Nackensteife

Ist der Nacken steif, kann der Kopf nur eingeschränkt nach vorne gebeugt werden.

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Was ist die Nackensteife?

  • Ist der Nacken steif, kann der Kopf nur eingeschränkt nach vorne gebeugt werden. Die Nackensteife wird meist darüber definiert, ob eine Person – in der Regel Kinder oder Jugendliche – mit dem Kinn die Brust berühren kann oder nicht.
  • Nackensteife tritt häufig auf und ist nur in Ausnahmefällen ein Hinweis auf eine schwere Erkrankung (z. B. Hirnhautentzündung).

Beurteilung des Schweregrades

  • Nackensteife ist ein klassisches Symptom schwerer und akuter Erkrankungen wie Hirnhautentzündung oder Hirnblutung.
  • Nackensteife kann aufgrund einer Reihe von ungefährlichen und harmlosen Erkrankungen auftreten. Auf der anderen Seite können Kinder unter zwei Jahren auch ohne Hinweis auf eine Nackensteife an einer Hirnhautentzündung leiden.
  • Eine gewisse Steife des Nackens wird bei Kindern meist durch harmlose Virusinfekte ausgelöst.
  • Sie sollten immer einen Arzt aufsuchen, wenn Sie den Eindruck haben, dass der Nacken steif ist und das Kind Fieber hat, abwesend wirkt und eventuell auffällig gereizt ist.

Ursache

Häufige Ursachen, die behandelt werden müssen

Leidet das Kind unter Nackensteife, ist es geschwächt und hat es Fieber, besteht in erster Linie Verdacht auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis).

  • Geschwollene und entzündete Halslymphknoten
    • Häufige Ursache.
    • Die Erkrankung wird durch eine lokale Infektion, z. B. Rachenentzündung, hervorgerufen.
    • Geschwollene Lymphknoten, die die Beweglichkeit des Nackens einschränken, deuten auf eine behandlungsbedürftige Infektion hin.
  • Andere Infektionen, die zu einer leichten Nackensteife führen können

Häufige Ursachen, die nicht behandelt werden müssen

  • Muskelsteifheit
    • Häufige Ursache.
    • Bewegungen und Drücken/Berühren der Nackenmuskulatur verursachen Schmerzen, die bei der Seitenneigung und Rotation des Kopfes am ausgeprägtesten sind.

Seltene Ursachen, die eine sofortige Behandlung erfordern

  • Hirnhautentzündung
    • Es handelt sich um eine seltene, aber sehr ernste Erkrankung.
    • Eine Hirnhautentzündung sollte bei akut beeinträchtigtem Allgemeinzustand, Ausschlag und Fieber unklarer Ursache immer abgeklärt werden.
    • Das Anfangssymptom kann sich auf unterschiedliche Weise manifestieren, meist in Form von Kopfschmerzen, Fieber, beeinträchtigtem Allgemeinzustand, Unterhautblutungen und lokalen Schmerzen.
    • Die Symptome variieren mit dem Schweregrad: Bewusstseinsstörungen, Nackensteife und Unterhautblutungen (Petechien) sind typisch.
  • Subarachnoidalblutung
    • Es können junge Erwachsene betroffen sein.
    • Es handelt sich um eine spezielle Form der Hirnblutung aufgrund der akuten Blutung der großen und mittleren Blutgefäße im Subarachnoidalraum.
    • Anfangssymptome sind plötzlich auftretende Kopfschmerzen, die an Intensität zunehmen und meist im Nacken lokalisiert sind. Der Schmerz wird als stechend und explosiv beschrieben.
    • Begleitsymptome sind meist Nackensteife, Übelkeit und Erbrechen. Die Erkrankung kann im späteren Verlauf zu Bewusstseinsstörungen und möglicherweise Koma und dem Tod führen.

Seltene Ursachen, die nicht behandelt werden müssen

  • Medikamente
    • Nackensteife tritt vor allem nach der Einnahme von Metoclopramid oder Trimethoprim auf.

Was können Sie selbst tun?

  • Es muss festgestellt werden, ob es sich um eine gefährliche Form der Nackensteife handelt. Bei Kindern kann die Beurteilung schwierig sein, da sie sich eventuell nicht untersuchen lassen möchten. Durch eine kleine Ablenkung kann das Kind spielerisch dazu gebracht werden, den Kopf nach vorne zu beugen. Wird versucht, den Kopf des Kindes nach vorne zu beugen, stößt man oft auf Widerstand, was fälschlicherweise als Nackensteife interpretiert werden kann.
  • Handelt es sich lediglich um eine leichte Form der Nackensteife und zeigt das Kind ansonsten einen guten Allgemeinzustand, können Sie abwarten und dem Kind zur Linderung von Beschwerden eventuell Paracetamol geben.
  • Beobachten Sie das Kind und suchen Sie einen Arzt auf, wenn sich sein Zustand deutlich verschlechtert.

Wann sollten Sie einen Arzt konsultieren?

  • Wenn Sie sich hinsichtlich der Ursache unsicher sind und starke Beschwerden auftreten, sollten Sie einen Arzt konsultieren.
  • Kleinkinder, die mitgenommen, deutlich geschwächt und nicht ansprechbar sind (Bewusstseinstrübung), müssen sofort ärztlich untersucht werden.
  • Junge Erwachsene mit plötzlichen auftretenden intensiven Kopf- und Nackenschmerzen können eine Subarachnoidalblutung haben und benötigen dringend einen Arzt.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wie rasch hat sich der Verlauf entwickelt?
    • Sowohl eine Hirnhautentzündung als auch eine Subarachnoidalblutung entwickeln sich üblicherweise schnell.
  • Hat sich das Kind verletzt oder Zug abbekommen?
    • Dies kann zu Muskelschmerzen führen.
  • Gibt es Anzeichen für eine andere Infektion?
    • Erkältungen, Grippe, Rachenentzündung, Ohrenentzündung.
  • Hat das Kind Ausschlag?
    • Wenn ja, sollte dieser kontrolliert werden, indem ein Glas dagegen gedrückt wird. Verschwindet der Ausschlag, spricht dies gegen Hautblutungen. Bleibt der Ausschlag bestehen, während Sie das Glas dagegen drücken, kann dies ein Anzeichen einer Hautblutung sein.

Ärztliche Untersuchung

  • Es werden insbesondere der Allgemeinzustand und der Bewusstseinsgrad beurteilt.
  • Kinder
    • Es wird eine allgemeine Untersuchung von Ohren, Mundhöhle, Hals, Lunge und Bauch durchgeführt. Die Haut wird auf Anzeichen von Hautblutungen untersucht.
    • Die Nackensteife wird beurteilt.
  • Junge Erwachsene
    • Gibt es Anzeichen für eine Lähmung oder Sprachstörung?
    • Die Nackensteife wird beurteilt.

Weitere Untersuchungen

  • In der Arztpraxis können einfache Untersuchungen durchgeführt werden, z. B. Bestimmung des CRP-Wertes.

Überweisung an einen Spezialisten

  • Bei Verdacht auf Hirnhautentzündung oder Subarachnoidalblutung wird das betroffene Kind sofort in ein Krankenhaus eingewiesen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nackensteife. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Brett-Fleegler M. Evaluation of neck stiffness in children. UpToDate19.2 september 2011: www.uptodate.com