Fieber bei Kindern

Fieber kommt im Kindesalter häufig vor, kann viele verschiedene Ursachen haben und z. B. im Rahmen von Virusinfekten entstehen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Fieber

Fieber bezeichnet eine rektal, d. h. im Mastdarm, gemessene Körpertemperatur > 38 °C. Die Messung mit einem Fieberthermometer kann auch unter der Zunge, unter der Achsel, im Ohr oder auf der Stirn erfolgen. Am genauesten sind rektale Messungen. In der Achsel oder im Ohr Fieber zu messen, ist jedoch für die meisten Kinder angenehmer. An Fieber erkrankte Kinder können stark durch das Fieber selbst oder die zugrunde liegende Erkrankung beeinträchtigt sein. Manche Kinder sind aber trotz des Fiebers zu normaler körperlicher Aktivität imstande. Oftmals bestehen gleichzeitig müde, glasige Augen und eine blasse Hautfärbung mit gerötetem Gesicht.

Fieber an sich hat keinen Krankheitswert, die Ursache sollte jedoch festgestellt und ggf. behandelt werden. Durch die Höhe und Dauer des Fiebers kann nicht direkt auf die Schwere der Erkrankung rückgeschlossen werden.

Tipps zum Fieber messen

Orientieren Sie sich an den Vorlieben des Kindes, welchen Messort es bevorzugt. Für kleinere Kinder ist eine schnelle und unkomplizierte Messmethode meist hilfreich, damit sie nicht so lange stillhalten brauchen.

Bei einer rektalen Temperaturmessung ist empfehlenswert, das Thermometer im Vorhinein etwas einzucremen. Es ist ausreichend, nur die Spitze einzuführen. Babys und kleinere Kinder können für die Messung auf den Rücken gelegt und die Beine angehoben werden. Reinigen Sie das Thermometer anschließend. Bei der Messung unter der Zunge sollte das Kind vorher nicht kalte oder warme Getränke zu sich genommen haben, da dies die Messung verfälschen kann. Wird im Ohr gemessen, kann es hilfreich sein, dass Ohr etwas nach hinten oben zu ziehen. Die in der Achselhöhle, unter der Zunge und im Ohr gemessene Temperatur liegt insgesamt etwa 0,3–0,5 °C unterhalb der rektal gemessenen. Bei älteren Babys oder Kleinkindern kann der in der Achselhöhle gemessene Wert sogar um bis zu 2 °C abweichen.

Heutzutage werden üblicherweise digitale Thermometer benutzt. Quecksilber-Thermometer sind seit 2009 in der Europäischen Union verboten, da das giftige Quecksilber entweichen kann, wenn das Thermometer zu Bruch geht.

Häufigkeit

Fieber ist ein häufiger Grund für einen Arztbesuch. Bei ca. 1 von 5 an Fieber erkrankten Kindern kann jedoch keine eindeutige Ursache festgestellt werden. Bei den meisten dieser Kinder liegt eine Viruserkrankung vor, die von allein vorüber geht. Es kann jedoch auch eine bakterielle Infektion dahinterstecken. Fieber, das nicht durch eine Infektion verursacht ist, ist bei Kindern eher seltener.

Ursachen

Fieber ist Zeichen einer Entzündungsreaktionen des Körpers und kann z. B. im Rahmen von bakteriellen oder viralen Infekten entstehen. Moderate Temperaturerhöhungen bis < 40 °C scheinen die Immunantwort zu fördern. Auch nicht-infektiöse Entzündungsreaktionen gehen mit Fieber einher, z. B. rheumatische Erkrankungen, wie die juvenile idiopathische Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) oder das Kawasaki-Syndrom.

Wenn Fieber nur kurzzeitig auftritt, meist über weniger als 3 Tage, liegt oft eine virale Infektion der oberen Atemwege vor, umgangssprachlich oft als Erkältung bezeichnet. Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 3 Jahren sind besonders häufig betroffen. Schnupfen, eine laufende und verstopfte Nase, Halsschmerzen und trockener Husten sind typische Symptome. Kinder im ersten Lebensjahr entwickeln bei Erkältungen oft hohes Fieber, essen wenig, sind weinerlich und haben wegen der behinderten Nasenatmung evtl. einen unruhigen Schlaf. Im Kindesalter sind außerdem Mittelohrentzündungen relativ häufig und können mit Fieber einhergehen. Sie treten oft im Zuge einer Erkältung auf. Auch Mandelentzündungen können als Folge einer Erkältung oder unabhängig davon entstehen. Auffällig wird die Erkrankung durch Halsschmerzen oder Schluckbeschwerden. Oftmals treten gleichzeitig Ohrenschmerzen auf. Zugrunde liegen kann z. B. Scharlach. Meist ist eine Mandelentzündung jedoch viral bedingt, weshalb Antibiotika nicht wirken. Bei kleineren Kindern und Säuglingen kann dem Fieber außerdem eine Bronchiolitis zugrunde liegen. Symptome der Bronchiolitis können ein starker Husten sowie eine keuchende und pfeifende Atmung sein.

Ein Harnwegsinfekt kann ebenfalls Fieber verursachen. Ein Hauptsymptom ist häufiges und schmerzhaftes Wasserlassen. Viele Kleinkinder können diese Beschwerden nicht kommunizieren oder zeigen nur unspezifische Bauchbeschwerden. Fieber kann oftmals auch das einzige Symptom der Erkrankung sein.

Bei einem über 4–14 Tage anhaltenden Fieber kann möglicherweise eine Grippeerkrankung (Influenza) vorliegen. Meist bestehen gleichzeitig Atemwegs- oder Bauchbeschwerden (insbesondere bei Kindern). Auch bei Darminfektionen besteht Fieber meist über einen längeren Zeitraum. Sie werden bei Kindern meist durch Viren verursacht und sind sehr ansteckend. Symptome von Darminfektionen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Eine Appendizitis (ugs. Blinddarmentzündung) kann bei Kindern und Jugendlichen mit Fieber und klassischerweise Schmerzen im rechten Unterbauch einhergehen. Die Beschwerden können bei jüngeren Kindern manchmal uncharakteristisch sein, z. B. können die Bauchschmerzen über den Bauch verteilt auftreten.

Eine seltenere, aber sehr ernste Erkrankung, die mit Fieber einhergeht, ist die Hirnhautentzündung (Meningitis). Die Anfangssymptome können Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und möglicherweise kleine punktförmige Hauteinblutungen sein. Dem Kind geht es meist innerhalb kurzer Zeit sehr schlecht.

Kehldeckelentzündungen (Epiglottitis) sind seit der Einführung der Haemophilus influenzae B-Impfung selten geworden. Im Verlauf kann es zu Atembeschwerden, Schluckbeschwerden und einer kloßigen Sprache kommen.

Entzündungen des Knochenmarks (Osteomyelitis) sind insgesamt eher selten, treten aber häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auf. Neben Fieber und Schüttelfrost können betroffene Kinder unter Knochenschmerzen leiden. Bei Kleinkindern ist das Beschwerdebild oft unspezifisch.

Viele weitere Erkrankungen können bei Kindern für Fieber ursächlich sein.

Was können Sie selbst tun?

Neugeborene oder Kinder unter 3 Monaten sollten bei Fieber rasch dem Kinderarzt vorgestellt werden. Ist Ihr Kind stark durch das Fieber oder die begleitenden Symptome bzw. die zugrunde liegende Erkrankung beeinträchtigt, suchen Sie ebenso in jedem Fall einen Arzt auf. Gleiches gilt, wenn das Fieber länger als einen Tag anhält, durch fiebersenkende Mittel nicht gesenkt werden kann, Fieberkrämpfe oder andere Krankheitszeichen wie Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, etc. auftreten. Eine rasche Abklärung sollte auch erfolgen, wenn ein starker Flüssigkeitsverlust vorliegt.

Hat Ihr Kind hohes Fieber, sollten Sie es stets beobachten. Warnsymptome für schwere Erkrankungen können u. a. eine rasche Verschlechterung des Zustands oder andere Auffälligkeiten wie Hautausschläge, epileptische Anfälle, Bewusstseinsminderung, schwere Erweckbarkeit, Rötungen, Schwellungen, Atembeschwerden bzw. Atemnot oder starke Schmerzen sein. Suchen Sie in diesen Fällen sofort einen Arzt oder ggf. ein Krankenhaus auf.

