Trochanter- und Glutaeus-Bursitis

Schmerzen an der Außenseite der Hüfte können von einer Entzündung der Schleimbeutel oder Sehnen im Bereich des Hüftgelenks herrühren. Bei den meisten Betroffenen gehen die Beschwerden durch Schonung und ggf. Schmerzmittel nach einigen Wochen zurück, bei einigen halten sie jedoch über lange Zeit an.

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Was ist eine Trochanter-Bursitis?

An der Außenseite der Hüfte bildet der Hüftknochen mit dem Oberschenkelknochen (Femur) das Hüftgelenk. Hier kann es durch Verletzungen, Arthrose oder Entzündungen zu Beschwerden und Schmerzen kommen.

Bei einer Bursitis ist die Bursa (ein Schleimbeutel) in diesem Bereich entzündet. Solche Schleimbeutel sind in vielen Gelenken vorhanden und schützen als eine Art Polster die Knochenvorsprünge (Ende des Femurs = Trochanter) und die Sehnen, die dicht daran vorbeilaufen, vor Verletzungen. Eine Bursitis des Trochanters ist eine Reizung/Überlastung der Strukturen im Weichteilgewebe (Schleimbeutel und Sehne) an der Außenseite des Oberschenkels. Es handelt sich bei dieser Krankheit also nicht nur um eine reine Bursitis, sondern eine Entzündung verschiedener Gewebe in der Umgebung des Trochanter major (sog. Trochanter-major-Schmerzsyndrom, Trochanter-Tendinopathie).

Der Glutaeus-Muskel ist der Gesäßmuskel; da auch in diesem Bereich Sehnen verlaufen, die schmerzhaft entzündet sein können, spricht man auch von Glutaeus-Tendinopathie.

Häufigkeit

Häufig kommen die betroffenen Patienten wegen Hüftschmerzen in die Arztpraxis. Etwa 1,8 pro 1000 Personen sind davon betroffen, Frauen viermal häufiger als Männer. Meist treten die Beschwerden im Alter  über 20 Jahre auf, unter Sportlern sind Langstreckenläufer besonders häufig betroffen.

Ursachen 

Dort, wo der Oberschenkelknochen auf den Hüftknochen (das Becken) trifft, befinden sich zahlreiche Bänder und Muskeln, die mit Sehnen befestigt sind. Diese halten zum einen die Knochen an der richtigen Position und ermöglichen zum anderen alle Bewegungen im Hüftgelenk. Bei jeder Bewegung gleiten die Sehnen und Muskeln übereinander, Schleimbeutel (Bursen) fungieren wie kleine Polster dazwischen. Sobald sich diese gleitenden Bewegungen dauerhaft verändern oder bei einer akuten Verletzung, ist dieses ganze System gestört, und es können dadurch entzündliche Veränderungen entstehen. Die Folge sind Schmerzen.

Schleimbeutel- und Sehnenentzündungen treten daher meist als Folge von Langzeitbelastungen im Hüftbereich auf. Längeres Laufen oder Gehen kann die Erkrankung auslösen; das Gleiche gilt für einen Sturz auf die Hüfte mit direkter Verletzung der Sehnen und ein über längere Zeit verändertes Gangmuster. Eine veränderte Gangart verursacht bei vielen dieses Schmerzsyndrom. Schon geringe Veränderungen der Gangart können die Reibung und den Druck zwischen den Muskelsehnen, die im Bereich des Trochanters verlaufen, verändern und erhöhen. Dies führt zu einer stetigen Reizung des Gewebes und damit zur Entzündung. Gewöhnliche Gangstörungen, die zu einer Trochanter-Tendinopathie führen können, sind Schmerzen im unteren Rückenbereich, Längenunterschied der Beine und Beschwerden im Gelenk zwischen Hüftknochen und Steißbein. Auch Schmerzen im Knie und Knöchelversteifungen können die Gangart verändern und einer Entzündung im Bereich des Trochanters Vorschub leisten.

Es gibt einige Faktoren, die das Risiko für diese Art der Tendinopathie erhöhen: Arthrose oder Arthritis im Hüftgelenk, Übergewicht, verschieden lange Beine (beeinflusst das Gangbild), Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule.

Symptome

Das Hauptsymptom sind Schmerzen an der Außenseite des Oberschenkels im Bereich der Hüfte. Oft schmerzt es besonders über dem Trochanter major. Manchmal können die Schmerzen bis in die Außenseite der Wade ausstrahlen. Der Schmerz wird häufig durch Gehen oder Bewegungen, die die Gesäßmuskulatur besonders fordern und damit die Sehnen belasten, verschlimmert. Das gilt z. B. beim Treppensteigen oder beim Hang-Hinaufgehen. Konstante, drückende Schmerzen sind ebenfalls üblich. Der Schmerz verschlimmert sich oft beim Liegen auf der entzündeten Seite, aber die Schmerzen sind häufig vorhanden, egal auf welcher Seite man liegt. In einigen Fällen sind die Schmerzen so unangenehm, dass die Betroffenen nicht richtig gehen können, sondern hinken müssen.

