Erworbene Plattfüße bei Erwachsenen

Kleinkinder haben meist Plattfüße, die sich aber mit der Zeit auswachsen. Einige Erwachsene, besonders Frauen, bekommen Plattfüße aber erst im Laufe ihres Lebens (erworben). Der Grund hierfür ist die Schwächung der Sehnen im Fuß. Dies kann chronische Schmerzen auf der Innenseite des Fußes nach sich ziehen und zu Beschwerden beim Gehen führen.

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Was sind Plattfüße bei Erwachsenen?

Normalerweise sind Plattfüße eine Erkrankung, die bei Kindern auftritt und die sich von selbst auswächst. Bei manchen Kindern bleibt der Plattfuß auch bestehen, aber auch Erwachsene können erst mit den Jahren Plattfüße bekommen. Typisch ist, dass der Fuß nach innen geknickt ist und die Fußsohle platt auf dem Boden ist, die normale Wölbung an der Fußinnenseite also fehlt (Knick-Senk-Fuß). In der Fachsprache wird diese Erkrankung als die Tibialis-posterior-Dysfunktion oder als Dysfunktion der hinteren Schienbeinsehne bezeichnet. Die häufigste Ursache eines Plattfußes ist nämlich die Dysfunktion dieser Sehne, die auf der Innenseite des Fußes vom Schienbein bis zum Innenknöchel verläuft. Es ist eine Form der chronischen Sehnenentzündung, in deren Folge es zu permanenten degenerativen Veränderungen der Sehne und Muskeln kommen kann.

Die Erkrankung tritt am häufigsten bei Frauen im Alter über 40 Jahren auf. Untersuchungen zufolge sind 10 % der älteren Frauen hiervon betroffen.

Ursache

Die Tibialis-posterior-Sehne spielt eine entscheidende Rolle dafür, dass die Innenseite des Fußes einen normalen gekrümmten Bogen hat. Dies wiederum ist wichtig, um normal gehen zu können. Wenn die Sehne geschwächt ist, werden auch die Bänder und die Gelenkkapsel des Knöchels geschwächt, der Fußbogen wird reduziert und es treten Plattfüße auf. Die eigentliche Ursache dieser Verschleißerkrankung ist nicht bekannt, möglicherweise hängt sie mit verschlechterter Blutversorgung, mechanischen Veränderungen oder Verletzungen zusammen.

Bei Erwachsenen können jedoch auch Entzündungen, Tumoren am Fuß, Verletzungen, Schäden von Knochen und Gelenken oder neurologische Krankheiten die Ursache für einen erworbenen Plattfuß sein.

Symptome

Typischerweise treten erhöhte Empfindlichkeit und Schmerzen an der Innenseite des Hinterfußes auf. Dies kann Monate und Jahre anhalten. Manchmal ist auch zu ertasten, dass die Sehne hinter dem Knöchel angeschwollen ist. Irgendwann kann festgestellt werden, dass der Fuß flach geworden ist und Probleme mit dem Gleichgewicht und beim Gehen auftreten. Den Betroffenen fällt es besonders schwer, auf unebenem Boden zu gehen. Ist die Erkrankung sehr weit fortgeschritten, nimmt der Schmerz meist langsam ab, das Sprunggelenk wird aber unbeweglicher.

Diagnostik

Die Diagnose kann in den meisten Fällen bereits aufgrund der Beschreibung der Symptome gestellt werden, und aufgrund des Befundes, den der Arzt bei der Untersuchung erstellt. Der Arzt wird die Füße auf Schiefstellungen des Knöchels, auf Plattfüße und daraufhin untersuchen, ob der vordere Teil des Fußes breiter geworden ist. Wenn der Fuß wieder eine normale Wölbung an der Innenseite annimmt, sobald der Patient sich auf die Zehen stellt, spricht man von einem flexiblen Plattfuß. Dieser bedarf keiner Therapie. Ist dies nicht der Fall, liegt ein rigider Plattfuß vor, der behandelt werden sollte, wenn er Beschwerden verursacht.

Der Arzt wird sich zudem genau das Gangbild des Patienten ansehen und auch auf die Stellung der Knie und Hüftgelenke achten.

 

Da die Sehne hinter dem Knöchel am Knochen ansetzt, kann diese Stelle besonders empfindlich sein. Im fortgeschrittenen Stadium wird die gesamte Fußsohle steif – sie lässt sich nur noch um wenige Grad biegen.

In der Regel ist die bildgebende Diagnostik mit Röntgen oder Ultraschall nicht notwendig, sie kann aber manchmal nützlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist es, die Symptome zu lindern und die Funktion im Knöchel zu verbessern. Die Therapie kann auch dazu beitragen, das Fortschreiten der Erkrankung anzuhalten oder zu verlangsamen. In den meisten Fällen besteht die Therapie aus dem Rat zu gutem Schuhwerk; eventuell erhalten Sie auch spezielle Schuhe oder eine Stütze für den Knöchel, um die Sehne zu entlasten.

Durch Physiotherapie lässt sich das Gangbild verbessern und die Fußmuskeln werden gestärkt, womit der Fußfehlstellung entgegengewirkt werden kann. 

Bei manchen tritt eine akute Entzündung der Sehne auf. Die Betroffenen erhalten in diesem Fall eine Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten (NSAR) und bekommen gesagt, dass sie den Fuß so weit wie möglich ruhig stellen sollen und ihn möglichst hoch legen sollten, wenn sie ruhen. Es kann erforderlich sein, einige Wochen lang einen Gipsverband zu tragen.

Verursacht die Erkrankung schwere Schmerzen, kann eine Operation erforderlich sein. Obwohl ein chirurgischer Eingriff zu einem guten Resultat führen kann, kann es doch bis zu einem Jahr dauern, bis die Patienten die volle Auswirkung des Eingriffs spüren.

Prognose

Viele Betroffene haben keine Beschwerden. Sind jedoch Schmerzen und Gehprobleme vorhanden, dann ist es ratsam, frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen und sich an die Therapievorschläge zu halten, damit die Erkrankung sich möglichst nicht verschlimmert. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Plattfuß. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC). Kindlicher Knick-Senkfuß. AWMF-Leitlinie Nr. 033 - 020. S2k. Stand 2017. www.awmf.org
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