Zahnen

Beim Durchbruch der Milchzähne durchs Zahnfleisch können kleine Kinder leicht ins Weinen geraten. Die meisten Eltern wissen darüber gut Bescheid. Hier folgen einige Tipps, wie Sie die Symptome lindern können.

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Die ersten Zähne brechen in der Regel im Alter von 6–12 Monaten durch, der Zeitpunkt kann sich aber von Kind zu Kind stark unterscheiden. Meist kommen die zwei vorderen Schneidezähne im Unterkiefer zuerst, dann die beiden vordersten Zähne im Oberkiefer. Nach rund zwei Jahren hat das Kind alle 20 Milchzähne.1

Typische Anzeichen für das Zahnen

Das erste Anzeichen für das Zahnen kann sein, dass das Kind einen stärkeren Speichelfluss hat. Das „Sabbern" kann schon zwei Monate vor dem Durchbrechen des ersten Zahns beginnen. Im Zusammenhang mit dem Zahnen ist es normal, dass das Kind unruhig ist und mehr weint als sonst. Kinder, die zahnen, wollen verstärkt auf harten Gegenständen herumkauen und sie stecken häufig ihre Finger oder Faust in den Mund.2 Wenn die Zeit für neue Zähne gekommen ist und das Zahnfleisch geschwollen ist, dann ist das Zahnen eine sehr wahrscheinliche Erklärung für das Verhalten des Kindes.

Wie lassen sich die Beschwerden lindern?

Am besten sollten die Zahnungsbeschwerden ohne Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel gelindert werden. Die meisten Eltern sind besorgt, wenn ihr Kind sein Verhalten ändert, und für die Eltern ist der Stress des Kindes oft leichter zu ertragen, wenn sie eine Erklärung dafür haben. Das Zahnen führt in erster Linie zu Symptomen in der Mundhöhle. Durchfall und Fieber sind in der Regel keine Anzeichen für das Zahnen.3 Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, die Beschwerden zu lindern, falls Zahnen die Ursache ist:

  • Massieren: Sie können das schmerzende Zahnfleisch vorsichtig mit einem Beißspielzeug, mit einem kleinen Tuch, mit sauberen Fingern oder einem Silikonfingerling massieren.
  • Beißring: Beißringe sollten über einen guten Bisswiderstand verfügen. Am besten sind Beißspielzeuge aus reinem Gummi, da es bei den mit Flüssigkeit gefüllten Varianten zu Löchern kommen kann. Sauger an Nuckelflaschen können auch als guter Widerstand fürs Zahnfleisch dienen. Dafür sollte die Flasche unbedingt mit Wasser gefüllt sein, denn Säfte, süße Getränke und auch Milch können zu Karies und weiteren Beschwerden führen.
  • Kühlen: Wenn der Gegenstand, mit dem das Zahnfleisch massiert wird, gekühlt ist, sorgt dies offensichtlich für weitere Linderung. Allerdings sollte der Gegenstand nicht gefroren sein: Starke Kälte kann für das Kind nicht nur unangenehm, sondern auch schädlich sein. Es reicht ein mit kaltem Wasser getränktes Tuch oder ein Beißring aus dem Kühlschrank. Kaltes Wasser oder gekühltes Essen (z. B. gekühlter Babybrei) kann auch eine lindernde Wirkung haben.

Medikamentöse Therapie

Zwar lassen sich durch Medikamente die Symptome beim Zahnen lindern, sie sollten aber zurückhaltend eingesetzt werden. Bei starken Schmerzen können Sie Paracetamol geben. Auch Mundgele mit pflanzlichen Inhaltsstoffen aus Kamille oder Salbei können die Beschwerden lindern. In einigen Mundgelen ist Lidocain enthalten, das örtlich betäubend wirkt.2 Medikamente, die auf das Zahnfleisch aufgetragen werden, werden durch den vermehrten Speichelfluss des Kindes jedoch schnell weggespült und zeigen daher kaum Wirkung. Wenn das Baby den mit Medikamenten gemischten Speichel schluckt, kann das den Schluckreflex des Kindes dämpfen und Beschwerden verursachen, statt sie zu lindern.

