Übergewicht bei Kindern

Im Allgemeinen wird Normalgewicht bzw. Übergewicht anhand des Body-Mass-Index (BMI) definiert. Bei Kindern jedoch gilt eine erweiterte Definition, die sich an dem üblichen Körpergewicht je nach Altersklasse orientiert. Übergewichtig ist dementsprechend, wer einen höheren BMI aufweist als 90 % der gleichaltrigen Mädchen/Jungen. Extrem adipös sind Kinder mit einem BMI, der höher ist als 99,5 % derselben Altersklasse. Da übergewichtige Kinder ein erhöhtes Risiko für zahlreiche verschiedene Krankheiten tragen, ist es wichtig, ein  gesundes Körpergewicht zu halten bzw. wieder zu erlangen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Übergewicht bei Kindern – was ist das?

Der Normalbereich des Body-Mass-Index (BMI) ist bei Kindern je nach Alter und Geschlecht unterschiedlich. Für diese Altersgruppe wird daher die prozentuale Verteilung des Körpergewichts/BMI in den einzelnen Altersgruppen je nach Geschlecht berücksichtigt. Daraus ergeben sich die folgenden Definitionen für Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit):

  • Normalgewicht: BMI-Perzentile < 90
  • Übergewicht: BMI-Perzentile > 90–97
  • Adipositas: BMI-Perzentile > 97–99,5
  • Schwere Adipositas: BMI-Perzentile > 99,5

Hier können Sie genauere Informationen sowie BMI-Kurven in Bezug auf das Lebensalter finden: BMI und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen 

Der BMI lässt sich einfach berechnen: BMI = kg/m2

Früher war Übergewicht bei Kindern seltener als heute. Seit einigen Jahrzehnten jedoch stellt es bei Kindern in „gut entwickelten“ Ländern eines der am weitesten verbreiteten Probleme im Gesundheitswesen dar. In den USA gilt 1 von 3 Kindern als übergewichtig, 16 % fallen in die Kategorie adipös – und das Problem nimmt immer weiter zu. 

In Deutschland werden Daten zur Gesundheit von Kindern regelmäßig in der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) erhoben. 2018 wurden in der KiGGS Welle 2 die Daten von 2014–2017 veröffentlicht. Danach gilt für Kinder und Jugendliche von 3–17 Jahren: 15,4 % sind übergewichtig, davon 5,9 % adipös.1 Gemäß der Daten von 2003–2006 galt für 6,3 % eine Adipositas. Für Deutschland scheint sich der Trend der ständig zunehmenden Häufigkeit von Übergewicht also seit einigen Jahren abzuschwächen, die Zahlen stagnieren oder sind sogar etwas rückläufig. 

Für die einzelnen Altersgruppen war Übergewicht in der KiGGS Welle 2 unterschiedlich häufig:

  • 3–6 Jahre: Mädchen 10,8 %; Jungen 7,3 % 
  • 7–10 Jahre: Mädchen 14,9 %; Jungen 16,1 %
  • 11–13 Jahre: Mädchen 20,0 %; Jungen 21,1 %
  • 14–17 Jahre: Mädchen 16,2 %; Jungen 18,5 %

Für die Adipositas stieg die Häufigkeit bei Jungen und Mädchen mit zunehmendem Alter an: 7,7 % der jugendlichen Mädchen und 9,2 % der jugendlichen Jungen sind adipös.

Folgen

Übergewicht bringt nicht nur soziale und emotionale Probleme für die Kinder mit sich, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder als Erwachsene übergewichtig sind – und damit das Risiko schwerer Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und andere Gefäßkrankheiten. Übergewicht ist mit Störungen des Fettstoffwechsels und Zuckerstoffwechsels verbunden. Darüber hinaus sind übergewichtige Kinder im Vergleich zu den Altersgenossen häufiger von emotionalen Problemen (niedriges Selbstwertgefühl, gedrückte Stimmung) und Stigmatisierung bzw. Mobbing betroffen. Außerdem erreichen Menschen mit Übergewicht im Durchschnitt einen geringeren sozialen Status als normalgewichtige Personen, und das unabhängig von Bildung, dem Abschneiden in Intelligenztests und der sozialen Schicht der Eltern.

