Außendrehung der Füße, Charlie-Chaplin-Gang

Der Außendrehung der Füße bei Kindern ist in den meisten Fällen eine normale Abweichung, die sich von selbst korrigiert, wenn das Kind zu laufen beginnt.

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Außendrehung der Füße, Außengang

Die Außendrehung der Füße ist ein häufiges Problem bei Kleinkindern. Eltern erkennen die Fehlstellung in der Regel dann, wenn das Kind damit beginnt aufzustehen, jedoch bevor es laufen kann. Die Füße können in diesem Fall stark nach außen gedreht sein. Beginnt das Kind zu laufen, erinnert der Gang an Charlie Chaplins Gangart.

Eine Außendrehung der Füße ist weniger verbreitet als eine Innendrehung. Meistens zeigen sich die Veränderungen symmetrisch an beiden Füßen. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Normvariante, die sich selbst korrigiert.

Ursachen

Die Außendrehung der Füße wird durch Rotationsabweichungen in den Beinen oder Hüften verursacht. Offenbar liegt die Erklärung in der Position des Ungeborenen in der Gebärmutter während der Schwangerschaft, mit nach außen rotierten Hüften. Es sind drei Hauptursachen für Rotationsabweichungen bekannt:

  1. Steifigkeit im Hüftgelenk (Kontraktur der Hüftmuskulatur) infolge der Beinposition in der embryonalen Phase: Die Hüftgelenke sind nach außen rotiert und können nur begrenzt nach innen gedreht werden. Der Außengang ist typischerweise symmetrisch und normalisiert sich um das 1. Lebensjahr, wenn das Kind zu laufen beginnt.
  2. Außenrotierter Unterschenkel (Tibiatorsion): Diese Fehlstellung nimmt mit dem Wachstum zu und wird meist zwischen dem 4. und 7. Lebensjahr erkannt. In der Regel treten keine Schmerzen oder Funktionseinschränkungen auf.
  3. Außenrotierter Oberschenkelhals (Femur-Retrotorsion): Dies ist die seltenste Ursache für eine Außendrehung der Füße und tritt häufiger bei übergewichtigen Kindern auf. Das Hüftgelenk ist dabei stärker nach außen rotiert.

Symptome

Die Füße sind stark nach außen gedreht. Dies fällt besonders beim Laufen auf („Charlie-Chaplin-Gang"). Das Kind kann ungeschickt erscheinen und gelegentlich stolpern.

Eine Außendrehung der Füße bei Kindern verläuft in der Regel ohne Beschwerden. Klagt das Kind über Schmerzen in den Beinen, ist eventuell ein hinkendes Gangbild zu erkennen oder nur ein Bein nach außen rotiert, sind andere Grunderkrankungen zu vermuten. Dann sollten eine Erkrankung des Hüftkopfes (Epiphysiolyse), Zerebralparese und die Perthes-Krankheit ausgeschlossen werden.

Diagnose

Die Diagnose ist aufgrund der typischen Veränderungen einfach zu stellen. Die meisten Fälle im Säuglingsalter beruhen auf einer Steifigkeit im Hüftgelenk. Veränderungen, die nach dem 2. Lebensjahr diagnostiziert werden, sind meistens auf Rotationsabweichungen des Schienbeins (Tibia) zurückzuführen. Derartige Veränderungen prägen sich ab dem 3. Lebensjahr tendenziell weiter aus. Rotationsabweichungen des Oberschenkels fallen meist erst später auf.

Die Ärztin/der Arzt untersucht die Beine und den Gang des Kindes. Dabei werden nach außen gedrehte Füße festgestellt. Sind die Veränderungen in der Hüfte lokalisiert, sind die Kniescheiben seitlich nach außen gedreht. Bei Veränderungen aufgrund der Rotation des Schienbeins zeigen die Kniescheiben gerade nach vorn.

Bildgebende Verfahren sind nur erforderlich, wenn Unsicherheit in Bezug auf andere Ursachen der Außendrehung besteht.

Behandlung

Eine Außendrehung der Füße, die durch Steifigkeit im Hüftgelenk verursacht wird, korrigiert sich im Laufe des 1. Lebensjahres meist von selbst, wenn das Kind zu laufen beginnt.

Eine Rotation des Schienbeins oder des Oberschenkels bleibt häufig auch nach dem 5. Lebensjahr bestehen. Halten die Veränderungen noch an, wenn das Kind sich dem Schulalter nähert, sollte das Kind einem Orthopäden vorgestellt werden. Bei der überwiegenden Mehrheit dieser Kinder normalisiert sich die Fußstellung durch das weitere Wachstum und die Entwicklung. Andere Behandlungsmethoden wie der Einsatz von Schienen oder Gipsbehandlungen bleiben ohne Wirkung. Physiotherapie kann jedoch helfen, das Gangmuster zu verbessern. Nur in seltenen Fällen, wenn Schmerzen und andere Beschwerden auftreten, wird ein chirurgischer Eingriff empfohlen.

Prognose

Die Prognose ist in den meisten Fällen sehr gut. Die Fehlstellung bessert sich in der Regel von selbst.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Außengang. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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