Ausschlag mit Fieber bei Kleinkindern

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Hautausschlag mit Fieber bei Kleinkindern

Hautausschlag mit Fieber bei Kleinkindern ist keine Seltenheit. Die Ursachen können sehr verschieden sein. Meist sind es Viren, die zu den Hauterscheinungen und dem Fieber führen. Wichtig ist es die gefährlichen Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu handeln. Vielen der fieberhaften Erkrankungen kann durch eine Impfung vorgebeugt werden.

Verschiedene Arten von Hautausschlag

Der Hautausschlag kann ganz verschieden aussehen. Die Unterscheidung kann dabei helfen, die richtige Diagnose zu stellen. Dies kann bei einigen Infekten trotzdem schwierig sein. 

Es gibt Ausschlag mit Bläschen, kleinen Punkten, Knötchen oder er kann auch eine flächige, rote Erscheinung haben.

Ursachen

Häufige Ursachen

Windpocken

Der Ausschlag tritt erst im Gesicht und am Körper auf, später an Armen und Beinen. Erst kommt es zu Knötchen (Papeln), danach zu Bläschen (Vesikeln). Knötchen und Bläschen können auch gleichzeitig auftreten. Gleichzeitig zu dem Ausschlag kann der Allgemeinzustand des Kindes herabgesetzt sein mit Fieber, welches Temperaturen von 39°C meist nicht überschreitet. Der Ausschlag kann ein bis drei Wochen sichtbar sein. Eine Impfung gegen Windpocken (Varizellen) wird empfohlen.

Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Sie wird durch das Coxsackie-Virus verursacht. Das Wohlbefinden des Kindes ist gemindert. Halsschmerzen und Fieber bestehen häufig vor dem Ausschlag. Später entwickeln sich Bläschen (Vesikel) im Mund und auf der Zunge. Gleichzeitig oder kurz danach kommt es in der Regel zu schmerzhaften Bläschen an den Händen. Bei etwa einem Drittel der Kinder entwickeln sich auch die kleinen Blasen an den Füßen und am Gesäß. Die Vesikel auf der Haut sind kleiner als 5 mm und von einem schmalen, roten Ring umgeben. Im Mund treten weniger, dafür aber größerer Blasen auf.

Herpesinfektion im Mund

Es gibt verschiedene Typen des Herpes- Simplex-Virus (HSV), die an unterschiedlichen stellen zu einer Entstehung von schmerzhaften Bläschen führen. Im Mund bzw. an der Lippe handelt es sich um das HSV-1. Vor dem Ausschlag treten meist brennende Schmerzen an der Stelle auf, wo nach kurzer Zeit sich die Bläschen bilden. Bei der Ersterkrankung kann das Kind angeschlagen sein, geschwollene Halslymphknoten aufweisen und fiebern. Die Krankheit kann immer wieder auftreten. Im Volksmund ist die Krankheit auch unter der Bezeichung Fieberbläschen oder Lippenherpes bekannt.

Nicht zu verwechseln ist der Lippenherpes mit der Herpangina. Herpangina wird von anderen Viren ausgelöst, die vorallem im Rachenbereich einen bläschenartigen Ausschlag verursachen mit einem herabgesetzten Allgemeinbefinden und Fieber einhergehen.

Sechste Krankheit (Exanthema subitum) bzw. Drei-Tage-Fieber

Die Erkrankung tritt bei Kindern unter drei Jahren auf und wird durch das Humane Herpesvirus 6 ausgelöst. Es kommt drei bis vier Tage zu Fieber, Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen und Magenschmerzen, danach fällt die Temperatur ab. Der Ausschlag entwickelt sich ein bis zwei Tage, nachdem das Kind fieberfrei ist. Der Ausschlag ist sehr blass und meist nur schwer zu erkennen. Dabei handelt es sich um kleine hellrote Flecken, die innerhalb von ein bis zwei Tagen abklingen.

Ringelröteln (Erythema infectiosum)

Ringelröteln werden durch das Parvovirus B19 verursacht und treten am häufigsten in der Altersgruppe der 3–12 Jährigen auf.
In einigen Fällen können zwei bis drei Tage vor dem Ausschlag Kopfschmerzen, Fieber, Halsschmerzen und Bauchschmerzen auftreten. Nach Abklingen des Fiebers zeichnet sich ein girlandenförmiger Ausschlag am Körper ab, und die Wangen sind hellrot. Ein leichter Juckreiz ist möglich. Der Ausschlag kann mehrere Wochen sichtbar sein. 

