Schulterschmerzen

Red Flags und abwendbar gefährliche Verläufe1-2

Red Flags

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Fieber > 38,5 °C, Schüttelfrost, ggf. akuter Verwirrtheitszustand

Z. n. Gelenkpunktionen, Operationen (oft am Knie), operativer Gelenkersatz (Hüfte und Knie)

septische Arthritis

Trauma mit

  • neurologischem Defizit
  • Fehlstellung (inkl. Fraktur)
  • deformiertem Gelenk
  • insuffizienter Durchblutung (kalt, blass)
  • Gerinnungsstörung

Fraktur, Hämarthros, Hydrops, Gefäßverletzung, Nervenschädigung oder Nervenkompression

Entzündungszeichen:

  • Schmerzen
  • Rötung
  • Schwellung
  • Überwärmung
  • funktionelle Einschränkung

septische Arthritis, Osteomyelitis, Tumor, Polymyalgia rheumatica/Arteriitis temporalis (oft mit Fieber)

Bewegungseinschränkung, blockiertes Gelenk

Hämarthros, Hydrops, Osteochondrosis dissecans

Intravenöser Drogenabusus

septische Arthritis

Hämophilie

Hämarthros

Allgemeine Informationen

Definition

  • Mit Schulterschmerzen sind Schmerzen gemeint, die ihren Ursprung in Strukturen in oder rund um das Schultergelenk (Glenohumeralgelenk) oder das Akromioklavikulargelenk (AC-Gelenk) haben.
  • Man unterscheidet akute und chronische Schulterschmerzen.3

Häufigkeit

  • Schulterschmerzen sind die zweithäufigsten muskuloskelettalen Beschwerden, mit denen Patienten einen Arzt aufsuchen (direkt nach Rückenschmerzen).4
  • Die Prävalenz der Schulterschmerzen beträgt bis zu 34 %, häufiger in der älteren Bevölkerung.5
  • Schulterverletzungen kommen vermehrt vor bei Sportarten wie Schwimmen, Tennis und bei Wurfsportarten.
  • Die traumatische Schulterinstabilität kommt am häufigsten zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr vor, während sich eine Rotatorenmanschettenläsion  eher bei Sportlern über 40 Jahren findet.6
  • Die Prävalenz der Rotatorenmanschettenläsionen steigt mit zunehmendem Alter.7

Diagnostische Überlegungen

Anatomie der Schulter

  • Zur Schulter gehört der Schultergürtel mit Skapula, Klavikula, AC- und SC-Gelenk sowie das Glenohumeralgelenk und Oberarm mit Subacromialraum, Muskeln und Sehnen.8
  • Die Rotatorenmanschette besteht aus 4 Muskeln (M. subscapularis, M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. teres minor), die unter dem Akromion direkt über dem Gelenkkopf zusammenlaufen und proximal am Humerus ansetzen.
    • Sie rotieren, abduzieren und stabilisieren das Schultergelenk.
  • An der Schulter gibt es 4 Schleimbeutel:
    1. Bursa subacromialis (der Schleimbeutel über dem Schultergelenksdach)
    2. Die Bursa subdeltoidea liegt zwischen dem Deltamuskel der Schulter und dem Schultergelenk.
    3. Die Bursa subcoracoidea liegt unter dem Processus coracoideus.
    4. Die Bursa subtendinea musculi subscapularis liegt vor dem Subscapularismuskel.

Ätiologie

  • Schulterschmerzen werden meist verursacht durch:
    • ein Trauma
    • eine relative Überlastung oder Fehlbelastung
    • Veränderungen, die sekundär zu Verletzungen auftreten.
    • degenerative Veränderungen
    • Entzündungen (septische oder rheumatische) 
    • Tumoren.
  • Ein akuter Schulterschmerz nach einem Trauma kann auf eine Schulterluxation, eine Fraktur oder einen akuten Sehnenriss hinweisen.
  • Bei chronischen Schulterschmerzen sind meist die Weichteile (Muskeln, Sehnen, Schleimbeutel oder die Gelenkkapsel) betroffen.

