Masern

Masern (Morbilli) sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die durch das Masernvirus verursacht wird. Die Krankheit verursacht Hautausschlag mit Fieber und kann einen schweren Verlauf annehmen. Im Rahmen der Kinderimpfungen wird im Alter von 15 Monaten sowie 4 Wochen danach geimpft (Masern-Mumps-Röteln-Impfung; MMR); die 2. Impfung kann später nachgeholt werden, falls sie nicht erfolgen konnte.

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Was sind Masern?

Masern werden durch Viren verursacht, die weltweit verbreitet sind. Sie gehören zu den ansteckendsten Krankheiten. Übertragen werden Masern von Mensch zu Mensch, z. B. beim Niesen oder Sprechen (Tröpfcheninfektion). Insbesondere erkranken kleine Kinder, die Kontakt zu einem Erkrankten hatten, sofern sie nicht geimpft bzw. durch eine durchgemachte Masernerkrankung geschützt sind. Auch nicht geimpfte Jugendliche und Erwachsene sind betroffen. Säuglinge im Alter von wenigen Monaten bis zu 12 Monaten sind besonders ansteckungsgefährdet, da sie noch nicht geimpft werden können: Die Impfung ist erst im Alter von 12 Monaten vorgesehen. In der Zeit nach der Geburt sind die Säuglinge durch Antikörper der Mutter geschützt, sofern diese immun gegen Masern ist. Masern sind bereits mehrere Tage vor Auftreten der ersten Krankheitszeichen ansteckend.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern weltweit auszurotten. Aufgrund breit angelegter Impfkampagnen sank die Anzahl der Maserntoten weltweit von 873.000 im Jahr 1999 auf 164.000 im Jahr 2008. Ganz Nord- und Südamerika, Skandinavien, viele Länder in Osteuropa und einige Staaten im Süden Afrikas sind frei von Masern. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehrere hundert Menschen an Masern, es treten auch Todesfälle auf.1

Phasen

Der Verlauf der Erkrankung kann in zwei Phasen unterteilt werden: das Initialstadium (Prodromalstadium) und die Phase des Hautausschlags (Exanthemstadium).

Frühes Stadium

Die ersten Symptome treten in der Regel 10–14 Tage nach der Ansteckung (Inkubationszeit) auf. Die Erkrankung beginnt mit Erkältungsanzeichen wie Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung, Lichtempfindlichkeit, hohes Fieber, Halsschmerzen und Unwohlsein, die 3–4 Tage andauern. In dieser Phase tritt meist noch kein Ausschlag auf. Im Mund sind eventuell auf der Schleimhaut weiße, von einem roten Ring umgebene Flecken zu erkennen (Koplik-Flecken). Nach der ersten Phase folgt oft eine kurzzeitige Verbesserung, bei der das Fieber sinkt und das Kind sich etwas besser fühlt.

Koplik-Flecken
Koplik-Flecken bei Masern

 

 

Späteres Stadium

In der zweiten Phase steigt das Fieber wieder an und der typische Masernausschlag tritt auf, zunächst in Form kleiner, leuchtend roter Punkte, die allmählich zu größeren, etwas dunkleren Bereichen zusammenwachsen. Die Haut wirkt eventuell leicht verdickt. Der Ausschlag beginnt typischerweise hinter den Ohren und breitet sich über Hals, Körper und zum Schluss über Arme und Beine aus. Diese Phase des Ausschlags dauert in der Regel 2–5 Tage. Anschließend klingt der Ausschlag langsam ab, oft sind dann noch bräunliche Flecken zu erkennen und die Haut schuppt sich, bevor die Veränderungen ganz verschwinden. Einige Betroffene weisen geschwollene Lymphknoten auf, gelegentlich auch eine Milzschwellung.

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Masern (Bildquelle: CDC)

Wie häufig treten sie auf?