Borkenflechte (Impetigo contagiosa)

Es handelt sich um eine ansteckende bakterielle Infektion, die in der Regel Kinder zwischen zwei und sechs Jahren befällt. Sie kann als Epidemie im Kindergarten auftreten. Die Infektion verursacht Bläschen mit honiggelben Krusten. Wird der Schorf aufgekratzt, tritt eine gelbe Flüssigkeit aus. Der Ausschlag konzentriert sich meist auf Gesicht und Hände. Bei der Impetigo contagiosa tritt selten Fieber auf.

Scharlach

Scharlach wird durch das Gift von Streptokokken, einer Bakterienart, verursacht. Es tritt meist bei Kindern zwischen 5–15 Jahren auf. Dabei haben die Kinder Fieber und einen erhabenen roten Aussschlag, der an eine Gänsehaut erinnert. Die Zunge ist rötlich verfärbt und wird Himbeerzunge genannt. Hinzu kommt eine Mandelentzündung. Das Gesicht ist häufig intensiv rot gefärbt wobei der Bereich um den Mund blass ist. Der Ausschlag zieht sich über den ganzen Körper, tritt aber besonders im Nacken, in den Leisten und in den Hautfalten auf. Nach zwei bis drei Tagen klingen die Symptome ab. Die Haut kann dabei an Händen und Füßen zu schuppen beginnen.

 

Seltenere Ursachen

Masern

Kind mit Masern
Kind mit Masern

 

Da die überwiegende Mehrheit der Kinder geimpft ist, handelt es sich um eine seltene Krankheit. Einige Eltern weigern sich jedoch aus eigener Überzeugung, ihre Kinder impfen zu lassen, was zu schweren lokalen Ausbrüchen von Masern führen kann. Masern werden durch das Morbillivirus verursacht und gehören zu den ansteckendsten Krankheiten. Der Ausschlag beginnt an Ohren und Hals und breitet sich innerhalb von zwei bis drei Tagen über den ganzen Körper aus. Der Ausschlag ist fleckig und wird später dunkler, leicht erhaben und die einzelnen Flecken verbinden sich. Gleichzeitig kann eine Bindehautentzündung, Husten und Schnupfen auftreten. Der Allgemeinzustand ist stark beeinträchtigt.

Röteln

Röteln werden durch das Rubellavirus verursacht. Die Krankheit ist selten, da die meisten Kinder dagegen geimpft sind. Zu Beginn ist das Wohlbefinden reduziert und eine leichte Temperaturerhöhung ist  möglich.Nach wenigen Tagen bilden sich kleine hellrote Punkte vor allem im Gesicht und im späteren Verlauf auch gesamten Körper. Der Ausschlag hält etwa zwei bis drei Tage an. 

Ansteckende Hirnhautentzündung

Es handelt sich um eine seltene, aber sehr ernste Erkrankung. Die Erkrankung sollte bei allen unklaren Krankheitsbildern mit akut beeinträchtigtem Allgemeinzustand, Ausschlag und Fieber in Betracht gezogen werden. Dabei handelt es sich um einen bakteriellen Infekt mit Meningokokken, der die Hirnhaut angreift.

Zu Beginn können die Symptome sehr allgemein sein. Kopfschmerzen, Fieber und ein schlechter Allgemeinzustand. Ein ernstzunehmendes Anzeichen ist eine Steifigkeit des Nackens und Einblutungen in der Haut. Es sollte sofort ärztliche Hilfe aufgesucht werden.

Purpura Schönlein-Henoch

Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, die zur Entzündung der kleinen Blutgefäße führt. Manchmal ist kurz davor eine Infektion der oberen Atemwege aufgetreten. Die Erkrankung kann akut auftreten oder sich über Wochen und Monate entwickeln. Sie beginnt in der Regel mit hellrotem, leicht erhabenem Ausschlag, der bei Druck verblasst. Der Ausschlag kann allmählich in Hautblutungen übergehen. Der Ausschlag tritt meist erst an den Füßen auf und breitet sich danach nach oben aus. Häufig bestehen Gelenk- und Magenschmerzen.

Was können Sie selbst tun?

Die meisten Fälle von Hautausschlag und Fieber werden durch virale Infektionen verursacht. Das bedeutet, dass es gegen diese Erkrankungen keine wirksamen Medikamente gibt und diese Erkrankungen von selbst vorübergehen.

Bei einer Erkrankung in der kalten Jahreszeit sollte sich das Kind drinnen aufhalten, es muss aber keine Bettruhe halten und kann im Rahmen des Möglichen spielen. Bei Fieber und allgemeinem Unwohlsein können Sie dem Kind Ibuprofen oder Paracetamol geben aber keine Acetylsalicylsäure.

Fieber

Leidet das Kind unter Fieber, können fiebersenkende Medikamente verabreicht werden (z. B. Paracetamol). Die Hinweise auf der Verpackung müssen unbedingt beachtet werden. Durch die fiebersenkenden Medikamente wird das Kind nicht schneller gesund. Hat das Kind keine Beschwerden, sind fiebersenkende Medikamente nicht notwendig.

Bei hoher Temperatur müssen Sie darauf achten, dass das Kind nicht überhitzt. Kinder können die Körpertemperatur nicht wie Erwachsene regulieren, und es kann daher notwendig sein, das Kind leichter anzuziehen, damit das Fieber nicht weiter steigt. Die Raumtemperatur sollte kühl sein.

Wichtig ist, dass Sie dem Kind reichlich zu trinken geben.

Bei hohem Fieber sollten Sie mindestens einmal in der Nacht nach dem Kind sehen, den Allgemeinzustand des Kindes beobachten und kontrollieren, ob das Kind Hautausschlag hat oder sich übergeben muss.

Nackensteife?

Ein sehr wichtiges Anzeichen für eine Hirnhautentzündung ist ein steifer Nacken. Dies kann wie folgt festgestellt werden:

  • Kleinkinder: Das Kind liegt entspannt auf dem Rücken. Mit einer Hand am Hinterkopf wird der Kopf angehoben. Normalerweise ist es ein sicheres Zeichen, wenn die Beine reflektorisch an den Körper gezogen werden. Dieses Anzeichen fehlt aber sehr häufig bei Kleinkindern.
  • Große Kinder: Bei einer Untersuchung werden sie gebeten, den Bauchnabel anzuschauen, das Kinn auf die Brust zu legen oder im Sitzen das Kinn auf die Knie zu legen. Hat das Kind einen steifen Nacken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Wirkt das Kind krank und ist sein Allgemeinzustand eindeutig herabgesetzt, ist es müde und möchte sich hinlegen, sollten Sie mit dem Kind einen Arzt aufsuchen.
  • Sind Sie sich bezüglich des Krankheitsbildes unsicher, sollten Sie die Diagnose von einem Arzt abklären lassen.
  • Bei Verdacht auf Hirnhautentzündung sollten Sie schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.
  • Bei Verdacht auf Scharlach sollte vor der Therapie mit Penicillin ein Arzt konsultiert werden.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Seit wann ist das Kind krank?
  • War das Kind vor dem Ausschlag krank?
  • Wie schnell hat sich der Ausschlag entwickelt?
  • Wo hat der Ausschlag begonnen?
  • Ist der Ausschlag aufgetreten, nachdem das Fieber gesunken war?
  • Wie ist der Allgemeinzustand? Kann das Kind spielen?
  • Wie hoch ist die Temperatur des Kindes?
  • Ist das Kind gegen Kinderkrankheiten geimpft?

Ärztliche Untersuchung

Der Arzt wird den Allgemeinzustand des Kindes beurteilen: sieht das Kind augenscheinlich krank aus? Hat das Kind Fieber oder zeigt es Anzeichen von Austrocknung? Der Arzt wird auch den Ausschlag untersuchen. Bei Verdacht auf eine ansteckende Hirnhautentzündung kontrolliert der Arzt, ob das Kind Hautblutungen zeigt.

Weitere Untersuchungen

In einigen Fällen wird der CRP-Wert bestimmt. Ein stark erhöhter CRP-Wert deutet auf eine bakterielle Infektion hin, die eventuell mit Antibiotika behandelt werden muss.

Bei Verdacht auf eine Mandelentzündung (Scharlach) kann eventuell ein Schnelltest durch einen Abstrich vom Rachen durchgeführt werden.

Nur in Ausnahmefällen wird eine Blutprobe entnommen, um abzuklären, um welchen Erreger es sich handelt.

Überweisung an einen Spezialisten

Bei Anzeichen einer schweren Krankheit (z. B. Hirnhautentzündung) wird das Kind in ein Krankenhaus eingewiesen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.