Abwendbar gefährliche Verläufe

ICPC-2

  • L08 Schultersymptomatik/-beschwerden

ICD-10

  • M05‒M14 Entzündliche Polyarthropathien
  • M24.31 Pathologische Luxation und Subluxation eines Gelenkes, anderenorts nicht klassifiziert : Schulterregion
  • M25.51 Gelenkschmerz
  • M35.3 Polymyalgia rheumatica
  • M62.6 Muskelzerrung
  • M65 Synovitis und Tenosynovitis
  • M67 Sonstige Krankheiten der Synovialis und der Sehnen
  • M70 Krankheiten des Weichteilgewebes im Zusammenhang mit Beanspruchung, Überbeanspruchung und Druck
  • M75 Schulterläsionen
  • M77 Sonstige Enthesopathien
  • S42 Fraktur im Bereich der Schulter und des Oberarmes
  • S43 Luxation, Verstauchung und Zerrung von Gelenken und Bändern des Schultergürtels
  • S46.0 Verletzung der Muskeln und der Sehnen der Rotatorenmanschette

Differenzialdiagnosen

Traumatisch bedingte Schulterschmerzen

Frakturen

  • Die Humerusfraktur entsteht meist durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm, kommt bei älteren Menschen oft auch als Niedrigenergieverletzung mit geringem Trauma vor.
  • Klavikulafrakturen sind meist im mittleren Drittel lokalisiert.
  • Frakturen der Skapula sind selten.8

Verletzung des Akromioklavikulargelenks

  • Bei der Schultereckgelenksprengung zerreißen die Bänder, die das AC-Gelenk stabilisieren, meist als Folge eines Sturzes auf die Schulter.
  • Je nach Instabilität (Klaviertastenphänomen) wird eine konservative oder eine operative Therapie durchgeführt.

Verletzung des Sternoklavikulargelenkes

  • Luxationen im SC-Gelenk sind selten, meist liegt ein erhebliches Trauma vor.8

Schulterluxation

  • Bei einer Luxation löst sich der Humeruskopf aus der Gelenkpfanne, man unterscheidet vordere und hintere Luxationen.
  • Eine der häufigsten Luxationen der großen Gelenke.
  • Es gibt traumatische, rezidivierende posttraumatische Schulterluxationen und habituelle Schulterluxationen.9
  • Vor der Reposition müssen Nervenfunktion und Durchblutung distal kontrolliert werden.

     

  • Operationsindikationen 10
    • irreponible Luxation
    • persistierende Durchblutungsstörung nach Reposition (notfallmäßig)
    • frische Ruptur der Rotatorenmanschette
    • Begleitverletzungen bei jungen, sportlich aktiven Patienten
      • Labrumverletzungen
      • knöcherner Bankartschaden 
      • Bandverletzung bei jungen, sportlich aktiven Patienten
    • Abrissfraktur des Tuberculum majus
    • frühzeitige operative Stabilisierung bei Reluxationen als Zeichen der chronischen Instabilität
      • Je jünger ein Patient bei der Erstluxation ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine Rezidiv zu erleiden und eine chronische Instabilität zu entwickeln.8

Rotatorenmanschettenläsion

  • Riss, Ruptur oder Insuffizienz einer oder mehrerer Sehnen der Rotatorenmanschette (vollständig/teilweise), verursacht durch Trauma oder Überlastung (repetitive Mikrotraumen).7
  • Es kommt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Schulter.
  • Bei der klinischen Untersuchung findet sich evtl. eine Atrophie des betroffenen Muskels, ein Painful Arc und verminderte Kraft bei isometrischen Tests.
  • Die primäre Therapie ist fast immer konservativ, je nach Aktivitätslevel und Alter des Patienten kann eine operative Therapie erfolgen.
  • Kommt es nach konservativer Therapie zu persistierende Kraftminderung oder Bewegungseinschränkung, kann eine operative Therapie bis hin zu einer Schulterendoprothese erwogen werden.11

Verletzungen der langen Bizepssehne

  • Sehr selten traumatisch bei maximaler Belastung der Sehne
  • Meist durch degenerative Veränderungen 
  • Die Schäden des Bizepsankers im Bereich des Labrums des Schultergelenkes werden als SLAP-Läsionen bezeichnet (Superior Labrum Anterior to Posterior). SLAP-Läsionen können traumatisch oder degenerativ verursacht sein.
    • Bei der klinischen Untersuchung findet sich ein positiver Yergason-, O'Brien- oder Speed-Test, Abduktion und Außenrotation sind schmerzhaft.
    • Zum Nachweis der Läsion ist meist ein MRT notwendig.

