Trochanter- und Glutaeus-Bursitis

Schmerzen an der Außenseite der Hüfte können von einer Entzündung der lokalen Schleimbeutel oder Sehnen herrühren. Bei den meisten Betroffenen verschwinden die Beschwerden von alleine.

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Was ist Bursitis des Trochanter?

Die Außenseite der Hüfte in Höhe des Hüftgelenks kann zum Bereich für Belastungsbeschwerden werden. Dieser Bereich enthält eine Reihe von Schleimbeutel (Bursa) als Schutz gegen Knochenvorsprünge (Trochanter major) und zwischen den Sehnen, die dort entlang verlaufen. Ein Knochen entspringt aus dem Oberschenkelknochen, dem Trochanter major, dem Orientierungspunkt in diesem Bereich. Eine Bursitis des Trochanter ist eine Reizung/Überlastung der Strukturen im Weichteilgewebe (Schleimbeutel und Tensor Fascia lata) bei oder auf den Trochanter major übertragen, an der Außenseite des Oberschenkels.

Eine Bursitis des Trochanter ist einer übermäßigen Bewegung der Glutaeus medius-Sehne und dem Tensor fasciae über den äußeren Teil des Oberschenkelknochens geschuldet. Wiederholte Beugung der Hüfte und direkter Druck verschlimmern die Erkrankung. Unbehandelt verdickt sich die papierdünne Schleimbeutelwand in der Regel, wird steifer (fibrosiert) und verliert nach und nach ihre Fähigkeit, die äußeren Teile der Hüfte zu schmieren, um die reibungsfreie Bewegung sicherzustellen.

Direkt oberhalb/hinter des Trochanter schließt die Gesäßmuskulatur (Glutaeus-Muskulatur) an. Hier können auch Entzündung von einem oder mehrerer Schleimbeutel (Glutaeus Bursitis) auftreten. Sehnen sind am Trochanter in der gleichen Gegend befestigt. Bei Überlastung, zum Beispiel bei Langstreckenläufern, kann eine Sehnenscheidenentzündung (Trochanter Tendopathie) auftreten. Oft ist es jedoch schwierig, zwischen Sehnenentzündung und Schleimbeutelentzündung zu unterscheiden, und es kann auch schwierig sein, zwischen Trochanter Bursitis und Glutaeus Bursitis zu unterscheiden. Sie werden deshalb hier als eine Einheit besprochen.

Solche Weichteilentzündungen auf der Außenseite des Hüftgelenks sind durchaus üblich. Am häufigsten treten sie bei Frauen mittleren Alters auf, aber wie erwähnt können auch Athleten solche Beschwerden bekommen.

Ursachen

Schleimbeutelentzündungen treten meist als Folge von Langzeitbelastungen im Hüftbereich auf. Längeres Gehen oder Stehen kann die Erkrankung auslösen, das gleiche gilt für einen Sturz auf die Hüfte und veränderte Gangmuster. Eine veränderte Gangart verursacht die meisten Fälle von Trochanter Bursitis; schon geringe Veränderungen der Gangart können die Reibung und den Druck auf den Trochanter Ursprung erhöhen. Gewöhnliche Gangstörungen, die zu einer Trochanter Bursitis führen können, sind Schmerzen im unteren Rückenbereich (75%), Längenunterschied der Beine (10%) und Beschwerden durch Sakroiliakalgelenke (5%). Auch Schmerzen im Knie und Knöchelversteifungen können die Gangart verändern und Trochanter Bursitis Vorschub leisten.

Symptome

Das Hauptsymptom sind Schmerzen an der Außenseite des Oberschenkels/der Hüfte. Oft schmerzt es besonders über dem Trochanter major. Manchmal können die Schmerzen bis in die Außenseite der Wade ausstrahlen. Der Schmerz wird häufig durch Gehen oder Bewegungen, die die Gesäßmuskulatur besonders belasten, verschlimmert, zum Beispiel wenn Sie eine Treppe oder einen Hang hinauf gehen oder auf Reisen oder im Sitzen. Konstante, drückende Schmerz sind ebenfalls üblich. Der Schmerz verschlimmert sich oft beim Liegen auf der entzündeten Seite, aber die Schmerzen sind häufig vorhanden, egal auf welcher Seite Sie nachts liegen. In einigen Fällen sind die Schmerzen so lästig, dass Sie nicht richtig gehen können, sondern hinken müssen.

Diagnose

Die Diagnose wird in erster Linie auf der Grundlage der Anamnese gestellt. Oft liegt ein ursächlicher Faktor in Form einer Überlastung oder einem Sturz auf die Hüfte oder veränderte Gangmuster aufgrund von Schmerzen an anderer Stelle in den Beinen vor. Die Schmerzen sind typisch.

Bei der medizinischen Untersuchung wird der Arzt feststellen, dass Sie in dem entzündeten Bereich sehr empfindlich sind. Obwohl es schwierig ist, Sehnenentzündungen von Schleimbeutelentzündungen und die verschiedenen Schleimbeutelentzündungen voneinander zu unterscheiden, so ist dies weniger wichtig, weil die Therapie in etwa gleich ist.

Therapie

Die Erkrankung verschwindet meist von selbst. Aktivitäten zu begrenzen, die die Symptome verschlimmern, ist gewöhnlich die einzige notwendige Behandlung. Bedarf es einer aktiven Behandlung, ist die Verwendung eines entzündungshemmenden Medikaments (NSAR) nützlich.

Dehnungsübungen, die die Außenseite des Oberschenkels/der Hüfte strecken, können von Vorteil sein. Nur in Ausnahmefällen ist eine Physiotherapie erforderlich:

  • Setzen Sie sich auf den Boden - platzieren Sie das Bein (das weh tut) über den Oberschenkel des anderen Beins
  • Umfassen Sie das Knie mit beiden Händen und ziehen Sie es zu sich hin und zur Seite, so dass es in den Gesäßmuskeln auf der schmerzhaften Seite ordentlich zieht.
  • Halten Sie die Spannung zehn Sekunden lang - entspannen Sie zehn Sekunden - und machen Sie die gleiche Dehnung zwei Mal

Prognose

Die Erkrankung verschwindet bei den meisten wieder innerhalb weniger Wochen. In einigen Fällen kann es mehrere Monate dauern, bis die Entzündung abgeklungen ist. In Ausnahmefällen kann die Erkrankung jahrelang anhalten, dann kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob eine Operation helfen würde.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Abb_Hüfte.png
Das Hüftgelenk

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Trochanter-major-Schmerzsyndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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