Sehnenerkrankungen (Tendopathien) in der Schulter

Tendopathien sind nicht-entzündliche Erkrankungen von Sehnen, die durch Über- oder Fehlbelastung sowie Verschleiß entstehen können.  Zu den typischen Beschwerden von Tendopathien in der Schulter zählen Schulterschmerzen. Die Schmerzen verschlimmern sich in der Regel, wenn die betroffene Sehne beansprucht wird.

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Was sind Tendopathien in der Schulter?

Eine Sehne ist der bindegewebige Anteil eines Muskels, der den Muskelbauch mit seinem Ansatz- oder Ursprungspunkt (in der Regel am Knochen) verbindet. In der Schulter sind viele verschiedene Muskeln für die Bewegungen des Arms zuständig. Kommt es zu einer Über- oder Fehlbelastung sowie zum Verschleiß (Degeneration), kann die Sehne akut beeinträchtigt werden. Man spricht dann von einer Tendopathie oder Tendinopathie. Diese ist nicht-entzündlich, d. h. obwohl oft von einer Sehnenentzündung gesprochen wird, liegt keine Entzündung im klassischen Sinne (z. B. durch Krankheitserreger) vor. Allerdings kommt es durch kleinste Verletzungen innerhalb der Sehne im Verlauf zur Entzündungsreaktion. Weder Viren noch Bakterien sind hieran beteiligt. Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Entzündungskomponente nicht so bedeutend ist, wie bisher angenommen.

Tendopathien werden nach dem betroffenen Muskel benannt. Die wichtigsten Tendopathien in der Schulter sind die Supraspinatus-, Infraspinatus-, Subscapularis- und Bizeps-Tendopathie. Eine Tendopathie der Supraspinatussehne ist die häufigste Form. Danach folgt die Tendopathie der Infraspinatussehne.

Zu den typischen Beschwerden zählen Schulterschmerzen, insbesondere bei bestimmten Bewegungen. Infolge der Schmerzen kann die Funktionsfähigkeit der betroffenen Schulter bzw. des Arms eingeschränkt sein. Bei einigen Patienten treten die Schulterschmerzen nach ungewohnten Tätigkeiten oder Bewegungen auf.

Ursache

Tendopathien können sowohl durch eine kurzzeitige (akute) Überlastung, durch eine zu große Belastung über einen längeren Zeitraum oder z. B. durch einen Sturz auf die Schulter verursacht werden. In manchen Fällen entwickeln sich Tendopathien ohne bekannte Ursache.

Chronische Sehnenerkrankungen können sich schrittweise und auf dem Boden einer Verletzung entwickeln. In manchen Fällen entstehen sie über einen so langen Zeitraum, dass sich die Patienten nicht an eine spezielle Ursache erinnern können.

Wahrscheinlich sind mehrere Faktoren an der Entstehung einer Sehnenerkrankung beteiligt. Sowohl die Gefäßversorgung, als auch degenerative, anatomische und mechanische Faktoren spielen eine Rolle. Begünstigend sind z. B. ungünstige Arbeitsgewohnheiten, schwere und einseitige Arbeit mit den Händen über dem Kopf, häufiges Heben und Tragen sowie frühere Schulterverletzungen.

Impingement

Ein Impingement im Schultergelenk bedeutet, dass für die Sehnen zwischen Oberarmknochen und dem darüberliegenden knöchernen und bindegewebigen Bogen (korakoakromialer Bogen) nicht genügend Platz bleibt. Meist ist die Sehne des Musculus supraspinatus betroffen. Vor allem beim seitlichen Anheben des Armes über 90 ° kann es zu Schmerzen in der Schulter kommen. Die Enge kann dadurch entstehen, dass Knochenvorsprünge oder verdickte Bänder die Sehnen unter dem korakoakromialen Bogen einklemmen. In anderen Fällen entsteht die Enge als Folge einer Instabilität der Bänder. Ein Impingement kann zu wiederholten Muskel- und Sehnenverletzungen und zu einer verminderten Blutversorgung der Sehne führen. Dies begünstigt die Entstehung einer Tendinopathie.

Diagnostik

Die Diagnosestellung geschieht mitunter anhand der Krankengeschichte bzw. Schilderung des Verletzungshergangs. Einige Patienten berichten, dass die Schmerzen nach der Arbeit oder nach Freizeitaktivitäten auftreten, vor allem, wenn die Belastung ungewohnt war. Die Betroffenen haben meistens seitliche Schmerzen im Oberarm, die bei Belastung des Arms zunehmen. Wird der Arm nach seitlich angehoben, löst dies üblicherweise Symptome aus. In einigen Fällen kann der Schmerz bis in den Unterarm ausstrahlen. Möglicherweise liegen dann auch in Ruhe Schmerzen vor. Der Schmerz wird meist als stärker empfunden, wenn die Patienten auf der betroffenen Schulter liegen. 