Schulterschmerzen ohne Trauma

Schulter-Tendopathie

  • Als Tendopathie wird eine primär nichtentzündliche, degenerative, mechanisch bedingte Irritation der Sehnen und Sehnenansätze bezeichnet.
  • Mechanische Überlastungen führen zu reversiblen oder irreversiblen Gewebeschädigungen, entweder durch einmalige Überforderung oder repetetive Mikrotraumen.12
  • Die wichtigsten Tendopathien in der Schulter, bei denen – abgesehen vom Bizeps – alle Muskeln/Sehnen zur Gruppe der Rotatorenmanschette gehören, sind:
  • Am häufigsten ist die Supraspinatus-Tendopathie.
  • Im Rahmen einer Tendopathie kann es zu reaktiven Kalkablagerungen kommen, dann spricht man von einer Tendinits calcarea oder Kalkschulter.

Schulter-Bursitis

  • Ein Schleimbeutel ist eine Art Puffer, der zwischen verschiedenen Strukturen für ein reibungsloses Gleiten sorgt.
  • Bei Beanspruchung kann sich dieser Schleimbeutel mit Flüssigkeit füllen, es kommt zu Druck und Schmerz.
  • Häufigkeit
    • Bursitiden machen etwa 15 % aller Schultererkrankungen aus, bei 4 von 5 Patienten handelt es sich um chronische Bursitiden. Bursitiden treten häufig zusammen mit Tendopathien auf.
  • Akute Bursitis
    • Häufig kommt es bei Überlastungen (Überkopfarbeiten, Werfen) zu einer akuten Bursitis.
    • Auch rheumatische Erkrankungen können zu einer Bursitis führen.
      • So gehört eine einseitige oder beidseitige Bursitis der Schulter zu den Klassifikationskriterien der ACR/EULAR (Amerikanische und Europäische Rheumagesellschaft) einer Polymyalgia rheumatica.8
    • Eine bakterielle Infektion (postoperativ oder hämatogen) kann ebenfalls zu einer Bursitis an der Schulter führen.
  • Chronische Bursitis
    • Chronische Bursitiden treten häufig zusammen mit Tendopathien auf.
    • Häufig besteht eine schmerzhafte aktive und passive Einschränkung der Beweglichkeit: Sowohl Elevation, Abduktion, Ante- und Retroversion als auch Innen-und Außenrotation können eingeschränkt sein.

Kapsulitis

  • Auch Schultersteife, Periarthtitis humeroscapularis oder Frozen Shoulder genannt.
  • Hierunter versteht man die weichteilbedingte Einschränkung der passiven Beweglichkeit des Schultergelenkes.12
  • Man unterscheidet primäre Schultersteifen von sekundären, die durch pathologische Veränderungen zu erklären sind.
  • Die zugrunde liegende Ursache ist unbekannt.
  • Bei bis zu 20 % der Patienten mit primärer Schultersteife treten die Symptome beidseitig auf.
  • Der phasenhafte Verlauf, der bis zu 3 Jahre dauern kann, wird unterteilt in:12
    • Initialphase
    • Einsteifungsphase
    • Lösungsphase.
  • Eine Kapsulitis verläuft in den meisten Fällen selbstlimitierend. 

Kompression des N. suprascapularis

  • Das N. suprascapularis-Syndrom kann sowohl als idiopathische Form vorwiegend bei Hochleistungssportlern (z. B. Volley- und Basketballspielern) als auch symptomatisch infolge eines Ganglions auftreten.13
  • Die Therapie ist konservativ, bei anhaltenden Schmerzen, Muskelatrophien oder nachgewiesenem Ganglion operative Therapie.