Fieber hat an sich zwar keinen Krankheitswert, kann aber sehr unangenehm für das Kind sein. Bettruhe ist empfehlenswert. Sie sollten das Kind allerdings nicht zur Bettruhe zwingen, wenn es in der Lage ist zu spielen und dies wünscht. Bei hohem Fieber sollte das Kind nicht zu warm eingepackt werden, da es zusätzlich überhitzen kann. Ein regelmäßiger Wäschewechsel ist empfehlenswert. Als Hausmittel können z. B. feuchte, lauwarme Wadenwickel oder Waschlappen auf der Stirn helfen, das Wohlbefinden des Kindes zu steigern. Bei Schüttelfrost ist es allerdings besser, das Kind eher warmzuhalten. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass das Kind ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, vor allem bei zusätzlichem Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall (Wasser, Tee alle 30 min). Leichtverdauliche Nahrungsmittel sollten zusätzlich angeboten werden. Fiebersenkende Mittel können erwogen werden. Besprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, welche Medikamente in welcher Dosierung in Frage kommen. Bitte verabreichen Sie Ihrem Kind nicht ohne Absprache mit dem Kinderarzt Medikamente (vor allem nicht in Dosierungen für Erwachsene), da einige Medikamente schwere Nebenwirkungen bei Kindern hervorrufen können. Bei den meisten Kindern ist eine Viruserkrankung für das Fieber ursächlich. Antibiotika sind gegen virale Erreger unwirksam. Deshalb werden sie in der Regel nur verschrieben, wenn der Verdacht auf eine bakterielle Infektion besteht.

Wie geht der Arzt vor?

Zunächst ist es wichtig, das Fieber einordnen zu können, um ggf. auf eine Grunderkrankung zurückschließen zu können. Der Arzt wird Ihnen deshalb u. a. folgende Fragen stellen:

  • Wie lange dauert das Fieber an? Wie hoch ist das Fieber?
  • Bei länger anhaltendem Fieber: Gibt es (tageszeitliche) Schwankungen?
  • Wurde das Kind regelmäßig geimpft?
  • Wie geht es dem Kind im Allgemeinen?
  • Spielt das Kind oder ist es antriebslos? Zeigt es Verhaltensauffälligkeiten?
  • Trinkt und isst Ihr Kind ausreichend?
  • Ist das Bewusstsein eingeschränkt?
  • Zur Abklärung einer Nackensteife: Kann das Kind das Kinn auf die Brust legen?
  • Gibt es Anzeichen einer Infektion? Hat Ihr Kind Schnupfen, Husten, Ohren- oder Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Beschwerden beim Wasserlassen oder sonstige Auffälligkeiten?
  • Haben Sie fiebersenkende Mittel verabreicht? Haben diese geholfen?
  • Bestehen Vorerkrankungen? Operationen?

Ärztliche Untersuchung

Je nach Krankengeschichte des Kindes führt der Arzt eine eingeschränkte oder umfassende körperliche Untersuchung durch. Hierzu gehört u. a. das Messen von Fieber, Puls und Blutdruck, die Untersuchung von Kopf und Hals, Haut, Herz, Lunge und Bauch sowie ggf. die neurologische Untersuchung.

Weitere Untersuchungen

In der Kinderarztpraxis wird ggf. eine Blutuntersuchung (z. B. weiße Blutkörperchen, CRP) und eine Urinuntersuchung durchgeführt. Je nach Krankheitsbild erfolgt ggf. die weitere Abklärung im Krankenhaus

Weitere Informationen

Symptome, die zusammen mit Fieber auftreten können (Auswahl)

Krankheiten, die mit Fieber einhergehen können (Auswahl)