Wir als Erwachsene und Eltern können eine Reihe von Dingen tun, um diesem Problem bei unseren Kindern entgegenzuwirken. Wir können zu einem gesunden Essverhalten ermuntern und den Zugang zu Süßigkeiten einschränken. Wir können zu körperlicher Aktivität anregen und die Zeit vor dem Fernseher oder Computer begrenzen. Am besten lässt sich dies natürlich erreichen, indem wir mit gutem Beispiel vorangehen!

Ursachen

Vereinfacht ausgedrückt besteht die Ursache von Übergewicht darin, dass wir mehr essen, als wir durch körperliche Aktivität verbrauchen. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Wir wissen, dass Kinder, die nahe Verwandte (Mutter, Vater, Geschwister) mit Übergewicht haben, eher dazu neigen, selbst übergewichtig zu werden. Erbliche Faktoren beeinflussen das Körpergewicht also auch. Leidet eine Frau während der Schwangerschaft an Diabetes, so steigt das Risiko für Übergewicht bei ihrem Kind etwas an. Umgekehrt werden Kinder, die gestillt wurden, seltener übergewichtig als Kinder, die Säuglingsnahrung erhalten haben.

Auch die Ernährungsgewohnheiten haben sich im Laufe der Zeit verändert. Früher haben die Menschen mehr gesunde Nahrungsmittel in Form von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten zu sich genommen. Heute trinken wir mehr zuckerhaltige Getränke und essen mehr „Fast Food“ und Snacks unterschiedlichster Art. Gemeinsam ist diesen Nahrungsmitteln, dass sie viele „wertlose“ Kalorien enthalten, d. h. dass sie reich an Kalorien in Form von Zucker und Fett sind, aber kaum andere wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe liefern.

Auch die körperliche Aktivität hat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich abgenommen. Fernsehen und Computer haben dazu geführt, dass sich Kinder heute im Durchschnitt viel weniger bewegen als früher. Zudem verführen die neuen Aktivitäten auch noch zum Essen von Snacks und Süßigkeiten (nicht zuletzt durch Werbung). Außerdem scheinen Eltern heute im Alltag weniger Zeit zu haben als früher. Häufig entscheiden sie sich deshalb für den „einfachen Weg“, wenn es um Ernährung oder Bewegung geht – was sich auch auf ihre Kinder überträgt.

Bei Kindern aus den unteren sozialen Schichten, Kindern aus Problemfamilien und Kindern mit schulischen Problemen besteht ein erhöhtes Risiko, übergewichtig zu werden.

Neben diesen, grundsätzlich vermeidbaren Faktoren, liegt die Ursache von Übergewicht in einigen wenigen Fällen auch in bestimmten Krankheiten. Hierzu zählen unter anderem Hormon- oder Stoffwechselstörungen, wie Schilddrüsenunterfunktion, Cushing-Syndrom. Manche Erbkrankheiten sind mit Übergewicht verbunden, z. B. Down-Syndrom. Und auch bestimmte Medikamente können zu einer Gewichtszunahme führen.

Wann sollten Sie Hilfe für Ihr Kind in Anspruch nehmen?

Wenn Sie glauben, dass Ihr Kind übergewichtig ist, sollten Sie ärztlichen Rat suchen. Gleiches gilt, wenn Ihr Kind mit seinem Gewicht sehr unzufrieden ist. Ein weiteres Warnzeichen ist es, wenn es Ihrem Kind nicht gelingt, bei Sport und Bewegung mit Gleichaltrigen mitzuhalten. Sprechen Sie am besten Ihrer Kinderärztin/Ihrem Kinderarzt.

Wie wird Übergewicht beurteilt?

Ob eine Person übergewichtig ist oder nicht, wird wie oben beschrieben anhand des BMI beurteilt, bei Kindern und Jugendlichen speziell anhand der BMI-Perzentile.

