanz halten.
  • Eine Krankschreibung hängt von der Art der beruflichen Tätigkeit ab und variiert zwischen 3 und 8 Wochen.

Die Operationsergebnisse

Die meisten Betroffenen haben nach dem Eingriff deutlich weniger Schmerzen, zudem bleibt die Großzehe nun deutlich gerader ausgerichtet. Dennoch kann es bis zu 6 Monate dauern, bevor der Fuß wieder seine normale Funktion erlangt. Einige Betroffene erleben nach einer gewissen Zeit einen Rückfall mit erneuter Fehlstellung des Fußes und neuen Beschwerden. Sollte der Knorpel des großen Zehs zerstört sein, muss das Gelenk versteift werden (primäre Arthrodese).

Die Operation ermöglicht es hingegen nicht, eine kleinere Schuhgröße oder spitze Schuhe zu tragen. Stellen Sie sich auf jeden Fall darauf ein, auch anschließend geeignete und bequeme Schuhe zu tragen. Die Hinweise im Artikel Hallux valgus zur Anprobe neuer Schuhe sollten beachtet werden. Werden wieder spitze, enge Schuhe getragen, tritt die Erkrankung eher wieder erneut auf.

Weitere Informationen

Illustrationen

Hallux valgus am rechten Fuß, am linken Fuß nach der Operation.
Hallux valgus am rechten Fuß, am linken Fuß nach der Operation.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hallux valgus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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