Schlafprobleme bei Kindern – Informationen für Eltern

Schlafprobleme bei Kindern sind häufig. Oft hängen sie damit zusammen, dass Kinder abends nicht zur Ruhe kommen und/oder in der Nacht aufwachen.

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Was sind altersentsprechende Schlafgewohnheiten?

Schlafgewohnheiten ändern sich im Laufe der Entwicklung. Die Ursachen für die Entstehung für Schlafproblemen sind dementsprechend vielfältig und abhängig vom Alter. Um Schlafprobleme bzw. -störungen von normalem Schlafverhalten abgrenzen zu können, sind im Folgenden Informationen zu altersabhängigen Schlafgewohnheiten zusammengefasst.

1. Lebensjahr

Neugeborene schlafen in Perioden von 2–4 Stunden und haben keinen festen biologischen Rhythmus. Dieser wird vor allem durch die Nahrungsaufnahme bestimmt. Erst im Alter von 3–4 Monaten passt sich der Schlafrhythmus an den Tag-Nacht-Rhythmus an. Die meisten Säuglinge schlafen in etwa 14–18 Stunden pro Tag, davon meist ca. 5 Stunden in der Nacht. 70 % der Säuglinge schlafen mit 3 Monaten, 90 % mit 5 Monaten allein im Bettchen ein, finden bei nächtlichem Erwachen selbst in den Schlaf und schlafen 6–8 Stunden durch. Im 2. Lebenshalbjahr kommt es im Rahmen größerer Entwicklungsschübe häufig zu vorübergehenden Schlafproblemen mit nächtlichem Aufwachen und Schreien, die die Vermittlung von Geborgenheit und Nähe zu vertrauten Personen erfordern.

Kleinkinder 1–5 Jahre


Kleinkinder schlafen ca. 11–14 Stunden pro Tag, es bestehen jedoch große Schwankungen. Sie benötigen weniger und kürzere Schlafperioden während des Tages und macht schließlich keinen Mittagsschlaf mehr. Konflikte und Störungen beim Zubettgehen und Durchschlafen treten typischerweise im 2. Lebensjahr sowie im 3.–4. Lebensjahr auf. Dies liegt u. a. daran, dass sich im 2. Lebensjahr zunehmend die Selbstständigkeit des Kindes entwickelt und Grenzen ausgetestet werden, z. B. durch Weigerung, ins Bett zu gehen. Im 3.–4. Lebensjahr haben Kinder eine ausgeprägte Fantasie und träumen intensiv, weshalb es öfter zu Albträumen kommen kann oder Furcht vor der Dunkelheit entsteht, was das Einschlafen erschwert.

Schulkinder 6–12 Jahre

Schulkinder benötigen ca. 10–11 Stunden Schlaf pro Tag. Es können deutliche Unterschiede der Schlafgewohnheiten von Kindern im Schulalter vorliegen.

Jugendliche 13–18 Jahre

Während der Pubertät verschiebt sich häufig der Schlafrhythmus. Jugendliche schlafen oft später ein und benötigen ca. 9 Stunden Schlaf pro Tag. Auch hier gibt es eine große individuelle Streubreite, wie viel Schlaf benötigt wird.

Schlafstörungen

Schlafstörungen kennzeichnen sich dadurch, dass sie während eines Großteils der Nächte pro Woche auftreten und über mindestens einen Monat anhalten. Man unterscheidet Einschlaf- von Durchschlafstörungen, die oft kombiniert auftreten. Von Einschlafstörungen spricht man, wenn Kinder erst verzögert einschlafen und z. B. öfter den Kontakt zu den Eltern benötigen, um einzuschlafen. Bei Durchschlafstörungen erwachen Kinder nachts häufig über einen längeren Zeitraum, brauchen Beruhigung durch die Eltern oder wechseln ins elterliche Bett. Als Kriterium für Schlafstörungen wird die Dauer des Wachseins je nach Alter des Kindes beurteilt. Schlafstörungen werden in der Regel nicht vor einem Alter von 12 Monaten diagnostiziert.

