Pylorusstenose

Bei einer Pylorusstenose ist die ringförmige Muskulatur des Magenpförtners (Pylorus) verdickt, was zu einer Verengung des Magenausgangs führt. Die Erkrankung tritt im Säuglingsalter auf und führt zu schwallartigem Erbrechen.

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Was ist eine Pylorusstenose?

Magen mit Pylorusstenose
Magen mit Pylorusstenose

Bei der Pylorusstenose, auch hypertrophe Pylorusstenose genannt, handelt es sich um eine Verengung (Stenose) des Magenpförtners (Pylorus). Die Verengung wird durch eine Verdickung (Hypertrophie) der Muskeln in diesem Teil des Magens verursacht. Als Folge tritt eine verzögerte oder eingeschränkte Magenentleerung und schwallartiges Erbrechen auf. Von der Erkrankung sind Säuglinge betroffen, meist erst einige Wochen nach der Geburt. Bei manchen Kindern bildet sich die Verdickung von selbst zurück. In den meisten Fällen ist jedoch eine Operation erforderlich, bei der die verdickten Muskeln mit einem Längsschnitt durchtrennt werden (Myotomie).

Die Pylorusstenose tritt bei 1–3 von 1.000 Neugeborenen auf. Jungen sind 4- bis 5-mal häufiger betroffen als Mädchen.

Ursache

Die Ursache für die Entstehung einer Pylorusstenose ist unbekannt. Allerdings tritt die Erkrankung in manchen Familien gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Nach der Gabe eines Antibiotikums (Erythromycin) in den ersten Lebenstagen kann das Risiko für das Auftreten einer Pylorusstenose erhöht sein. Bei nichtgestillten Säuglingen wurde ebenfalls beobachtet, dass die Erkrankung häufiger auftritt.

Die Erkrankung kommt durch eine Verdickung der ringförmigen Muskulatur am Übergang zwischen Magen und Zwölffingerdarm zustande. Der Magenausgang ist somit teilweise oder vollständig blockiert, sodass die Nahrung nicht in den Darm gelangen kann und erbrochen wird. Durch das Erbrechen kann es zum Verlust von Magensäure und damit zu einer Störung des Säure-Basen-Haushalts kommen. Die ausgeprägten Bewegungen der Magen- und Darmmuskulatur aufgrund der erschwerten Magenentleerung sowie die Verdickung der Muskulatur können von außen sichtbar sein.

Diagnostik

Meist wird die Diagnose anhand der typischen Symptome gestellt. Im Alter von meist 2–4 Wochen tritt bei betroffenen Säuglingen kurz nach der Nahrungsaufnahme starkes Erbrechen auf. In manchen Fällen können kleinen Blutbeimengungen im Erbrochenen oder kaffeesatzartiges Erbrechen auffallen. Im weiteren Verlauf tritt das Erbrechen regelmäßiger und stärker auf. In manchen Fällen setzt das Kind nur kleine Stuhlmengen ab oder hat selten Stuhlgang.

Bei Frühgeborenen können sich die Symptome später als bei reif geborenen Säuglingen zeigen.

In der körperlichen Untersuchung wirkt das Kind meist unruhig und unzufrieden. Möglicherweise kann bereits ein Flüssigkeitsmangel, Abgeschlagenheit und Unterernährung festgestellt werden. Das Gesicht kann dann faltenartig verzogen sein, wodurch das Kind „greisenhaft" wirkt. Häufig lässt sich eine etwa olivengroße Verdickung im Oberbauch ertasten.

Dem Kind wird Blut abgenommen und es wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Diese Untersuchung ist für das Kind in der Regel nicht unangenehm, lässt sich einfach durchführen und liefert zuverlässige Ergebnisse.

Therapie

Das Therapieziel besteht darin, eine Unterernährung, Flüssigkeitsmangel und Störungen des Säure-Basen-Haushalts zu verhindern. Sollten diese Symptome bereits eingetreten sein, werden sie zunächst behandelt.

Bei einem leichten Verlauf kann ggf. abgewartet werden, da sich die Erkrankung in manchen Fällen von selbst zurückbildet. In diesem Fall sollte das Kind häufiger und mit kleinen Portionen (z. B. mit einem Löffel) gefüttert werden. Eventuell kann auch ein Medikament verabreicht werden, das eine Entspannung der Muskulatur bewirkt.

In schweren Fällen kann jedoch auch eine Operation erforderlich sein. Über einen kleinen Schnitt oder über einen laparoskopischen Zugang wird der verdickte Muskel längs gespalten, ohne die Mageninnenschicht zu durchtrennen. Nach und nach beginnt anschließend der Kostaufbau. 

Prognose

Die Erkrankung geht mit einer günstigen Prognose einher. Die Operation ist sicher und wirkungsvoll. Komplikationen treten sehr selten auf. Nach der Operation erholt sich der Säugling in der Regel schnell.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pylorusstenose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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