Masernerkrankungen werden in Deutschland erst seit Einführung der Meldepflicht im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001 erfasst. Parallel hat die Ständige Impfkommission (STIKO) 2001 die Empfehlung für die 2. Masern-Mumps-Röteln-Impfdosis (MMR-Dreifachimpfung) vom 5. bis 6. Lebensjahr auf das 2. Lebensjahr vorgezogen, um frühzeitiger einen vollständigen Immunschutz aufzubauen. In den Folgejahren sind die Masernfälle pro Jahr deutlich gesunken. Der erneute Anstieg der Erkrankungszahlen nach 2005 wurde jedoch durch immer wieder auftretende, regional und zeitlich begrenzte Krankheitsausbrüche verursacht. Fast alle dieser Masernerkrankten waren ungeimpft, und zunehmend waren Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Die STIKO hat folglich im Jahr 2010 eine Masernimpfung für bislang nicht oder in der Kindheit nur einmal geimpfte nach 1970 geborene Erwachsene empfohlen, um die bestehenden Immunitätslücken zu schließen. Denn Masernausbrüche lassen sich erst verhindern, wenn mindestens 95 % der Bevölkerung immun sind.1

Laut der Melderegister gab es in Deutschland in den Jahren 2011, 2013 und 2017 vergleichsweise viele Masernfälle; 2018 waren es jedoch fast 3-mal so viele wie in diesen stark betroffenen Jahren und 16-mal so viele wie im Jahr 2016. Für 2019 wurden in den ersten 10 Wochen 200 Fälle gemeldet, was nicht höher als sonstige Durchschnittswerte ist: Im Allgemeinen kommt es in Deutschland jedes Jahr zwischen 165 und 2465 Maserinfektionen auf; im Durchschnitt stirbt einer der Betroffenen. Damit liegt die Sterblichkeit in den Industrieländern bei 1:1000 bis 1:2000 Infizierten. In Entwicklungsländern liegt diese Zahl jedoch höher.

Weltweit steigen die Zahlen der Masernfälle seit 2016 an; 2017 um 30 %, 2018 um geschätzt 100 % und in den ersten 3 Monaten von 2019 sogar um das 3-Fache im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Weltweit sind 2017 aufgrund von Masern 110.000 Menschen gestorben.

Neugeborene erhalten Antikörper von der Mutter, sofern sie geimpft ist oder selbst Masern hatte und darauf Antikörper gebildet hat. Diese Antikörper bleiben beim Kind bis zum Alter von etwa sechs Monaten erhalten. Masern treten heute fast ausschließlich bei Menschen auf, die nicht geimpft sind. Die meisten Betroffenen sind Kleinkinder, jedoch auch Erwachsene, Jugendliche und nicht geimpfte Kinder im Vorschulalter. In Deutschland sind mehr als die Hälfte der an Masern Erkrankten älter 10 Jahre alt.

Was sind die Ursachen?

Masern werden durch Masernviren verursacht. Die Krankheit wird über die sogenannte Tröpfcheninfektion verbreitet: Die Viren befinden sich in großer Zahl im Speichel; beim Husten oder Niesen verbreiten sie sich mit winzigen Speicheltröpfchen. Die Patienten sind vom Beginn der ersten allgemeinen Symptome an ansteckend, also einige Tage vor dem Auftreten des Ausschlags. Danach bleibt die Ansteckungsgefahr noch etwa 4 weitere Tage bestehen, am größten ist sie jedoch im Initialstadium. Masern gelten als eine der ansteckendsten Krankheiten. Der Mensch ist der einzige Überträger und das Virus ist empfindlich gegenüber Trockenheit, Hitze, fettlösenden Reinigungsmitteln und Desinfektionsmitteln. Aber in einem normal geheizten Raum kann das Virus noch 2 Stunden lang lebend also ansteckend sein, nachdem der Masernpatient den Raum verlassen hat. Dies ist beim Umgang mit Masernkranken zu beachten. 

Wie wird eine Masernerkrankung festgestellt?

Die Diagnose wird ausgehend von den typischen Krankheitsanzeichen mit starken erkältungsähnlichen Symptomen, Fieber in zwei Phasen und dem charakteristischen Hautausschlag gestellt. Es können aber auch manchmal zusätzliche Untersuchungen für die Diagnosefindung notwendig sein. Da die Masern mittlerweile selten geworden sind, werden bei einigen Patienten Blut- und Speicheluntersuchungen durchgeführt, um das Virus zu analysieren und die Diagnose zu bestätigen.