Da Schlafstörungen meist durch mehrere Faktoren entstehen und altersabhängig unterschiedlich sind, kann keine generelle Ursache für die Entstehung von Schlafstörungen genannt werden. Oft liegt eine erschwerte Kommunikation zwischen Eltern und Kind zugrunde, welche z. B. durch Missverständnisse oder Interaktionsprobleme geprägt ist. Auslöser für Schlafstörungen können aber auch die Änderung der Schlafumgebung, die Anwesenheit fremder Personen bzw. die Abwesenheit vertrauter Personen beim Zubettgehen, die Geburt eines Geschwisterkindes oder andere Änderungen der familiären Situation sein.

Manchmal können Schlafprobleme auf Infekte, Allergien oder andere Grunderkrankungen zurückgehen. Körperliche Ursachen sollten deshalb durch einen Kinderarzt ausgeschlossen werden. Schlafwandeln, der Pavor nocturnus (Nachtschreck), nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus), nächtliches Einnässen (Enuresis) sowie das Restless-Legs-Syndrom können zu Schlafstörungen führen. Seltener treten Schlafstörungen im Rahmen einer Narkolepsie auf. Auch bei Kindern kann ein Schlafapnoe-Syndrom vorkommen. Besonders bei Jugendlichen kann sich in manchen Fällen ein Syndrom der verzögerten Schlafphase hinter einer Schlafstörung verbergen.

Als Komplikationen von Schlafstörungen können negative Auswirkungen auf die Lernfähigkeit, die Gedächtnisfunktion, die Aufmerksamkeit und das Wohlbefinden auftreten. Es besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Übergewicht.

Maßnahmen gegen Schlafprobleme

Einige Maßnahmen können helfen, um Ein- und Durchschlafprobleme zu verringern und die Entstehung einer dauerhaften (chronischen) Schlafstörung zu vermeiden. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Einführung einer individuellen und altersentsprechenden Schlafhygiene. Siehe hierzu auch den Artikel Schlafprobleme bei Kindern unter drei Jahren.

Schlafhygiene

Für eine gute Schlafhygiene ist zunächst ein strukturierter Tagesablauf mit geregelten Einschlaf- und Aufstehzeiten von großer Bedeutung. Tagsüber sollte sich das Kind viel an der frischen Luft bewegen und durch Spiele angeregt werden. Gegen Abend sollte das Aktivitätsniveau verringert werden, z. B. durch kuscheln oder vorlesen. Aufregende Aktivitäten wie Sport, Fernsehen oder Computerspiele behindern die Entspannung und sollten vermieden werden. Nach dem Abendessen sollte genügend Zeit zum Verdauen sein. In der Regel ist leichte Kost abends besser geeignet. Auf koffeinhalte Getränke sollte generell bei Kindern verzichtet werden. Ins Bett zu gehen sollte den Kindern Spaß machen und nicht mit Zwang oder Strafe verbunden sein. Außerdem sollte das Kind ausreichend müde und nicht übermüdet sein. Achten Sie auf Müdigkeitszeichen wie Augenreiben, Gähnen oder Gereiztheit beim Spielen. Zum Mittagsschlaf sollten mindestens 4 Stunden Abstand sein. Eine Zubettgehzeit nach 21 Uhr sollte vermieden werden. Es kann sich ebenfalls negativ auf den Schlaf auswirken, wenn Kinder schlafend (nicht müde) ins Bett gelegt werden.

Das Bett ist allein zum Schlafen gedacht. Andere Aktivitäten sollten nicht im Bett stattfinden, wie Lesen, Spielen, Fernsehen oder Herumtoben. Ein festes Einschlafritual kann dem Kind Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Je nach Alter kann z. B. vorgelesen oder ein Hörspiel angeschaltet werden. Dies kann dem Kind helfen, selbstständig in den Schlaf zu finden. Helles Licht, Lärm oder extreme Temperaturen im Kinderzimmer können den Schlaf stören. Deshalb sollte eher auf eine gedämpfte Beleuchtung zurückgegriffen werden. Vielen Kindern hilft es, wenn die Tür einen Spalt offen bleibt und die gedämpften Stimmen der Eltern beim Einschlafen zu hören sind. Bei Kleinkindern sind Einschlafhilfen sinnvoll, z. B. in Form einer Kuscheldecke, eines Kuscheltiers oder eines Schnullers. Halten Sie das Kinderzimmer in jedem Fall rauchfrei.