Grundsätzlich sind Kinder natürlich verschieden. Manche sind einfach schwerer als andere, ohne dass sie deshalb gleich als übergewichtig einzustufen wären. Zudem wachsen Kinder in Schüben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie etwas an Gewicht zulegen, bevor ein solcher „Wachstumsschub“ beginnt. Dies sollte keinesfalls so aufgefasst werden, als bestünde deshalb die Gefahr, dass das Kind übergewichtig wird.

Bei Erwachsenen lässt sich das Gewicht auch anhand einer Messung des Körperfettanteils beurteilen. Bei Kindern ist dieses Verfahren jedoch nicht üblich. Hier fehlt es an Definitionen, welche Bereiche in den verschiedenen Altersgruppen als normal anzusehen sind. Deshalb wird die Messung des Körperfettanteils bei Kindern nicht empfohlen.

Behandlung

Den Eltern kommt die größte Bedeutung zu, wenn es darum geht, ein Kind bei der Reduzierung seines Gewichts zu unterstützen. Mediziner und Ernährungsberater können zwar mit Rat zur Seite stehen, doch sie können nicht im gleichen Maße wie die Eltern dazu beitragen, dass das Kind die Empfehlungen auch in der Praxis umsetzt.

Allerdings wird die Ärztin/der Arzt Ihr Kind zunächst sorgfältig untersuchen, den Verlauf von Gewichtszunahme und Wachstum dokumentieren und verschiedene Untersuchungen durchführen, um eine zugrunde liegende Krankheit, wie etwa Diabetes mellitus, andere Stoffwechselkrankheiten oder hormonelle Erkrankungen auszuschließen. Messung des Blutdrucks sowie der körperlichen Leistungsfähigkeit gehören in der Regel auch dazu. Zudem wird die Ärztin/der Arzt Fragen zur Situation der Familie sowie dem emotionalen bzw. psychischen Befinden des Kindes stellen.

Beim Hausarzt oder Kinderarzt können Sie sich zudem ausführlich über verschiedene Empfehlungen und Therapieangebote beraten lassen. Diese orientieren sich natürlich auch am Alter des Kindes: Während gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung ab dem Kleinkindalter wichtig sind, sind speziellere Maßnahmen wie Schulungen/Reha für Kinder natürlich erst ab einem höheren Alter sinnvoll. Grundsätzlich wird empfohlen, bei Übergewicht verschiedene Maßnahmen parallel umzusetzen, also Angebote körperlicher Aktivität, Ernährungsberatung, Beratung zu einem gesunden Lebensstil, ggf. Verhaltens- oder Familientherapie beim Psychotherapeuten. Es gibt auch die Möglichkeit einer Rehabilitation/Kur für übergewichtige Kinder/Jugendliche. Nur in seltenen Fällen ist es sinnvoll, Medikamente einzusetzen, die den Appetit zügeln; noch seltener sind chirurgische Optionen (ab dem Jugendalter) zu erwägen.

Das Wichtigste, was Sie als Eltern tun können, ist Ihr Kind zu unterstützen. Denken Sie daran, dass die Sicht, die Sie auf Ihr Kind haben, sich oft auch in seiner eigenen Wahrnehmung widerspiegelt. Lassen Sie Ihr Kind spüren, dass Sie es lieben – ganz egal, wie viel es wiegt. Versuchen Sie, zu Verbesserungen zu motivieren anstatt zu kritisieren. Außerdem ist es wichtig, auf Signale des Kindes zu achten, wenn es um Themen wie das Aussehen und soziale Beziehungen geht. 

Gewichtszunahme bremsen statt Gewicht verlieren

In der Regel ist es nicht das Ziel, ein Kind zum Abnehmen zu bewegen. Sinnvoller ist es, die Gewichtszunahme zu verlangsamen oder zum Stillstand zu bringen und das Kind anschließend in sein Gewicht „reinwachsen“ zu lassen. Dies dauert häufig sehr lange, ist jedoch bei nur mäßigem Übergewicht eine sinnvolle Art und Weise, ein gesundes Gewicht zu erreichen. Denken Sie immer daran: Nur weil Ihr Kind jetzt übergewichtig ist, muss es dies nicht auch im Erwachsenenalter sein.

