Depression in der Palliativmedizin

Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung können unter verschiedenen psychischen Problemen leiden. Die häufigsten sind Depression, Angstzustände und Delir.

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Einleitung

Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium und anderen unheilbaren Erkrankungen können vermehrt unter verschiedenen psychischen Problemen leiden. Die häufigsten sind Depression, Angstzustände und Delir. In der gängigen psychiatrischen Praxis wird eine Depression sowohl aufgrund von körperlichen als auch psychischen Symptomen definiert.

Zu den psychischen Beschwerden können niedergeschlagene Stimmung, Verlust von Interesse und Freude, Antriebsminderung, herabgesetztes Selbstwertgefühl, Selbsttötungsgedanken und -versuche sowie Abnahme der Konzentrations- und Gedächtnisleistung zählen. Schlafstörungen, Verlust von Appetit, Gewicht und Libido gehören ebenfalls zu Beschwerden, welche bei Depressionen vermehrt auftreten. Bei Patienten in Palliativbehandlung sind die körperlichen Symptome teilweise schwierig von Beschwerden abzugrenzen, die im Rahmen der Grunderkrankung bereits vor Auftreten der Depression bestanden.

Häufigkeit

Psychische Erkrankungen treten bei schwer kranken Menschen häufiger auf als in der allgemeinen Bevölkerung. Die Häufigkeit hängt dabei vom Krankheitsstadium ab. Angst und Depression kommen am häufigsten im frühen Stadium der Krebserkrankung vor. Sie können sich als körperliche Symptome mit starken Schmerzen, Unwohlsein und Atembeschwerden manifestieren.

Ätiologie

Depressionen können unterschiedliche Ursachen haben, und meist spielen viele Faktoren eine Rolle. Bei unheilbaren Erkrankungen wie Tumoren oder auch neurologischen Erkrankungen wie Demenzen liegen häufig organisch bedingte Depressionen vor. Allgemein können genetische und neurobiologische Faktoren ( z.B. Serotonin- und/oder Noradrenalinmangel) als auch psychische Faktoren wie ein Trauma, die belastende Situation einer schweren Erkrankung und Persönlichkeitsfaktoren die Entstehung einer Depression begünstigen.

Nicht selten sind Depressionen bei Palliativpatienten vergesellschaftet mit anderen psychischen Störungen. Dazu zählen Angst- und Panikstörungen sowie weitere psychische Erkrankungen.

Diagnostik

Die Diagnose basiert in erster Linie auf Gesprächen zwischen Arzt und Patient. Der Arzt muss dabei allgemein zwischen normalen psychologischen Reaktionen und psychischen Erkrankungen unterscheiden, die eine spezifische Therapie erfordern. Zur Feststellung und Beurteilung einer Depression verwenden Ärzte zusätzlich zum Gespräch oft standardisierte Fragebögen.

In der Diagnostik einer Depression werden unterschiedliche psychische und körperliche Beschwerden berücksichtigt. Die häufigsten Symptome und Anzeichen einer Depression sind Niedergeschlagenheit, die vor allem am Morgen sehr ausgeprägt ist, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle, pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken oder -versuche, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, Unentschlossenheit, Verlust von Interesse und Freude.

Bei Kindern kann sich eine Depression in Form von Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Ess- und Schlafstörungen zeigen. Kinder nehmen nicht mehr an Aktivitäten teil, die ihnen bisher Freude bereitet haben.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist es, die Symptome der Depression zu lindern und die Lebensfreude zu erhöhen.

Nicht-medikamentöse Therapie

Die Grundlage der nicht-medikamentösen Therapie der Depression bilden zielgerichtete Gespräche und eine individuelle psychologische Betreuung. Diese kann bereits in frühen Phasen der Grunderkrankung und bei leichten depressiven Episoden von Vorteil sein und die Lebensqualität erhöhen. Auf diese Weise können zudem eine Verschlechterung der psychischen Beschwerden früh entdeckt und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden.

In den psychologischen Gesprächen können individuelle Sorgen und Probleme geklärt werden. Es ist wichtig, emotionale Reaktionen zuzulassen. Der Therapeut kann dem Patienten unter anderem bei der Erarbeitung realistischer Ziele zur Seite stehen. Der Patient sollte dabei in Entscheidungen bezüglich der Therapie einbezogen werden.

Bei Kindern sollte die Therapie immer in Zusammenarbeit mit einer Spezialabteilung erfolgen.

Medikamentöse Therapie

Bei leichten Beschwerden einer Depression im frühen Stadium der Krebserkrankung wird von einer medikamentösen Therapie oft abgesehen, da sich der Zustand auch von alleine bessern kann. Bei fortgeschrittener Krebserkrankung kann es sinnvoll sein auch leichte Formen der Depression bereits etwas früher medikamentös zu behandeln. Dabei muss kontrolliert werden, wie stark die Symptome den Patienten beeinträchtigen und ob sich die Symptome verschlimmern oder stabil sind. Verschlimmern sie sich, sollte insbesondere eine medikamentöse Therapie in Erwägung gezogen werden.

In der Regel wählt der Arzt ein Antidepressivum vor allem aufgrund der Nebenwirkungen und der Grunderkrankung des Patienten aus. Ein Medikament kann auch aufgrund seiner positiven Wirkung auf andere psychische Probleme des Patienten (z. B. Angstzustände) ausgewählt werden. Generell wird eine niedrige Anfangsdosis empfohlen, die Dosis wird dann von dem Arzt langsam erhöht und an die Bedürfnisse des Patienten angepasst. Der Patient muss engmaschig überwacht werden, tritt nach 4-6 Wochen keine Besserung ein, sollte nach Absprache mit dem behandelnden Arzt ein anderes Antidepressivum verwendet werden.

Palliativtherapie bei weit fortgeschrittener Krebserkrankung

Autoren

  • Marie-Ch. Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

  1. Leitlinienprogramm Onkologie. Patientenleitlinie Palliativmedizin für Patientinnen und Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. Berlin 2015. www.awmf.org

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Depression, palliative Behandlung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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