Purpura Schönlein-Henoch

Die Purpura Schönlein-Henoch ist eine Entzündung der kleinen Blutgefäße, die bevorzugt Haut, Gelenke, Darm und Nieren betrifft. Sie tritt am häufigsten im Vorschul- und Schulalter nach einem vorausgehenden Atemwegsinfekt oder anderen Auslösern (z. B. Medikamenten) auf, beginnt akut und verläuft häufig in Form mehrerer Schübe. In der großen Mehrzahl der Fälle heilt die Erkrankung folgenlos aus.

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Fakten

  • Es handelt sich um eine Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis) infolge einer überschießenden Abwehrreaktion des Körpers .
  • Sie tritt meist bei Kindern zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr auf.
  • Die Erkrankung kann Haut, Darm, Nieren und Gelenke betreffen.
  • Eine Purpura Schönlein-Henoch tritt nach bakteriellen und viralen Infektionen, z. B. Rachenentzündungen, Insektenstichen, Allergien und Kälteexposition sowie Medikamenteneinnahme auf.
  • Die Entzündungsreaktion in den kleinen Blutgefäßen führt zu einer erhöhten Abgabe von Flüssigkeit und Blutungen der Blutgefäße, was zu Symptomen in verschiedenen Organen führt.
  • Die Krankheit heilt in den meisten Fälle innerhalb einiger Wochen von selbst aus und hinterlässt keine Spuren.
  • Bis zu zwei Jahre nach dem ersten Ausbruch kann die Krankheit erneut auftreten.

Was ist Purpura Schönlein-Henoch?

Es handelt sich um eine Krankheit, die durch eine Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis) hervorgerufen wird. Die Krankheit kann Haut, Darm, Nieren und Gelenke betreffen. In über 90 % der Fälle erkranken Kinder unter zehn Jahren. Die Krankheit betrifft häufiger Jungen als Mädchen. Sie tritt meist im Alter zwischen vier und sechs Jahren auf. Studien haben gezeigt, dass ungefähr 10 von 100.000 Kindern daran erkranken. Am häufigsten tritt Purpura Schönlein-Henoch im Winterhalbjahr auf. Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, wodurch die Entzündung in den kleinen Blutgefäßen verursacht wird.

Auch die Nieren können von der Krankheit betroffen sein, was der Erkrankte oftmals nicht bemerkt. Manchmal befindet sich auch etwas Blut im Urin. In seltenen Fällen werden die Nieren so schwer angegriffen, dass sie aufgrund der Krankheit weniger Urin als normal produzieren.

Symptome

Hautblutungen

Die Krankheit tritt manchmal nach einer leichten Infektion der oberen Atemwege auf. In den meisten Fällen beginnt die Krankheit mit einem Ausschlag, aber in 10–25 % der Fälle treten erst andere Symptome auf. Ein roter Ausschlag tritt meist erst an den Füßen auf und breitet sich danach nach oben aus. Danach kann sich der Ausschlag in lilafarbene Hautblutungen, die erhöht sein können, verändern. Diese treten meist an Beinen, Po und Armen auf. Gelenkschmerzen (bei ca. 75 %) und Magenschmerzen (bei ca. 50–75 %) können ebenfalls ein frühes Anzeichen für die Krankheit sein. Blutiges Erbrechen oder blutiger Stuhlgang treten in mehr als der Hälfte der Fälle auf. Bei 10–15 % der Patienten treten Schmerzen und geschwollene Hodensäcke auf. Krämpfe, vorübergehende Lähmungen und Koma sind sehr seltene Symptome der Purpura Schönlein-Henoch.

Ursache

Die Krankheit hat keine eindeutige Ursache, tritt aber nach bakteriellen und viralen Infektionen – z. B. Rachenentzündungen –, Insektenstichen, Allergien und Kälteexposition sowie der Einnahme verschiedener Medikamente, darunter Antibiotika, auf. Antikörper des Typs IgA spielen ebenfalls eine Rolle. Die Entzündungsreaktion in den kleinen Blutgefäßen führt zu einer erhöhten Abgabe von Flüssigkeit und Blutungen der Blutgefäße, was zu Symptomen in verschiedenen Organen führt.

Diagnostik

Petechien, Glastest

Um festzustellen, ob es sich bei den Beschwerden um Purpura Schönlein-Henoch handelt, führt der Arzt Blut- und Urinuntersuchungen durch. Bei mehr als der Hälfte der Patienten weist die Urinprobe darauf hin, dass die Krankheit auch die Nieren betrifft. Diese Patienten müssen in regelmäßigen Abständen über mehrere Monate kontrolliert werden: es muss geprüft werden, ob die Nieren weiterhin normal funktionieren.

Therapie

Die Krankheit heilt meist innerhalb einiger Wochen von selbst aus und hinterlässt keine Spuren. In den meisten Fällen ist keine Behandlung notwendig. Äußert sich der Zustand nach einer bakteriellen Infektion, z. B. im Rachen, wird die Infektion meist mit Antibiotika behandelt. Schmerzlindernde und entzündungshemmende Mittel, sogenannte NSAR-Präparate, können zur Linderung der Beschwerden verabreicht werden; Bettruhe und Schonung können ebenso wirkungsvoll sein.

Treten große Hautblutungen (blaue Flecken) auf, sollten Sie Ihr Kind im Krankenhaus genauer untersuchen lassen. Die Beschwerden können schließlich auch eine andere Ursache haben. Auch für den Fall, dass die Nieren stark angegriffen sind, kann eine Untersuchung im Krankenhaus notwendig sein. Im Krankenhaus können Medikamente, sogenannte Steroide, verabreicht werden. Diese Medikamente hemmen die Abwehrreaktion des Körpers, die zu der heftigen Entzündungsreaktion beigetragen hat, aber Steroide werden nur in schweren Fällen verabreicht.

Prognose

Bei den meisten Menschen führt die Krankheit nicht zu bleibenden Schäden. Sie sollten allerdings beachten, dass die Krankheit bis zu zwei Jahre nach dem ersten Ausbruch mehrmals wiederkehren kann. Einer von vier Patienten hat über ein Jahr Beschwerden der Nieren, aber nur ein sehr kleiner Teil, ca. 1 bis 3 %, erkrankt an einer chronischen Nierenerkrankung.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln
  • Günter Ollenschläger, Professor für Innere Medizin, Uniklinikum Köln
  • Terje Johannessen, Professor für Allgemeinmedizin, Universität Trondheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Purpura Schönlein-Henoch. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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