Akute Knöchelverletzungen

Der häufigste Verletzungsmechanismus des Knöchels besteht darin, dass man falsch auftritt und der Fuß dabei nach innen knickt, was die Bänder des Gelenks am Außenknöchel stark dehnt und sie womöglich zum Reißen bringt.

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Was sind akute Knöchelverletzungen?

Akute Verletzungen der Bänder und Knochen des Sprunggelenks treten häufig auf. Knöchelverletzungen machen fast 10 % aller ambulant chirurgisch behandelter akuten Verletzungen aus.

Bänder an der Knöchelaußenseite

Bänderverletzungen im Sprunggelenk sind die häufigsten Sportverletzungen und machen 20 % aller Verletzungen im Sport aus. Bei einigen Sportarten wie Fußball (40 %), Basketball (40 %), Volleyball (50 %) und Handball (25 %) stellen Knöchelverletzungen einen noch höheren Anteil an den gesamten Verletzungen dar. Daraus folgt, dass Jugendliche und junge Erwachsene die Altersgruppen bilden, die am meisten für Knöchelverletzungen gefährdet sind.

Ursachen

Das Sprunggelenk besteht aus zwei Gelenken, die es ihm ermöglichen, sich sowohl zu beugen als auch zu drehen bzw. zu rotieren. Die Stabilität des Sprunggelenks wird durch Bänder am Innen- und Außenknöchel gewährleistet. An der Außenseite befinden sich drei voneinander unabhängige Bänder – ein vorderes, ein mittleres und ein hinteres Band. Auf der Innenseite bilden vier Bänder eine Einheit, die als ein Band begriffen werden. Die umgebende Muskulatur trägt zur Stabilität des Knöchels bei.

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Der häufigste Verletzungsmechanismus (Inversion) besteht darin, dass man schief auftritt und sich der Fuß dabei nach innen dreht, wodurch die Bänder am Außenknöchel erheblich gedehnt werden. Weit weniger oft geschieht das Gegenteil, nämlich dass sich der Fuß nach außen dreht und die Bänder am Innenknöchel gedehnt werden.

Das vordere Band der Knöchelaußenseite ist am anfälligsten für Verletzungen.

Diagnostik

Verletzungen an der Knöchelaußenseite

Über 85 % der Verletzungen geschehen durch eine Inversion (siehe oben) beim Aufkommen nach einem Sprung, beim Laufen oder bei Kehrtwenden. Normalerweise reißt das vordere Band als Erstes (50 % der Verletzungen bestehen in einem isolierten Riss dieses Bandes), gefolgt vom mittleren Band (ca. 20 %), und nur in seltenen Fällen (ca. 1 %) reißen alle Außenbänder. Derselbe Verletzungsmechanismus kann auch zum Knochenbruch im Sprunggelenk führen. Knochenbrüche kommen bei älteren Patienten häufiger vor, während Bänderverletzungen öfter bei jüngeren auftreten.

Weitere Verletzungen

Wird der Knöchel an der Beugung im Sprunggelenk gehindert (z. B. im Skistiefel), kann eine starke Außenrotation des Knöchels dazu führen, dass die beiden Wadenknochen (Wadenbein und Schienbein) auseinander gedrückt werden und die Bänder, die sie zusammenhalten, reißen. Verletzungen des Bandes am Innenknöchel sind relativ selten. Bisweilen kann es auch zu einer Verschiebung der Sehnen am Außenknöchel kommen.

In solchen Fällen spürt man, wie die Sehne bei einer Aufwärtsbeugung des Sprunggelenks hin zur Wade über die Außenseite des Knöchels rutscht.

Ärztliche Untersuchung

Vordringlich sollte festgestellt werden, ob eine Verletzung der Bänder am Außenknöchel oder ein Beinbruch vorliegt. Typische Befunde bei Knöchelverletzungen sind Schwellungen vor und unter dem Außenknöchel. Durch Tasten der vorliegenden Knochen- und Bänderstrukturen macht sich das ärztliche Personal ein Bild der Verletzung. Stresstests wie Beugen und Strecken des Sprunggelenks sind in der Akutphase von geringer Bedeutung.

Bei Bänderverletzungen sind die Bänder meist empfindlich, während der Knöchel selbst relativ unempfindlich ist. Bei einem Bruch ist der Knöchel meist ausgesprochen empfindlich. Oft liegt eine beachtliche Blutansammlung vor, was es erschweren kann, einen Bruch allein durch die ärztliche Untersuchung auszuschließen. In solchen Fällen ist eine Röntgenuntersuchung notwendig.

Dauert der Heilungsprozess mehrere Wochen, ist eine erneute ärztliche Untersuchung erforderlich. Dann führt das ärztliche Personal verschiedene Tests durch und erwägt die Notwendigkeit bildgebender Untersuchungen oder einer Überweisung an einen Spezialisten.

Weitere Untersuchungen

Röntgenaufnahmen werden durchgeführt, wenn ein Bruch nicht ausgeschlossen werden kann. Chronische Beschwerden können spezielle bildgebende Untersuchungen erfordern: eine CT, MRT oder Arthroskopie (Hineinschauen in das Gelenk mit einem entsprechenden Gerät).