Polymyalgia rheumatica

  • Bei beidseitig auftretenen Schulterschmerzen sollte auch immer an eine Polymyalgia rheumatica gedacht werden.
  • Folgende Kriterien nach der ACR/EULAR-Klassifikation sprechen für oder gegen eine Polymyalgia rheumatica:14
    • Alter ≥ 50 Jahre 
    • beidseits neu aufgetretener Schulterschmerz
    • CRP und/oder BSG erhöht
    • Morgensteifigkeit  ≥ 45 min
    • Fehlen anderer Gelenkmanifestationen
    • plus Sonografiebefunde in Schultergelenk und Hüftgelenk
  • Ausschlusskriterien
    • aktive Infektion
    • aktive Krebserkrankung
    • Die folgenden Bedingungen reduzieren die Wahrscheinlichkeit von PMR:
      • andere rheumatische Erkrankungen
      • arzneimittelinduzierte Myalgie
      • chronisches Schmerzsyndrom
      • endokrine Erkrankung
      • neurologische Erkrankung, Parkinson-Syndrom.
  • Eine frühzeitige und konsequente hochdosierte Kortikosteroidtherapie führt meist zu einer dramatische Verbesserung der Erkrankung innerhalb weniger Stunden oder Tage.
  • Die orale Glukokortikoid-Initialdosis sollte bei den meisten Patienten mit PMR zwischen 15–25 mg Prednison-Äquivalent pro Tag in einer morgendlichen Einzeldosis liegen, anschließend wird sie kontinuierlich reduziert.15
  • Zusätzlich zur Glukokortikoid-Therapie sollte die Gabe von Methotrexat frühzeitig in Betracht gezogen werden.

Arthrose

  • Die Arthrose des Glenohumeralgelenkes (Omarthrose) tritt entweder primär meist jenseits des 60. Lebensjahres oder sekundär als Folge vorhergegangener Krankheiten oder Verletzungen des Schultergelenkes. 
    • Nach einem vollständigen Abriss der Rotatorenmanschette kann sich die sog. Defektarthropathie bilden.
  • Die Patienten haben starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bis hin zum fast völligen Einsteifen der Schulter.
  • Die Behandlung ist primär konservativ mit Schmerzmedikation und Bewegungsübungen, im weiteren Verlauf kommt der endoprothetische Ersatz als Oberflächenersatz, Hemiprothese oder inverse Totalendoprothese (TEP) in Betracht.
  • Die AC-Gelenksarthrose kommt in jedem Alter vor, entweder primär oder posttraumatisch.
  • Es kommt zu Belastungsschmerzen, das Liegen auf der betroffenen Seite ist schmerzhaft, und knöcherne Anbauten können an der Rotatorenmanschette scheuern und dort zu weiteren Schäden führen.
  • Wenn die konservative Therapie nicht ausreichend hilft, können mittels Arthroskopie Teile der Gelenkflächen abgetragen werden.

Sonstige Erkrankungen

Anamnese

  • Schmerzlokalisation
  • Schmerzintensität
  • Schmerzqualität, nächtlicher Schmerz
  • Zeitlicher Zusammenhang des Auftretens der Schmerzen 
  • Erfragung des Verletzungsmechanismus
  • Vorerkrankungen, Rezidive
  • Erfragen von Belastungen: sportliche Aktivität (Schwimmen, Wurfbelastung), Berufsanamnese (Überkopfarbeit, schweres repetitives Heben)
  • Begleiterkrankungen 

Klinische Untersuchung

Allgemeines

  • Die Schulteruntersuchung sollte immer beidseits erfolgen, wobei mit der gesunden Seite begonnen werden sollte.16
  • Beurteilung von Sensibilität, Motorik und Durchblutung
  • Beurteilung der HWS, um Radikulopathien auszuschließen. 

Inspektion 

  • Nach einem Trauma sollten Sie vor allem nach Fehlstellungen suchen, um Frakturen und Luxationen auszuschließen.
  • Bei degenerativen Schädigungen kann eine Muskelatrophie des betroffenen Muskels vorliegen.
  • Nach einem Trauma kann ein Hämatom sichtbar sein.

Palpation

  • Schwellungen
  • Druckempfindlichkeit 
  • Überwärmung

Beweglichkeit

  • Die Prüfung der aktiven und passiven Beweglichkeit der Schulter nach der Neutral-Null-Methode 

Impingement-Zeichen 

  • Positiver Schmerzbogen (Painful Arc), d. h. die Abduktion des Armes ist schmerzhaft zwischen 70 und 130 Grad.

