Piriformis-Syndrom

Das Piriformis-Syndrom äußert sich in Form von Schmerzen in der Gesäßregion, die bis ins Bein ausstrahlen können. Es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose, für die es keine einheitlichen Kriterien gibt.

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Was ist das Piriformis-Syndrom?

Der Musculus piriformis („birnenförmiger Muskel“) ist ein Skelettmuskel der tiefen Hüftmuskulatur. Er verläuft vom Kreuzbein (Os sacrum), dem unteren Ende der Wirbelsäule, durch das Becken bis hin zur Außenseite des Oberschenkelknochens (Femur). Die Kontraktion des Piriformis-Muskels bewirkt eine Außenrotation im Hüftgelenk. Desweiteren ist er an der Abduktion des Oberschenkels (nach außen führen) beteiligt.

Das Piriformis-Syndrom äußert sich in Form von Schmerzen in der Gesäßregion, die über die Rückseite des Oberschenkels bis zur Wade ausstrahlen können. Sie beruhen auf einer Kompression des Ischiasnervs durch den Piriformis-Muskel. Es handelt sich um ein Engpass-Syndrom im Bereich des Beckens, wo der Ischiasnerv den Piriformis-Muskel durchtritt oder seitlich passiert. Die Beschwerden treten häufig bei durchtrainierten Personen mit kurzen, kräftigen und schlecht gedehnten Muskeln auf, können aber auch bei Nichtsportlern vorkommen. Charakteristisch für das Piriformis-Syndrom sind oftmals diffuse Schmerzen und Instabilität im Bereich des hinteren Beckens.

Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Schätzungen zufolge beruhen bis zu 6 % aller Fälle von Ischiasbeschwerden auf dem Piriformis-Syndrom. Insbesondere im Kraftsport und beim Bodybuilding kann es zu Reizung des Ischiasnervs kommen.

Beim Pirifomis-Syndrom handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose, für die es keine einheitlichen Kriterien gibt.

Ursachen

Im Allgemeinen wird zwischen primären und sekundären Krankheitsursachen unterschieden. Ein primärer Zustand ist angeboren. Der Verlauf des Ischiasnervs ist etwas ungewöhnlich. Meist verläuft er dicht an der Unterseite des Piriformis-Muskels entlang, bei etwa 4 % aller Menschen mittel- oder nordeuropäischer Abstammung durchtritt er den Muskel allerdings teilweise oder komplett. Bei der zweiten Variante besteht ein erhöhtes Risiko für die Entstehung des Piriformis-Syndroms. Das primäre Piriformis-Syndrom macht weniger als 15 % aller Fälle aus.

Die häufigste Ursache ist wahrscheinlich ein Trauma des Piriformis-Muskels mit anschließender Entzündungsreaktion, die zu einer Engstelle im Bereich der Nervenpassage führt. Eine solche Verletzung kann auf verschiedene Art und Weise entstehen. In einigen Fällen beruht sie auf einer Überbelastung, beispielsweise durch langes Laufen oder intensives/ungewohntes Krafttraining. Auch ein anhaltender, direkter Druck auf die Muskulatur, etwa durch das Sitzen auf einer harten Unterlage oder mit der Brieftasche in der Gesäßtasche, kommt als Ursache infrage. Nach größeren Verletzungen wie Unfällen oder einem Sturz auf das Gesäß kann es ebenfalls zum Piriformis-Syndrom kommen. Vermutlich liegt den Beschwerden in diesen Fällen eine Muskelkverhärtung infolge einer Reizung oder Verletzung des Piriformis-Muskels zugrunde. Dies kann zu einer Kompression des Ischiasnervs führen.

Desweiteren kann der Piriformis-Muskel durch einseitiges, intensives Krafttraining so stark anwachsen, dass der Ischiasnerv eingeklemmt wird. Skifahrer, Rennradfahrer und LKW-Fahrer sind hierfür besonders gefährdet.

Symptome

Manchmal lässt sich als Ursache eine vorangegangene Verletzung in der Gesäßregion ausmachen, häufig bleibt allerdings unklar, wie es zu den Beschwerden gekommen ist. Schmerzen und Kribbeln können in der Hüfte, dem Steißbein, dem Gesäß, in der Leiste oder im Unterschenkel wahrgenommen werden. Meist äußert sich das Piriformis-Syndrom allerdings durch starke Schmerzen in der Gesäßregion, die zuweilen bis in die Rückseite des Oberschenkels oder sogar das gesamte Bein hinab ausstrahlen können. Bei starker Beanspruchung des Priformis-Muskels, etwa beim Gehen oder Hocken, nehmen die Schmerzen zu. Auch die anhaltende Hüftbeugung bei langem Sitzen, z. B. beim Autofahren, führt zu einer Intensivierung der Schmerzen. Betroffene müssen beim Autofahren oft anhalten, aussteigen und sich strecken, ehe sie weiterfahren können.

