Sichelfuß, nach innen gedrehter Oberschenkel

Eine der häufigsten Ursachen für einen einwärts gerichteten Fuß bei Kindern ist der nach innen rotierte Oberschenkelhals. Die Fehlstellung entwickelt sich im Alter von 3–6 Jahren, normalisiert sich jedoch meist bis zum 11. Lebensjahr.

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Die Femur-Antetorsion und der Sichelfuß

Beim Sichelfuß handelt es sich um eine recht häufige Fehlstellung bei Kleinkindern. Einer der häufigsten Gründe dafür, dass Füße und Beine nach innen gedreht sind, ist eine erhöhte Einwärtsdrehung des Oberschenkels, die sogenannte Femur-Antetorsion. „Femur" ist der lateinische Begriff für Oberschenkelknochen und „Antetorsion" bedeutet Verdrehung nach vorne. Dies ist die häufigste Ursache für einen Einwärtsgang bei gesunden Kindern.

Im Wachstumsalter sind 13 % der Kinder betroffen. Die Einwärtsdrehung des Oberschenkels tritt in der Regel beidseitig und häufiger bei Mädchen als bei Jungen auf. Sie beginnt meist im Alter von 3‒4 Jahren und normalisiert sich bis zum Jugendalter.

Ursachen

Die Einwärtsdrehung und die Außendrehung der Füße zählen zu den häufigsten anatomischen Variationen des Bewegungsapparates. Bei den meisten Kindern mit dieser Entwicklungsvariante richtet sich der Knochen im Laufe des Wachstums spontan auf. Eine mögliche Erklärung für diese Rotation der Beine ist die Position des Kindes im Mutterleib, in der die Hüften gebeugt und nach außen gedreht werden, während die Beine und Füße nach innen gedreht sind. Oft besteht auch eine erbliche Veranlagung.

Symptome

Diese Erkrankung nehmen die Eltern meist zur Kenntnis, wenn das Kind 3–4 Jahre alt ist. Bis zum Alter von 6 Jahren prägt sich die Fehlstellung häufig noch weiter aus. Das Kind läuft mit nach innen gerichteten Füßen, was das Gangbild ein wenig unbeholfen erscheinen lässt. In manchen Fällen ist die Fehlstellung derart ausgeprägt, dass das Kind die Tendenz zeigt, über die eigenen Füße zu stolpern. Das Kind sitzt, von hinten betrachtet, häufig in einer „W-Position", dem sogenannten umgekehrten Schneidersitz, die Hüfte nach innen rotiert, das Gesäß auf dem Boden zwischen den Unterschenkeln. In der Regel sind beide Beine nach innen gedreht.

Die Einwärtsdrehung der Füße verursacht meist keine Schmerzen, und die Fehlstellung hat keinen störenden Einfluss auf die Entwicklung der Gangstabilität, auch wenn Kinder mit einem Innengang möglicherweise häufiger stolpern als andere Kinder, vor allem dann, wenn sie müde sind.

Diagnostik

Zur Diagnosestellung schaut sich der Arzt Beine und Füße genau an. Eine Einwärtsdrehung der Füße wird festgestellt, wenn die Vorderfüße einander zugewandt sind. Bei einer erhöhten Einwärtsdrehung des Oberschenkels zeigen gleichzeitig die Kniescheiben nach innen, was verdeutlicht, dass die Ursache oberhalb des Kniegelenks zu suchen ist.

In einigen Fällen muss der Arzt eine angeborene Hüftdysplasie ausschließen. Zu diesem Zweck wird eine Röntgenaufnahme der Hüftgelenke angefertigt.

Behandlung

Diese Fehlstellung der Oberschenkelknochen normalisiert sich in den meisten Fällen von selbst zwischen dem 6.–8. Lebensjahr oder etwas später. In der Regel ist eine Normalisierung der Fehlstellung bis zur Pubertät zu erwarten. Keine andere Behandlungsmethode hat sich als wirksam erwiesen.

In seltenen und sehr ausgeprägten Fällen ist ein chirurgischer Eingriff möglich. Der Eingriff kann jedoch zu Komplikationen führen, weshalb er möglichst vermieden wird.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Femur-Antetorsion, erhöhte. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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