Therapie

Akut

Sie ist unbedingt notwendig und soll die Blutung sowie Schwellung beschränken. So werden der Schaden und die Genesungszeit erheblich verkürzt. In den ersten 48 Stunden gilt das PECH-Prinzip (Pause, Eis (Kälte), Compression, Hochlegen). Dies umfasst

  • P: vollständige Entlastung des Knochens (Pause)
  • E: Kühlung des Knöchels mit Eis oder einer Kältepackung (Eis/Kälte)
  • C: Befestigung der Kältepackung mit einem elastischen Verband (Compression/Druckverband)
  • H: Lagerung des Beins über Herzhöhe (Hochlegen)

In der Akutphase sollte die Verwendung eines nicht-elastischen Verbands vermieden werden. Wird ein Bruch vermutet, sollte die PECH-Behandlung zu Hause fortgeführt werden. Gehhilfen sollten verwendet werden, und man sollte sich während der ersten zwei Tage nach der Verletzung ruhig verhalten und mit hochgelagertem Fuß sitzen. Sobald man wieder zu Hause ist, sollte wieder für 20 min jede 3.–4. Stunde innerhalb der ersten 48 Stunden gekühlt werden. Die Kältebehandlung sollte mittels Kältepackungen oder fließendem kalten Leitungswasser stattfinden.

Nach 48 Stunden bis zu ein paar Tagen

Die Blutung ins Gewebe ist gestillt. Das Ziel besteht jetzt darin, eine normale und schmerzfreie Beweglichkeit wiederzuerlangen und eine eventuelle Schwellung loszuwerden. Ein intensives Trainingsprogramm, am besten zweimal täglich, das mit leichten Dehnübungen beginnt (Beugung des Sprunggelenks nach oben und unten), ist günstig. Radfahren bildet eine gute Ausgangsübung – eine leichte Belastung. Bei Verwendung einer Klickpedale, die den Fuß auf der Pedale an Ort und Stelle hält, wird eine übermäßige Inanspruchnahme des Sprunggelenks vermieden. Solange eine Tendenz zur Schwellung besteht, sollte nach dem Training gekühlt und ein Druckverband verwendet werden. Eine Belastung ohne Gehhilfen ist erlaubt. Die Verwendung von Tape oder Orthesen (starre Stützvorrichtungen) kann während des Trainings sinnvoll sein.

Die Forschung hat erwiesen, dass ein frühzeitig aufgenommenes Bewegungstraining und Dehnungen die Heilung beschleunigen.

Nach einigen Tagen bis zu ein paar Wochen

Die beste Übung bildet das Training des Gleichgewichtssinns auf dem Balancebrett. Damit kann in der Regel 1–3 Wochen nach der Verletzung begonnen werden. Das Training sollte 10 min lang 5-mal pro Woche für die Dauer von 10 Wochen durchgeführt werden. Stehen Sie auf einem Bein auf dem Balancebrett, während das andere Bein angehoben ist und im Kniegelenk einen rechten Winkel beschreibt, während die Arme vor der Brust verschränkt werden. Zu Beginn kann die Übung schon ausreichend schwierig sein, wenn man auf dem Boden steht. Um den Schwierigkeitsgrad zu steigern, kann man die Augen schließen, während man auf dem Boden steht oder wahlweise barfuß auf einer Schaumstoffmatratze oder einer anderen instabilen Unterlage. Anschließend kann auf einem Balance- oder Wackelbrett trainiert werden. Hierbei kann die Übung leichter oder anspruchsvoller gemacht werden, indem eine weichere oder härtere Unterlage gewählt wird. Ansonsten ist in dieser Phase gehen und anschließend geradeaus joggen angezeigt. Allmählich können auch Richtungsänderungen vorgenommen und die jeweilige Sportart nachgeahmt werden. Tape oder Orthesen (starre Stützvorrichtungen) kommen in Risikosituationen zum Einsatz.

Rückkehr in den Wettbewerb

Eine gänzlich schmerzfreie Mobilität wird oft im Laufe weniger Wochen erreicht. Durch früh einsetzendes Training kann der Verlust von Muskelkraft wohl ganz vermieden werden. Es kann bis zu 10 Wochen dauern, bis der Gleichgewichtssinn vollständig wiedererlangt ist. In der Zwischenzeit kann man sich leichter neue Verletzungen zuziehen, weil man sich der Knöchelstellung weniger bewusst ist. Die Heilung der verletzten Bänder kann bis zu 6 Monate dauern. Die Gefahr abermaliger Verletzungen ist während der ersten 12 Monate signifikant. Orthesen oder Tape können in der gefährdeten Phase einen gewissen Schutz bieten.

Nicht-Sportler

Die Behandlungsprinzipien sind dieselben. Die PECH-Behandlung in der Akutphase und eine frühe Mobilisation mit einer Orthese ist die wahrscheinlich beste Behandlung.

Prophylaktische Behandlung

Tape oder Orthesen sollten 6–12 Monate nach der akuten Verletzung verwendet werden. Der Effekt entsteht wahrscheinlich durch Stimulation des Gleichgewichtssinns. Die rein mechanische Stützung ist wahrscheinlich weniger bedeutend.

Prognose

Viele Betroffene haben auch lange Zeit nach einer akuten Knöchelverletzung noch Beschwerden. Es können chronische Beschwerden mit Schmerzen, Steifigkeit und Schwellungen im Sprunggelenk vorkommen. Der Grund hierfür könnte ein Knorpelschaden sein, der am besten durch eine MRT nachgewiesen wird. Andere erfahren eine Instabilität des Gelenks, und selten ist eine Operation notwendig.

Weiterführende Informationen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sprunggelenksverletzung, akute. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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