Muskelkraft

  • Eine deutlich reduzierte Kraft ohne Schmerzen bei isometrischem Test an einem oder mehreren Muskeln der Rotatorenmanschette ist in der Regel auf eine Totalruptur zurückzuführen.
  • Moderat herabgesetzte Kraft mit Schmerzen beim isometrischen Test deutet auf eine Teilruptur.
  • Die Kraftabschwächung kann auch rein schmerzbedingt sein. 

Isometrische Tests  

  • Durch die Provokationstests können die Abduktionen-, Außen- und Innenrotationen in verschiedenen Stellungen des Schultergelenks gegen Widerstand geprüft werden. Die Tests sollen Schwächen aufdecken, sie quantifizieren und bestimmten Strukturen zuordnen.
  • Beim Drop-Arm-Zeichen sind die Patienten nicht in der Lage, die Abduktion aktiv zu beginnen bzw. den passiv durch den Untersucher in die Abduktion geführten Arm nicht aktiv oder nur mit größter Mühe aktiv zu halten. Der Test wird als positiv gewertet, wenn der Arm auch gegen einen nur geringen Widerstand nicht gehalten werden kann. Dies gilt als Zeichen einer Rotatorenmanschettenläsion, ohne dass man genau sagen kann, wo diese vorliegt.16
  • Mit dem Jobe-Test wird der M. supraspinatus geprüft. Der Test wird in 90-Grad-Abduktion und 30-Grad-Horizontalflexion jeweils in Außen- und Innenrotation durchgeführt, wobei der Untersucher hinter oder vor dem sitzenden Patienten steht und einen Widerstand gibt.
  • Der M. infraspinatus wird am besten durch isometrische Außenrotation mit seitlich angelegtem Oberarm, 90 Grad im Ellenbogengelenk und dem Unterarm nach vorn getestet.
  • Tests bei Subscapularis-Tendopathie
    • Es besteht häufig eine vermehrte passive oder aktive Außenrotation oder eine aktiv eingeschränkte Innenrotation im Vergleich zur gesunden Gegenseite.16
    • Die Patienten werden aufgefordert, bei geradem Handgelenk mit der flachen Hand auf ihren Bauch zu drücken und dabei zu versuchen, die Ellenbogen nach vorne zu halten (maximale Innenrotation). Sind sie hierzu nicht in der Lage, fällt der Ellenbogen aufgrund der Flexionsstellung im Handgelenk zurück, und die Schulter wird angehoben (Test nach Gerber oder Belly-Press-Test).16

Tests auf Schulterinstabilität17 

  • Der Beighton-Score ist ein einfache standardisierte Testung der Überstreckbarkeit am kleinen Finger, Daumen, Ellenbogen, Knie und bei der Wirbelsäulenflexion zur Quantifizierung der Gelenklaxitität und Hypermobilität am gesamten Körper.
  • Schubladentest
    • Der Test wird mit dem seitlich herabhängenden Arm des Patienten durchgeführt.
    • Das Caput humeri bewegt sich in der Regel nur einige Millimeter nach vorne und hinten, und eine erhöhte Mobilität deutet auf eine größere Dehnbarkeit in der Gelenkkapsel hin.
  • Sulkuszeichen
    • Das Caput humeri wird nach unten gedrückt, während der Untersucher den Ellenbogen nach distal zieht.
    • Tritt eine Vertiefung unter dem Akromion auf, deutet dies auf eine größere Dehnbarkeit hin.
  • Apprehensionstest
    • Der Test wird im Liegen oder Sitzen durchgeführt. Der Arm ist 90 Grad abduziert, der Ellenbogen 90 Grad gebeugt und nach außen rotiert (Wurfarmposition).
    • Der Humeruskopf wird durch leichten Druck von dorsal nach ventral gedrückt.
    • Bei Gegenspannen des Patienten oder Gefühl des Auskugelns oder Weigerung des Patienten, überhaupt in diese Armposition zu gehen, ist der Test als positiv zu werten.
    • Der Test sollte vorsichtig und langsam durchgeführt werden, sonst kann es zu einer Luxation bei einer sehr instabilen Schulter kommen.
  • Relokationstest
    • Führen Sie den Apprehensionstest durch, drücken Sie dann aber den Gelenkkopf des Humerus wieder zurück in das Gelenk. Lindert dies die Schmerzen, erhärtet sich der Verdacht der vorderen Instabilität.
  • Jerk-Test
    • Der Jerk-Test (hinterer Apprehension-Test) testet die dorsalen Labrum- und Kapselstrukturen. Die Skapula wird fixiert, die andere Schulter des Patienten in 90-Grad-Abduktion und 90-Grad-Innenrotation gehalten. Ein axialer, nach dorsal gerichteter Druck sowie gleichzeitig eine horizontale Adduktion auf den Ellenbogen löst ein Instabilitätsgefühl oder Abwehrspannung aus.