Seltener kommt es zu Symptomen wie Beschwerden beim Stuhlgang, Schmerzen in den Schamlippen oder dem Hodensack, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bei Frauen oder Schmerzen beim Aufstehen aus dem Bett. Sportler beschreiben die Beschwerden häufig mit dem Gefühl, die Muskulatur auf der Rückseite des Oberschenkels sei verkürzt, und klagen über Probleme beim Sprinten.

Das Piriformis-Syndrom lässt sich vom klassischen Ischiassyndrom mitunter nur schwer unterscheiden. Die Symptome sind in beiden Fällen ähnlich, da sie auf einer Reizung des Ischiasnervs beruhen. Der Unterschied besteht lediglich in der Lokalisation und der Ursache der Nervenkompression. Das Ischiassyndrom ist häufig Teil anhaltender Rückenschmerzen, die über das Gesäß bis in die Beine ausstrahlen können. Die auch als Ischialgie bezeichneten Beschwerden beruhen auf einer Kompression der Nervenwurzel im Bereich der Wirbelsäule, z. B. durch einen Bandscheibenvorfall. Beim Piriformis-Syndrom wird der Nerv im Bereich des Beckens eingeklemmt und führt direkt zu Schmerzen in der Gesäßregion ohne vorherige Rückenschmerzen. Da sich die Therapie in beiden Fällen voneinander unterscheidet, ist es wichtig, den Ort der Nervenkompression eindeutig zu bestimmen.

Diagnostik

Grundlage für die Verdachtsdiagnose sind die Krankengeschichte und die Befunde der Untersuchung. Andere potenzielle Ursachen für die vorliegenden Beschwerden sollten ausgeschlossen werden.

Typische Befunde bei der ärztlichen Untersuchung sind Schmerzen in der Gesäßregion beim Beugen des Hüftgelenks und bei der Innenrotation des betroffenen Beins (Sitzen mit überschlagenen Beinen). Die Funktion des Piriformis-Muskels kann geschwächt sein: Die Patienten haben Probleme, in Seitenlage das Bein anzuheben. Die Untersuchung kann mitunter Schmerzen auslösen. Bei einer Untersuchung durch Enddarm oder Scheide kann die Ärztin/der Arzt eine Verspannung der seitlichen Beckenwand ertasten. Im Gegensatz zu klassischen Ischias-Beschwerden existieren keine Anzeichen einer Nervenschädigung.

Weitere Untersuchungen sind normalerweise nicht erforderlich. Eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) zum Ausschluss anderer Erkrankungen kann zuweilen sinnvoll sein.

Therapie

Dehnen hilft
Dehnen hilft
Dehnung der Gesäßmuskulatur
Dehnung der Gesäßmuskulatur

Eine konservative Behandlung zeigt meist eine gute Wirkung.

Die wichtigste Maßnahme besteht in der Entlastung. Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Beschwerden hervorrufen. Bei sitzenden Tätigkeiten sollten Sie alle 20 Minuten aufstehen und sich strecken. Sportler sollten ihr Trainingsprogramm entsprechend anpassen. Die Intensität des Krafttrainings sollte reduziert werden. Zusätzlich sollte der Piriformis-Muskel mehrmals täglich gedehnt werden, dabei genügt bereits eine Dehnung für wenige Minuten. Vor den Dehnübungen können Sie die Muskulatur durch Wärme lockern.

Der Piriformis-Muskel lässt sich folgendermaßen dehnen (Beispiel für die rechte Seite): Beugen Sie in Rückenlage Hüft- und Kniegelenk der rechten Seite. Die linke Hand umfasst den rechten Fußaußenrand und zieht ihn in Richtung der linken Schulter. Die rechte Hand drückt das rechte Kniegelenk nach unten rechts. Dabei sollte ein Dehnungsgefühl im seitlichen Gesäßbereich auftreten. In einer weiteren Übung wird das schmerzende Bein über das Knie des gesunden Beins gelegt und mit den Händen zum Rumpf hin gezogen. Die beiden Abbildungen oben veranschaulichen die Dehnung des Priformis-Muskels. Führen Sie am besten beide Varianten regelmäßig durch. Darüber hinaus sollten sämtliche Muskelgruppen im Bereich des Hüftgelenks gedehnt werden (auf der Vorder-, Außen- und Rückseite sowie in der Gesäßregion).

Eine Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Bei starken Beschwerden können entzündungshemmende Medikamente (NSAR) schmerzlindernd wirken. Ärzte mit spezieller Erfahrung können Lokalanästhetika oder Botulinumtoxin in schmerzhafte Triggerpunkte spritzen. Der Ischiasnerv darf dabei nicht getroffen werden.

Eine Operation ist der letzte Ausweg, wenn andere Maßnahmen nicht helfen. Dabei wird die Sehne des Piriformis-Muskels durchtrennt. Das Behandlungsergebnis ist im Allgemeinen zufriedenstellend. Nach einem operativem Eingriff können die sportlichen Aktivitäten nach 2–3 Monaten wiederaufgenommen werden.

Prognose

Bei frühzeitiger Diagnose und entsprechender Behandlung mit Physiotherapie und Spritzen ist die Prognose sehr gut. Bei den meisten Betroffenen bestehen nach 6 Wochen Therapie keine Beschwerden mehr.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Piriformis-Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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