Auf den Lebensstil der Familie kommt es an

Soll sich etwas ändern, muss in der Regel die ganze Familie an dem Prozess teilhaben. Es ist wichtig, dass das Kind nicht allein vor der Aufgabe steht, seinen Lebensstil zu ändern. Dabei sollten Sie stets im Hinterkopf behalten, dass eine gesündere Lebensweise allen Beteiligten zugutekommt. Im Kindesalter fällt es uns darüber hinaus leichter, unsere Gewohnheiten zu ändern, als später im Erwachsenenalter.

Gleichgewicht zwischen Energieaufnahme und -verbrauch

Das Prinzip, das hinter einem ausgewogenen Gewicht steht, ist denkbar einfach: Die Kalorienaufnahme darf nicht höher sein als der Verbrauch. Der Körper zieht all seine Energie aus dem zugeführten Essen und Trinken. Darüber hinaus gibt es keine zusätzlichen Faktoren, die die Rechnung beeinflussen. Die Menge an Energie, die der Körper braucht, um seine Funktionen aufrechtzuerhalten, ist bei jedem etwas anders. Den größten Einfluss auf den Energieverbrauch hat jedoch die körperliche Aktivität.

Hier einige Empfehlungen zum Thema körperliche Aktivität

  • Sitzende Tätigkeiten wie Fernsehen oder Computerspiele sind nicht nur mit einem geringen Kalorienverbrauch verbunden, sondern laden auch zum Naschen ein. Deshalb sollte für diese Aktivitäten ein zeitlicher Rahmen festgelegt werden, zum Beispiel von maximal 1,5 Stunden pro Tag (3 Stunden am Wochenende). Wie Ihr Kind diese Zeit nutzt, kann es dabei gern selbst entscheiden. Hat es beispielsweise eine Dreiviertelstunde Computer gespielt, kann es an diesem Tag noch eine Dreiviertelstunde fernsehen.
  • Ermuntern Sie Ihr Kind zu körperlich fordernden Aktivitäten wie Ballsportarten, Seilspringen, Schwimmen, Fahrradfahren oder Inlineskating. Am effektivsten sind dabei Tätigkeiten, bei denen der Puls etwas ansteigt und man leicht ins Schwitzen kommt. Vermeiden Sie Aktivitäten, die das Kind völlig erschöpfen, stark erhitzen oder vollkommen außer Atem bringen.
  • Lassen Sie Ihr Kind verschiedene Aktivitäten ausprobieren und selbst herausfinden, was ihm am meisten Spaß macht.
  • Das Ziel sollte sein, dass es sich jeden Tag mindestens 30 Minuten lang bei mäßiger Anstrengung bewegt.
  • Versuchen Sie, ein Vorbild für Ihre Kinder zu sein. Wenn sie Sie als aktiven Menschen wahrnehmen und sehen, dass Ihnen die Aktivität Spaß macht, besteht eine größere Chance, dass sie dies für ihr weiteres Leben mitnehmen und selbst zu aktiven Erwachsenen werden!
  • Planen Sie Aktivitäten, die Sie zusammen als Familie unternehmen. Die Bewegung sollte dabei mit dem Angenehmen verbunden werden, etwa in Form einer Fahrradtour, beim Tanzen, einem Ausflug zum See ...
  • Ermutigen Sie Ihr Kind dazu, Sport zu treiben, am besten in einer AG oder einem Verein.
  • Zwingen Sie Ihr Kind jedoch nicht, an etwas teilzunehmen, das es selbst als unangenehm oder langweilig empfindet.
  • Achten Sie außerdem darauf, dass die Aktivitäten des Kindes zu seinem Entwicklungsstand passen.
  • Loben Sie Ihr Kind, wenn es regelmäßig Sport macht.

