Gelenkschmerzen in einem Gelenk

In dieser Übersicht erfahren Sie mehr über die Ursachen von Schmerzen in einem Gelenk.

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Was sind Schmerzen in einem Gelenk?

  • Ein Gelenk besteht aus Knochen und Knorpeln und einer das Gelenk umgebenden Gelenkkapsel. Im Inneren des Gelenks befindet sich Gelenkflüssigkeit. Um das Gelenk herum liegen die Bänder, Sehnen und Muskeln. Diese Strukturen können bei einer Erkrankung Schmerzen verursachen.
  • Bei Schmerzen und gleichzeitig vorliegenden Symptomen wie Schwellung, Wärmeanstieg, Rötung und Bewegungseinschränkung ist eine Entzündung des Gelenks wahrscheinlich.
  • Gelenkschmerzen sind ein häufiger Grund für Arztbesuche.

Häufige Ursachen

  • Urinsäuregicht
    • Urinsäuregicht ist eine Gelenkentzündung aufgrund einer Erhöhung des Harnsäurespiegels und konsekutiver Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken.
    • Die Erkrankung tritt am häufigsten bei Männern mittleren Alters auf, oft in Verbindung mit langen Zeiträumen ohne Beschwerden zwischen den Anfällen.
    • Bei der Gicht sind häufig die Großzehen von Gelenkentzündungen betroffen (Podagra). Es kann aber auch zu Entzündungen in anderen Gelenken kommen, z. B. in Fußknöchel, Knie, Ellbogen und Schleimbeutel (bei einer Entzündung des Schleimbeutels spricht man von einer Bursitis).
    • Das Maximum der Beschwerden eines Gichtanfalls ist nach einigen Stunden erreicht. Eine Belastung des Gelenks ist dann nahezu unmöglich, selbst die geringste Berührung ist schmerzhaft. Das betroffene Gelenk ist geschwollen, gerötet und eventuell kann die Haut über Tage/Wochen nach einem Anfall schuppen.
  • Reaktive Arthritis
    • Bei der reaktiven Arthritis kommt es zu Gelenkentzündungen durch eine andere Erkrankung. Die Krankheit tritt typischerweise nach einer Infektion im Harntrakt beziehungsweise im Darm oder bei Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) auf.
    • Häufig ist das Kniegelenk betroffen, es können aber auch mehrere Gelenke gleichzeitig beteiligt sein.
    • Es zeigen sich Schwellungen, Rötungen, erhöhte punktuelle Temperatur, Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gelenks.
  • Gelenkgicht (Rheumatoide Arthritis)
    • Bei der Gelenkgicht (in der medizinischen Fachsprache als rheumatoide Arthritis bezeichnet) handelt es sich um eine chronische, rezidivierende Entzündungserkrankung, insbesondere sind kleinere Gelenke in Händen und Füßen betroffen.
    • Meist beginnt die Gelenkgicht schleichend in den Gelenken der Finger und Zehen, sie kann jedoch mit der Zeit auch größere, in der Regel symmetrische Gelenke befallen, besonders bei Kindern anfangs oft in Form einer Monoarthritis mit Befall nur eines Gelenks. Die Erkrankung tritt aber in der Regel in mehreren Gelenken auf.
  • Verletzungen
    • Schmerzen und Schwellungen können durch Blutungen im Gelenk oder eine vorübergehende Entzündungsreaktion hervorgerufen werden.
    • Bei Meniskus- oder Kreuzbandverletzungen (vordere, hintere) kommt es z. B. zu Schmerzen und Schwellungen am Kniegelenk.
  • Arthrose
    • In den meisten Fällen sind Knie-, Sprung-oder Hüftgelenke betroffen.
    • Meist erkanken ältere Menschen an Arthrose.
    • Die Schmerzen sind oft zu Beginn der Bewegung am stärksten (Startschwierigkeiten). Die Gelenkbeweglichkeit ist in der Regel eingeschränkt. Lokale Schwellungen oder ein Temperaturanstieg sind selten zu verzeichnen.
  • Bei Schmerzen im Knie finden Sie weitere Informationen unter Knieschmerzen.

