Atembeschwerden bei Kindern

Atembeschwerden treten bei Kindern relativ häufig auf und können auf unterschiedliche Weise entstehen.

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Atembeschwerden bei Kindern

Bei Kindern treten Atembeschwerden relativ häufig auf. Die Ausprägung und Art der Symptome ist alters- und ursachenabhängig. Typische Beschwerden können Atemnot, abnormale Atemgeräusche, Husten sowie eine vertiefte oder schnellere Atmung sein. Kinder können überanstrengt wirken und schneller ermüden, sowie unter Angstzuständen und Schmerzen leiden. Es kann zu Bewusstseinsstörungen bis hin zum Bewusstseinsverlust kommen.

Wodurch entstehen abnormale Atemgeräusche?

Atemgeräusche entstehen durch die Verwirbelung der Luft in den Atemwegen und der Lunge. Schwellen die Schleimhäute in den Atemwegen an, verringert sich der Durchmesser der Atemwege. Bei Kindern sind die Atemwege grundsätzlich enger als bei Erwachsenen. Deshalb führen Schleimhautschwellungen bei Kindern schneller zur Verengung der Atemwege. Durch den Luftstrom entstehen nun abnormale Atemgeräusche, wie z. B. Brummen oder Quietschen. Dies ist vergleichbar mit einem aufgeblasenen Luftballon. Lässt man die Luft durch die Öffnung entweichen, entstehen wenig Geräusche. Zieht man die Öffnung dabei allerdings straff, ist der Luftweg verengt und führt zu einem geräuschvollen Entweichen der Luft. Je nach Höhe und Ausprägung der Verengung sind die Atemgeräusche unterschiedlich und können über die Ursache Aufschluss geben.

Woran ist Atemnot erkennbar?

Bei Atemnot besteht eine erschwerte Atmung, die das Gefühl vermittelt, nicht genügend Luft zu bekommen. Eine Atemnot lässt sich bei Kindern an bestimmten Merkmalen erkennen, z. B. an einer angestrengten Atmung mit aufgeblähten Nasenflügeln. Weitere Zeichen für eine Atemnot sind Einziehungen der Haut oberhalb des Brust- oder Schlüsselbeins oder zwischen den Rippen. Zudem atmen betroffene Kinder meist schneller als gewöhnlich. Kinder mit solchen Atembeschwerden sollten rasch von einem (Not-)Arzt untersucht werden.

Ursachen

Am häufigsten werden Atembeschwerden bei Kindern durch Infektionen der Atemwege sowie Asthma ausgelöst. Je nach Alter treten bestimmte Ursachen häufiger auf als andere. Im Folgenden werden einige mögliche Ursachen für akute, also schnell einsetzende Atembeschwerden im Kindesalter und ihre typischen Beschwerdebilder genannt. Da viele weitere Erkrankungen als Ursache für Atembeschwerden in Frage kommen, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Pseudokrupp (akute Laryngitits)

Der Pseudokrupp, auch als akute Laryngitis bezeichnet, tritt bei Kindern in Verbindung mit einer Virusinfektion der Atemwege auf. Meist sind Kleinkinder betroffen. Klassischerweise leiden die Kinder unter einem trockenen, bellenden Husten, der plötzlich auftritt, oft aus dem Schlaf heraus. Es kann zu Heiserkeit, zu pfeifenden Geräuschen beim Einatmen und zu Atemnot kommen. Das Fieber ist in der Regel moderat und der Allgemeinzustand des Kindes oft nur leicht beeinträchtigt. Kalte, feuchte Luft kann die Beschwerden bei einer leichten Ausprägung des Krankheitsbildes verringern. Oft ist beim Erreichen der Notaufnahme der Zustand des Kindes deutlich gebessert, wenn das Kind auf dem Weg dorthin kalter Luft ausgesetzt war.

Asthma

Bei Asthma treten in der Regel anfallartige Atembeschwerden auf. Diese können sich in Husten, erschwerter Atmung bis zu Atemnot sowie pfeifenden Geräuschen beim Ausatmen äußern. Das Ausatmen dauert im Anfall oft länger und strengt an. Im schlimmsten Fall können Asthmaanfälle potenziell lebensbedrohlich sein. Ausgelöst werden die Anfälle z. B. durch Allergien, Reizung und Infektionen der Atemwege, sowie durch körperliche und psychische Belastungen. Bei Asthma kann es auch zu chronischen Atembeschwerden kommen.