Einige Empfehlungen zum Thema Ernährung

Wie viel Energie Ihr Kind verbraucht, hängt also davon ab, wie aktiv es ist. Sie können aber auch versuchen, ein besseres Gleichgewicht zwischen Energieaufnahme und -verbrauch herzustellen, indem Sie stärker darauf achten, was Ihr Kind an Energie zu sich nimmt. Dazu einige Empfehlungen:

  • Grundsätzlich sind bei Kindern und Jugendlichen Maßnahmen wie Fasten, Diäten mit stark reduziertem Kaloriengehalt, extrem einseitige Kost oder ähnliche Maßnahmen zur Gewichtsreduktion nicht hilfreich oder sogar gesundheitsschädlich. Es ist vielmehr sinnvoll, langsam zu einer gesünderen Ernährung in Verbindung mit mehr Sport zu gelangen und diesen Lebensstil zu erhalten. 
  • Verzichten Sie auf zuckerhaltige Limonaden! Als Ersatz sind ungesüßte Tees und Wasser zu empfehlen.
  • Nehmen Sie Ihr Kind zum Einkaufen mit, und bereiten Sie das Essen gemeinsam mit ihm zu.
  • Bieten Sie eine Vielzahl an Gemüse, fettreduzierten Milchprodukten und Vollkornprodukten an, um eine vielseitige ausgewogene Ernährung zu erreichen.
  • Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Kind abwechslungsreich ernährt und zwischen verschiedenen Nahrungsmitteln wählen kann. Erlauben Sie Ihrem Kind auch Süßigkeiten und Snacks – allerdings nicht ständig und in Maßen.
  • Versuchen Sie nicht, ganz genau zu überwachen, wie viel Ihr Kind isst, sondern lassen Sie es selbst entscheiden, welche Menge (und bis zu einem gewissen Grad auch was) es als angemessen empfindet.
  • Fordern Sie Ihr Kind auf, langsam zu essen. Dadurch hat es eher Gelegenheit, zu merken, wann es satt ist.
  • Die Familie sollte gemeinsam essen, soweit dies möglich ist. Nehmen Sie die Mahlzeiten als Anlass, in angenehmer Atmosphäre Zeit miteinander zu verbringen.
  • Verbieten Sie ungesundes Essen und Süßigkeiten nicht. Ein häufiger Verzehr solcher Nahrungsmittel führt zwar in der Regel zu einer Gewichtszunahme, in Maßen und geplant zu sich genommen, können Sie für Kinder aber ein Bestandteil einer gesunden Ernährung sein. Manchmal ist vor dem Abendessen noch eine zusätzliche Zwischenmahlzeit nötig, damit das Kind ausreichend Energie für Spiel, Sport und Hausaufgaben hat.
  • Vor dem Fernseher sollten keine Mahlzeiten oder Snacks eingenommen werden. Denn ist man durch das Fernsehen abgelenkt, isst man schnell zu viel.
  • Es sollte ein Unterschied zwischen Alltag und besonderen Anlässen gemacht werden. Verbieten Sie Ihrem Kind Naschereien wie Eis und Chips nicht, wenn der Anlass dafür geeignet ist, zum Beispiel zu Feiern oder wenn Familie oder Freunde zu Besuch sind.
  • Falls Sie das Gefühl haben, nicht genug über das Thema Ernährung zu wissen, und sich gerne beraten lassen würden, können Sie sich an Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt oder auch an Ernährungsberater wenden.

Übergewicht und Krankheiten

Kinder mit Übergewicht sind häufiger von Erkrankungen wie Asthma, Gelenkbeschwerden (insbesondere in der unteren Körperhälfte), Wachstumsstörungen, sozialen oder emotionalen Problemen, Schnarchen, Schlafstörungen und Hautproblemen (Ausschlag, Akne und Pilzinfektionen) betroffen. Übergewicht im Kindesalter geht zudem mit einem erhöhten Risiko einher, auch als Erwachsener übergewichtig zu sein – was ebenfalls Konsequenzen für die Gesundheit mit sich bringt (erhöhtes Risiko von Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Gelenkerkrankungen und bestimmten Krebserkrankungen).

