Pflege nach Amputation

Nach einer Amputation ist es wichtig, den Amputationsstumpf sorgfältig zu versorgen und Haut und Gewebe gut zu pflegen, damit keine Beschwerden entstehen.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Worauf Sie bei der Pflege nach Amputation achten sollten

Nach der Operation muss die Hautwunde am Stumpf erst einmal gut verheilen. In der Klinik werden Sie einen Wundverband tragen, der regelmäßig gewechselt wird. Ärzte und Pfleger werden zunächst sehr engmaschig, dann in größeren Abständen die Wunde bzw. den Heilungsverlauf kontrollieren. Sie selbst können natürlich auch darauf achten, wie die Heilung verläuft. Es ist ratsam zu lernen, den gesamten Stumpf selbst prüfen zu können, damit Sie später zuhause ggf. auch allein den Zustand der Haut beurteilen können. Die Unterseite können Sie mithilfe eines Handspiegels kontrollieren. Achten Sie auf Hautveränderungen wie Blasen, Hautausschläge oder Wunden sowie auf Veränderungen im Bereich der Operationswunde.

Es ist wichtig, sich weiterhin sorgfältig um den Amputationsstumpf zu kümmern. Halten Sie die Haut sauber und trocken. Vermeiden Sie Druck oder Zug am Gewebe, da dies zu Hautirritationen und Verletzungen führen kann.

Kompressionstherapie

Zunächst wird der Stumpf als Folge der Operation geschwollen sein. Sobald die Wunde reizlos ist, werden Pfleger oder Physiotherapeuten Ihnen zeigen, wie man Wickelverbände, einen Kompressionsstrumpf oder spezielle Silikonverbände so anlegt, dass das Gewebe möglichst gut abschwillt. Das Abschwellen ist wichtig, damit Sie möglichst zeitnah mit einer Prothese versorgt werden können, es fördert zudem die Durchblutung und die vollständige Abheilung der Wunde bzw. Narbe. Die Verbände werden zunächst immer nur eine kurze Zeit belassen, z. B. jeweils nur für 30 oder 60 Minuten, um zu überprüfen, dass nicht zu fest oder zu locker gewickelt wurde. Mit der Zeit werden die Abstände größer.

Grundsätzlich sollten Sie die Binden oder den Strumpf möglichst selbst anlegen können und möglichst über längere Zeiträume oder am besten ständig tragen. Das Material sollten Sie am besten regelmäßig mit Feinwaschmittel ausspülen, weil es Schweiß aufsaugt und sich dann nicht mehr so gut wickeln bzw. tragen lässt. Haben Sie Schmerzen, sprechen Sie dies bei Ihrem Physiotherapeuten oder Arzt an; möglicherweise muss die Binde doch anders gewickelt oder ein Strumpf einer anderen Größe getragen werden. In Absprache mit dem Arzt können Sie die Binden/den Strumpf nach einiger Zeit nachts auch versuchsweise ausziehen und beobachten, ob der Stumpf am nächsten Morgen noch schmal oder doch wieder angeschwollen ist. Im letzteren Fall sollte die Kompressionstherapie noch weiter fortgeführt werden.

Ist der Stumpf ausreichend abgeschwollen und die Haut gut verheilt, können Sie sich eine Prothese anpassen lassen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten – lassen Sie sich ausführlich beraten.

Nach abgeschlossener Prothesengewöhnung lassen sich erneute Schwellungen am besten vermeiden, indem Sie die Prothese so häufig wie möglich verwenden. Vermeiden Sie Positionen oder Situationen, in denen der Amputationsstumpf ohne Druck durch den elastischen Strumpf oder die Wickelung über längere Zeit nach unten hängt, wenn Sie die Prothese nicht tragen. Hilfreich ist es, wenn Sie Ihr Körpergewicht recht konstant halten, denn durch eine Änderung des Körpergewichts verändert sich auch die Größe des Amputationsstumpfs, sodass die Prothese möglicherweise nicht mehr passt.

Vorbeugung und Therapie von Schmerzen im Bereich des Stumpfs

Schmerzen am Stumpf nach einer Amputation können verschiedene Ursachen haben. Zunächst wird nach der Operation die Wunde  möglicherweise schmerzen, was aber im Rahmen der Wundheilung nachlässt. Heilt die Wunde nicht rasch oder entzündet sich, kann dies natürlich noch etwas länger schmerzen. Auch wenn das Gewebe am Stumpf an der Kleidung scheuert, durch die Prothese eingeengt wird, wenn Narbengewebe schmerzt oder lokale Durchblutungsstörungen vorliegen, entstehen natürlich Schmerzen. Hier lässt sich durch gute Hautpflege, geeignete Kleidung und passende Prothesen vorbeugen.

Reine Nervenschmerzen entstehen, wenn sich im Bereich der abgetrennten Nervenfasern am Stumpf ein gutartiger Nerventumor, ein Neurom, entwickelt, Dieser kann Druck auf die Nervenfasern ausüben und dadurch Schmerzempfindungen auslösen. Die Injektion eines lokalen Betäubungs- bzw. Schmerzmittels kann die Beschwerden lindern. Hier ist in einigen Fällen auch eine Operation zur Entfernung des Tumors angezeigt, es kann anschließend jedoch erneut zu einem Neurom kommen. 

Ganz anders sind sogenannte Phantomschmerzen. Dies bezeichnet das Gefühl, die amputierte Gliedmaße sei noch vorhanden und schmerze. Manche Patienten erleben hier Kribbeln oder andere Missempfindungen, andere tatsächlich Schmerz. Ursache sind wahrscheinlich fehlerhafte Aktivierungen der Nervenenden im Stumpf. Hier können verschiedene Medikamente helfen; auch andere Therapien wurden bereits eingesetzt, ihr Effekt ist jedoch nicht klar nachzuweisen. Patienten, die möglichst frühzeitig mit einer Prothese versorgt werden und diese auch regelmäßig tragen, leiden in der Regel im Vergleich seltener an Phantomschmerzen.

Schmerzen in Muskeln oder Knochen können zudem als Folge von Fehlbelastungen entstehen. Hier ist die Physiotherapeutin gefragt, mit dem Patienten erneut das Gangbild zu schulen und Bewegungen einzuüben, die nicht zu solchen Belastungsschmerzen führen. Möglicherweise muss auch die Prothese neu angepasst werden.

Pflege der Prothese

Die Pflege und Handhabung der verschiedenen Prothesenvarianten unterscheidet sich voneinander, oftmals ist die Prothese speziell für den Patienten angepasst. Die Pflegehinweise variieren daher ebenfalls von Modell zu Modell und von Patient zu Patient. Verlässliche Informationen zur Pflege und Handhabung Ihrer Prothese erhalten Sie vom Hersteller selbst.

Patientenorganisationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen