Enuresis und funktionelle Harninkontinenz

Zusammenfassung

  • Definition: Unwillkürlicher Harnverlust ab dem 5. Geburtstag ohne Vorliegen einer organischen Erkrankung des Nerven- oder Harnsystems. Einnässen im Kindesalter wird nach dem 5. Geburtstag als Harninkontinenz bezeichnet. Einnässen im Schlaf bezeichnet man als Enuresis.
  • Häufigkeit: Nächtliches Einnässen bei 10 % der 7-Jährigen und 1–2 % der Jugendlichen, Harninkontinenz tagsüber bei 2–3 % der 7-Jährigen und weniger als 1 % der Jugendlichen. Jungen im Verhältnis 2:1 häufiger von Enuresis, Mädchen im Verhältnis 1–1,5:1 häufiger von Harninkontinenz betroffen.
  • Symptome: Leidensdruck der Betroffenen, evtl. soziale Schwierigkeiten und Isolation, ggf. Symptome psychischer Komorbiditäten.
  • Befunde: Klinischer Untersuchungsbefund unauffällig, oft psychische Komorbiditäten.
  • Diagnostik: Klinische Untersuchung, detaillierte Anamnese inkl. psychologischer Evaluation, Sonografie. Bei entsprechender Indikation oder Verdacht auf organische Ursache weitere apparative Diagnostik.
  • Therapie: Aufklärung und Information, Miktionstraining, apparative Verhaltenstherapie, Medikamente.

Allgemeine Informationen

Definitionen1

  • Harninkontinenz: Einnässen im Kindesalter (unwillkürlicher Urinverlust) wird nach dem 5. Geburtstag als Harninkontinenz bezeichnet. Einnässen im Schlaf bezeichnet man als Enuresis.
  • Harninkontinenz gilt bis zum Ende des 4. Lebensjahres als physiologisch, sofern keine Warnhinweise für eine organische Störung bestehen. Etwa 20–25 % der 4-Jährigen nässen nachts und 8–10 % tagsüber noch ein.
  • Nichtorganische (funktionelle) Harninkontinenz1-2
    • Bezeichnet einen unwillkürlichen Urinverlust nach Ausschluss struktureller Anomalien des Harntrakts, neurologischer Störungen und polyurischer Nierenerkrankungen bei einem Kind ab dem Alter von 5,0 Jahren.1 Auftreten mindestens einmal pro Monat über einen Zeitraum von 3 Monaten.
    • Auftreten im Schlaf als Enuresis (= Enuresis nocturna)
      • monosymptomatische Enuresis nocturna (MEN) ohne Zeichen einer Blasendysfunktion
      • nicht-monosymptomatische Enuresis nocturna (non-MEN) mit Blasendysfunktion (d. h. Symptome tagsüber)
      • primäre Enuresis: bisher nie länger als 6 Monate kontinent
      • sekundäre Enuresis: Auftreten nach mehr als 6-monatiger Phase der Kontinenz
      • häufige Enuresis mit Einnässen > 4/Woche
      • seltene Enuresis mit Einnässen < 4/Woche
    • Auftreten am Tag
      • überaktive Blase (Overactive Bladder, OAB)
      • Miktionsaufschub
      • dyskoordinierte Miktion
      • unteraktive Blase
      • sehr seltene Formen (Belastungsinkontinenz, Lachinkontinenz)
      • Mischformen (häufig) und andere
    • Auftreten im Schlaf und am Tag (2 Diagnosen)

Diagnostik

Therapie1

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlaufskontrolle

Patienteninformationen