Foto mit freundlicher Genehmigung von CDC (PHIL)

Klumpfuß

Ein Klumpfuß ist eine angeborene Fehlstellung eines Fußes oder beider Füße. Die Diagnose wird bei der Geburt, in einigen Fällen während einer Ultraschalluntersuchung vor der Geburt gestellt.

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Was ist ein Klumpfuß?

Ein Klumpfuß ist angeboren und hat eine typische, leicht zu erkennende Form. Bei der Diagnosestellung wird deshalb auf Röntgenuntersuchungen oder andere Untersuchungen verzichtet. Die Fehlstellung wird entweder bereits während der Schwangerschaft per Ultraschall entdeckt oder gleich nach der Geburt erkannt. Beim Klumpfuß, medizinisch Pes varus genannt, ist der Mittelfuß auffällig stark nach unten gewölbt, die Fußsohle ist nach innen gedreht und auch der Vorfuß zeigt nach innen. Häufig besteht zusätzlich ein Spitzfuß, dann Pes equinovarus genannt, das heißt, Fußballen und Zehen sind zusätzlich nach unten gerichtet. Im Fachbegriff Pes equinovarus adductus wird auch noch betont, dass der Vorfuß adduziert ist, also nach innen gedreht. In der Regel geht diese Fehlstellung auch mit Veränderungen bzw. Verkürzungen der Sehnen und Bänder im Fuß einher.

Wird diese Fehlstellung nicht behandelt, kann das Kind kaum laufen lernen bzw. nie normal gehen. In etwa der Hälfte der Fälle tritt diese Fehlbildung an beiden Füßen auf, einige Kinder leiden darüber hinaus noch an weiteren angeborenen Krankheiten.

Häufigkeit

Einen Klumpfuß weisen 1–2 von 1.000 lebend geborenen Kindern pro Jahr in Deutschland und anderen west- und mitteleuropäischen Ländern auf. Bei Jungen ist diese Fehlstellung 2- bis 3-mal häufiger als bei Mädchen festzustellen.

Ursachen

Die Ursache ist nicht bekannt, die genetische Veranlagung scheint jedoch eine gewisse Rolle zu spielen. Leidet bereits ein Kind an einem Klumpfuß, liegt das Risiko, dass ein weiteres Kind ebenfalls diese Fehlstellung aufweisen wird, bei 10 %. Besteht bei einem Elternteil ein Klumpfuß, liegt das Risiko für das Kind bei 3–4 %; sind beide Eltern betroffen, steigt das Risiko auf 30 %.

Diagnose

Die Diagnose wird bei der ärztlichen Routineuntersuchung kurz nach der Geburt des Kindes gestellt. Heutzutage wird die Fehlstellung in zahlreichen Fällen auch bereits bei einer Ultraschalluntersuchung vor der Geburt erkannt. Eine Röntgenuntersuchung ist nicht notwendig, um einen Klumpfuß zu erkennen, gibt allerdings zur Planung der Therapie oft wichtige zusätzliche Hinweise.

Der Arzt wird sorgfältig prüfen, wie stark die Fehlstellung ausgeprägt ist, wie beweglich der Fuß ist und ob weitere Auffälligkeiten am anderen Fuß oder den anderen Extremitäten oder auch andere Erkrankungen vorliegen. 

Behandlung

Die Diagnose wird auf der Entbindungsstation gestellt und die Behandlung beginnt möglichst bereits in der ersten oder zweiten Lebenswoche. 

Die meisten Ärzte bzw. Krankenhäuser behandeln einen Klumpfuß nach der sogenannten Ponseti-Methode, da diese sich in Untersuchungen als sehr effektiv herausgestellt hat. Das Prinzip beruht darauf, dass der Fuß schrittweise durch Dehnung und Gips sowie im Verlauf meist auch einen chirurgischen Eingriff sowie eine längere Verwendung einer Orthese mit der Zeit in eine möglichst normale Stellung gebracht wird.

Zunächst wird der Fuß von hierauf spezialisierten Ärzten oder Fachpersonal etwas gedehnt und eingegipst. Der Gips wird jeweils nach etwa 1 Woche entfernt, der Fuß nochmals weiter gedehnt und wieder eingegipst. Nach etwa 6 Wochen ist bei den meisten Kindern dann eine deutliche Korrektur zu sehen, das heißt, der Fuß zeigt nicht mehr nach innen. Die Spitzfußstellung jedoch erfordert meist einen operativen Eingriff, in dem die verkürzte Achillessehne verlängert wird. Anschließend muss dies drei weitere Wochen im Gips ausheilen. 

Der darauffolgende Behandlungsschritt ist die Verordnung eines eigens angepassten Schuhs und einer Schiene (Orthese), die den Fuß in der richtigen Position hält. Diese Schiene wird kontinuierlich über einen Zeitraum von drei Monaten getragen, was für insbesondere für die Eltern viel Mitarbeit und Geduld verlangt. Zu diesem Zeitpunkt beginnen viele Kinder zu krabbeln, sodass die Orthese nur noch nachts und eventuell im Schlaf während des Tages anzuwenden ist, bis das Kind das 4. Lebensjahr erreicht hat. Diese anspruchsvolle und langwierige Behandlungsform bringt eine zusätzliche Belastung für Eltern und Kinder mit sich.

Prognose

Rückfälle und die Notwendigkeit erneuter Behandlungszyklen mit Dehnungsübungen und Gipsbehandlungen oder auch einer Operation treten in bis zur Hälfte der Fälle auf, am ehesten bei den Kindern, die anfangs eine stark ausgeprägte Fehlstellung aufwiesen und/oder die Orthese kürzer als 2 Jahre getragen haben. Falls die Gipsbehandlungen oder die Orthesebehandlung nicht die gewünschte Wirkung zeigen, ist in Ausnahmefällen ein größerer chirurgischer Eingriff notwendig. Grundsätzlich hat die Ponseti-Methode jedoch eine höhere Erfolgsquote als die alleinige Operation.

Laut Studien fallen die Resultate der Ponseti-Methode in 78 % der Fälle sehr gut oder gut aus. Nach der Behandlung hat der Fuß bei den meisten ein normales Aussehen und die Kinder können ihn ganz normal belasten. Viele Patienten empfinden den Fuß jedoch als ein wenig steif. Wird die Fehlstellung nicht behandelt, so ist das Risiko für Schäden im Fußgelenk (Arthrose) im Alter von etwa drei Jahren sehr groß.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Klumpfuß. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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