Knochenzyste

Knochenzysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume; sie bilden sich in den langen Knochen – vor allem in den Oberarm- und Oberschenkelknochen. Diese prinzipiell gutartige Erkrankung kann dazu führen, dass der Knochen bereits bei einer leichten Verletzung bricht.

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Was ist eine Knochenzyste?

Eine Knochenzyste ist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum im Knochengewebe. In der Regel liegt eine einzelne (solitäre) Zyste vor, nur selten gibt es mehrere; die Erkrankung ist gutartig. Normalerweise tritt eine solche Zyste am Oberarm- oder Oberschenkelknochen auf, seltener an anderen Stellen.

Einfache Knochenzysten kommen bei Jungen und Mädchen gleich häufig vor. Die meisten Zysten treten vor dem 20. Lebensjahr auf, meist in der Altersgruppe der 4- bis 10-Jährigen. Bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren sind sie am häufigsten im Oberarmknochen (55–65 %) und im Oberschenkelknochen (25–30 %) lokalisiert und treten deutlich seltener in den Waden- und Unterarmknochen auf. Bei über 20-jährigen Erwachsenen kommen einzelne Knochenzysten häufiger in flachen Knochen wie dem Becken und Fersenbein vor. Knochenzysten können sich während des Knochenwachstums vergrößern, verändern sich meist jedoch nach Abschluss des Körperwachstums nicht mehr.

Menschen mit vielen (multiplen) Knochenzysten sind in der Regel älter, Männer sind weit häufiger betroffen.

Ursachen

Die Ursache ist nicht bekannt. Zysten bilden sich im Knochengewebe selbst und sind von einer dünnen festen Hülle bedeckt. Sie enthalten meist eine klare Flüssigkeit. Manchmal lassen sich in der Flüssigkeit auch Blutspuren von möglichen früheren Knochenbrüchen finden. Die Zysten befinden sich oft an den Enden (den Metaphysen) langer Röhrenknochen und seltener (10 %) im mittleren Teil des Röhrenknochens (der Diaphyse).

Diagnostik

Typisch ist, dass eine Knochenzyste in erster Linie bei Kindern und Jugendlichen auftritt und normalerweise keine Beschwerden hervorruft. Da das Knochengewebe an der Zyste jedoch dünn und brüchig werden kann, kann der Knochen an dieser Stelle leichter brechen. Daher stellt sich die Hälfte aller Fälle von Knochenzysten als anomaler (in der Fachsparche pathologischer) Bruch dar: Klagt jemand bereits nach einer leichten Verletzung über starke Schmerzen oder eine Schwellung im Arm oder Bein, könnte also eine vorher nicht erkannte Knochenzyste vorliegen, die zu einem Knochenbruch geführt hat.

Die Diagnose wird mittels einer Röntgenuntersuchung gestellt, die typische Befunde zeigt; eine Zyste, die den größten Teil des Knochendurchmessers ausmacht und lediglich von einem dünnen knöchernen Rand umgeben ist. Eine CT oder MRT ist nur selten erforderlich.

Therapie

Das Ziel der Behandlung besteht darin, einen eventuellen Bruch zu heilen, weitere Knochenbrüche zu verhindern, die Heilung der Zyste zu beschleunigen und einer erneuten Zyste vorzubeugen. In vielen Fällen ist (falls kein Bruch vorliegt) nichts weiter zu tun, als die Erkrankung zu beobachten, vorzugsweise mit Röntgenuntersuchungen jeden 4.–6. Monat. Bei größeren Zysten, die das Risiko von Knochenbrüchen mit sich bringen, müssen Maßnahmen erwogen werden.

Einzelne Knochenzysten können mit im Rahmen einer kleinen Operation "ausgeschabt" und mit einem Knochentransplantat aufgefüllt werden. Wirksam ist auch eine Kältetherapie. Um den Knochen zu schützen, ist es manchmal sinnvoll, die betroffene Stelle mit einem Nagel zu stabilisieren. Es kommen auch Kortisoninjektionen zum Einsatz. Diese Methoden lassen sich auch kombinieren.

Prognose

Einzelne Knochenzysten heilen mit der Zeit spontan ab, in einigen Fällen jedoch nicht, bevor das Wachstum zum Stillstand gekommen ist. Die Prognose ist gut.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Knochenzyste, solitäre. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Biermann JS. Common benign lesions of bone in children and adolescents. J Pediatr Orthop 2002; 22:268. PubMed
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  4. Tis JE. Overview of benign bone tumors in children and adolescents. UpToDate, last updated July 9, 2013. UpToDate
  5. Chang CH, Stanton RP, Glutting J: Unicameral bone cysts treated by injection of bone marrow or methylprednisolone. J Bone Joint Surg Br 2002; 84: 407-12. PubMed