Diagnose

Die Diagnose wird in erster Linie auf der Grundlage der Anamnese, also der Beschreibung der Beschwerden, gestellt. Oft sind die Ursachen eine Überlastung oder ein Sturz auf die Hüfte; auch ein verändertes Gangmuster aufgrund von Schmerzen an einer anderen Stelle in den Beinen kann der Grund sein. Die Schmerzen sind meist typisch.

Bei der Untersuchung wird die Ärztin/der Arzt feststellen, dass Sie in dem entzündeten Bereich sehr schmerzempfindlich sind. Es wird auch geprüft, wie beweglich Hüft- und Kniegelenke sind, wie flüssig Sie gehen können und ob andere Auffälligkeiten bestehen. Außerdem wird auch darauf geachtet, ob Taubheit oder Missempfindungen der Beine vorliegen.

Es ist schwierig, Sehnenentzündungen von Schleimbeutelentzündungen und die verschiedenen Schleimbeutelentzündungen voneinander zu unterscheiden, aber die Therapie ist in etwa gleich. In einigen Fällen sind dennoch Röntgen, Ultraschall oder ein MRT sinnvoll und hilfreich, um diese Krankheiten voneinander zu unterscheiden und andere Krankheiten auszuschließen.

Zusätzlich kann die Ärztin oder der Arzt ein lokales Betäubungsmittel in den betroffenen Bereich injizieren. Lässt der Schmerz nach, so ist dies ein deutlicher Hinweis dafür, dass eine Tendinopathie vorliegt.

Therapie

Die Erkrankung verschwindet oft von selbst. Gewöhnlich ist die einzige notwendige Behandlung Schonung, d. h. Aktivitäten begrenzen, die die Symptome verschlimmern. Bedarf es einer aktiven Behandlung, ist die Verwendung eines entzündungshemmenden Medikaments (NSAR) nützlich. Auch Kühlen kann hilfreich sein.

Dehnungsübungen, die die Außenseite des Oberschenkels/der Hüfte strecken, sowie Kräftigungsübungen für die Muskulatur können von Vorteil sein. Hier können physiotherapeutische Maßnahmen hilfreich sein.

Dehnungsübungen, die Sie zu Hause durchführen können (nach Rücksprache mit den Ärzten bzw. Physiotherapeuten):

  • Setzen Sie sich auf den Boden – platzieren Sie den Unterschenkel des schmerzenden Beins bei gebeugtem Knie über den Oberschenkel des anderen Beins.
  • Umfassen Sie das Knie (des gesunden Beins) mit beiden Händen und ziehen Sie es zu sich hin und zur Seite, sodass es in den Gesäßmuskeln auf der schmerzhaften Seite etwas zieht (etwa 10 Sekunden, dann lösen).
  • Sie können alternativ auch das Knie des schmerzhaften Beins Richtung Boden drücken, um eine Dehnung an der Hüftaußenseite zu erreichen.

Solche regelmäßig durchgeführten Dehnungs- und Kräftigungsübungen können auch vor einem Wiederauftreten der Schmerzen schützen. Wichtig sind auch eine Gangschulung und ggf. eine Gewichtsabnahme. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, so kann eine sog. extrakorporale Stoßwellentherapie oder auch die Injektion von Kortison kombiniert mit lokalen Betäubungsmitteln wirksam sein.

Zeigen diese Therapien nach 6 Monaten keinen Erfolg, kann eine Operation erwogen werden. Dabei kann die Chirurgin/der Chirurg je nach Befund eine entzündete Bursa entfernen, verletzte Sehnen reparieren etc.

Diese Art der Tendopathie kann auch als Folge von belastenden Bewegungen im Beruf entstehen und dann als Berufskrankheit anerkannt werden. In diesem Fall ist es wichtig, die Gegebenheiten am Arbeitsplatz so zu ändern, dass das Hüftgelenk nicht weiterhin fehlbeansprucht wird.

Prognose

Dauerhafte Schmerzen im Bereich der Hüfte können zu Einschränkungen der Mobilität im Alltag und Beruf, Schlafstörungen und auch wegen der Fehlbelastung anderer Gelenke zu Knie- und Rückenschmerzen führen. Daher ist eine konsequente Behandlung wichtig.

Die Erkrankung verschwindet bei den meisten wieder innerhalb weniger Wochen. In einigen Fällen (v. a. bei Vorliegen einer Arthrose) kann es aber auch mehrere Monate oder Jahre dauern, bis die Entzündung abgeklungen ist und die Beschwerden nicht mehr auftreten. Dann kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob eine Operation helfen würde.

Weitere Informationen

Illustrationen

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Das Hüftgelenk

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Trochanter-major-Schmerzsyndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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