Delir in der Palliativmedizin

Das Delir ist ein Verwirrtheitszustand, der bei kranken Menschen auftreten kann, insbesondere bei älteren Menschen mit einem geschwächten Allgemeinzustand, die zusätzlich an einer schweren Krankheit (z. B. Lungenentzündung) leiden.

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Definition

Bei einem Delir kommt es zu einem Verwirrtheitszustand, der akut einsetzt und sich durch Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit sowie Wahrnehmungsstörungen kennzeichnet.1 Ein Delir tritt häufig bei älteren Menschen mit einem geschwächten Allgemeinzustand auf, die plötzlich unter einer akuten Erkrankung wie einer Lungenentzündung oder einem Harnwegsinfekt leiden. Auch Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium leiden häufig unter einem Delir. Bis zu 90 % aller Patienten mit einer zum Tode führenden Krankheit zeigen in den letzten Lebenswochen Anzeichen eines Delirs.

Delir ist ein Zeichen dafür, dass zentrale und wichtige Körperfunktionen gestört sind. Das Gehirn wird nicht ausreichend mit Nährstoffen und Mineralien versorgt und kann die normalen Funktionen nicht mehr ausführen, sodass es zu Fehlfunktionen und Symptomen eines Delirs kommt. Diese haben demnach eine körperliche (somatische) Ursache und sind kein Anzeichen einer psychischen Erkrankung.

Wie wird ein Delir erfahren?

Das ist unterschiedlich: Bei manchen Betroffenen ist ein Delir von Angst und Unruhe begleitet, bei anderen kommt es zu Apathie und verminderter Aktivität. Oft führt ein Delirium zu Wahrnehmungsstörungen wie Gedächtnisverlust, verminderte Aufmerksamkeit und Orientierungslosigkeit. Ebenso können auch fehlerhafte Sinneswahrnehmungen und Sinnestäuschungen vorkommen, die zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen von Situationen kommen. Typisch sind auch starke Stimmungsschwankungen, die dazu führen können, dass ein Delir mit einer Depression verwechselt wird.

Für Angehörige und Pflegepersonal kann dies eine große Belastung und sehr schmerzlich sein, da die Patienten scheinen nicht mehr sie selbst zu sein. Angehörige haben dann häufig Angst, den Kontakt zu den Betroffenen zu verlieren. Es kann auch schwierig sein, die Bedürfnisse der Patienten zu erkennen oder beispielsweise Schmerzen oder andere Beschwerden zu verstehen.

Ursachen

Ein Delir kann von einer Reihe organischer Ursachen ausgelöst werden. Medikamente sind eine häufige Ursache, insbesondere die Anwendung von Opioiden, Kortikosteroiden und Psychopharmaka. Auch eine Infektion, wie z.B.eine Lungenentzündung, kann ein Delir auslösen. Tumoren oder Metastasen im Gehirn können zu Verwirrtheit führen. Stoffwechselstörungen, z. B. Dehydratation oder Anämie, können einen deliranten Zustand verursachen. Bei einem plötzlichen Absetzen von Beruhigungsmitteln, Opioiden und Alkohol kann es ebenfalls zu einem Delir kommen.

Therapie

Ziel der Therapie: Den normalen psychischen Zustand wiedererlangen. Viele Maßnahmen erfordern keine Medikamente: Sicherung der Sauerstoffzufuhr, ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Nährstoffen, Kontrolle der Urin- und Darmfunktion, , Mobilisierung, Schmerztherapie, Versorgung mit Sehhilfen, Hörgeräten oder die Integration bekannter Gegenstände in die Umgebung des Patienten.

Starke Unruhezustände und Agitation können sowohl für die Patienten als auch die Angehörigen sehr unangenehm sein. Eine medikamentöse Behandlung ist möglich. Die Medikamente haben keinen Einfluss auf die Lebenserwartung, können jedoch die Angst lindern und zu einer besseren Lebensqualität führen.

Palliativtherapie bei weit fortgeschrittener Krebserkrankung

Literatur

  1. Leitlinienprogramm Onkologie. Patientenleitlinie Palliativmedizin für Patientinnen und Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. Berlin 2015. www.awmf.org

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Delir, palliative Behandlung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Breitbart W, Yesne A. Agitation and delirium at the end of life. JAMA 2008; 300: 2898-2910. Journal of the American Medical Association
  2. Pisani M, . Assessment of delirium. BMJ Best Practice, last updated Nov 26, 2014.
  3. Roche V. Southwestern Internal Medicine Conference. Etiology and management of delirium. Am J Med Sci. 2003;325:20-30. PubMed
  4. Cole MG, Ciampi A, Belzile E, et al. Persistent delirium in older hospital patients: a systematic review of frequency and prognosis. Age Ageing. 2009;38:19-26. PubMed
  5. Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin. Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. AWMF-Leitlinie Nr. 128-001OL, Stand 2015. www.awmf.org
  6. van den Boogaard M, Schoonhoven L, Evers AW, et al. Delirium in critically ill patients: impact on long-term health-related quality of life and cognitive functioning. Crit Care Med. 2012;40:112-118. PubMed
  7. Neufeld KJ, Thomas C. Delirium: definition, epidemiology, and diagnosis. J Clin Neurophysiol. 2013;30:438-442. PubMed
  8. Pisani MA, McNicoll L, Inouye SK. Cognitive impairment in the intensive care unit. Clin Chest Med. 2003;24:727-737. PubMed
  9. Fayers PM, Hjermstad MJ, Ranhoff AH, Kaasa S, Klepstad P, Loge JH. Which Mini-Mental State Exam (MMSE) items can be used to screen for delirium and cognitive impairment? J Pain Symptom Manage 2005; 30: 41-50 PubMed
  10. Lonergan E, Britton AM, Luxenberg J, Wyller T. Antipsychotics for delirium. Cochrane Database Syst Rev 2007; 2: CD005594. Cochrane (DOI)
  11. Betreungsrechtliche Praxis BtPrax Online-Lexikon Betreuungsrecht: Zwangsbehandlung. Bundesanzeiger-Verlag, Köln. www.bundesanzeiger-verlag.de
  12. Bundesverfassungsgericht Pressemitteilung Nr. 59/2016 vom 25. August 2016: Die Beschränkung ärztlicher Zwangsbehandlung auf untergebrachte Betreute ist mit staatlicher Schutzpflicht nicht vereinbar. www.bundesverfassungsgericht.de
  13. O'Mahony R, Murthy L, Akunne A, et al. Synopsis of the National Institute for Health and Clinical Excellence guideline for prevention of delirium. Ann Intern Med 2011; 154: 746-51. www.ncbi.nlm.nih.gov