Akute Bronchiolitis

Von einer akuten Bronchiolitis sind am häufigsten Säuglinge und Kleinkinder unter 2 Jahren betroffen. In der Regel ist die Erkrankung auf eine Infektion mit Viren zurückzuführen, die zu einer Verengung der kleinen Luftwege (Bronchien und Bronchiolen) aufgrund von Schleimbildung und Entzündung führt. Die Bronchiolitis beginnt oft mit Zeichen eines leichten Atemwegsinfektes wie einer verstopften Nase, Halsschmerzen, leichtem Fieber und Husten. Im Verlauf verschlimmern sich die Symptome und können mit einer schnellen Atmung, Atemnot oder Pfeifgeräuschen aus dem Brustraum einhergehen. Das Kind ist oft in einem schlechten Allgemeinzustand und leidet evtl. an hohem Fieber. Es kann in schwereren Fällen auch zu Atemaussetzern kommen.

Fremdkörper in den Atemwegen

Beim Einatmen eines Fremdkörpers kann es zu plötzlichen Hustenanfällen, Atemnot und Erstickungsangst kommen. Falls der Fremdkörper die Luftwege komplett blockiert, kann das Kind aufgrund des Sauerstoffmangels blau anlaufen und das Bewusstsein verlieren. In diesem Fall ist die Verständigung des Rettungsdienstes und die Einleitung von Notfallmaßnahmen unbedingt erforderlich. Das Einatmen von Fremdkörpern ereignet sich am häufigsten bei Kleinkindern zwischen 6 Monaten und 4 Jahren. Kleine Gegenstände und Lebensmittel, z. B. Spielzeugteile, Nüsse oder Weintrauben, sollten deshalb möglichst außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Je nach Größe und Beschaffenheit des Fremdkörpers können Atembeschwerden auch erst verzögert nach einigen Tagen durch eine Reizung der Atemwege auftreten. In diesem Fall können auch wiederkehrende Lungenentzündungen Ausdruck eines festsitzenden Fremdkörpers sein.

Lungenentzündung (Pneumonie)

Eine Lungenentzündung tritt bei Kindern verhältnismäßig selten auf. Typische Zeichen einer Lungenentzündung sind hohes Fieber, Husten, Erschöpfung, schnelle Atmung und Atemnot. Das Kind macht einen kranken Eindruck. Es ist zudem oft appetitlos oder leidet an Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen sowie Reizbarkeit.

Kehldeckelentzündung (Epiglottitis)

Eine Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) ist heutzutage aufgrund der Impfung gegen den üblichen Erreger Haemophilus influenzae Typ b (Hib) selten geworden. Die Epiglottitis stellt eine schwere Erkrankung dar, die sehr plötzlich bedrohlich werden kann. Die Kinder haben meist schnell einsetzendes Fieber und befinden sich in einem schlechten Allgemeinzustand. Typisch ist eine schwere und angestrengte, hörbare Atmung. Das Schlucken verursacht häufig Schmerzen. Erkrankte Kinder sitzen typischerweise in nach vorn gebeugter Haltung, da dies die Atmung erleichtert. Ohne Behandlung kann die Atmung durch die Entzündung so stark beeinträchtigt sein, dass es zu einer ernsthaften Erstickungsgefahr kommt.

Weitere mögliche Ursachen für Atembeschwerden bei Kindern

Die folgende Auflistung ist nicht nach Häufigkeit geordnet und dient lediglich der Ansicht möglicher Ursachen für Atembeschwerden. Einige der genannten Erkrankungen sind allerdings eher selten bei Kindern anzutreffen.

Was können Sie selbst tun?

Abhängig von der jeweiligen Ursache der Atembeschwerden können Sie Maßnahmen ergreifen, um Ihrem Kind zu helfen. Zunächst ist es wichtig, die Situation einzuschätzen. Liegt eine starke Beeinträchtigung des Wohlbefindens des Kindes vor, sollten Sie Ihr Kind so schnell wie möglich in ein Krankenhaus oder eine Kinderarztpraxis bringen oder den Rettungsdienst verständigen. Ergreifen Sie bis zur Ankunft des Rettungsdiensts Erste-Hilfe-Maßnahmen, falls nötig.