Empfehlungen

Der Großteil des Nährstoffbedarfs sollte mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten (Brot ö. Ä.) sowie fettarmen Milchprodukten gedeckt werden. Es wird empfohlen, den Fettanteil der Nahrung unter der Marke von 30 % des Kalorienbedarfs zu halten. Dies lässt sich erreichen, indem Milchprodukte mit geringerem Fettanteil verwendet werden, der Fettrand von Wurst und Fleisch entfernt wird, frittiertes Essen gemieden wird und Snacks mit niedrigem Fettgehalt gewählt werden, z. B. Obst und fettarmer Käse und Joghurt. Anstelle von Sahneeis kann Joghurteis oder Wassereis gegessen werden. Bei Kindern unter 2 Jahren sollte der Fettanteil der Nahrung jedoch nicht eingeschränkt werden.

Ernähren sich die Eltern gesund, fällt es auch dem Kind deutlich leichter, sich gesund zu ernähren und ein normales Gewicht zu halten.

  • Zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Essen, wenn es keinen Hunger hat, und zwingen Sie es nicht, aufzuessen.
  • Setzen Sie Essen nicht als Belohnung oder zum Trost ein.
  • Geben Sie Ihrem Kind Wasser, wenn es Durst hat. Verzichten Sie auf Limonade und andere zuckerhaltige Getränke.
  • Bewegen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind (Fahrradausflüge, Ballspiele, Inlineskating...), und ermuntern Sie es, an solchen Aktivitäten teilzunehmen.
  • Denken Sie daran, dass diese Empfehlungen für alle in der Familie gelten sollten, nicht nur für Personen mit Übergewicht, und versuchen Sie zu verhindern, dass Ihr Kind aufgrund seines Übergewichts ein negatives Selbstbild entwickelt.

In jedem Fall ist das Gleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch von entscheidender Bedeutung. Die Vererbung – übergewichtige Eltern und Geschwister – ist keine Ursache von Übergewicht, sie kann jedoch dazu beitragen, dass sich das Gleichgewicht in eine ungünstige Richtung verschiebt.

