Hüftgelenksentzündung, seröse Coxitis bei Kindern

Die seröse Coxitis ist eine Entzündung des Hüftgelenks bei Kindern. Die Erkrankung tritt häufig relativ plötzlich auf und zeigt sich dadurch, dass das Kind Schmerzen hat und die Belastung des Gelenks vermeidet. Die Entzündung heilt von selbst aus.

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Was ist eine Hüftgelenksentzündung bei Kindern?

Bei der serösen Coxitis handelt es sich um eine meist kurzzeitige entzündliche Reaktion der dünnen Häute innerhalb des Hüftgelenks bei Kindern. Die Beschwerden treten in der Regel relativ plötzlich auf und zeigen sich dadurch, dass das Kind Schmerzen hat und die Belastung des Gelenks vermeidet, also mit dem betroffenen Bein nicht mehr auftreten möchte. Das Kind beginnt zu hinken und die Beweglichkeit des Gelenks ist eingeschränkt. Kleinkinder haben oft Schwierigkeiten damit, die Schmerzquelle zu benennen und können beispielsweise eher über Bauchschmerzen oder Knieschmerzen klagen. Zudem können die Schmerzen in der Hüfte auch in den Oberschenkel und das Knie ausstrahlen. Für die Eltern und Ärzte ist es daher nicht immer unmittelbar ersichtlich, dass es sich um eine Erkrankung der Hüfte handelt. Dennoch ist häufig zu beobachten, dass das Kind das Hüftgelenk leicht gebeugt und nach außen gedreht hält, da diese Position die geringsten Schmerzen verursacht.

Die seröse Coxitis ist die häufigste Hüfterkrankung bei Kindern. Sie tritt meist im Alter von 3–8 Jahren und bei Jungen doppelt so häufig wie bei Mädchen auf. In ca. 5 % der Fälle sind beide Hüftgelenke von der Erkrankung betroffen.

Ursachen

An der Entzündung sind weder Bakterien noch Viren beteiligt. Die Ursache ist nicht sicher geklärt. Möglicherweise ist die Erkrankung auf eine Reaktion des Immunsystems (das körpereigene Abwehrsystem) zurückzuführen, die zu einer Reizung der Gelenkhaut der Hüfte führt. Solche Reaktionen sind im Rahmen von bakteriellen oder viralen Infektionen an anderen Stellen des Körpers möglich und rund 70% der Betroffenen litten kurz zuvor unter einer Infektion der Atemwege. Eine weitere möglich Erklärung ist, dass die Erkrankung als Folgeschaden einer Hüftverletzung, beispielsweise nach einem Sturz, auftritt. Allerdings werden im Durchschnitt nur bei 20–30 % der betroffenen Kinder vorausgegangene Verletzungen des Hüftgelenks beschrieben. 

Diagnostik

Die Symptome sind häufig typisch und äußern sich als Gelenkschmerzen, hinkendem Gang und Schonhaltung. Die Schmerzen bestehen seit maximal 2 Wochen. Bei selteneren und schwerwiegenderen Hüfterkrankungen treten ähnliche Symptome auf, bestehen dann aber in der Regel über längere Zeit. Außerdem liegen bei anderen Hüftkrankheiten bei Kindern meist zusätzliche Symptome etwa an der Haut oder anderen Organen vor. Der Arzt wird also genau nach den vorliegenden Beschwerden fragen und das Kind genau körperlich untersuchen, wobei er sich auf das Hüftgelenk konzentriert. Oft lassen sich neben den Schmerzen eine verminderte Beweglichkeit und die oben beschriebene Schonhaltung feststellen.

Um andere Erkrankungen auszuschließen, sind weitere Untersuchungen indiziert. Blutuntersuchungen werden durchgeführt, um Entzündungsparameter zu bestimmen. In einer Ultraschalluntersuchung lässt sich oft vermehrte Flüssigkeit im Gelenk (ein Gelenkerguss) feststellen, was die Diagnose Coxitis unterstützt, aber kein völlig sicherer Hinweis ist. Das Röntgenbild zeigt bei einer Coxitis keine Auffälligkeiten, was wichtig ist, um andere Krankheiten ausschließen zu können (z. B. Veränderungen der Knochen, Hüftkopflösung).

Bei der Abgrenzung anderer Krankheiten ist es besonders wichtig, eine bakterielle Entzündung des Hüftgelenks (septische Arthritis) auszuschließen, da diese ohne rasche Therapie schwerwiegend verlaufen kann. Eine solche Infektion geht mit Fieber einher; in einer Probe der Gelenkflüssigkeit lassen sich im Labor Bakterien nachweisen, die Entzündungszeichen im Blut sind stark erhöht. 

Üblicherweise lässt sich die Diagnose beim Hausarzt oder Kinderarzt stellen. Ist sich dieser sich aber nicht sicher, ob doch eine septische Arthritis vorliegt, ist das Kind deutlich allgemein eingeschränkt oder bessern sich die Symptome nicht innerhalb von 3 Wochen, wird der Arzt wahrscheinlich an einen anderen Facharzt überweisen. 

Behandlung

In der Akutphase ist die Erkrankung oft nicht mit Sicherheit von vielen anderen, schwerwiegenderen Erkrankungen zu unterscheiden. Bis auf die septische Arthritis erfordern diese jedoch in der Regel auch keine sofortige spezielle Therapie. Ist daher eine septische Arthritis ausgeschlossen, wird dem Kind Ruhe und Entlastung für einige Wochen empfohlen. Schmerzmittel sind oft hilfreich.

Meist sind die Schmerzen nach 3–6 Tagen schon deutlich besser, es können aber 3–6 Wochen vergehen, bis die Beschwerden ganz abgeklungen sind. Um den Verlauf beurteilen zu können und andere Krankheiten nicht zu übersehen, wird der Arzt eine Kontrolluntersuchung nach etwa 2 Wochen empfehlen. Sind die Beschwerden dann deutlich zurückgegangen und verschwinden dann im Verlauf, bestätigt dies im Nachhinein sicher die Diagnose Coxitis.

Prognose

Es handelt sich um eine gutartige Erkrankung. Die Symptome bilden sich innerhalb von 3–6 Wochen vollständig zurück und die Gesundheit des Kindes ist wieder hergestellt. Die Erkrankung hinterlässt keine bleibenden Schäden.

In wenigen Fällen kann die seröse Coxitis ein Vorläufer der schwerwiegenderen Erkrankung Morbus Perthes sein. Deshalb ist eine Röntgenkontrolle innerhalb von 6 Monaten nach dem Ausbruch der Erkrankung zu empfehlen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Coxitis fugax. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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