Entzündung des Ellenbogenschleimbeutels (Bursitis olecrani)

Der Schleimbeutel (bursa) an der Rückseite des Ellenbogens entzündet sich häufig. In der Regel reicht es aus, wenn der Ellenbogen ein paar Tage gegen Stoß und Druck geschützt wird, in einigen Fällen werden jedoch entzündungshemmende Mittel verabreicht.

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Was ist Bursitis olecrani?

Bursitis olecrani ist eine Entzündung der Schleimbeutel (Bursa) an der Streckseite, das heißt an der Außenseite/Rückseite des Ellenbogens. Bei einer solchen Entzündung der Ellenbogen entsteht innerhalb kurzer Zeit eine Schwellung in dieser Gegend, die Druck und ein Gefühl des Platzens erzeugt. Die Beschwerden verschlimmern sich, wenn Sie die Ellenbogen beugen. Manchmal wird die Entzündung wegen einer bakteriellen Infektion komplizierter. Dann wird die Schwellung zusätzlich rot und wärmer als eine sterile Entzündung.Eine Bursa ist eine geleeartige Tasche, ein Schleimbeutel, die in der Regel eine kleine Menge an Gelenkflüssigkeit enthält. Der Schleimbeutel liegt in der Regel zwischen einer Sehne und entweder einem Knochen oder der Haut, und schützt gegen Reibung und erleichtert die Bewegung der benachbarten Strukturen, die sich zueinander bewegen. Ein Schleimbeutel funktioniert fast wie Öl, das als Gleitmittel bei mechanischen Vorrichtungen verwendet wird, zum Beispiel bei einem Fahrrad. Es gibt über 150 Schleimbeutel im Körper. Einige sind oberflächlich und anfälliger, andere liegen tiefer und sind besser geschützt.

Eine Entzündung der Ellenbogenschleimbeutel ist eine relativ häufige Erkrankung.

Ursachen

Der Schleimbeutel am Ellenbogen kann in Folge eines Schadens (Stöße, Schläge) anschwellen. Er kann auch nach einer anhaltenden Reizung auftreten, zum Beispiel wenn man sich bei der Arbeit ständig am Ellenbogen stößt oder beim Lesen (Studentenellenbogen). Die Entzündung kann auch durch Bakterien verursacht werden. Sie sind besonders anfällig für bakterielle Infektionen, wenn Sie Schürfwunden, Ekzeme oder Schuppenflechte am Ellenbogen oder Unterarm haben. Darüber hinaus kann die Erkrankung aufgrund rheumatischer Beschwerden wie rheumatoide Arthritis und Gicht auftreten.

Diagnose

Der Arzt wird Ihren Ellenbogen untersuchen. Die Diagnose wird in diesen Fällen einfach zu stellen sein, da die Symptome und Befunde sehr typisch sind. Tests oder bildgebende Verfahren sind nicht notwendig.

Bei einer Infektion wird der Arzt eine Keimprobe mittels einer Nadel entnehmen, die er in den flüssigkeitsgefüllten Schleimbeutel einführt, und bei Verdacht einer zugrunde liegenden rheumatischen Erkrankung wird auch ein spezieller Bluttest gemacht.

Therapie

Die Therapie zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, eine eventuelle Infektion zu behandeln und einen späteren Rückfall zu verhindern. Es ist wichtig, dass Sie selbst die Ellenbogen entlasten und dafür sorgen, Druck und Reizungen der Schleimbeutel zu vermeiden, indem Sie die Arbeitshaltung wechseln/variieren und Ellenbogenschützer benutzen. In der schmerzhaftesten Phase sollten Sie den Arm in einer Schlinge tragen.

In vielen Fällen ist eine andere Therapieform als einige Tage Entlastung nicht erforderlich. Eine andere einfache Behandlung ist das Einreiben eines NSAR-Präparats (Gicht-Medikamente wie z. B. Ketoprofen, Ibuprofen, Diclofenac) in Gel-Form. Alternativ können NSAR als kurzfristige Therapie verabreicht werden.

Injektionen von Steroiden in den Schleimbeutel sind eine mögliche Therapie. Diese wirken schmerzstillend und entzündungshemmend und sind wahrscheinlich wirksamer als NSAR. Im Zusammenhang mit der Injektion ist es üblich, den Schleimbeutel mit der Entzündungsflüssigkeit zu entleeren bevor die Injektion gesetzt wird.

Bei einer bakteriellen Infektion werden Sie mit Antibiotika behandelt.

Gehen die Schwellungen nicht zurück, sollte die Entzündungsflüssigkeit unter Verwendung einer Nadel und Spritze aus dem Schleimbeutel abgelassen werden. Oft schwillt der Schleimbeutel schnell wieder an und das Entleeren darf gerne mehrmals durchgeführt werden. Ein enger Verband um den Ellenbogen wird helfen, dass sich weniger Flüssigkeit neu bildet. Allmählich wird die Menge an Flüssigkeit im Schleimbeutel kleiner werden, so dass die Erkrankung ausheilt.

Bei bakteriellen Infektionen oder wiederholten Entzündungen kann der Schleimbeutel operativ entfernt werden.

Prognose

In den meisten Fällen wird die Schwellung von selbst zurückgehen. Die Möglichkeit einer erneuten Entzündung ist jedoch recht groß.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Ellenbogengelenk
Ellenbogengelenk

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Bursitis olecrani. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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