Weitere Informationen

Übergewicht und Abnehmen

Quellen

Literatur

  1. KiGGS-Studie Welle 2, Daten zur Häufigkeit von Übergewicht bei Kindern www.rki.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Übergewicht im Kindes- und Jugendalter. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Simmonds M, Llewellyn A, Owen CG, Woolacott. Simple tests for the diagnosis of childhood obesity: a systematic review and meta-analysis . Obes Rev. 2016; Dec;17(12): 1301-1315. doi:10.1111/obr.12462 www.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Deutsche Adipositas-Gesellschaft. Konsensbasierte (S2) Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Prävention von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Stand 2015. www.aga.adipositas-gesellschaft.de
  3. Schienkiwitz A et al. Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutschland. KiGGS Welle 2. J Health Monitoring 2018; 3(1) www.rki.de
  4. Moß A, Wabitsch M, Kronmeyer-Hauschild K, Reinehr T, Kurth BM. Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei deutschen Einschulkindern. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2007; 50: 1424-1431. doi:10.1007/s00103-007-0370-z link.springer.com
  5. Kurth BM, Schaffrath Rosario A. Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland Ergebnisse des bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2007; 50: 736-743. doi:10.1007/s00103-007-0235-5 link.springer.com
  6. Martin A, Saunders DH, Shenkin SD, et al. Lifestyle intervention for improving school achievement in overweight or obese children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev. 2014 Mar 14;3:CD009728. doi: 10.1002/14651858.CD009728.pub2. DOI
  7. Reilly JJ, Armstrong J, Dorosty AR et al. Avon Longitudinal study of parents and children study team. Early life risk factors for obesity in childhood: cohort study. BMJ 2005; 330(7504): 1357. doi:10.1136/bmj.38470.670903.E0 www.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Safer DL, Agras WS, Bryson S, Hammer LD. Early body mass index and other anthropometric relationships between parents and children. Int J Obes Relat Metab Disord 2001; 25(10): 1532-1536. doi:10.1038/sj.ijo.0801786 www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Röbl M, Knerr I, Keller KM et al . (Adipositas bei Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern Assoziation des standardisierten BMI zwischen Patienten, Eltern und Geschwistern anhand multizentrischer APV-Daten). Dtsch Med Wochenschr 2008; 133: 2448-2453. doi:10.1055/s-0028-1100937 www.thieme-connect.com
  10. PLagemann A, Harder T, Rodekamp E. Prävention der kindlichen Adipositas während der Schwangerschaft. Monatsschr Kinderheilkd 2010; 158: 542-552. doi:DOI 10.1007/s00112-009-2157-9 link.springer.com
  11. Brandt S, Wabitsch M. Bedeutung der mütterlichen Adipositas für die Gesundheit der Kinder. Gynäkologische Endokrinologie 2017; 15: 131-138. doi:10.1007/s10304-017-0132-4 DOI
  12. Kohlsdorf K, Nunzlata A, Funcke JB et al. Frühkindlicher BMI-Verlauf bei monogener Adipositas. medgen 2017; 29: 360-364. doi:10.1007/s11825-017-0167-x DOI
  13. Schellong K, Schulz S, Harder T, Plagemann A . Birth Weight and Long-Term Overweight Risk: Systematic Review and a Meta-Analysis Including 643,902 Persons from 66 Studies and 26 Countries Globally. PLoS ONE 2012; 7(10): e47776. doi: 10.1371/journal.pone.0047776 DOI
  14. Boney CM, Verma A, Tucker R, Vohr BR. Metabolic syndrome in childhood: association with birth weight, maternal obesity, and gestational diabetes mellitus. Pediatrics 2005; 115: 290-6. Pediatrics
  15. Rokholm B, Baker JL, Sorensen TI. The levelling off of the obesity epidemic since the year 1999 – a review of evidence and perspectives. Obes Rev 2010;11(12):835-46 www.ncbi.nlm.nih.gov
  16. Huybrechts I, Bourdeaudhuij I, Buck C, De Henauw S. Umweltbedingte Einflussfak - toren. Möglichkeiten und Barrieren für ein gesundes Ernährungs- und Bewegungsver - halten von Kindern Jugendlichen. Bundes - gesundheitsbl 2010; 53: 716–724.
  17. Wabitsch M:. Adipositas. In Lentze MJ, Schaub J, Schulte FJ, Spranger: Pädiatrie – Grundlagen und Praxis. . Heidelberg: Springer Verlag , 2007.
  18. Carter PJ, Taylor BJ, Williams SM, et al. Longitudinal analysis of sleep in relation to BMI and body fat in children: the FLAME study. BMJ 2011; 342: d2712. BMJ (DOI)
  19. Armstrong J, Reilly JJ, Child Health Information Team. Breastfeeding and lowering the risk of childhood obesity. Lancet 2002; 359: 2003-4. PubMed
