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Achillessehnenentzündung

Eine Entzündung der Achillessehne tritt in erster Linie bei Athleten, Freizeitsportlern und älteren Personen auf. Eine häufige Beschwerde sind brennende Schmerzen und Steifheit 2–6 cm oberhalb des Fersenbeins.

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Was ist eine Achillessehnenentzündung?

Eine Entzündung der Achillessehne (Tendinopathie) ist eine Entzündung und eine daraus allmählich hervorgehende degenerative Veränderung in und um die Ferse sowie an ihrer Befestigung an der Rückseite des Fersenbeins. Die Achillessehne ist die Sehne des großen Wadenmuskels (M. triceps) auf der Rückseite des Unterschenkels, und diese Sehne kann als ein dicker Strang auf der Rückseite des Sprunggelenks gesehen und ertastet werden.

Die meisten Patienten haben keine eigentliche Entzündung in der Sehne, sondern eher das, was als degenerative Veränderungen bezeichnet wird. Wahrscheinlich sind die ersten Symptome auf eine leichte Verletzung in der Sehne und auf eine vorübergehende Entzündung zurückzuführen. Allmählich verursachen die degenerativen Veränderungen und kleinen Risse (Mikrorisse) in der Sehne jedoch anhaltende Beschwerden. Oft werden auch Veränderungen im Gewebe rund um die Sehne entdeckt.

Eine Achillessehnenentzündung wird am häufigsten bei Athleten, Freizeitsportlern mittleren Alters und älteren Menschen gesehen. Läufer sind besonders gefährdet, vor allem wenn sie viel auf hartem Boden laufen.

Ursachen

Eine Sehnenentzündung wird oft durch langanhaltende Belastung verursacht. Im Laufe der Zeit entstehen kleine Risse in der Sehne, die mikroskopisch kleine Blutungen verursachen. Das Blut verursacht Irritationen, und es entsteht eine Entzündung (Inflammation).

Die Entzündung wird demnach nicht durch Bakterien und Viren verursacht. Es handelt sich um eine sterile Entzündung infolge von Überbelastung.

Das Risiko, eine Entzündung und degenerative Veränderungen an und in der Nähe der Achillessehne zu entwickeln, steigt mit dem Alter. Mit zunehmenden Alter verringert sich die Kraft des Sehnengewebes, so dass Sie leichter eine Entzündung bekommen. Laufen macht Sie anfälliger, und häufiges Laufen auf hartem Boden ist ein zusätzliches Risiko. Das Laufen mit alten oder wenig elastischen Laufschuhen scheint auch ein bedeutsamer Faktor zu sein.

Patienten mit Plattfüßen (Überpronation) haben ein erhöhtes Risiko, Probleme mit der Achillessehne zu entwickeln. Bei Plattfüßen ist der Fuß leicht nach außen gedreht, was auf der Innenseite der Achillessehne eine erhöhte Spannung und Belastung verursacht. Mit der Zeit kann dies zu degenerativen Veränderungen führen.

Symptome

Das Hauptsymptom bei einer Entzündung in oder um die Achillessehne sind Schmerzen in der Ferse. Die Schmerzen entstehen bei Belastung, z. B. beim Laufen. Während des Trainings lassen sie oft nach, nur um sich anschließend zu verschlimmern. Eine Steifheit in der Achillessehne hält Stunden bis Tage nach einer Trainingseinheit an, auch im Ruhezustand. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung halten auch die Schmerzen im Ruhezustand an.

Diagnostik

Wie sind die Schmerzen entstanden? Welchen Belastungen sind Ihre Füße ausgesetzt? Machen Sie viel Sport? Wie trainieren Sie? Dies sind Beispiele für Fragen, die die Ärzte stellen, um die Ursache der Beschwerden herauszufinden. Die Ärzte untersuchen auch die Ferse selbst gründlich. Sie prüfen außerdem, ob aufgrund einer Fehlstellung des Fußes eine Prädisposition für solche Beschwerden vorliegt.

Laboruntersuchungen werden nicht empfohlen, und Bilduntersuchungen meistens auch nicht. In Ausnahmefällen sind eine Sonografie und evtl. eine Magnetresonanztomografie (MRT) hilfreich.

