Scharlach

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Was ist Scharlach?

Scharlach (Scarlatina) zählt zu den typischen Kinderkrankheiten. Es kommt zu einer akuten Rachenentzündung mit Fieber, die durch Streptokokken-Bakterien hervorgerufen wird. Im Verlauf entwickelt sich ein roter, nicht juckender Ausschlag am Körper. Später schuppt sich die Haut an Händen und Füßen. Es gibt aber auch leichte Verläufe, bei denen nicht alle Symptome vorhanden sind. So kann die Krankheit ohne Fieber, Rachenentzündung oder auch ohne Hautausschlag verlaufen.

Insbesondere im Herbst und im Winter kann es zu Epidemien mit Streptokokkeninfektionen kommen. Bei 30–40 % aller Patienten mit Halsschmerzen sind beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (GAS) für die Streptokokkeninfektion verantwortlich.

Streptokokken kommen bei etwa 1–21 % aller gesunden Menschen im Hals vor ohne Krankheitssymptome zu verursachen.

Symptome

Die Krankheit beginnt mit Halsschmerzen und Fieber (38–40 °C). Der Allgemeinzustand kann beeinträchtigt sein. Nach einiger Zeit kommt es meist zu Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen. In einigen Fällen können auch Ohrenschmerzen im Vordergrund stehen. Der Krankheitsverlauf kann manchmal milde sein, ohne dass ein starkes Unwohlsein auftritt.

Nach einem halben bis zwei Tagen kommt es häufig zu einem Ausschlag mit einer deutlichen Rötung im Gesicht und markanter Blässe um den Mund. Der Ausschlag kann sich auf Hals, Oberkörper, Leiste und die Genitalien ausweiten und hält in der Regel ca. eine Woche an. Im Anschluss kommt es zu einer typischen Schuppung an Handflächen und Fußsohlen. Häufig ist auch die Zunge betroffen, die durch ihr charakteristisches Aussehen als „Himbeerzunge" beschrieben wird.

Ursache

Durch Scharlach wird eine Immunreaktion im Körper ausgelöst. Das Bakterium sondert ein Gift  ab, worauf der Körper mit einer Entzündungsreaktion und einer erhöhten Durchblutung der Haut reagiert. Dadurch entsteht der typische Hautausschlag.

Die Ansteckung erfolgt über die sogennante Tröpfcheninfektion. Beim Sprechen, Husten oder Niesen gelangen die Erreger über kleinste Speicheltröpfchen in die Luft. Nach Kontakt mit dem Erreger dauert es etwa ein bis drei Tage bis die Erkrankung ausbricht. Mit Ausbruch der Erkrankung ist man für seine Umwelt ansteckend. Ohne Antibiotikatherapie erstreckt sich die Ansteckungsgefahr über einen Zeitraum von ca. drei Wochen. Bei einer Antibiotikatherpaie ist man nach 24 Stunden ab der ersten Einnahme nicht mehr ansteckend.

Diagnostik

Eine Krankengeschichte mit Rachenentzündung, Fieber und rotem Ausschlag ist typisch. Die Diagnose kann dadurch in den meisten Fällen mit Sicherheit ohne weitere Untersuchungen gestellt werden. Bei Unsicherheit und leichten oder untypischen Verläufen können über einen Rachenabstrich mit einem Schnelltest Streptokokken nachgewiesen werden.

Therapie

Durch eine Therapie mit dem Antibiotikum Penicillin werden die Bakterien abgetötet. Klassischer Scharlach muss behandelt werden, um Folgekomplikationen zu vermeiden und die schwere der Krankheit zu mildern. Bei einer Penicillinallergie können andere Antibiotika verwendet werden. Eine Antibiotikabehandlung kann bei sehr leichten Verläufen abgewogen werden.

24 Stunden nach Therapiebeginn besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. Dann kann das Kind wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen, wenn es der Allgemeinzustand zulässt und das Kind kein Fieber hat. Ohne Behandlung besteht eine Ansteckungsgefahr über einen Zeitraum von bis zu drei Wochen.

Prognose

Die Rachenentzündung geht in der Regel zwei bis drei Tage nach Beginn der Therapie zurück und ist nach einer Woche vollständig abgeklungen. Auch der Ausschlag verschwindet innerhalb einer Woche. Typischerweise kommt es ein bis zwei Wochen nach Beginn der Krankheit zu einer Abschuppung der Haut an Händen und Füßen.

Die Rachenentzündung kann sich in Ausnahmefällen zu einem Peritonsillarabszess entwickeln. Dies macht sich dadurch bemerkbar, dass die Therapie nicht anschlägt und es zu starken Halsschmerzen und Problemen beim Öffnen des Mundes kommt. Verschlechtert sich der Zustand, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Die Therapie muss in diesem Fall intensiviert werden. Es erfolgen die Einweisung in ein Krankenhaus und die intravenöse Gabe von Antibiotika. Eventuell muss der Abszess chirurgisch eröffnet werden.

Eine Nierenschädigung nach einer Streptokokkeninfektion ist heutzutage durch die Antibiotikatherapie sehr selten geworden.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Himbeerzunge bei Scharlach
Himbeerzunge bei Scharlach

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Scharlach. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Entzündliche Erkrankungen der Gaumenmandeln / Tonsillitis, Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 017-024, Stand 2015. www.awmf.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Halsschmerzen. AWMF-Leitlinie Nr. 053-010, Stand 2009 www.awmf.org
  3. Robert Koch Institut. RKI-Ratgeber für Ärzte: Streptococcus pyogenes-Infektionen. Berlin, Stand 2018 www.rki.de