Verletzung des Plexus brachialis, „Burner-Syndrom“

Als Burner-Syndrom wird eine Verletzung eines oder mehrerer Nerven im Hals- und Schulterbereich bezeichnet. Normalerweise ist dies eine Verletzung des Nervenzentrums Plexus brachialis, das direkt unter und hinter dem Schlüsselbein liegt.

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Was ist das Burner-Syndrom?

Der amerikanische Begriff Burner-Syndrom, zu Deutsch „Brenner-Syndrom“, verdankt seinen Namen dem brennenden Schmerz, den die Betroffenen in der Schulter und im Arm verspüren.

Das Burner-Syndrom ist eine Verletzung, die bei Verkehrsunfällen und Kontaktsportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey auftreten kann. Die Verletzung ist nicht ungewöhnlich. Bei Verkehrsunfällen können die Nervenschäden erheblich sein und zur Lähmung führen, im Sport ist die Verletzung aber selten so schwerwiegend.

Ursache

Wenn Sie eine Kontaktsportart betreiben, können Sie ein Burner-Syndrom erleiden, wenn Sie einen anderen Spieler angreifen oder blockieren. Dabei kann eine dieser drei Situationen eintreten:

Verletzungsgefahr
Verletzungsgefahr
Plexus brachialis
Plexus brachialis
  • Ihre Schulter wird nach unten und gleichzeitig Ihr Kopf auf die gegenüberliegende Seite gedrückt. Dies führt zu einer Überdehnung der Nerven zwischen Hals und Schulter.
  • Ihr Kopf bewegt sich schnell zur einen Seite. Dies klemmt die Nerven auf dieser Seite ein.
  • Es wird ein direkter Druck auf das Schlüsselbein ausgeübt, was die Nerven schädigen kann.

Bei größeren, schwereren Verletzungen können die Nerven im Nervengeflecht (Plexus) hinter dem Schlüsselbein oder in den Nervenwurzeln im Rückenmark abgerissen werden.

Diagnose

Patienten verspüren ein Brennen zwischen Hals und Schulter, das vermutlich bis in den Arm ausstrahlt. Schulter und Arm fühlen sich taub und schwach an. Bei den schwerwiegendsten Verletzungen ist der Arm ganz oder teilweise gelähmt.

Der Arzt kann die Diagnose anhand der Krankengeschichte des Patienten stellen. Ein Burner-Syndrom tritt nur in einem Arm auf. Wenn beide Arme oder ein Arm und ein Bein schmerzen, können Sie eine schwere Nackenverletzung erlitten haben. Der Arzt schützt Ihren Hals und lässt ihn röntgen.

Therapie

Wenn die Nerven nicht gerissen sind, klingen die Beschwerden von selbst wieder ab. Unterstützend wirkt eine Physiotherapie, bei der Ihre Muskeln gedehnt und gestärkt werden.

In vielen Fällen dauert das Burner-Syndrom nur wenige Minuten. Es kann auch vorkommen, dass die Beschwerden ein paar Tage oder Wochen anhalten, bis sie wieder abklingen. Dauert der Zustand mehrere Wochen an, sind andere Untersuchungen indiziert, beispielsweise eine Elektromyografie EMG.

Bei schweren Schädigungen der Nerven, bei denen sich diese ganz oder teilweise gelöst haben, ist innerhalb von sechs Wochen bis drei Monate nach der Verletzung eine Operation in Erwägung zu ziehen. Diese wird mithilfe der so genannten Mikrochirurgie durchgeführt. In Schweden bieten nur wenige Krankenhäuser diese Behandlung an.

Wann kann ich wieder mit dem Sport beginnen?

Sie dürfen erst wieder Sport treiben, wenn Sie keinerlei Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Arm bzw. in der Schulter mehr haben. Sie sollten in der Lage sei, Ihren Hals frei in alle Richtungen zu bewegen. Ihre Muskelkraft muss wieder vorhanden sein. Sie sollten Ihren Sport ausüben können, ohne dass im Zuge der Verletzung noch Probleme auftreten.

Prognose

Das Burner-Syndrom hat die Tendenz, wieder aufzutreten. Daher ist es wichtig, dass Sie vorbeugende Übungen durchführen. Zum Training sollten auch Kopfbewegungen gehören. Neigen Sie den Kopf nach oben und unten sowie zu den Seiten. Drehen Sie den Kopf nach links und rechts und zur Schulter. Halten Sie die Dehnung für jeweils 20 Sekunden.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Plexus-brachialis-Verletzung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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