Teratome im Kindes- und Jugendalter

Teratome sind Tumoren, die meist aus mehreren Zelltypen bestehen. Sie entwickeln sich aus Keimzellen, weswegen sie zu den Keimzelltumoren gezählt werden. Teratome sind meist gutartig, können aber auch entarten.

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Was sind Teratome?

Teratome sind Tumoren, die meist aus mehreren Zelltypen bestehen. Sie entwickeln sich aus Keimzellen und werden deshalb zu den Keimzelltumoren gezählt. Man unterscheidet gutartige (benigne), reife Teratome von bösartigen (malignen), unreifen Teratomen. Teratome können auch als Mischtumoren mit anderen Keimzelltumoren auftreten. In reifen Teratomen sind die Gewebe meist abgekapselt in einer Zyste und mehr oder weniger ausdifferenziert, d. h. sie haben die Gestalt von fertigen Geweben wie z. B. Zähnen, Haaren, Knochen oder Knorpel. Theoretisch kann jede Gewebeart in den Tumoren vorkommen, da die Keimzellen das Potenzial besitzen, sich zu allen Zellen des Körpers zu entwickeln. Unreife Teratome bestehen aus undifferenzierten Zellen. Die reifen, gutartigen Teratome sind häufiger. Es besteht allerdings ein gewisses Risiko, dass sie entarten und bösartig werden. Dermoidzysten sind eine Unterart reifer, gutartiger Teratome und relativ häufig im Eierstock angesiedelt.

Häufigkeit

Teratome können potenziell in jedem Alter und an jeder Körperstelle auftreten. Meistens befinden sie sich in den Hoden oder Eierstöcken, was als gonadal bezeichnet wird. Es handelt sich um eine seltene Erkrankung.

Am häufigsten treten Teratome am Steißbein (sacrococcygeales Teratom), in den Eierstöcken (ovarielles Teratom), in den Hoden (testikuläres Teratom) und im Brustraum auf (mediastinales Teratom). Selten kommen sie auch am Hals oder im Gehirn vor.

Sacrococcygeale Teratome machen etwa 30 % aller Teratome aus und sind die häufigste Tumorart bei Neugeborenen. Das sacrococcygeale Teratom tritt bei ungefähr 1 von 40.000 Neugeborenen auf. Die Diagnose kann oft schon im Mutterleib gestellt werden. Mädchen sind häufiger als Jungen betroffen (3:1).

Ovarielle Teratome repräsentieren etwa 30 % aller Teratome und 10–20 % aller gutartigen Eierstocktumoren. Gutartige Ovarialteratome sind die häufigste Tumorart der Eierstöcke bei Kindern und Jugendlichen.

Testikuläre Teratome stellen die zweithäufigsten Hodentumoren im Kindesalter dar.

Mediastinale Teratome sind verhältnismäßig selten. Sie können in sämtlichen Altersgruppen auftreten.

Sacrococcygeale Teratome

Sacrococcygeale Teratome oder Steißbeinteratome werden oftmals schon im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft diagnostiziert, können aber auch erst nach der Geburt entdeckt werden. Sie wachsen meist oberhalb der Gesäßfalte nach außen, können aber auch nach innen wachsen und z. B. die Harnwege, den Darm oder Nerven verdrängen. Es kann zu Fehlbildungen aufgrund eines verdrängenden Wachstums kommen, z. B.  zu einer Harnstauungsniere (Hydronephrose). Wenn die Tumoren sehr groß sind, können sie den Kreislauf beeinträchtigen. Es besteht ein Blutungsrisiko. Erfolgt die Diagnose bereits im Mutterleib, sollte das Tumorwachstum durch regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen kontrolliert werden.

Besteht der Verdacht auf Komplikationen beim Ungeborenen, kann es notwendig sein, die Geburt vorzeitig einzuleiten. Bei großen Tumoren wird in der Regel ein Kaiserschnitt durchgeführt, um das Einreißen des Tumors möglichst zu verhindern. Der Tumor wird anschließend mitsamt dem Steißbein operativ entfernt.

