Abbildung

Impingement-Syndrom im oberen Sprunggelenk

Beim Impingement-Syndrom kommt es oft zu einer Knöchelverletzung, von der insbesondere Balletttänzer/-innen betroffen sind. Die Verletzung kann aber auch in anderen Sportarten (Geräteturnen, Fußball) und bei Nicht-Sportlern vorkommen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist das Impingement-Syndrom im oberen Sprunggelenk?

 

549-sprunggelenksbander-von-hinten.jpg

 Sprunggelenk von hinten, Bandapparat

Beim Impingement-Syndrom des oberen Sprunggelenks kommt es zu einer Einschränkung der Beweglichkeit des Sprunggelenks, die vermutlich infolge einer Reizung der Gelenkkapsel oder der Gelenkflüssigkeit (Synovia) eintritt. Diese wiederum kann durch ein Trauma, eine angeborene Fehlbildung (Os trigonum) sowie rheumatische oder degenerative Prozesse bedingt sein. Die häufigste Ursache ist eine verletzungsbedingte Schädigung des Sprunggelenks.
Insbesondere Balletttänzer/-innen sind von der Knöchelverletzung betroffen. Die Verletzung kann aber auch in anderen Sportarten (Geräteturnen, Fußball) und bei Nicht-Sportlern vorkommen. Die Verletzung kann zudem nach einem unglücklichen Tritt mit dem ausgestreckten Fußrücken und einer Überstreckung von Teilen der hinteren Gelenkkapsel entstehen.
Das Problem wird durch eine Enge zwischen dem hinteren Rand des Fersenbeins (Talus) und der hinteren Ecke des Schienbeins (Tibia) verursacht. Der Zustand kann angeboren sein aufgrund eines kleinen zusätzlichen Knochens hinten an der Ferse, dem Os trigonum, oder eine Folge von Überbelastung, Überdehnung oder einer Verletzung des hinteren Teils der Ferse sein. Die Verletzung verursacht Risse in der Rückseite der Knöchelgelenkkapsel. Bänder sind ein wichtiger Bestandteil der Gelenkkapsel, und Risse in den Bandansätzen führen zu einer Entzündungsreaktion mit einer nachfolgenden Bildung von Narbengewebe. Diese Veränderungen können die Strukturen im umliegenden Bereich einklemmen und Schmerzen, Unbehagen und eine reduzierte Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk verursachen. Insbesondere die Sehnen, die dazu beitragen, den Fuß nach vorne zu biegen (Plantarflexion, Beugung der Füße bzw. Zehen zu der Fußsohle hin), können eingeklemmt werden (Impingement).

Diagnose

Bei der ärztlichen Untersuchung scheint häufig nahezu alles in Ordnung zu sein. Die Schmerzen können jedoch bei dem Versuch ausgelöst werden, mit ausgestrecktem Fußrücken den Fuß nach vorne zu beugen. Zudem können der hintere Bereich und die Außenseite des Fußknöchels druckempfindlich sein. Die Diagnose wird oft auf der Grundlage der Anamnese (Krankengeschichte) und der ärztlichen Untersuchung des Fußes gestellt. Typisch sind chronische Knöchelschmerzen und eine beeinträchtigte Funktion des oberen Sprunggelenks bei Balletttänzern/-tänzerinnen. Die Schmerzen werden oft durch eine maximale Streckung des Sprunggelenks, zu Beginn oder am Ende von Bewegungen, ausgelöst. Die Patienten klagen zudem häufig über Schmerzen beim Abwärtsgehen.
Eine Röntgenaufnahme des Sprunggelenks oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) können zur Diagnosefindung nützlich sein.

Behandlung

Kühlung und Entlastung des Sprunggelenks können die akuten Beschwerden lindern.
In den meisten Fällen besteht die Behandlung auch langfristig aus Entlastung und einigen Wochen Schonung. Ärzte verschreiben oft entzündungshemmende Medikamente (nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR). In einzelnen Fällen wird eine Behandlung mit Kortisoninjektionen durchgeführt.
Der Versuch, durch das Tragen anderer Schuhe die Symptome zu lindern, kann sinnvoll sein. Die Beratung und gegebenenfalls Therapie durch Physiotherapeuten wird empfohlen. Wenn eine Instabilität des Gelenks zu den Beschwerden beiträgt, kann der Einsatz von Tape oder die Anpassung einer Orthese von Nutzen sein, die dazu dient die Beweglichkeit für einen bestimmten Zeitraum einzuschränken.
In schwierigeren Fällen ist eine Operation nötig. In Verbindung mit einer Arthroskopie wird das Sprunggelenk gesäubert und Gewebe entfernt, das die Beweglichkeit einschränkt, z. B. der bereits erwähnte Extraknochen Os trigonum – wenn vorhanden. Meist sollten Sie sich danach 1–2 Wochen lang schonen und anschließend mit einer Physiotherapie und einem Rehabilitationsprogramm sowie einer Belastungssteigerung beginnen.

Prognose

Die Prognose ist oft gut. In den Fällen, in denen ein chirurgischer Eingriff empfohlen wird, ist die Prognose meistens ebenfalls gut. Die Rehabilitation kann einige Zeit dauern, und in vielen Fällen braucht es sechs Monate, bis Sie wieder die volle Funktionsfähigkeit erreichen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sprunggelenk, dorsales Impingement. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Ertl JP, Kovacs G. Ankle impingement syndrome. eMedicine, January 15, 2004: www.emedicine.com.
  2. Omey ML, Micheli LJ. Foot and ankle problems in the young athlete. Medicine & Science in Sports & Exercise 1999; 31(7) Supplement: S470-S486.
  3. Ogilvie-Harris DJ, Gilbart MK, Chorney K: Chronic pain following ankle sprains in athletes: the role of arthroscopic surgery. Arthroscopy 1997 Oct; 13(5): 564-74. PubMed