  20. Malik VS, Schulze MB, Hu FB. Intake of sugar sweetened beverages and weight gain: a systematic review. Am J Clin Nutr 2006; 84: 274-88. PubMed
  21. Capuccio FP, Taggart FM, Kandala NB, et al. Meta-analysis of short sleep duration and obesity in children and adults. Sleep 2008; 31: 619-26. PubMed
  22. Evidenzbasierte (S3) Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) und der beteiligten medizinischen-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Berufsverbände und weiterer Organisationen. Therapie der Adipositas im Kindes- und Jugendalter Version 2009. www.aga.adipositas-gesellschaft.de
  23. Apovian, C. M., C. Baker, et al. Best practice guidelines in pediatric/adolescent weight loss surgery. Obes Res 2005; 13(2): 274-282. doi:10.1038/oby.2005.37 DOI
  24. Fried, M., V. Hainer, et al. Interdisciplinary European guidelines for surgery for severe (morbid) obesity. Obes Surg 2007; 17(2): 260-270. www.ncbi.nlm.nih.gov
  25. Inge, T. H., V. Garcia, et al. A multidisciplinary approach to the adolescent bariatric surgical patient. Pediatr Surg 2004; 39(3): 442-447. www.ncbi.nlm.nih.gov
  26. O'Brien PE, Sawyer SM, Laurie C, et al. Laparoscopic adjustable gastric banding in severely obese adolescents. A randomized trial. JAMA 2010; 303: 519-26. Journal of the American Medical Association
  27. James J, Thomas P, Cavan D et al. Preventing childhood obesity by reducing consumption of carbonated drinks: cluster randomised controlled trial. BMJ 2004; 328: 1237-43. British Medical Journal
  28. Veugelers PJ, Fitzgerald AL. Prevalence of and risk factors for childhood overweight and obesity. CMAJ 2005; 173: 607-13. PubMed
  29. Gortmaker SL, Peterson K, Wiecha J, Sobol AM, Dixit S, Fox MK, et al. Reducing obesity via a school-based interdisciplinary intervention among youth: planet health. Arch Pediatr Adolesc Med 1999; 153: 409-18. PubMed
  30. Sahota P, Rudolf MC, Dixey R, Hill AJ, Barth JH, Cade J. Randomised controlled trial of primary school based intervention to reduce risk factors for obesity. BMJ 2001;323:1029-32. British Medical Journal
  31. Muller MJ, Asbeck I, Mast M, Langnase K, Grund A. Prevention of obesity-more than an intention. Concept and first results of the Kiel Obesity Prevention Study (KOPS). Int J Obes Relat Metab Disord 2001;25 suppl 1:S66-74.
  32. Guidelines for school health programs to promote lifelong healthy eating. Centers for Disease Control and Prevention. MMWR Recomm Rep 1996;45(RR-9):1-41.
  33. Clinical guidelines on the identification, evaluation, and treatment of overweight and obesity in adults-the evidence report. National Institutes of Health. Obes Res 1998; 6 suppl 2: 51S-209S.
  34. Overweight, obesity, and health risk. National Task Force on the Prevention and Treatment of Obesity. Arch Intern Med 2000;160:898-904. PubMed
  35. Dietz WH. Health consequences of obesity in youth: childhood predictors of adult disease. Pediatrics 1998; 101(3 pt 2): 518-25.
  36. Latner JD, Stunkard AJ. Getting worse: the stigmatization of obese children. Obes Res 2003; 11: 452-6. PubMed
  37. de Beer M, Hofsteenge GH, Koot HM, et al. Health-related-quality -of-life in obese adolescents is decreased and inversely related to BMI. Acta Paediatr 2007; 96: 710-4. PubMed
  38. Ludwig DS, Ebbeling CB. Type 2 diabetes mellitus in children: primary care and public health considerations. JAMA 2001; 286: 1427-30. Journal of the American Medical Association
  39. Sinha R, Fisch G, Teague B, Tamborlane WV, Banyas B, Allen K, et al. Prevalence of impaired glucose tolerance among children and adolescents with marked obesity. N Engl J Med 2002; 346: 802-10. New England Journal of Medicine
  40. Falkner NH, Neumark-Sztainer D, Story M et al. Social, educational, and psychological correlates of weight status in adolescents. Obesity Research 2001; 9: 32-42. PubMed
  41. Schwimmer JB, Burwinkle TM, Varni JW. Health-related quality of life of severely obese children and adolescents. JAMA 2003; 289: 1813-9. Journal of the American Medical Association
  42. Harvey EL, Summerbell CD, Kirk SF et al. Dietitians' views of overweight and obese people and reported management practices. J Hum Nutr Diet 2002; 15: 331-7. PubMed
  43. Hesketh K, Wake M, Waters E. Body mass index and parent-reported self-esteem in elementary school children: evidence of a causal relationship. Int J Obes Relat Metab Disord 2004; 28:1233-7. PubMed