Pflege in der Sterbephase

Für schwer kranke Patienten, die sich nicht mehr selbst versorgen können, ist es oft nicht leicht, auf andere angewiesen zu sein. Für viele Patienten ist es jedoch eine positive Erfahrung, zu Hause gepflegt zu werden. Die Patienten befinden sich in ihrer gewohnten Umgebung und können selbst entscheiden, wie sie gepflegt werden möchten.

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Angehörige können die Pflege eines kranken Menschen als etwas Positives erleben. Durch die Pflege kann man dem Betroffenen seine Fürsorge und Liebe zeigen.

Wer macht was?

Einen Sterbenden in den letzten Tagen und Stunden1 zu Hause zu pflegen, bedeutet nicht, dass die Angehörigen die gesamte Pflege allein übernehmen müssen. Die Pflege eines sterbenden Menschen kann schwer und anstrengend sein. Ein Pflegedienst kann die gesamte Pflege übernehmen oder sich bestimmte Aufgaben mit den Angehörigen teilen.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Patienten und Angehörige nur zögernd Hilfe in Anspruch nehmen. Die persönliche Hygiene ist für die meisten Menschen eine sehr private Angelegenheit. Hilfe beim Waschen oder anderen persönlichen Dingen in Anspruch zu nehmen, wird teilweise als Niederlage empfunden. Für Pflegepersonal ist dies jedoch keine ungewohnte Situation. Viele Betroffene überlassen die Intimhygiene lieber „neutralen“ Personen.

Wie geht man vor?

Die Hygiene stellt sowohl für die Patienten als auch ihre Angehörigen eine Herausforderung dar. Eine gute Planung ist wichtig.

Sie benötigen: Waschschüssel, Handtücher, Waschlappen, Seife (vorzugsweise Flüssigseife), Plastikfolie unter der Waschschüssel, damit das Laken nicht nass wird.

Ein Rollschrank (kann beim Pflegedienst geliehen werden) mit mehreren Schubladen ist praktisch. Er kann einfach verschoben werden, und Sie haben alles Wichtige schnell zur Hand. Damit haben Sie auch einen guten Überblick über die benötigte Ausstattung, und er kann nach der Verwendung einfach weggeräumt werden.

Die Bettwäsche kann beim Waschen gewechselt werden. Legen Sie Laken, Kissenbezüge und Bettbezüge bereit. Es ist praktisch, eine Plastiktüte oder einen Beutel für die schmutzige Wäsche an den Bettrand zu hängen. Legen Sie auch Salben und Cremes griffbereit. Wählen Sie die Produkte, die der Patient anwenden möchte. Legen Sie auch alles für die Mundhygiene bereit.

Waschen

Beginnen Sie mit Gesicht, Hals und Ohren. Trocknen Sie die gewaschenen Stellen gut ab. Achten Sie darauf, dass der Patient nicht friert. Waschen Sie die Hände in der Waschschüssel. Wringen Sie mit dem Waschlappen Wasser über den Händen aus. Es ist für viele Patienten ein schönes Gefühl, Wasser über den Körper laufen zu lassen. Danach werden Arme und Oberkörper gewaschen.

Achtung! Sind Sie allein oder kann der Patient nicht mehr sitzen, sollten Sie zuerst die gesamte Vorderseite waschen. Tauschen Sie danach Wasser, Waschlappen und Handtuch aus, bevor Sie mit der Rückseite beginnen.

Sind Sie nicht allein oder kann der Patient sitzen, können Sie erst die Brust, danach den Rücken und die Oberschenkel und zum Schluss die Unterschenkel waschen. Waschen Sie die Füße, indem Sie die Waschschüssel ins Bett stellen und die Füße darin baden. Gehen Sie wie bei der Handwäsche vor. Danach waschen Sie den Intimbereich, erst die Vorderseite und danach die Rückseite.

Achten Sie darauf, dass der Patient immer bedeckt ist. Waschen Sie den Oberkörper, bedecken Sie den Unterkörper mit einem Kissen oder Laken. Waschen Sie den Unterkörper, bedecken Sie den Oberkörper mit einem Kissen oder Laken. Dadurch friert der Patient nicht und liegt nicht unbedeckt im Bett. Wenn Sie den Patienten so waschen, benötigen Sie jedes Mal nur einen Waschlappen und ein Handtuch. So haben Sie weniger Schmutzwäsche und Arbeit. Es ist in der Regel hygienischer, erst die Füße und dann den Intimbereich zu waschen.

Eincremen und umdrehen

Nach dem Waschen sollte der Körper eingecremt und der Rücken massiert werden. Insbesondere an Hals, Schulterblättern, Ellenbogen, unterem Rücken, Hüften und Fersen können Druckgeschwüre entstehen. Diese Stellen sollten regelmäßig eingecremt werden (4- bis 6-mal pro Tag). Ellenbogen und Fersen müssen mit einer fetthaltigen Creme eingerieben werden. In einigen Fällen kann es zu einem Wundliegen (Dekubitus) kommen, da die Blutzirkulation zu schlecht ist. Daher ist es sehr wichtig, den Körper einzucremen und den Patienten regelmäßig zu drehen, um Druckgeschwüre zu verhindern.