In der körperlichen Untersuchung kann der Schmerz in der Regel durch aktive Bewegungen oder Anspannen der betroffenen Muskeln ausgelöst werden. Außerdem können ggf. Druckschmerzen über dem betroffenen Sehnenansatzpunkt ausgelöst werden. Diese Methode ist allerdings nicht immer zuverlässig. Es kann nicht immer exakt angegeben werden, welche Sehne betroffen ist. In unsicheren Fällen kann ggf. ein lokal betäubendes Medikament (Lokalanästhetikum) in die Struktur gespritzt werden, die am wahrscheinlichsten betroffen ist. Wenn die Schmerzen verschwinden, gilt dies als Bestätigung der Diagnose.

Ist die Supraspinatussehne betroffen, kann ggf. beim seitlichen Anheben des Arms ein sogenannter „schmerzhafter Bogen" (Painful Arc) auftreten. Dieses Phänomen kann allerdings auch bei anderen Tendinopathien oder Schultererkrankungen (z. B. bei Schleimbeutelentzündungen in der Schulter) vorkommen.

Eine Röntgenuntersuchung des Schultergelenks ist in der Regel zunächst nicht angezeigt. Ggf. können Ultraschall- oder MRT-Untersuchungen hilfreich sein, z. B. wenn die Therapie keinen Erfolg zeigt oder die Diagnose uneindeutig ist.

Therapie

Das Therapieziel bei einer Tendopathie besteht darin, die Schmerzen zu lindern und die Funktion der Schulter wiederherzustellen. Eine Physiotherapie zur Anpassung der körperlichen Aktivität kann hierbei hilfreich sein. Ggf. kann in Absprache mit den behandelnden Ärzten die vorübergehende Einnahme von Schmerzmitteln erwogen oder der betroffene Bereich zur Schmerzstillung gekühlt werden. In manchen Fällen kommt möglicherweise eine Kortisoninjektion in Frage (allerdings nicht in die Sehne selbst, sondern um den betroffenen Bereich herum). 

Sorgen Sie für Entlastung, indem Sie Aktivitäten vermeiden, die die Schmerzen verschlimmern. Der Arm sollte aber keineswegs komplett ruhiggestellt werden, da ansonsten die Gefahr besteht, dass das Schultergelenk versteift. Tritt dieser Fall ein, kann es sehr lange dauern und schmerzhaft sein, die Beweglichkeit im Gelenk wiederherzustellen.

Medikamentöse Therapie

Schmerztabletten wirken entzündungshemmend und schmerzstillend. Diese Behandlungsvariante kann in Kombination mit einer Entlastung der Schulter mitunter schon ausreichend sein.

Wenn die Schmerzen bereits seit mehreren Wochen oder Monaten bestehen, wird Ihnen eventuell eine Kortisoninjektion empfohlen. Die Wirkung von Kortisoninjektionen ist umstritten und die Gesundheitsrisiken sind nicht unerheblich. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt zu dem Verfahren und möglichen Alternativen beraten.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Die Physiotherapie besteht aus einem angeleiteten Training zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit und anschließendem Training zur Stärkung der Schultermuskulatur. Oftmals handelt es sich um Übungen mit vielen Wiederholungen bei geringer Belastung. Ergänzend zur Bewegungstherapie kann eine sogenannte Querfriktionsmassage durchgeführt werden. Diese Art der Massage kann als unangenehm empfunden werden, funktioniert aber besser als andere passive Behandlungsmethoden oder eine Elektrotherapie.

In manchen Fällen, z. B. bei Kalkablagerungen (Peritendinitis calcarea), kann möglicherweise eine Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) durchgeführt werden.

Eine Operation zur Erweiterung einer Schulterenge sollte in der Regel erst erwogen werden, wenn andere Therapieformen bei chronischen Verläufen erfolglos waren.

Verlauf und Prognose

Unbehandelt kann eine chronische Tendopathie über Jahre andauern. Die Beschwerden sind individuell unterschiedlich stark ausgeprägt.

Bei einer akuten Tendopathie ist die Prognose in der Regel gut. Die meisten Patienten können nach 1–2 Wochen die Schulter wieder uneingeschränkt bewegen. Eine angemessene Bewegungstherapie und Entlastung sind in den meisten Fällen ausreichend, um eine gute Prognose zu gewährleisten.

Weitere Informationen

Illustrationen

Infraspinatus-Muskel
Infraspinatus-Muskel
Schultergelenk
Schultergelenk

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schulter, Tendopathien. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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