Wenn Säuglinge oder Kleinkinder nachts aufwachen, sollten sie nicht sofort aus dem Bett genommen werden. Beruhigende Worte oder die Wiederholung des Einschlafrituals können dem Kind helfen, zurück in den Schlaf zu finden. Kinder über 6 Monaten brauchen in der Regel keine nächtlichen Mahlzeiten mehr. Deshalb sollte ab diesem Alter wenn möglich darauf verzichtet werden, nachts Essen oder Trinken anzubieten.

Schlafprobleme bei Jugendlichen

Jugendliche brauchen in der Regel eine Stunde mehr Schlaf. Oft verlegt sich die Zubettgehzeit nach hinten. Unter der Woche kann es sein, dass durch den frühen Schulbeginn deshalb nicht ausreichend geschlafen wird. Meist wird der fehlende Schlaf dann am Wochenende nachgeholt. Schlafprobleme werden von den Eltern oft nicht direkt erkannt, können aber durch eine verstärkte Müdigkeit bei Tagesbeginn ersichtlich werden. Wenn Jugendliche durch Schlafprobleme einen Leistungsabfall erleben oder wenn sie sich trotz des nachgeholten Schlafs nicht erholen, sollte eine körperliche Grunderkrankung ausgeschlossen werden.

Durch ein Schlafprotokoll kann der Schlafbedarf ermittelt und die Zubettgeh- und Aufstehzeit angepasst werden. Diese sollte möglichst auch am Wochenende eingehalten werden. In einigen Fällen kann es schwierig sein, Jugendliche zu einer Verhaltensänderung den Schlaf betreffend zu bewegen. Ggf. können kurze Ruhe- oder Schlafphasen tagsüber von 20 Minuten Dauer helfen, allerdings mit genügend Abstand zum Nachtschlaf. Ansonsten ist die Einhaltung einer an das Alter angepassten Schlafhygiene ebenfalls hilfreich. Z. B. sollten nachmittags keine koffeinhaltigen Getränke konsumiert und auf Alkohol verzichtet werden. Ebenso sind anstrengende Aktivitäten direkt vor dem Zubettgehen zu vermeiden, wie Sport, Computerspiele, Lernen. Zum Abendessen ist ein Abstand von mindestens einer Stunde empfehlenswert. Ein Abendritual kann Kontinuität schaffen. Auch bei Jugendlichen gilt, dass das Bett nicht für andere Aktivitäten, wie Fernsehen, genutzt werden sollte.

Was tun bei Schlafproblemen?

Wenn Sie Schlafprobleme bei Ihrem Kind beobachten, kann es zunächst helfen, den Schlafbedarf zu ermitteln, z. B. durch das Führen eines Schlafprotokolls. Möglicherweise hat das Kind Schlafprobleme, weil es den Mittagsschlaf nicht mehr benötigt. 

Tritt eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit auf oder sind die Schlafstörungen bereits seit längerem vorhanden, sollte der Kinderarzt aufgesucht werden. Gleiches gilt, wenn außergewöhnliche Verhaltensweisen des Kindes während der Nacht beobachtet werden oder wenn es tagsüber zu Konzentrationsstörungen und zu unruhigem Verhalten kommt. Schnarcht Ihr Kind während des Schlafs, ist ebenfalls eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.

Wenn Sie bemerken, dass Sie nicht mehr mit der Situation zurechtkommen, können Sie ebenfalls Ihren Kinderarzt, eine spezialisierte Kinderschlafambulanz oder Kinderklinik aufzusuchen, um Unterstützung zu bekommen. Es gibt spezielle Techniken, die von Eltern angewandt werden können, damit das Kind gute Schlafgewohnheiten erlernt. Möglicherweise hilft es dem betroffenen Kind, Entspannungstechniken zu erlernen, z. B. autogenes Training oder Muskelrelaxation nach Jacobsen. Fragen Sie hierzu Ihre Kinderärztin. Eine medikamentöse Behandlung ist bei Schlafproblemen in der Regel nicht angezeigt.

Weitere Informationen

Patientenratgeber zu Schlafstörungen im Kindesalter

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Parasomnien bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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