Laken wechseln

Die Laken werden gewechselt, während der Patient auf der Seite liegt.

Es ist praktisch, das Laken beim Waschen zu wechseln. Wird der Patient auf eine Seite gerollt, werden das alte Laken und das Überziehlaken mit dem Patienten aufgerollt. Das saubere Laken wird auf der Seite über die Matratze gezogen, auf der das schmutzige Laken entfernt wurde.

Der Patient wird auf die andere Seite auf das saubere Laken gedreht. Das schmutzige Laken wird abgezogen und das neue Laken wird um die Matratze gezogen.

Mundhygiene

Bei schwer kranken oder sterbenden Menschen wird häufig weniger Speichel im Mund gebildet. Dies führt unter anderem zu Mundtrockenheit. Der Speichel erfüllt eine Reihe von Funktionen, die nicht immer offensichtlich sind. Der Speichel ist beim Essen und Sprechen wichtig und schützt das Gewebe im Mund. Für Mundtrockenheit kann es viele Ursachen geben, z. B. Medikamente, Infektionen, vorangegangene Strahlentherapie, Angst, fortgeschrittenes Alter, verminderte Kaufähigkeit, Atmung durch den Mund. Durch trockene Schleimhäute, Pilze oder Geschwüre im Mund kommt es häufig zu Appetitlosigkeit. Mundtrockenheit kann auch zu Sprachschwierigkeiten führen.

Prävention

Mund- und Körperhygiene sind für die meisten Menschen sehr private Angelegenheiten. Darum fällt es uns gerade in diesen Situationen schwer, um Hilfe zu bitten. Mittlerweile weiß man jedoch, dass die Mundhygiene für das körperliche und geistige Wohlbefinden der Patienten sehr wichtig ist. Mundtrockenheit ist sehr unangenehm, und Geschwüre im Mund sind mit starken Schmerzen verbunden. Daher ist es wichtig, diesen Beschwerden vorzubeugen. Kann sich der Patient nicht mehr selbst darum kümmern, muss er unterstützt werden. Diese Aufgabe kann der Pflegedienst zusammen mit den Angehörigen und dem Patienten übernehmen bzw. die Angehörigen können dem Patienten bei der Mundhygiene helfen, nachdem sie vom Pflegepersonal eingewiesen wurden. Dadurch kann Mundtrockenheit vorgebeugt und, tritt sie aufgrund einer anderen Therapie auf, behandelt werden.

  • Die Mundhygiene wird immer vor den Mahlzeiten durchgeführt.
  • Sie muss regelmäßig wiederholt werden.
  • Mundtrockenheit kann mithilfe kleiner Eiswürfel, Ananas, Tabletten mit Ascorbinsäure oder Zitrone gelindert werden. Dadurch wird der Durst gelöscht.

Nachfolgend finden Sie einige Vorschläge, wie die Mundhygiene durchgeführt werden kann:

  • Legen Sie alles zurecht, was Sie benötigen: Kompressen, Pinzette, Wasser, Glyzerin und weiße Vaseline sowie Zahnbürste, Zahnpasta und Zahnstocher.
  • Die Zähne werden mit einer kleinen, weichen Zahnbürste und einer enzymhaltigen Zahnpasta geputzt.
  • Danach wird der Mund mit Wasser gespült und mit Glyzerin eingepinselt.
  • Auch die Zunge wird mit der Zahnbürste geputzt und mit Glyzerin bestrichen (bekämpft Mundgeruch).
  • Zum Schluss werden die Lippen gereinigt und mit weißer Vaseline eingeschmiert.

Soll möglichst wenig oder kein Kontakt zu dem Patienten bestehen oder arbeitet der Patient aus anderen Gründen nicht mit, können die Kompressen mit einer sogenannten Arterienklemme gehalten werden. Mit der Arterienklemme wird die Kompresse auch gehalten, wenn Sie loslassen, und die Kompresse oder der Wattebausch kann nicht im Mund vergessen werden. Es ist besser, mehrmals zu waschen als die Kompressen zu nass zu machen. Dürfen Sie nicht in Kontakt mit dem Patienten kommen, muss die Flüssigkeitsmenge so angepasst werden, dass die Flüssigkeit nicht in den Hals laufen kann. Besprechen Sie dies mit dem Pflegepersonal.

Weitere Informationen

 Literatur

  1. Sandgathe Huseboe B, Husebo S. Die letzten Tage und Stunden. Palliative Care für Schwerkranke und Sterbende. Bremen, Hospiz Horn o.D. Zugriff: 16.9.2016. www.hospiz-horn.de

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg