Wachstumsschmerzen

Wachstumsschmerzen sind häufige und harmlose Beschwerden bei Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren. Der Schmerz tritt am Abend und in der Nacht in den Beinen auf und kann von etwa einer halben Stunde bis zu mehreren Stunden andauern.

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Was sind Wachstumsschmerzen?

Wachstumsschmerzen sind häufige und harmlose Beschwerden bei Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren. Die Beschwerden sind nicht das Vorstadium einer zugrundeliegenden Erkrankung. Die Ursache von Wachstumsschmerzen ist nicht bekannt. Der Schmerz tritt am Abend und in der Nacht in den Beinen auf und kann von etwa einer halben Stunde bis zu mehreren Stunden andauern. Bei einigen Kindern treten die Beschwerden jede Nacht auf, bei einigen einmal pro Woche, und bei wiederum anderen seltener. Laut internationaler Studien kommen die Beschwerden bei 3–49 % aller Kinder vor. Wachstumsschmerzen stellen wahrscheinlich die häufigste Ursache von Knochenschmerzen bei Kindern dar.

Ursache

Die Ursache ist unbekannt. Möglicherweise handelt es sich um eine Form von Muskelschmerzen. Trotz des Namens scheinen Perioden mit Wachstumsschmerzen nicht mit dem Wachstumsschub des Körpers übereinzustimmen – der bekanntlich in der Pubertät erfolgt. Es wurden zahlreiche Theorien als Erklärung für Wachstumsschmerzen aufgestellt, welche jedoch in der Forschung nicht bekräftigt werden konnten.  Eine Studie weist auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Wachstumsschmerzen und nach außen gedrehten Füßen (Pronation) hin, jedoch konnte dies nicht durch andere Studien bestätigt werden. Es wurde auch vermutet, dass Wachstumsschmerzen ein Zeichen einer Überbeanspruchung der Knochen sind, allerdings sind die Beschwerden nicht mit einer erhöhten Häufigkeit von Ermüdungsbrüchen in den Beinen verbunden, was zu erwarten wäre, sofern dies die Erklärung wäre. Da die zugrundeliegenden Krankheitsprozesse bei Wachstumsschmerzen unklar sind, wurde auch vermutet, dass psychologische Faktoren eine Rolle spielen, dies wurde jedoch bislang nicht hinreichend dokumentiert.

Symptome

Der Schmerz tritt in der Regel an der Vorderseite der Oberschenkel, an der Rückseite der Beine und in den Unterschenkeln auf. Die Beschwerden führen nicht dazu, dass die Kinder hinken oder die Mobilität eingeschränkt ist, und sie betreffen nicht die Gelenke. Sie dauern in der Regel eine halbe Stunde bis zu einigen Stunden an, bevor sie von selbst abklingen. Der Schmerz tritt in der Regel spät am Tag oder am Abend auf, und das Kind kann auch früh in der Nacht mit Schmerzen aufwachen. Bei einigen Kindern fallen die Schmerzen an Tagen, an denen sie viel gelaufen sind, schlimmer aus. Das Aktivitätsniveau des Kindes ist in der Regel nicht eingeschränkt.

Diagnose

Wenn die Schmerzen im Laufe des Tages entstehen, immer an der gleichen Stelle sitzen oder wenn das Kind Schwierigkeiten beim Gehen hat, sollten die Eltern immer einen Arzt konsultieren. Aufgabe des Arztes ist es, andere Grunderkrankungen wie ein Trauma oder eine Infektion auszuschließen. Die Anamnese ist in der Regel typisch und bei der ärztlichen Untersuchung fallen alle Ergebnisse normal aus. Weitere Untersuchungen sind nur selten erforderlich, wenn aber Laboruntersuchungen und Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden, fallen die Ergebnisse normal aus.

Behandlung

Eine Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich. Bei Wachstumsschmerzen handelt es sich um ungefährliche Beschwerden. Sie klingen von selbst ab und das Kind benötigt keine weiteren Untersuchungen. Schmerzmittel sind normalerweise nicht erforderlich. Meist verschwindet der Schmerz von selbst, bevor die Wirkung von Medikamenten eintreten würde. Falls doch ein Schmerzmittel gegeben werden soll, ist Paracetamol die beste Wahl, die Wirksamkeit wurde jedoch nicht in Studien untersucht. Einigen Kindern hilft es, wenn sie die schmerzenden Bereiche reiben und massieren. Auch Wärme kann eine positive Wirkung haben. Eine um die Beine gewickelte Decke oder warme Socken können die Schmerzen lindern.

Prognose

Die Dauer variiert von einigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren; der Schmerz tritt periodisch auf. Die Beschwerden klingen von selbst ab und führen zu keinen Komplikationen.

Weiterführende Informationen

  • Wachstumsschmerzen – für ärztliches Personal

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Wachstumsschmerzen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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