Langstreckenläufer-Knie

Als Langstreckenläufer-Knie werden Schmerzen an der Außenseite des Kniegelenks infolge Überlastung bezeichnet. Die Erkrankung wird mit Entlastung und eventuell mit entzündungshemmenden Medikamenten oder Kortisonspritzen sowie medizinischer Trainingstherapie behandelt.

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Worum handelt es sich?

An der Außenseite des Oberschenkels erstreckt sich ein großes, starkes Bindegewebe vom Beckenkamm bis zur oberen/äußeren Seite des Unterschenkels. Dieses Bindegewebe wird Tractus iliotibialis oder Iliotibialband genannt. Unten an der Außenseite des Oberschenkelknochens befindet sich ein Schleimbeutel gleich unterhalb des Iliotibialbands. Bei längerem Laufen, Radfahren, Wandern oder Skifahren kann viel Reibung zwischen dem Iliotibialband und dem Oberschenkelknochen entstehen: Das Band reibt sich am Knochenvorsprung außen am Oberschenkelknochen, der sogenannten „Femurkondyle“, wodurch sich der Schleimbeutel entzünden kann. Eine solche Entzündung wird auch Langstreckenläufer-Knie oder einfach nur Läuferknie genannt, fachsprachlich Iliotibialband-Syndrom.

Häufigkeit

Die Erkrankung befällt Breiten- und Spitzensportler gleichermaßen. Besonders häufig kommt sie bei Langstrecken- und Marathonläufern vor, sie betrifft aber auch Radfahrer und Langläufer. In diesen Sportarten sind 2 % bis 25 % der Aktiven betroffenen.

Wie bereits erwähnt, entsteht die Erkrankung durch Reibung zwischen dem Iliotibialband und der Femurkondyle bei wiederholtem Beugen und Strecken des Knies. Einen besonderen Risikofaktor stellt das Laufen auf geneigten Flächen dar. Dadurch wird die Belastung des Iliotibialbandes und damit die Reibung erhöht. Die so genannte Überpronationsbewegung im Fuß erhöht auch die Reibung zwischen Oberschenkelknochen und Iliotibialband. Überpronation bedeutet, dass der Läufer auf der Innenseite der Fußsohle läuft, also der Innenrist sich weiter unten befindet als auf ebener Fläche.

Symptome

Typischerweise wird über Schmerzen an der Außenseite des Knies geklagt. Zunächst ist der Schmerz diffus, und Sie können ihn nicht genau lokalisieren. Nach und nach wird der Schmerz stärker, und es fällt leichter ihn dem Knochenvorsprung an der Außenseite des Knies zuzuordnen. Die Schmerzen treten bereits nach einer kurzen Zeit des Laufens auf, während Ruhe vorübergehende Erleichterung verschafft. Der Schmerz ist am stärksten ausgeprägt, wenn Sie bergab oder in der Ebene laufen. Bergauf laufen ist weniger schmerzhaft. Die Schmerzen setzen immer früher ein, während sich die Entzündung verstärkt.

Die Diagnose wird auf Grundlage der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung gestellt. Eine Untersuchung der Fuß-/Kniestellung auf dem Laufband gibt zusätzlich Aufschluss über den Verletzungsmechanismus. Der Einsatz von bildgebenden Verfahren ist selten nötig.

Falls erforderlich kann eine MRT zeigen, dass der untere Teil des Iliotibialbandes verdickt und der Schleimbeutel entzündet und voller Flüssigkeit ist.

Behandlung

Behandlungsziel ist eine Linderung der Beschwerden und der Entzündung sowie Vorbeugung von zukünftigen Beschwerden. Eine Selbstbehandlung ist wichtig und besteht aus Entlastung, Laufen im ebenen Gelände und gegebenenfalls einer Änderung des Gang- und Laufmusters. Radfahrer können die Sitzhöhe ein wenig absenken, so dass ein Durchstrecken des Knies vermieden wird.

Oft werden zusätzlich Medikamente eingesetzt. Mit entzündungshemmenden Medikamente, so genannte NSAR, können gute Resultate erzielt werden. Kortisonspritzen können einigen Patienten helfen und werden oft in Kombination mit einer Ultraschallbehandlung oder Elektrotherapie eingesetzt. Eine physikalische Therapie in Form von Massage, Übungen und Dehnung kann auch vorteilhaft sein.

In seltenen Fällen, in denen die Behandlungsziele mithilfe üblicher Behandlungsmethoden nicht erreicht werden können, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein. Bei mehr als 80 % der Operierten wird ein gutes Ergebnis erzielt.

Vorschläge zum Rehabilitationsprogramm

  1. Am Anfang steht Entlastung. Vermeiden Sie Aktivitäten, die Schmerzen verursachen. Probieren Sie alternativ ein Schwimmtraining.
  2. Wenn der Zustand sich verbessert, können Sie mit Dehnübungen beginnen. Dehnen Sie die Außenseite des Beines und die Hüftbögen.
  3. Wenn Strecken ohne Schmerzen möglich ist, können Sie mit dem Krafttraining beginnen. Richten Sie ein besonderes Augenmerk auf die Stärkung des Musculus gluteus medius. Dies geschieht, indem Sie sich mit dem betroffenen Bein und gesperrtem Knie auf einen Absatz von 5–10 cm Höhe stellen. Senken Sie das gesunde Bein auf den Boden. Heben Sie es auf gleiche Höhe mit dem verletzten Knie an. Wiederholen Sie die Übung mehrere Male.
  4. Mit dem Laufen sollten Sie erst wieder beginnen, wenn Sie die Kraftübungen ohne Schmerzen durchführen können. Beginnen Sie gemächlich, und erhöhen Sie mit der Zeit schrittweise die Belastung.
  5. Die meisten Patienten, die diesem Ansatz folgen, sind nach 3–6 Wochen wieder gesund.

Prognose

Mit Behandlung und aktiver Erholung ist man in der Regel nach 1–3 Monaten wieder voll im Training.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Läuferknie
Läuferknie
Das Iliotibialband
Das Iliotibialband

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Läuferknie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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