Post-Polio-Syndrom

Das Post-Polio-Syndrom äußert sich durch Muskelschwäche, erhöhte Muskelermüdung, Muskel- und Gelenkschmerzen in Ruhe- und Belastungszuständen, allgemeine Erschöpfung und Funktionseinschränkungen. Das Post-Polio-Syndrom entwickelt sich frühestens 15 Jahre nach einer akuten Polio-Infektion mit Lähmungen.

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Was ist das Post-Polio-Syndrom?

Allgemein geht man davon aus, dass das Post-Polio-Syndrom bei rund 20–70 % aller Patienten mit zurückliegender Poliomyelitis-Erkrankung auftritt. Das Post-Polio-Syndrom tritt normalerweise etwa 20 bis 40 Jahre nach der akuten Polio-Erkrankung auf.

Eine Person mit Post-Polio-Syndrom litt viele Jahre zuvor an Kinderlähmung. Nach einer längeren stabilen Phase entsteht eine neue Muskelschwäche.

Ursache

Es ist bisher nicht geklärt, warum das Post-Polio-Syndrom erst nach so vielen Jahren entsteht. Unter Umständen ist es vor allem auf einen „Verschleiß“ von Nervenzellen zurückzuführen, da während der akuten Polio-Erkrankung zahlreiche Nervenzellen beschädigt oder zerstört wurden. Nach Ansicht einiger Forscher ist das Post-Polio-Syndrom eine Folge des normalen Alterungsprozesses, der zu einer Abnahme der Muskelmasse und einer Verschlechterung der Muskelfunktion führt. Eine weitere Theorie besagt, dass das Poliovirus reaktiviert wird und die Krankheit auf diese Weise zurückkehrt. Auch andere Viren wurden als mögliche Ursache in Erwägung gezogen. Neueren Untersuchungen zufolge liegt dem Post-Polio-Syndrom möglicherweise eine Autoimmunreaktion zugrunde – eine Theorie, die möglicherweise den Weg für neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnet.

Diagnose

Die Patienten müssen von einem Post-Polio-Spezialisten untersucht werden.

Eine Voraussetzung für die Diagnose ist, dass der Patient bereits an Polio erkrankt war. Das Post-Polio-Syndrom ist gekennzeichnet durch eine neu auftretende Muskelschwäche oder untypische Muskelermüdung in früher geschädigten oder nicht geschädigten Muskeln und tritt ggf. in Verbindung mit einem allgemeinen Erschöpfungssyndrom (Fatigue) und erhöhten Schlafbedürfnis auf. Andere Symptome sind Muskelschmerzen, Kälteintoleranz (Kältegefühl, besonders in den Beinen), Geh- und Bewegungsbeschwerden sowie Atembeschwerden. Eine eingeschränkte Atemfunktion kann zu unruhigem Schlaf, nächtlichem Aufwachen, morgendlichen Kopfschmerzen, Morgenmüdigkeit und zur Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit führen. Weitere Symptome können Schluckbeschwerden und Rückenschmerzen sein.

Die Krankengeschichte sowie die Befunde der ärztlichen Untersuchung führen häufig zur sicheren Diagnose, müssen in den meisten Fällen aber noch durch eine Elektromyografie (EMG) ergänzt werden. Mithilfe der EMG lässt sich feststellen, wo die Polio-Erkrankung den Körper angegriffen hat und bis zu welchem Grad das Post-Polio-Syndrom fortgeschritten ist. Blutuntersuchungen können sinnvoll sein, um andere Krankheiten auszuschließen. Zusätzlich können weitere Untersuchungen z. B. eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden.

Reha beim Post-Polio-Syndrom

Ziel der Reha

Ziel eine Rehabilitation beim Post-Polio-Syndrom ist, mithilfe verschiedener Maßnahmen die Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Muskulatur soll gestärkt und ein Fortschreiten der Funktionsminderung verhindert werden. Zur Reha gehören Informationen und Aufklärung über das Post-Polio-Syndrom, eine individuelle Anpassung körperlicher Tätigkeiten und spezifische Trainingsprogramme, die Anpassung des Alltags sowie Maßnahmen, die das Berufsleben betreffen. Weitere Schritte sind die Prüfung einer Notwendigkeit von Mobilitätshilfen, Orthesen oder anderen Hilfsmitteln, eine Schmerztherapie und mögliche Maßnahmen der Kostenträger und anderer Einrichtungen.

Post-Polio-Patienten wurden testweise mit hohen Dosen Immunglobulin behandelt. Bei einem Teil der Patienten schien sich die Therapie positiv auf die Müdigkeit auszuwirken; es fehlen allerdings Forschungsergebnisse, die die genaue Wirksamkeit der Behandlung sicher bestätigen können.

Weitere Reha-Maßnahmen

Patienten müssen lernen, ihre Kräfte einzuteilen und die Intensität ihrer Tätigkeiten an die vorhandenen Kräfte anzupassen. Das körperliche Training darf nicht dazu führen, dass Patienten übermäßig müde werden und mehr Zeit als üblich benötigen, um wieder zu Kräften zu kommen. Die Patienten absolvieren ein individuelles Trainingsprogramm für die betroffenen Muskeln oder Muskelgruppen und erhalten Orthesen und andere orthopädische Hilfsmittel. Körperliches Training zeigt bei den meisten Betroffenen positive Wirkungen, ist jedoch stets individuell anzupassen.

Andere Maßnahmen können Behandlungen mit Wärme oder Kälte sowie transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und Akupunktur sein. Bei Gehbeschwerden sind Mobilitätshilfen oder ein Rollstuhl in Erwägung zu ziehen. Zusätzlich kann geprüft werden, ob Orthesen oder andere orthopädische Hilfsmittel, sonstige Hilfsmittel, persönliche Assistenten oder Haushaltshilfen erforderlich sind oder ob Maßnahmen der Kostenträger und anderer Einrichtungen in Anspruch genommen werden können.

Spezifische Maßnahmen am Arbeitsplatz und Anpassungen zu Hause erleichtern das Arbeiten und die Ausführung der täglichen Aktivitäten.

Prognose

Das Post-Polio-Syndrom verläuft bei den meisten Patienten langsam und über viele Jahrzehnte. Anhand der einleitenden Untersuchung lässt sich relativ gut eine Prognose für die folgenden Jahre abgeben. Geeignete Reha-Maßnahmen können dazu beitragen, die Entwicklung der verschiedenen Post-Polio-Symptome zu verlangsamen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Post-Polio-Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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