Instabilität des Sprunggelenks

Bei einer Instabilität des Knöchels besteht beim Sprunggelenk die ständige Tendenz zu Verstauchungen (Distorsionen), d. h. zu Verdrehungen oder Überstreckungen.

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Was ist eine Knöchelinstabilität?

Eine Knöcheldistorsion entsteht, wenn Sie den Knöchel auf eine falsche Weise oder in die verkehrte Richtung drehen. Dabei können die Bänder (Gelenkbänder, Ligamente), die dazu beitragen, die Knochen des Sprunggelenks zusammenzuhalten, überdehnt werden oder reißen. Bänder stabilisieren die Gelenke und verhindern unphysiologische Bewegungen. Ein verstauchter Knöchel entsteht, wenn die Bänder über ihre normale Strecklänge heraus gedehnt werden. Die meisten verstauchten Knöchel betreffen die Bänder an der Außenseite des Knöchels.

Bei einer akuten Distorsion können Sie spüren, dass der Knöchel der Belastung nicht standhält, insbesondere bei Ballspielen oder bei Aktivitäten in unebenem Gelände. Eine Schwellung entsteht entweder sofort oder innerhalb weniger Stunden. Der Knöchel schmerzt im Ruhezustand, und die Schmerzen verschlimmern sich bei Belastung. Nach ein paar Stunden kann eine Verfärbung aufgrund von Blutergüssen in der Umgebung des Knöchels entstehen.

Eine Knöchelinstabilität ist die Folge wiederholter Überdehnungen. Sie verursachen eine Erschlaffung der Bänder, und ein instabiles Sprunggelenk ist ein Knöchel mit einer ständiger Tendenz zu neuen Distorsionen, d. h. Verdrehungen oder Überdehnungen. Dieser Zustand kommt relativ häufig vor.

Ursachen

Die Bänder, die Gelenkkapsel und Muskeln sind für die Stabilität des Knöchels verantwortlich. Eine Knöchelinstabilität wird oft durch eine früher entstandene akute Bänderruptur im Knöchel (siehe Abbildung) verursacht, die nicht vollständig ausgeheilt ist. Bei einer Distorsion werden die Bänder und die Gelenkkapsel überdehnt. Kleine Blutungen können in der Kapsel und in den Bändern entstehen und eine entzündliche Reaktion auslösen. Die Instabilität kann in seltenen Fällen auf einen angeborenen überbeweglichen Knöchel zurückzuführen sein.

Diagnose

Die Anamnese (Krankengeschichte) ist oft typisch und sichert die Diagnose. In der akuten Phase untersuchen Ärzte auf typische Anzeichen einer Distorsion und versuchen, eine Fraktur ausschließen. Ein chronisch instabiles Sprunggelenk hat abgesehen von akuten Distorsionen, die zu Schmerzen, Schwellungen und einer Einschränkung des Bewegungsfreiraums führen, eine erhöhte Beweglichkeit. Der Schubladentest, bei dem Ärzte am Knöchel ziehen (siehe Abbildung), zeigt bei beschädigten Bändern eine Knöchelinstabilität. Eine Röntgenaufnahme des Knöchels kann während der akuten Phase sowohl für die Diagnostik eines instabilen Knöchels sowie für das Ausschließen einer Fraktur nützlich sein.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist es, wiederholte spätere Distorsionen zu verhindern. Vermeiden Sie auslösende Faktoren (z. B. Fußball und Laufen auf unebenem Gelände). Wählen Sie Schuhe mit breiten Absätzen und steifen Fersenkappen. Verwenden Sie bei körperlicher Aktivität eine Bandage oder Tape. „Gicht-Medikamente”, die auf Rezept erhältlich sind, sind schmerzstillend und entzündungshemmend. Bei akuten Distorsionen können sie einige Tage lang eingenommen werden.

Eine Physiotherapie mit Gleichgewichts- und Muskeltraining kann in vielen Fällen für die Behandlung eines chronisch instabilen Knöchels ausreichen. Eine Stabilisierungsoperation des Knöchels zeigt bei schmerzhaften und anhaltenden Beschwerden oft gute Ergebnisse.

Eine der wichtigsten therapeutischen Maßnahmen ist die Verwendung des Balance Boards. Es hilft, den Knöchel zu stärken, so dass das Risiko einer neuen Überdehnung für Personen, die vorher keine Überdehnungen hatten, nicht zunimmt.

Prognose

Grundsätzlich hat eine Person, die eine Überdehnung hatte, ein um das Fünffache erhöhte Risiko einer neuen Überdehnung. Das Training mit dem Balance Board wirkt dem erhöhten Risiko entgegen.

Bei den meisten Patienten bessert sich der Zustand mit der Zeit. Bei fast allen Patienten zeigen entweder eine Physiotherapie oder, in Extremfällen, eine Operation gute Ergebnisse.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

 

Bänderruptur
Bänderruptur

 

 

Schubladentest
Schubladentest

 

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sprunggelenk, Instabilität. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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