Ringelröteln (Erythema infectiosum)

Ringelröteln sind eine typische Kinderkrankheit. Sie zeigen in der Regel einen milden Verlauf mit typischem Hautausschlag ohne Fieber oder beeinträchtigtem Allgemeinzustand. In einigen Fällen kommt es zu milden Erkältungssymptomen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was sind Ringelröteln?

Bei Ringelröteln (Erythema infectiosum) handelt es sich um eine häufige Viruserkrankung mit Hautausschlag, die durch das Parvovirus B19 hervorgerufen wird. Die Erkrankung tritt alle 4-5 Jahre in kleinen Epidemien auf, insbesondere im Winter und im Frühjahr. Am häufigsten sind Kinder im Vorschulalter betroffen. Es können aber Menschen aller Altersgruppen erkranken. Es ist eine harmlose Erkrankung, die allerdings für Schwangere ein Risiko darstellen kann.

Die Inkubationszeit, d. h. die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt ca. 14 Tage. Bis zum Ausbruch des Hautausschlages kann die Krankheit auf andere übertragen werden.

Die Erkrankung wird auch die „fünfte Krankheit“ genannt, da sie die fünfte in einer Reihe von Kinderkrankheiten ist, die sich durch einen ähnlichen Hautausschlag kennzeichnen. Die anderen vier Kinderkrankheiten sind Masern, Röteln, Scharlach und Dreitagefieber.

Infektion bei Schwangeren

Es kommt vor, dass sich schwangere Frauen mit dem Parvovirus B19 infizieren. Die Infektion kann während der Schwangerschaft auf das Ungeborene übertragen werden, und es kann zu schweren Schädigungen des Fötus kommen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie kann die Prognose für das Ungeborene verbessern. Daher sollte auf mögliche Infektionen bei schwangeren Frauen geachtet werden. In diesem Artikel erfahren Sie mehr: Infektion mit dem Parvovirus während der Schwangerschaft.

Symptome


Ringelröteln verlaufen in den meisten Fällen ohne eine Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes und ohne Fieber. Ihr milder Verlauf kann in einigen Fällen von leichten Erkältungssymptomen begleitet sein. Sie machen sich insbesondere durch den charakteristischen Hautausschlag erkennbar, der ihnen zur englischen Bezeichnung  "slapped cheak disease" (Ohrfeigenkrankheit) verhalf.

Ringelröteln verlaufen oft in zwei Phasen, aber nicht bei allen Patienten treten diese Phasen oder Symptome auf. Die erste Phase (Prodromalphase) beginnt etwa eine Woche nach der Infektion und dauert zwei bis drei Tage. Symptome können Kopfschmerzen (20 %), Fieber (20 %), Halsschmerzen (15 %), Juckreiz (15 %), Husten (10 %), Bauchschmerzen (10 %) oder Gelenkschmerzen (10 %) sein. Diese Symptome treten häufiger bei Erwachsenen als bei Kindern auf, dies gilt insbesondere für Gelenkschmerzen (bis zu 50 %). Die häufigsten Gelenkbeschwerden treten in Händen, Hand- und Kniegelenken sowie im Knöchel auf. Auf die erste Phase folgt ein krankheitsfreier Zeitraum von sieben bis zehn Tagen, danach kommt es zu dem typischen Hautausschlag, der wiederum in drei Phasen verläuft:

  • Phase 1: leuchtend roter Ausschlag auf den Wangen, markante Blässe um den Mund und leichtes Fieber. Der Ausschlag ähnelt einer Ohrfeige.
  • Phase 2: dauert ein bis vier Tage und kennzeichnet sich durch punktuellen Hautausschlag auf den Schultern, Oberarmen, dem Oberkörper und manchmal auf den Oberschenkeln. Der Ausschlag verblasst nach und nach und bildet ein gitterartiges Muster (Marmorierung der Haut). Handflächen und Fußsohlen sind meist nicht betroffen.
  • Phase 3: Der Ausschlag kann über Wochen, manchmal Monate, immer wieder auftreten. Mögliche Ursachen können körperliche Aktivitäten oder eine Reizung oder Überhitzung der Haut durch Baden oder Sonne sein.
  • Der Ausschlag juckt meist, insbesondere bei Erwachsenen.

Eine Parvovirusinfektion kann aber auch ganz ohne Symptome oder Krankheitsanzeichen bei Kindern und Erwachsenen auftreten.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Die Ansteckung erfolgt wie bei einer Erkältung von Mensch zu Mensch durch Husten (Tröpfcheninfektion) oder Kontakt von Hand zu Hand. Die Krankheit ist nur in der Woche vor dem Hautausschlag ansteckend. Bricht der Hautausschlag aus, ist die Person nicht mehr ansteckend.

Therapie

Die Erkrankung muss nicht behandelt werden. Sie geht nach einigen Tagen von selbst vorüber und birgt kein Risiko für Komplikationen. Eine Ausnahme bilden schwangere Frauen (siehe unten).

Den Patienten wird empfohlen sich zu schonen, da die Abwehrkräfte herabgesetzt sind. Ringelröteln sind nur ansteckend, bevor der Hautausschlag ausbricht.

Kindergarten/Tagesmutter

Kinder mit Ausschlag können in den Kindergarten/zur Tagesmutter gehen, wenn sie fieberfrei sind.

In der Schwangerschaft

Die Infektion mit dem Parvovirus kann bei manchen Schwangeren zu schweren gesundheitlichen Problemen für den Fötus führen. Sind Sie schwanger und vermuten Sie, dass Sie sich mit dem Parvovirus infiziert haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Eine schwangere Frau mit einer Parvovirusinfektion kann die Krankheit auf den Fötus übertragen. Obwohl die meisten schwangeren Frauen mit einer Parvovirusinfektion ein normales, gesundes Kind gebären, besteht ein geringes Risiko, dass das ungeborene Kind eine Schädigung erleiden kann. In einigen Fällen ist eine Therapie möglich (siehe Artikel: Infektion mit dem Parvovirus während der Schwangerschaft).

Der Arzt kann über ein Blutbild der schwangeren Frau Antikörper gegen das Parvovirus nachweisen. Durch den Test, gegebenenfalls zusammen mit einem zweiten Test etwa zwei bis drei Wochen später, kann nachgewiesen werden, ob Sie sich vor kurzem mit dem Parvovirus infiziert haben.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Ringelröteln
Ringelröteln
Ringelröteln
Ringelröteln
Ringelröteln
Ringelröteln

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Ringelröteln (Erythema infectiosum). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Parvovirus B19-Stellungnahmen des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit -Bundesgesundheitsblatt Sept 2010 ; 53:944–956 www.rki.de
  2. Modrow S, Gärtner B. Parvovirus-B19-Infektion in der Schwangerschaft. Deutsches Ärzteblatt 2006; 43: 2869-76. www.aerzteblatt.de
  3. Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Viruskrankheiten / Gesellschaft für Virologie. Labordiagnostik schwangeschaftsrelevanter Virusinfektionen. S2k-Leitlinie. AWMF-Leitlinie Nr 0093/001, Stand 2014. www.awmf.org