Kennen Sie bereits die Ursache der Atembeschwerden, so wenden Sie die Maßnahmen an, die mit Ihrem Arzt abgesprochen wurden. Beispielsweise können Sie bei einem Asthmaanfall Ihrem Kind die verschriebenen Medikamente wie besprochen verabreichen, z. B. Asthmasprays. Ähnliches gilt für eine bekannte Allergie. Hier ist es wichtig, im Vorfeld vor allem den Auslöser der Allergie zu meiden.

Bei Verdacht auf Pseudokrupp

Liegt ein Pseudokrupp als wahrscheinliche Ursache für die Atembeschwerden vor, so kann es bereits ausreichend sein, das erkrankte Kind aus dem Bett zu nehmen und es auf Ihrem Schoß sitzen zu lassen. Die Eltern sollten versuchen, das Kind (und sich selbst) zu beruhigen. Es kann ebenfalls hilfreich sein, das Kind kalter Luft auszusetzen, z. B. durch einen Spaziergang im Kinderwagen an der frischen Luft oder durch ein offenes Fenster. Auch kalter Wasserdampf aus dem Gefrierfach oder dem Kühlschrank kann sich positiv auswirken.

Wann sollten Sie einen Arzt konsultieren?

Akute Atembeschwerden unbekannter Ursache erfordern bei Kindern eine sofortige ärztliche Abklärung und Behandlung. Wird das Kind zum Beispiel zunehmend kurzatmig oder verschlechtert sich der Allgemeinzustand innerhalb kurzer Zeit, sollten Sie so schnell wie möglich ein Krankenhaus oder Ihren Kinderarzt aufsuchen. Auch ein Asthmaanfall, der mit den bisher ausreichenden Maßnahmen nicht mehr durchbrochen werden kann, bedarf sofortiger ärztlicher Hilfe.

Was geschieht bei der ärztlichen Vorstellung?

Krankengeschichte

Der Arzt kann folgende Fragen stellen:

  • Treten die Atembeschwerden plötzlich auf oder entwickeln sie sich allmählich?
  • Bei akuten Atembeschwerden:
    • Hat das Kind Zugang zu verschluckbaren Kleinteilen? Wurde ein Verschlucken beobachtet?
    • Wie ging es dem Kind, bevor die akuten Atembeschwerden aufgetreten sind? Ist das Kind erkältet?
  • Hat das Kind Fieber oder eine erhöhte Temperatur?
  • Ist das Kind geschwächt?
  • Hat das Kind Husten?
    • Handelt es sich um einen bellenden Husten?
    • Ist der Husten trocken oder produktiv?
  • Bei wiederkehrenden/chronischen Atembeschwerden:
    • Wodurch werden die Beschwerden ausgelöst?
    • Treten die Atembeschwerden bei Anstrengung auf?
  • Bestehen Vorerkrankungen? Allergien?
  • Bestehen ansteckende Erkrankungen in der Familie oder in Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergarten, Schule)?
  • Bestehen chronische Erkrankungen in der Familie?

Ärztliche Untersuchung

In der ärztlichen Untersuchung wird das Kind zunächst auf das Vorliegen eines Infekts untersucht. Hierbei wird der Allgemeinzustand des Kindes beurteilt und Fieber gemessen. Der Arzt untersucht in der Regel den Rachen, hört Herz und Lunge ab und untersucht die Ohren. Vermutet der Arzt eine akute Epiglottitis, werden die Untersuchungen nur vorsichtig durchgeführt, da die Untersuchung am Rachen den Zustand des Kindes verschlechtern kann. Die Behandlung schließt sich je nach Ursache der Atembeschwerden an.

Andere Untersuchungen

Eventuell kann es sinnvoll sein, ein Röntgenbild der Lunge und der Atemwege anzufertigen. Bei andauerndem Fieber mit zunehmenden Atembeschwerden wird meist Blut abgenommen. Wenn ein Verdacht auf Asthma oder andere chronische Atemwegserkrankungen besteht, werden bei älteren Kindern Lungenfunktionsmessungen (Spirometrie) durchgeführt. Dies geschieht allerdings meist erst im Verlauf, sobald die akuten Beschwerden abgeklungen sind.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim
  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Atembeschwerden bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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