Örtlich betäubende Mittel, die Lidocain oder Benzocain enthalten, können bei Überdosierung zu einer schweren Nebenwirkung namens Methämoglobinämie führen. Falls Sie Ihr Kind mit einem solchen Medikament behandelt haben und das Kind Symptome wie Blässe, gräuliche oder bläuliche Verfärbung von Haut, Lippen oder Fingernägeln, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Verwirrung, Kopfschmerzen, Schwindel und Herzrasen bekommt, wenden Sie sich sofort an einen Arzt. Insbesondere bei Kleinkindern kann dieses Erkrankungsbild auftreten, es ist in Deutschland jedoch selten. Daher ist es besonders wichtig, die korrekte Dosierung einzuhalten. Verwenden Sie nur Mundgele mit einem niedrigen Lidocain-Gehalt! Direkt nach der Anwendung sollte Ihr Kind nichts essen oder trinken.2

Wie werden die neuen Zähne gepflegt?

Schon vor dem Durchbruch der Milchzähne ist eine gute Mundhygiene empfehlenswert. Reinigen Sie das Zahnfleisch des Babys täglich mit einem sauberen, feuchten Tuch. Bei Kindern mit hohem Gaumen kann auch ein sanfter Wischzug über den Gaumen hilfreich sein. Eine solche Vorbereitung auf die Zahnpflege macht es für das Kind auch leichter, sich später an die Reinigung mit der Zahnbürste zu gewöhnen. Der Zweck der Reinigung ist, ein übermäßiges Bakterienwachstum im Mund des Kindes zu verhindern.

Kurz bevor der erste Zahn erscheint, können Sie zu einer kleinen, weichen Zahnbürste wechseln. Die Empfehlungen für Fluorid variieren ein wenig, aber sowohl Lutschtabletten als auch Zähneputzen mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta sind gute Maßnahmen. Bis zum Alter von 3 Jahren sollte nur eine kaum sichtbare Menge Kinderzahnpasta auf die Bürste aufgetragen werden. Danach sollte laut allgemeinen Empfehlungen die Menge der Kinderzahnpasta der Größe einer Erbse entsprechen. Bei Kindern unter 6 Jahren sollten Erwachsene das Zähneputzen beim Kind übernehmen, bis das Kind über ausreichend motorische Koordination verfügt, sich selbst richtig die Zähne zu putzen. Bis zum Alter von etwa 12 Jahren sollten Sie das Zähneputzen beaufsichtigen.

Die ersten zahnärztlichen Untersuchungen stehen bei Kindern spätestens im 3. Lebensjahr an. Wenn sich Eltern unsicher sind, was die Mundhygiene angeht, sollten sie sich auch schon vorher an einen Zahnarzt wenden. In speziellen Fällen (unter anderem bei bestimmten angeborenen Erkrankungen oder erhöhtem Kariesrisiko) sollte die zahnärztliche Betreuung bereits beim ersten Zahn einsetzen.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Aktion Zahnfreundlich e. V. Milchzähne - Gesund vom ersten Zähnchen an. Berlin, 2014. www.bzaek.de
  2. Bruhn C. Zahnen ohne Qualen. Deutsche Apotheker Zeitung 2015; 42: 42. www.deutsche-apotheker-zeitung.de
  3. Bouferrache K, Pop S, Abarca M, Madrid C. Der Kinderarzt und die Zähne der Kleinsten. Paediatrica 2010; 21: 20-25. www.swiss-paediatrics.org

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Karies bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. United States Public Health Service, Office of the Surgeon General. Oral health in America: a report of the Surgeon General. Rockville, Md.: Dept. of Health and Human Services, U.S. Public Health Service, 2000.
  2. Douglass JA, Douglass AB, Silk HJ. A practical guide to infant oral health. Am Fam Physician 2004; 70: 2113-22. PubMed
  3. Seow WK. Biological mechanisms of early childhood caries. Community Dent Oral Epidemiol 1998; 26(1 suppl):8-27.
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  5. Nguyen DH, Martin JT. Common dental infections in the primary care setting. Am Fam Physician 2008; 77: 797-802. PubMed
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  8. Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe. AWMF-Leitlinie Nr. 083-001, Stand 2014. www.awmf.org
  9. Sanches OM, Childers, NK. Anticipatory guidance in infant oral health: rationale and recommandations. Am Fam Physician 2000; 61: 115-24. PubMed
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  11. Recommendations for using fluoride to prevent and control dental caries in the United States. Centers for Disease Control and Prevention. MMWR Recomm Rep 2001; 50(RR-14):1-42.
  12. Erickson PR, McClintock KL, Green N, LaFleur J. Estimation of the caries-related risk associated with infant formulas. Pediatr Dent 1998; 20:395-403. PubMed
  13. Chestnutt IG, Schafer F, Jacobson AP, Stephen KW. The influence of toothbrushing frequency and post-brushing rinsing on caries experience in a caries clinical trial. Community Dent Oral Epidemiol 1998; 26:406-11. PubMed