Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten gilt als eine der ansteckendsten Kinderkrankheiten und kann zu starken Hustenattacken führen. Die meisten Kinder werden gegen Keuchhusten geimpft, bevor sie 1 Jahr alt sind. Die Zahl der Fälle von Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen ist zunehmend.

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Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten ist eine übertragbare Krankheit, die durch das Bakterium Bordetella pertussis hervorgerufen wird. Das Bakterium siedelt sich meist auf den Schleimhäuten des Rachens und der Lunge an. Es verursacht Schäden an der Schleimhautoberfläche und produziert einen Giftstoff (Toxin), der ebenfalls Irritationen und Schädigungen der Schleimhaut hervorruft.

Häufigkeit

Weltweit treten pro Jahr knapp 50 Mio. Fälle von Keuchhusten auf. Jährlich sterben 300.000 an der Erkrankung, 90 % von ihnen leben in Entwicklungsländern. 2 von 3 Betroffenen sind über 19 Jahre alt. In Deutschland erkrankten im Zeitraum 2014–2018 durchschnittlich 50 pro 100.000 Säuglinge (Lebensalter unter 1 Jahr).

Symptome

Die Krankheit folgt meist einem typischen, sehr langwierigen Verlauf. Häufig kommt es zunächst zu Erkältungssymptomen wie leichtem Husten, Schnupfen und leichtem Fieber. Nach 1 bis 2 Wochen treten Hustenanfälle auf.

Ein typischer Keuchhustenanfall ist durch krampfartigen Stakkatohusten gekennzeichnet, der mit einer starken Einatmung endet, die ein „keuchendes“ Geräusch verursacht. Die Hustenattacken können so stark sein, dass das Kind leicht blau im Gesicht wird. Auch Nasenbluten und geplatzte Äderchen im Auge sind keine Seltenheit. Bei vielen Betroffenen sind die Hustenanfälle nachts am stärksten. Charakteristisch ist, dass bei jeder Ausatmung 5- bis 10-mal gehustet wird. Diese Phase der Krankheit dauert meist 4 bis 6 Wochen.

Anschließend kommt es zu einer Phase von 1 bis 4 Wochen, in der die Krankheit langsam abklingt. Der Husten wird weniger, kann in manchen Fällen aber auch noch monatelang weiterbestehen. Vereinzelte Hustenanfälle können auch noch lange nach dem Abklingen der Erkrankung auftreten.

Bei geimpften Personen nimmt die Krankheit meist einen milderen Verlauf ohne das typische „Keuchen“. Das Krankheitsbild variiert stark und ist u. a. vom Alter der Patient*innen abhängig: Je jünger das Kind ist, desto schwerer verläuft die Krankheit. Bei Säuglingen kann sich der Keuchhusten durch Krämpfe und sogar Atemstillstand äußern, ohne offensichtliche Hustenattacken.

Diagnose

Bei Verdacht auf Keuchhusten müssen in den meisten Fällen Proben genommen werden, um die Diagnose zu sichern. Hierzu wird mit einem kleinen Wattestäbchen eine Probe aus der Nase genommen. Diese wird zum direkten Nachweis des Bakteriums und Anlage einer Bakterienkultur an ein Labor geschickt. Besteht die Erkrankung seit mehr als 3 bis 4 Wochen, lässt sich das Bakterium möglicherweise nicht mehr direkt nachweisen. Dann ist der Nachweis von Antikörpern im Blut die einzig mögliche Methode zur Sicherung der Diagnose. Weiterhin können über das Blut Entzündungsparameter bestimmt werden.

Behandlung

Die schwerwiegendsten Folgen hat die Krankheit für Säuglinge. Nicht selten werden Kinder unter zwei Jahren deshalb in ein Krankenhaus eingewiesen, um den Krankheitsverlauf zu beobachten und ggf. Sauerstoff zu verabreichen und die Atemwege abzusaugen.

In den meisten Fällen ist eine Einweisung ins Krankenhaus jedoch nicht erforderlich und eine Behandlung mit Antibiotika reicht aus. Abhängig von dem eingesetzten Antibiotikum dauert die Behandlung zwischen 5 und 14 Tagen. Wurde die Behandlung nicht innerhalb der ersten drei Wochen nach dem Einsetzen der Symptome eingeleitet, zeigen Antibiotika keine Wirkung mehr. In solchen Fällen gilt es zu warten, bis das Immunsystem die Infektion selbst eingedämmt hat.