Ovarielle Teratome

Ovarielle Teratome machen selten Beschwerden. Sie können sich, ähnlich wie eine Eierstockzyste, in manchen Fällen durch Blutungen, Schmerzen oder unregelmäßigen Stuhlgang bemerkbar machen. In manchen Fällen kann es zur Vorwölbung des Unterbauchs kommen. Als Komplikation kann der Tumor zu einer Stieldrehung des Eierstocks bzw. Eileiters (Torsion) führen, wodurch die Blutzufuhr zum Eierstock unterbunden wird. Dies äußert sich in akuten Bauchschmerzen und stellt einen Notfall dar. Um die Blutzufuhr wiederherzustellen und den Eierstock zu erhalten, wird in der Regel laparoskopisch operiert. Kommt es bei einer Teratomzyste zu einem Kapselriss (Ruptur) oder zu einer Blutung, kann dies ebenfalls zu starken Bauchschmerzen führen. Ovarialteratome werden meist zufällig bei einer gynäkologischen Tastuntersuchung, bei einer Ultraschalluntersuchung des Unterleibs oder bei einem chirurgischen Eingriff im Bauchbereich entdeckt. Ggf. wird die Diagnose unterstützt durch Blutuntersuchungen oder andere bildgebende Verfahren wie eine MRT.

Um die Fruchtbarkeit zu erhalten, kann bei reifen Teratomen in manchen Fällen nur der Tumor entfernt und der Eierstock geschont werden. In anderen Fällen, z. B. bei Verwachsungen, wird der betroffene Eierstock mit dem Eileiter komplett entfernt. Das Gewebe wird nach der Entnahme untersucht. Ggf. schließen sich weitere Behandlungen an, z. B. eine Chemotherapie.

Testikuläre Teratome

Testikuläre Teratome werden meist durch eine schmerzfreie Verhärtung oder Schwellung des Hodens auffällig und sind häufig tastbar. Vor der Pubertät sind die meisten testikulären Teratome gutartig. Nach der Pubertät überwiegt der Anteil der bösartigen Teratome. Testikuläre Teratome können, ähnlich wie Ovarialteratome, zu einer Drehung des Hodens (Hodentorsion) führen. Auch hier ist schnelles Eingreifen gefragt, um die Durchblutung des Hodens wiederherzustellen. Teratome im Hoden können mittels Tastuntersuchungen, Durchleuchtung des Hodens oder Ultraschall festgestellt werden. Außerdem werden Blutuntersuchungen durchgeführt.

Wie bei Ovarialteratomen wird möglichst schonend operiert, um die Fruchtbarkeit zu erhalten. Dennoch sollte das Ziel sein, den Tumor vollständig zu entfernen.

Mediastinale Teratome

Das Mediastinum, auch Mittelfellraum genannt, ist ein Gewebsraum in der Brusthöhle. Weil das Mediastinum relativ viel Platz bietet, sind mediastinale Teratome in der Regel beschwerdefrei. Bei starkem Tumorwachstum kann es allerdings zu Verdrängungserscheinungen der Nachbarorgane kommen. Dies kann sich in Brustschmerzen, Husten oder Atemnot äußern. Mitunter werden mediastinale Tumoren auch zufällig im Rahmen einer Röntgenuntersuchung der Lunge entdeckt. Zur weiteren Abklärung kann eine CT oder MRT des Brustraums und eine Blutuntersuchung erfolgen.

Bei Teratomen im Mediastinum handelt es sich in 80 % um gutartige Tumoren. Die Therapie besteht in einer vollständigen operativen Entfernung des Tumors. Zuweilen kann es zu Verwachsungen des Tumors mit umliegendem Gewebe kommen. Unter Umständen werden Teile des Herzbeutels, des Brustfells oder der Lunge mitentfernt.

Prognose

Werden Teratome frühzeitig erkannt und können vollständig entfernt werden, so ist die Prognose sehr gut. Allerdings kann der Tumor wiederauftreten (Rezidiv). Das Risiko hierfür ist größer, je unreifer das Teratom ist. Eine Entartung ist bei gutartigen Teratomen potenziell möglich. Bei bösartigen Teratomen hängt die Prognose vom Stadium der Erkrankung, der Ausbreitung des Tumors und den Behandlungsmöglichkeiten ab. Ggf. kommt eine Chemotherapie in Frage.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Zystische Teratome. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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