Impfung gegen Masern

Kinder können durch eine zweimalige Impfung wirksam gegen Masern geschützt werden. Gegen Masern wird üblicherweise in Kombination zusammen mit Mumps, Röteln und ggf. Windpocken geimpft:1

  • Die erste Teilimpfung sollte zwischen vollendetem 11. und 14. Lebensmonat gegeben werden (frühestens mit 9 Monaten, wenn z. B. Ansteckungsgefahr herrscht oder das Kind in einer Gemeinschaftseinrichtung betreut wird).
  • Die 2. Impfung soll frühestens 4 Wochen nach der ersten Impfung und spätestens gegen Ende des 2. Lebensjahres, mit 23 Monaten, verabreicht werden.

Die 2. Impfung ist dabei keine sogenannte „Auffrischimpfung“, sondern wichtig für einen sicheren und kompletten Impfschutz. Verpasste oder verschobene Impfungen sollten so bald wie möglich nachgeholt werden.

Notfalls kann auch noch bis zu 3 Tage nach einer möglichen Ansteckung geimpft werden. Eine vorbeugende Impfung ist jedoch deutlich besser. Fragen Sie Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt danach!

Die Impfung muss nur dann verschoben werden, wenn das Kind eine behandlungsbedürftige Erkrankung hat, z. B. einen fieberhaften Atemwegsinfekt. Zusätzlich gibt es einige schwere chronische Krankheiten, bei denen Kinder nicht unter nur unter bestimmten Voraussetzungen geimpft werden können.

 Impfen bei Jugendlichen und im Erwachsenenalter

Mehr als die Hälfte der Masernfälle betreffen heute Jugendliche und junge Erwachsene. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2010 allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und nicht bzw. in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft wurden, eine Impfung gegen Masern. Diese erfolgt anders als bei Kleinkindern einmalig. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung vor allem auch allen, die im Gesundheitsdienst, in Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Kindergarten) oder in der Betreuung von Personen mit stark geschwächtem Immunsystem arbeiten.

Die Impfung sollte vorzugsweise mit einem Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) erfolgen, denn auch bei Mumps und Röteln gibt es häufig Impflücken.

Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit unvollständigem Impfschutz sollten die Impfungen so bald wie möglich nachholen.2

Behandlung

Es gibt keine Behandlung, die das Virus selbst abtöten kann. Die Patienten sollten, soweit durchführbar, in der ersten Woche nach dem Ausbruch der Krankheit isoliert werden (also nur den notwendigsten Kontakt zu Betreuungspersonen haben) und Bettruhe einhalten. Bei Fieber werden fiebersenkende Mittel eingesetzt, und es wird auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet. Bei einem schweren Krankheitsverlauf ist ein Krankenhausaufenthalt nötig.

In besonderen Fällen, wie zum Beispiel bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, kann der Krankheit durch Gabe von Antikörpern vorgebeugt werden. Diese Injektion (sog. Passivimpfung) muss jedoch während der sogenannten „Inkubationszeit“ verabreicht werden, das heißt in der Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit.

Die Impfung bietet lebenslangen Schutz. Säuglinge bis zum Alter von etwa 6 Monaten sind geschützt, wenn die Mutter die Krankheit durchgemacht hat oder geimpft wurde. Somit ist vom 7. bis zum 12.–15. Lebensmonat, wenn die erste Impfung erfolgt, eine Ansteckung möglich. Im Fall von Epidemien oder bei Reisen in Gebiete mit einem häufigeren Vorkommen von Masern können Kinder bereits ab 9 Monaten geimpft werden. Erfolgt die erste Impfung vor dem 12. Lebensmonat, sollte das Kind mit 15 Monaten eine zusätzliche Impfstoffdosis erhalten.

Ein Kind, das Masern hatte, kann frühestens 4 Tage nach dem Auftreten des Hautausschlags, sofern der Allgemeinzustand ansonsten gut ist, in den Kindergarten zurückzukehren.

Kann die Masernimpfung nachgeholt werden?

Nach Kontakt mit Masernerkrankten sollten Ungeimpfte ab dem Alter von 9 Monaten bzw. in der Kindheit nur einmal geimpfte Personen oder Personen mit unklarem Impfstatus möglichst innerhalb von 3 Tagen mit einer Impfstoffdosis gegen Masern geimpft werden. Auch Säuglinge im Alter von 6–8 Monaten können ausnahmsweise geimpft werden (dies entspricht jedoch nicht der offiziellen Zulassung). Bei Säuglingen unter 6 Monaten und nichtimmunisierten Schwangeren kann innerhalb von 6 Tagen durch eine passive Immunisierung mit Immunglobulinen das Risiko für einen Ausbruch der Krankheit deutlich verringert werden. Nach einer Immunglobulin-Gabe ist die MMR-Impfung für 8 Monate nicht sicher wirksam und sollte erst danach durchgeführt werden.