Generell sollten Betroffene den Kopf hoch lagern und ausreichend trinken. Bei ausgeprägten Hustenattacken mit Erbrechen werden kleine und häufige Mahlzeiten empfohlen.

War ein nicht geimpftes Kind unter zwei Jahren dem Keuchhustenerreger ausgesetzt, kann es sinnvoll sein, präventiv – also noch vor dem Ausbruch von Symptomen – Antibiotika zu verabreichen. Neben dem Kind selbst werden dann meist auch die übrigen Personen im Haushalt behandelt.

Ansteckungsgefahr

Der Keuchhusten gilt als eine der ansteckendsten bakteriellen Erkrankungen. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt 6 bis 20 Tage. Die Ansteckungsgefahr ist zu Beginn der Erkrankung am größten.

Wird die Krankheit nicht behandelt, ist sie selten länger als 2 Wochen nach Einsetzen der typischen Hustenattacken ansteckend.

Bei einer Antibiotikabehandlung sind Betroffene normalerweise noch 5 Tage nach Beginn der Behandlung ansteckend. Zur Vorbeugung gegen weitere Ansteckungen sind möglichweise Anpassungen des Impfprogramms von Kindern unter 2 Jahren notwendig oder weitere Impfungen von Personen im nahen Umfeld.

Kindergarten/Schule/Gemeinschaftseinrichtungen

Erkrankte Personen können frühestens 5 Tage nach Beginn der Behandlung mit Antibiotika wieder Kindergarten, Schule, Gemeinschaftseinrichtungen etc. besuchen. Ohne Antibiotikatherapie ist der Besuch erst nach frühestens 3 Wochen nach Beginn der Hustenattacken erlaubt. Gesunde nahe Kontaktpersonen, die keinen Husten haben, müssen nicht zu Hause bleiben. Für enge Kontaktpersonen ohne Impfschutz kann eine Antibiotikabehandlung erwogen werden.

Impfung

Weltweit verhindert die Keuchhusten-Impfung 600.000 Todesfälle pro Jahr. Die Impfung zählt zu den Standardimpfungen bei Kindern. Sie erfolgt in Kombination mit anderen Impfstoffen gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Polio, Haemophilus influenza Typ b und Hepatitis B. Die Impfstoffkombination wird im Alter von 2, 4 und 11 Monaten verabreicht. Der Schutz gegen Keuchhusten liegt bis zum 2. Lebensjahr bei ca. 90 %. Anschließend lässt die Wirkung nach, sodass bei 8-jährigen Kindern kein Schutz mehr besteht. Auffrischimpfungen erfolgen bei Kindern zwischen 5 bis 6 und 9 bis 16 Jahren, in Kombination mit Impfungen gegen Diphterie und Wundstarrkrampf.

Heute wird auch für Erwachsene alle 10 Jahre eine Auffrischungsimpfung gegen Keuchhusten empfohlen. Dies gilt insbesondere für Personal im Gesundheits­dienst sowie in Gemeinschaftseinrichtungen oder Frauen im gebär­fähigen Alter. Auch enge Haushalts­kontakt­personen und Betreuer*innen von Säuglingen sollten sich spätestens 4 Wochen vor Geburt des Kindes impfen.

Inzwischen empfiehlt die STIKO die Pertussis-Impfung auch für Frauen in der Schwangerschaft. So kann das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor einer Keuchhusten-Erkrankung geschützt werden.

Wie sehen die Langzeitprognosen aus?

Die meisten Fälle von Keuchhusten nehmen in Deutschland heutzutage einen milden Verlauf und klingen ohne Behandlung ab. Der Husten kann jedoch über lange Zeit bestehen. Nicht selten kommt es beim Keuchhusten zu begleitenden Erkrankungen wie einer Mittelohrentzündung oder einer Lungenentzündung.

Früher wurde angenommen, dass man nach einem durchgemachten Keuchhusten lebenslang immun ist. Aktuelle Studien belegen jedoch, dass sowohl nach durchgemachter Infektion als auch nach Impfungen nur ein zeitlich begrenzter Schutz besteht.

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts: 2+1 statt 3+1: eine Impfstoffdosis weniger bei der Grundimmunisierung von Säuglingen. Epidemiologisches Bulletin 26/2020. www.rki.de

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin
  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Keuchhusten (Pertussis). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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