Behandlung

Die Dehnung der Wadenmuskulatur, alternative Sportarten und eventuell die Einnahme entzündungshemmender Medikamente (NSAR) reichen oft aus. Eine 0,5–2 cm dicke Einlegesohle im Fersenbereich der Schuhe kann die Sehne entlasten und somit etwas Linderung verschaffen. Die Sohle sollte nur für ein paar Tage oder bis zu einigen Wochen verwendet werden.

Bei akut einsetzenden Schmerzen wird oft ein Medikament aus der Gruppe der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) verwendet. Dieses Medikament ist entzündungshemmend und schmerzlindernd. Der Nutzen solcher Arzneimittel wird bei langanhaltenden Beschwerden in Frage gestellt. Kortikosteroid-Injektionen werden nur selten verwendet, aber einige Experten halten sie für wirksam. Dieses Arzneimittel hat ebenfalls eine entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung. Das Risiko der Kortisoninjektionen ist, dass sie die Achillessehne schwächen und das Risiko eines Sehnenrisses (Sehnenruptur) erhöhen.

Eine von Physiotherapeuten vorgegebene Trainingsbehandlung kann ebenfalls wirksam sein. Bei langanhaltenden Beschwerden kann eine Fersenoperation empfehlenswert sein.

Eine niedrigdosierte Lasertherapie in Kombination mit Dehnungsübungen ist eine alternative Behandlungsform, die zu einer schnelleren Symptomlinderung führen kann als Dehnungsübungen allein. Die Wirkung einer Stoßwellentherapie ist umstritten.

Dehnungsübungen

Einfache Übungen, die die Muskeln strecken und verlängern, erzielen gute Ergebnisse. Die Übungen sollten regelmäßig, d. h. 2-mal täglich an 7 Tagen in der Woche bis zu 3 Monate lang mit allmählich steigender Belastung durchgeführt werden. Die Dehnungsübungen können im Stehen auf einer Treppe ausgeführt werden, wobei die Fersen über den Stufenrand herausragen. Die Ferse wird abgesenkt. Die Dehnungsübungen sollten langsam ausgeführt werden. Jede Dehnung sollte 20–30 Sekunden lang andauern und mehrfach wiederholt werden.

Operation

Eine Operation wird bei einer chronischen Achillessehnenentzündung in Erwägung gezogen, wenn eine konservative Behandlung nicht erfolgreich war und es für die betroffenen Patienten wichtig ist, ihre sportliche Aktivität fortzusetzen. Beachten Sie jedoch, dass nach der Operation eine 6-monatige Rehabilitation empfohlen wird.

Die Operation beinhaltet eine „Säuberung” der Sehnenverwachsungen mit der umliegenden Sehnenscheide. Der Operation folgt erst ein kurzer Zeitraum mit passiven Bewegungen und anschließend über eine Periode von 2–3 Wochen lang ein Training mit steigender Gewichtsbelastung und Kräftigungsübungen. Nach dem Eingriff wird empfohlen, die Sehne zwei Wochen lang mithilfe von Krücken zu entlasten. Sobald Sie sich schmerzfrei bewegen können, sollten Sie z. B. mit Radfahren und Treppensteigen beginnen. Mit dem Laufen können Sie ca. 3 Monate. (6–12 Wochen?) nach der Operation beginnen. Leistungssportler können abhängig von der Sportart nach 3–6 Monaten mit dem Training beginnen. Etwa 85 % der Patienten haben nach der Rehabilitation, die aus Krafttraining, Dehnungsübungen und Balancetraining besteht, keine Symptome mehr.

Prognose

Die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Heilung ist gut. Bei Entlastung verbessert sich der Zustand meist innerhalb einiger Tage oder Wochen. Die Rehabilitation kann aber oft mehrere Monate dauern.

In Einzelfällen können Komplikationen in Form von chronischen Beschwerden auftreten. In seltenen Fällen kann infolge einer geschwächten Sehne auch eine Achillessehnenruptur entstehen.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Achillessehnenentzündung
Achillessehnenentzündung

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Achillessehnen-Tendopathie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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