Prognose

Masern gelten als die schwerste „Kinderkrankheit“; die Patienten sind sehr erschöpft und führen sich sehr krank. Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen ist zwar nach 1–2 Wochen ohne bleibende Schäden wieder völlig gesund, aber es gibt zahlreiche Verläufe mit Komplikationen, bleibenden Behinderungen oder Tod.

Masern schwächen vorübergehend das Immunsystem. Dadurch ist der Erkrankte anfälliger für Folgekrankheiten, die durch Bakterien verursacht werden. Insgesamt ist bei 30 % der Betroffenen mit Komplikationen zu rechnen. Bei 10–15 % der Erkrankten treten unter anderem Bronchitis, Lungenentzündung, Nebenhöhlenentzündung oder Mittelohrentzündung auf. Diese bakteriellen Infektionen können mit Antibiotika (wie Penicillin) behandelt werden.

Bei etwa einem von 1.000 Erkrankten kommt es wenige Tage nach dem Hautausschlag zu einer Hirnhautentzündung, die durch das Masernvirus verursacht wird (also nicht mit Antibiotika behandelt werden kann). Etwa 10–20 % der Betroffenen sterben daran, das entspricht etwa 1 Toten auf 10.000 an Masern Erkrankten. Bei etwa 20–30 % (2–3 pro 10.000) bleiben schwere Folgeschäden zurück (z. B. Hirnschäden oder Lähmungen).1

Bei Personen mit einer Immunschwäche treten deutlich häufiger schwere Komplikationen, wie eine Hirnentzündung auf.

Achten Sie in der Zeit nach der Masernerkrankung besonders auf die entsprechenden Krankheitssymptome und reagieren Sie rasch, falls diese auftreten.

Das Risiko für Folgekrankheiten ist in den ersten Wochen nach der Maserninfektion am größten, laut neueren Studien kann das Immunsystem jedoch bis zu 2 oder 3 Jahre lang geschwächt sein.

Sehr selten – in 4–11 Fällen von 100.000 Masernkranken – kann 6 bis 8 Jahre nach der Masernerkrankung eine so genannte SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalitis, auftreten. Kinder, die zum Zeitpunkt der Maserninfektion jünger als 5 Jahre sind, sind besonders gefährdet (das Risiko wird auf 20–60 Fälle pro 100.000 Masern-Fälle geschätzt.). Die SSPE ist durch eine unaufhaltsame und schleichende Zerstörung der Zellen des Gehirns gekennzeichnet und führt nach 2 bis 3 Jahren zum Tod. In Deutschland traten von 2003 bis 2009 insgesamt 19 SSPE-Fälle bei Kindern unter 16 Jahren auf.1

Impfbedingte Reaktionen

Die Impfung ist trotz möglicher Impfreaktionen gut verträglich. Bei etwa 5 von 100 Geimpften kommt es in den ersten 3 Tagen nach der Impfung durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe ebenfalls an. Auch kurzfristige Allgemeinsymptome wie eine leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.

Da es sich um eine Lebendimpfung mit abgeschwächten Viren handelt, können 1–4 Wochen nach der Impfung bei etwa 2 bis 5 von 100 Geimpften leichte „Impf-Masern“ beobachtet werden: Fieber verbunden mit einem schwachen masernähnlichen Ausschlag. Diese Krankheit ist jedoch nicht ansteckend. Auch eine leichte Schwellung der Ohrspeicheldrüse ist gelegentlich möglich. Von Jugendlichen und Erwachsenen (sehr selten bei Kindern) sind Gelenkbeschwerden berichtet worden. Selten wird eine leichte Hodenschwellung beobachtet. Solche Impfreaktionen sind in der Regel vorübergehend und klingen ohne Folgen wieder ab.1

Masernartiger Ausschlag nach der MMR-Impfung
Masernartiger Ausschlag nach der MMR-Impfung

Ist die Impfung gefährlich?

Nebenwirkungen sind selten. Im Zusammenhang mit einer Temperaturerhöhung kann es beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) kommen. Allergische Reaktionen auf den Impfstoff sind möglich, ebenso länger andauernde Gelenkentzündungen. Beides ist aber sehr selten. Nur in Einzelfällen verminderte sich vorübergehend die Zahl der Blutplättchen, die für die Gerinnung zuständig sind. Wie infolge der Krankheit wird als sehr seltene Nebenwirkung auch eine mögliche Gehirnentzündung nach der Impfung diskutiert; weltweit sind diese nach Impfung in wenigen Einzelfällen beobachtet worden (allerdings deutlich seltener als nach einer Maserinfektion). Ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung konnte jedoch nicht belegt werden.

Eine Impfung sollte nicht durchgeführt werden bei schweren Krebserkrankungen, bei Vorliegen einer Immunschwäche oder einer Therapie mit Immunsuppressiva sowie  bei einer HIV-Infektion mit schwerer Immunsuppression. Die Impfstoffe enthalten in der Regel Hühnereiweiß; trotzdem ist auch eine schwere Allergie gegen Hühnereiweiß nicht grundsätzlich ein Hindernis für eine Impfung, es sollten allerdings Vorsichtsmaßnahmen und eine besondere ärztliche Überwachung erfolgen. Bei schweren Erkrankungen v. a. mit Fieber sollte die Impfung erst nach Genesung erfolgen. In der Schwangerschaft sind Impfungen mit Lebendimpfstoffen wie MMR kontraindiziert; allerdings wurden bisher bei zufällig in der Schwangerschaft geimpften Frauen keine gehäuften Risiken beobachtet.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Masern-Impfung bei Kindern. Köln, BZgA 2016. www.impfen-info.de
  2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Masern-Impfung bei Erwachsenen. Köln, BZgA 2016. www.impfen-info.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Masern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Robert-Koch-Institut.Epidemiologisches Bulletin Nr. 1/2017. Zugriff 11.1.2017 www.rki.de
  2. World Health Organization: New measles surveillance data for 2019. www.who.int
  3. World Health Organization: Measles cases spike globally due to gaps in vaccination coverage. www.who.int
  4. World Health Organzation: Mesles in Europe: record number of both sick an immunized. www.euro.who.int
  5. World Health Organization: Ten threats to global health in 2019. www.who.int
  6. Rober Koch Institut Epidemiologische Situation der Masern und Röteln in Deutschland in 2018; Stand: 1.2.2019. www.rki.de
  7. Robert-Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Masern. Stand: 06.02.2019; Zugriff 20.05.2019 www.rki.de
  8. KIGGS Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Zugriff 20.5.2019 www.kiggs-studie.de
  9. Robert-Koch-Institut. Stellungnahme der STIKO: Fachliche Anwendungs­hinweise zur Masern-Post­expositions­prophylaxe bei Risiko­personen. Epidemiologischen Bulletin 2/2017. Zugriff 29.01.2018 www.rki.de
  10. Gesellschaft für Virologie. Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. AWMF-Leitlinie Nr. 093-001. Stand 2014 www.awmf.org
  11. Kabra SK, Lodha R. Antibiotics for preventing complications in children with measles. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 8. Art. No.: CD001477. DOI: 10.1002/14651858.CD001477.pub4 DOI
  12. Leuridan E, Hens N, Hutse V, et al. Early waning of maternal measles antibodies in era of measles elimination: longitudinal study. BMJ 2010; 340: c1626. BMJ (DOI)
  13. Cherry JD, Zahn M. Clinical Characteristics of Measles in Previously Vaccinated and Unvaccinated Patients in California. Clin Infect Dis 2018; 67: 1315-9. pmid:29878209 www.ncbi.nlm.nih.gov
  14. arznei-telegramm: Im Blickpunkt: MASERN: IST ES ZEIT FÜR EINE IMPFPFLICHT IN DEUTSCHLAND? a-t 2019; 50: 41-3. www.arznei-telegramm.de
  15. Young MK, Nimmo GR, Cripps AW, Jones MA. Post-exposure passive immunisation for preventing measles. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 4. Art. No.: CD010056. DOI: 10.1002/14651858.CD010056.pub2 DOI
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  17. Hviid A, Hansen JV, Frisch M, Melbye M. Measles, Mumps, Rubella Vaccination and Autism: A Nationwide Cohort Study. Ann Intern Med 2019. pmid:30831578. www.ncbi.nlm.nih.gov