Seltenere Ursachen

  • Bakterielle Entzündungen der Gelenke (bakterielle Arthritis)
    • Eine derartige Entzündung ist oft im Kniegelenk lokalisiert, sie kann aber in verschiedenen Gelenken auftreten.
    • Zu den Risikofaktoren für eine solche Entzündung gehören das diagnostische Einführen einer Nadel in das Gelenk (Gelenkpunktion), ein künstliches Gelenk (Prothese) in z. B. Hüfte oder Knie, Hautinfektionen, Gelenkoperationen, Arthritis, hohes Alter (> 80 Jahre) und Diabetes mellitus.
  • Bakterielle Entzündungen der Knochen (Osteomyelitis)
    • Eine Osteomyelitis kann manchmal eine Gelenkschwellung verursachen. Sie  ist bei Kindern nicht ungewöhnlich, bei Erwachsenen kann sie im Rahmen von Knochenfrakturen oder -operationen auftreten.
    • Die Erkrankung wird begleitet von Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen und Druckempfindlichkeit am betroffenen Knochen.
  • Osteochondrosis dissecans
    • Ein Stück Knochen kann sich von der Gelenkfläche lösen und einen losen Körper in der Gelenkpfanne bilden, der sich verkeilen und zu Entzündungen von Knorpel und Knochen führen kann.
    • Typischerweise gibt es eine oder mehrere vorangehende Verletzungen des Gelenks, insbesondere des Kniegelenks. Die Symptome können unter anderem eine Verkeilung des Gelenks, Knieschmerzen, Unsicherheit im Knie oder Schwellungen umfassen.
    • Die Erkrankung kann viele Gelenke betreffen, doch sie kommt am häufigsten im Knie vor (75 %).
    • Die Patienten sind in der Regel zwischen 15 und 20 Jahre alt.
  • Knieschmerzen als übertragener Schmerz bei Kindern
    • Knieschmerzen können auch durch Erkrankungen des Hüftgelenks verursacht werden, die häufigsten sind bei Kindern septische Arthritis, Dysplasie, Perthes-Krankheit und avaskuläre Nekrose des Hüftkopfes.
    • Diese Erkrankungen des Hüftgelenks führen unter anderem häufig zu einem hinkenden Gang, die Mobilität im Hüftgelenk wird eingeschränkt.
    • Morbus Perthes: Knochen des Beckenkamms wird zerstört (aseptischen Knochennekrose) und der Beckenkamm verformt sich. Die Erkrankung kommt vermehrt vor bei Jungen im Alter zwischen 4 und 10 Jahren. Eine rasche Behandlung durch Entlastung wird unter anderem empfohlen, um die Schäden des Hüftgelenks zu begrenzen.
  • Hämophilie (Bluterkrankheit)
    • Diese Personen haben unter anderem in Gelenken, Muskeln und in den Harnwegen eine hohe Blutungsneigung.
    • Es kann zu Schwellungen in einem Gelenk aufgrund von Blutansammlungen und Entzündungsreaktionen kommen.
  • Tumore
    • Tumore können auch in Knorpeln, Knochen, Synovia oder Muskeln lokalisiert sein.
    • In der Regel führen sie zunächst zu Schmerzen und Schwellungen im betroffenen Gelenk sowie ggf. zu einer eingeschränkten Mobilität.

Was können Sie selbst tun?

  • Sie sollten das Gelenk entlasten, um eine Verschlechterung der Erkrankung zu verhindern.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Bei einer akuten Entzündung in einem Gelenk sollten Sie den Arzt aufsuchen.

Was macht der Arzt?

Anamnese

Der Arzt stellt oft folgende Fragen:

  • Wie lange besteht die Erkrankung bereits?
  • Wie hat die Erkrankung begonnen?
  • Ist sie die Folge einer Verletzung?
  • Verletzungen
    • Wie schnell ist das Gelenk angeschwollen?
    • Hat sich das Gelenk verkeilt? (Wird nicht durch Gelenkstreckung entkräftet)
  • Keine Verletzungen
    • Hatten Sie bereits ähnliche Probleme? In demselben Gelenk? In einem anderen Gelenk?
    • War das Gelenk erst kürzlich größeren Belastungen ausgesetzt?
    • Hatten Sie erst kürzlich Infektionskrankheiten im Zusammenhang mit anderen Körperteilen?
    • Leiden Sie an anderen Erkrankungen?

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt wird das entsprechende Gelenk im Hinblick auf eine Fehlstellung, Schwellung oder Rötung untersuchen, er tastet es ab und überprüft die Mobilität.
  • Bei Verdacht auf eine Grunderkrankung wird eine umfassendere Untersuchung empfohlen.

Weitere Untersuchungen

  • Bei einer Gelenkentzündung ist es sinnvoll, die Erkrankung im Rahmen verschiedener Bluttests zu untersuchen.
  • In einigen Fällen ist es wünschenswert, etwas Gelenkflüssigkeit im Hinblick auf Blut, Kristalle, Entzündungszellen und Bakterien zu untersuchen. Dazu ist eine Gelenkpunktion notwendig, bei der mit einer Nadel Gelenkflüssigkeit aus dem betroffenen Gelenk entnommen wird.
  • In einigen Fällen sind eine Röntgenaufnahme, MRT oder Arthroskopie erforderlich.

Überweisung an einen Spezialisten oder in ein Krankenhaus

  • Überweisung
    • Wenn die Erkrankung nicht durch die Allgemeinärzte zu klären ist, sollte eine Überweisung an einen Spezialisten erfolgen.
    • Bei Verdacht auf eine Verletzung des Kreuzbands oder Meniskus mit erforderlicher fachärztlicher Behandlung (Chirurgie) muss z. B. ein Orthopäde hinzugezogen werden.
  • Einweisung
    • Bei Anzeichen einer bakteriellen Infektion im Gelenk wird der Patient sofort ins Krankenhaus eingeliefert.

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Illustrationen

Akute Gelenkentzündung
Akute Gelenkentzündung
 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Gelenkschmerzen, ein Gelenk (Monarthropathie). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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