Der Sterbeprozess

Die meisten Menschen, die an einer unheilbaren Krebserkrankung sterben, verlieren allmählich an Kraft. Die Angehörigen fragen sich oft, woran man erkennen kann, dass der Tod bevorsteht. Welchen Symptomen oder Anzeichen sollte man Aufmerksamkeit schenken, um sich auf den nahen Tod vorzubereiten?

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Anzeichen des nahen Todes

Patienten, die schwer an Krebs erkrankt sind, sterben selten plötzlich oder unerwartet. Die Personen, die sich um den Patienten kümmern, bemerken häufig Anzeichen dafür, dass das Lebensende sich nähert. Solche Anzeichen können sein:

  • Erhöhter Schlafbedarf.
  • Der Patient vermittelt kaum Signale an seine Umwelt.
  • Lippen, Hände und Füße färben sich bläulich.
  • Das Atemmuster verändert sich. Die Atmung ist einmal tief und schnell und dann wieder flach und langsam mit längeren Pausen (10–30 Sekunden) zwischen den einzelnen Atemzügen.

Den Kranken fehlt häufig die Kraft, um Schleim abzuhusten. Daher ist nicht selten ein rasselndes Geräusch in Brust und Rachen des Patienten zu hören. Man spricht gelegentlich vom Todesrasseln, jedoch ist das Geräusch nicht allgemein Ausdruck dafür, dass der Sterbende mit dem Tod ringt. Die Patienten haben während dieser Rasselatmung meist keine Atemnot, wenn sie ansonsten keine Anzeichen für Atemnot haben und entspannt erscheinen. Eine gute Mundhygiene und das Drehen des Patienten von einer Seite auf die andere tragen dazu bei, das Rasseln zu vermindern. Es gibt Medikamente zur Linderung der Beschwerden. Arzt und Pflegepersonal können nach einer Einschätzung des Patienten eine wirksame Behandlung empfehlen.

Menschen, die im Sterben liegen, sind in der Lage zu hören

Die Sinne des Patienten sind meist erhalten, auch wenn einige Funktionen bis zum Eintritt des Todes schwächer werden (vorausgesetzt, es liegt keine andere Erkrankung der Sinnesorgane vor). Insbesondere ist zu beachten, dass das Gehör in der Regel funktionstüchtig ist.

Nach Eintritt des Todes

Unmittelbar nach dem Eintritt des Todes erschlaffen alle Muskeln im Körper des Verstorbenen. Die Gesichtszüge glätten sich, die Augen werden stumpf und die Pupillen erweitern sich. Gelegentlich kommt es unmittelbar nach dem Eintritt des Todes infolge der Muskelerschlaffung zum Abgang von Urin und Stuhl. Die Leichenstarre (Rigor mortis) tritt nach ein paar Stunden ein. Aus diesem Grund sollte nicht zu lange damit gewartet werden, die Verstorbenen anzukleiden. Es treten blau-violette Flecken auf. Nach dem Tod der Patienten muss ein Arzt zur Feststellung des Todes und Ausstellung der Todesbescheinigung ins Haus kommen.

Wer kümmert sich um den Verstorbenen?

Wenn der Patient Zuhause verstorben ist, handelt es sich in den meisten Fällen um einen erwarteten Todesfall. Es besteht keine Eile.  Häufig haben die Patienten bereits mit ihren Angehörigen darüber gesprochen, was zu tun ist. Unter Umständen hatte der Patient spezielle Wünsche, die die Angehörigen erfüllen sollen.

Viele Angehörige möchten sich selbst um den Verstorbenen kümmern, gelegentlich zusammen mit Mitarbeitern des Pflegepersonals. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine Möglichkeit, dem verstorbenen Respekt zu erweisen. Die Angehörigen erleben dies als einen Akt der Liebe. Das Pflegepersonal ermutigt die Angehörigen, dabei zu sein, wenn der Verstorbenen für die Beerdigung vorbereitet wird. Diese Tätigkeiten tragen darüber hinaus erheblich zur Trauerarbeit bei. Kinder und Jugendliche gehören zu den Angehörigen und dürfen ebenfalls helfen, wenn sie den Wunsch dazu verspüren. Manche wollen die Haare kämmen, andere die Blumen arrangieren und so weiter. Wichtig ist vor allem, dass diejenigen, die sich beteiligen wollen, dies auch tun dürfen.

Den Verstorbenen für die Beerdigung vorbereiten

Es gibt keine festen Regeln, wie die Verstorbenen hergerichtet werden sollten. Es folgen daher einige praktische Vorschläge:

  • Der Körper wird gewaschen, sofern erforderlich.
  • Nägel werden geschnitten, Haare gekämmt, der Mund gereinigt, gegebenenfalls wird eine Zahnprothese eingesetzt und Männer werden rasiert.
  • Wenn das Kinn herabfällt, wird ein Kissen oder Ähnliches unter das Kinn gelegt.
  • Wenn sich die Augen schwer schließen lassen, kann ein nasser Wattebausch für einige Stunden auf die Augenlider gelegt werden.
  • Wenn der Verstorbene gedreht wird, kann Luft entweichen. Das ist normal.
  • Wenn Material oder Flüssigkeit aus Rektum und/oder Scheide austritt, können die Körperöffnungen mit Watte verschlossen (tamponiert) werden.
  • Die Verstorbenen haben unter Umständen spezielle Wünsche hinsichtlich der im Sarg getragenen Kleidung geäußert. Wenn dies nicht der Fall war, können die Angehörigen die Kleidung auswählen. Falls keine private Kleidung getragen werden soll, kann das Bestattungsinstitut Kleidung zur Verfügung stellen.
  • Die Verstorbenen können zuhause in den Sarg gebettet werden.

Je nach kulturellem Hiintergrund gibt es natürlich unterschiedliche Traditionen, die berücksichtigt werden.

Vor der Beerdigung/Beisetzung

Die Verstorbenen können noch eine Weile zuhause bleiben, werden dann aber meist in die Leichenhalle überstellt. Im Allgemeinen hängt die Zeitdauer, während der die Verstorbenen zuhause bleiben können, von der Größe der Wohnung und Jahreszeit ab. Die Verstorbenen sollten in einem gelüfteten Raum liegen. Wenn es draußen nicht zu heiß ist, gibt es zunächst keine Probleme bezüglich des Geruchs.

Bestattungsinstitut

Es ist nicht erforderlich, ein Bestattungsinstitut in Anspruch zu nehmen. Manche Angehörige möchten alles alleine regeln, andere benötigen bei verschiedenen Dingen Hilfe. Die Angehörige können dies selbst entscheiden.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Leitlinienprogramm Onkologie. Patientenleitlinie Palliativmedizin für Patientinnen und Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. Berlin 2015. www.awmf.org

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg