Übelkeit und Erbrechen, Palliativmedizin

Vielen Krebspatienten leiden unter Beschwerden des Magen-Darm-Trakts. Hauptsymptome sind Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung.

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Definition

Bei Patienten mit nicht heilbaren Erkrankungen und geringer Lebenserwartung besteht das Behandlungsziel in einer Linderung der Beschwerden (Palliativtherapie1). Dies gilt vor allem für an Krebs erkrankte Patienten. Entsprechende Behandlungsprinzipien gelten aber auch in anderen Fällen, wie beispielsweise bei Vorliegen einer fortgeschrittenen neurodegenerativen Erkrankung sowie schwerer Herz- und Lungenkrankheiten.

Viele Krebspatienten leider unter Beschwerden des Magen-Darm-Trakts. Für den einzelnen Patienten können diese Symptome ebenso belastend sein wie die eigentlichen Schmerzen. Die häufigsten Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung.

Häufigkeit

Mehr als 50 % der Krebspatienten erleben Übelkeit und Erbrechen als ein schwerwiegendes Problem während der Krankheit in der palliativen Situation.

Ursachen

Übelkeit und Erbrechen können zahlreiche unterschiedliche Ursachen haben. Zum einen kann der Tumor selbst Auslöser sein, beispielsweise bei Magenkrebs, Tumoren im Gehirn oder Ausbreitung auf die Leber. Die Beschwerden können aber auch indirekt durch die Krebserkrankung z.B. infolge von Stoffwechselveränderungen, Verstopfung, Gewichtsverlust und Schwäche, Infektionen, Immobilisierung oder durch ein sogenanntes paraneoplastisches Syndrom (der Tumor produziert verschiedene Substanzen mit Auswirkung auf den Körper) verursacht werden. Eine häufige Ursache stellt die medikamentöse Behandlung dar, insbesondere bei Verwendung starker Schmerzmittel vom Opioidtyp. Diese Medikamente verzögern die Magenentleerung und können Verstopfungen nach sich ziehen. Andere Medikamente, die Übelkeit verursachen, sind entzündungshemmende Medikamente (NSAR-Präparate), Antibiotika, Antidepressiva, Anti-Osteoporose-Präparate (Bisphosphonate) und Medikamente im Rahmen einer Chemotherapie. Psychische Erkrankungen wie Angst und Depression können ebenfalls mit Übelkeit einhergehen.

Ein Krebspatient kann unter mehreren Arten von Übelkeit gleichzeitig leiden. Deshalb können insbesondere in diesen Fällen eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Medikamenten zur Linderung der Übelkeit sowie weitere Maßnahmen zum Einsatz kommen.

Diagnostik

Bevor eine Therapie bei Übelkeit und Erbrechen eingeleitet wird, sind die Ursachen zu ermitteln. Ausgehend von einem möglichen Nutzen positiver bzw. negativer Ergebnissen muss beurteilt werden, welche diagnostischen Maßnahmen sinnvoll sind und wie sich dies auf die fortgesetzte Behandlung der aktuellen Beschwerden auswirkt.

Wichtige Fragen des Arztes an den Patienten können folgende sein:

  • Leiden Sie unter starkem Durst?
  • Kopfschmerzen?
  • Schwindelgefühl?
  • Verstopfung?
  • Schmerzen?
  • Welche Arzneimittel werden angewendet?

Der Arzt untersucht Mundhöhle, Magen und Enddarm des Patienten. Unter Umständen sind Blutuntersuchungen zur Kontrolle des Blutbildes, der Leber- und Nierenfunktion sowie gegebenenfalls weitere Untersuchungen angezeigt.

Therapie

Die Therapie richtet sich vor allem gegen die Ursache der Übelkeit, sofern eine solche gefunden wird.

Medikamentöse Therapie

Bei allgemeiner Übelkeit und solange die Abklärung der Ursachen noch nicht abgeschlossen ist, wird häufig Metoclopramid gegeben. Die Patienten werden sorgfältig überwacht und die Dosis nach Bedarf angepasst. Sie kann durch das ärztliche Personal eventuell reduziert oder abgesetzt werden, nachdem die Ursache für die Übelkeit ermittelt wurde. Wenn die Übelkeit weiter anhält, kann nach ärztlichem Rat die zusätzliche Gabe von Antihistaminika in Betracht gezogen werden. Stellt sich auch damit nicht der gewünschte Erfolg ein, können die Antihistaminika gegen Anticholinergika (Scopolamin) ausgetauscht werden. Eine Ergänzung der Therapie um Kortikosteroide oder sogenannte Serotoninantagonisten kann durch die behandelnden Ärzte ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Wie bei jeder Kombinationstherapie muss die Dosierung der einzelnen Präparate sorgfältig überwacht und nach Bedarf eingestellt werden. Wenn sich das neue Medikament als wirksam erweist, kann man nach Absprache mit den Ärzten versuchen, die Therapie mit Metoclopramid zu beenden.

Nebenwirkungen

Dopaminantagonisten können schwere Nebenwirkungen am Nervensystem in Form von unkontrollierten Bewegungen und Spannungen verursachen, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und dehydrierten Patienten. Diesen Nebenwirkungen kann nach Absprache mit den behandelnden Ärzten mit sogenannten Antiparkinsonmitteln entgegengewirkt werden. Anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, urologische Probleme und saures Aufstoßen/ Sodbrennen werden bei einzelnen Patienten beobachtet.

Opioidinduzierte Übelkeit

Übelkeit ist eine häufige Nebenwirkung bei der Anwendung von Opioiden. Aus diesem Grund sollten vor Beginn einer Opioid-Behandlung vorbeugende Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Mit Dopaminantagonisten (Metoclopramid) kann häufig eine wirksame Linderung erzielt werden. Wenn die Beschwerden eindeutig mit Bewegung in Zusammenhang stehen, ist eine Behandlung mit Antihistaminika oder Anticholinergika erfolgversprechend. Serotoninantagonisten erweisen sich häufig als wirksam und sollten als letztes Mittel bei nicht durch Chemo- oder Strahlentherapie verursachter Übelkeit in Betracht gezogen werden. Diese Medikamente führen häufig zu Verstopfung. Kortikosteroide können bei Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium, die unter Auszehrung und Entkräftung leiden, einen positiven Effekt entfalten. Das gleiche gilt für die Anwendung von Benzodiazepinen bei Patienten, die unter Angst und Unruhe leiden.

Palliativtherapie bei fortgeschrittener Krebserkrankung

Weitere Informationen

Literatur

  1. Leitlinienprogramm Onkologie. Patientenleitlinie Palliativmedizin für Patientinnen und Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung. Berlin 2015. www.awmf.org

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Übelkeit und Erbrechen, palliative Behandlung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung, Langversion 1.0, 2015, AWMF-Registernummer: 128/001OL. www.awmf.org
  2. Binkert M, Schilling G. Übelkeit und Erbrechen bei Tumorpatienten. ZFA | Z Allg Med | 2015; 91 (3): 111-116. www.online-zfa.de
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  18. Kassenärztliche Vereinigung Hessen: info.pharm. Verordnung von Cannabisarzneimitteln zu Lasten der GKV. Nr. 21 August 2017. www.kvhessen.de