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Fieber bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Schaufelberger M, Meer A, Furger P, Derkx H et al.. Red Flags - Expertenkonsens - Alarmsymptome der Medizin. Neuhausen am Rheinfall, Schweiz: Editions D&F, 2018.
  2. Fleischmann T. Fälle Klinische Notfallmedizin - Die 100 wichtigsten Diagnosen. München, Deutschland: Elsevier, 2018.
  3. Kowalzik F., Zepp F. Das fiebernde Kind. Grundlagen der Behandlung. Monatsschr Kinderheilkd 2013; 161: 196-203. doi:10.1007/s00112-012-2780-8 DOI
  4. Huppertz HI. Fieber ohne Fokus. Monatsschr Kinderheilkd 2013; 161: 204-210. doi:10.1007/s00112-012-2782-6 DOI
  5. Niehues T. Das fiebernde Kind: Diagnostisches Vorgehen und Behandlung. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(45): 764–774. doi:10.3238/arztebl.2013.0764 DOI
  6. Paes BF, Vermeulen K, Brohet RM, et al. Accuracy of tympanic and infrared skin thermometers in children. Arch Dis Chil 2010; : doi:10.1136/adc.2010.185801. DOI
  7. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Fieber unklarer Genese. AWMF-Leitlinie Nr. 027-053, Stand 2013. www.awmf.org
  8. Baraff LJ. Management of fever without source in infants and children. Ann Emerg Med 2000; 36: 602-14. PubMed
  9. Hamilton JL, John SP. Evaluation of fever in infants and young children. Am Fam Physician 2013; 87: 254-60. American Family Physician
  10. American College of Emergency Physicians Clinical Policies Committee, American College of Emergency Physicians Clinical Policies Subcommittee on Pediatric Fever. Clinical policy for children younger than three years presenting to the emergency department with fever. Ann Emerg Med 2003; 42: 530-45. PubMed
  11. Hay AD, Heron J, Ness A, ALSPAC study team. The prevalence of symptoms and consultations in pre-school children in the Avon longitudinal study of parents and children (ALSPAC): a prospective cohort study. Fam Pract 2005; 22: 367-74. PubMed
  12. Kallinich T. Handlungsempfehlung nach der Leitlinie „Fieber unklarer Genese“. Monatsschr Kinderheilkd 2014; 161: 644-648. doi:10.1007/s00112-013-3063-8 DOI
  13. Huppler AR, Eickhoff JC, Wald ER. Performance of low-risk criteria in the evaluation of young infants with fever: review of the literature. Pediatrics 2010; 125: 228–233. doi: 10.1542/peds.2009-1070 DOI
  14. Shaw KN, Gorelick M, McGowan KL, Yakscoe NM, Schwartz JS. Prevalence of urinary tract infection in febrile young children in the emergency department. Pediatrics 1998; 102: 16. Pediatrics
  15. Hoberman A, Chao HP, Keller DM, Hickey R, Davis HW, Ellis D. Prevalence of urinary tract infection in febrile infants. J Pediatr 1993; 123: 17-23. PubMed
  16. American Academy of Pediatrics. Committee on Quality Improvement. Subcommittee on Urinary Tract Infection. Practice parameter: the diagnosis, treatment, and evaluation of the initial urinary tract infection in febrile infants and young children. Pediatrics 1999; 103: 843-52. Pediatrics
  17. Cincinnati Children's Hospital. Evidence-based care guidelines. Fever of uncertain source 2 - 36 months. Accessed January 31, 2007. www.cincinnatichildrens.org
  18. Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie. Fieber unklarer Genese - Bildgebende Diagnostik. AWMF. Leitlinie Nr. 064-003. Stand 2004. www.awmf.org
  19. Kayman H. Management of fever: making evidence-based decisions. Clin Pediatr (Phila) 2003; 42(5): 383–392. doi:10.1177/000992280304200501 DOI
  20. Hay AD, Costelloe C, Redmond NM et al . Paracetamol plus ibuprofen for the treatment of fever in children (PITCH): randomised controlled trial.. BMJ 2008; 337: a1302. pmid:18765450 PubMed
  21. Misurac JM, Knoderer CA, Leiser JD et al. Nonsteroidal Anti-Inflammatory Drugs Are an Important Cause of Acute Kidney Injury in Children. J Pediatr 2013. pmid:23360563 PubMed