Untersuchung des AC-Gelenkes

  • Es besteht oft ein Druckschmerz und/oder eine Schwellung über dem betroffenen AC-Gelenk.
  • Typischerweise lässt sich ein lokaler Schmerz mit dem Horizontaladduktionstest, bei dem die passive Hyperabduktion des Arms in der Horizontalebene vor dem Körper in Richtung der Gegenschulter durch den Untersucher ausgeführt wird, auslösen.16

Weitere Diagnostik

Labor

Röntgen

  • Nach einem Tauma zum Ausschluss einer Fraktur oder Luxation
  • Dadurch können Arthrosen, Kalkablagerungen in der Bursa oder am Sehnenansatz sowie Hinweise auf eine subakromiale Enge  abgebildet werden.

MRT

  • Bei Tendopathien der Rotatorenmanschette können in der MRT Sehnenveränderungen nachgewiesen werden.
  • Bei Verdacht auf einen Riss oder eine Ruptur in der Rotatorenmanschette kann eine MRT die Schädigungen bestätigen.
  • Wichtig zur OP-Planung wegen Beurteilbarkeit der fettigen Degeneration und Atrophie des Muskels.7
  • Der Nachteil der MRT ist die geringe Spezifität. Veränderungen ohne pathologische Bedeutung können überbetont werden.18

CT, CT-Arthrografie oder MR-Arthrografie

  • Bei nicht eindeutigen Röntgenbefunden
  • Bei Verdacht auf Labrum-Verletzungen im Glenohumeralgelenk (SLAP-Läsion)
  • Zum besseren Nachweis partieller Läsionen ggf. möglich, Infektionsrisiko und Strahlenbelastung sollten berücksichtigt werden.

Sonografie

  • Kann bei der Auswertung von positiven Kompressionstests und bei Verdacht auf Tendopathien oder Sehnenrupturen hilfreich sein.19
  • Ist eine geeignete Untersuchungsmethode zur Beurteilung intratendinöser Läsionen, Verdickungen und partieller oder kompletter Rupturen sowie Bursitiden.

Checkliste zur Überweisung

Schulterschmerzen

  • Zweck der Überweisung
    • Bestätigende Diagnostik? Therapie? Operation? Sonstiges?
  • Anamnese
    • Dauer und Beginn? Durch ein Trauma oder durch Überlastung ausgelöst? Entwicklung, Rezidiv, evtl. Progression? Besondere körperliche Belastung bei Arbeit oder Sport?
    • Symptome und Anzeichen? Schmerzen: Lokalisierung, Aktivitäten, die die Schmerzen auslösen, Ausstrahlung, Ruheschmerz, Nachtschmerz? Verminderte Kraft? Schwellungen? Eingeschränkte Mobilität? Allgemeinsymptome: Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust?
    • Durchgeführte Behandlungsmaßnahmen und Wirkungen?
    • Sonstige relevante Erkrankungen?
    • Regelmäßige Medikamente?
    • Konsequenzen: Arbeit, Sport, weitere?
  • Klinische Untersuchung
    • Anzeichen einer generellen Erkrankung? Anzeichen einer lokalen Infektion oder Entzündung? Schmerzlokalisierung?
    • Ergebnisse der systematischen funktionellen Untersuchung? Inspektion, Palpation, passive Bewegungen, isometrische Tests, neurologische Untersuchung, ggf. spezielle Tests?
  • Apparative Diagnostik

Patienteninformationen

Patienteninformationen in Deximed

Illustrationen

Schultergelenk, Skelett
Schultergelenk, Skelett
 
Muskeln an Rücken, Schulter und Nacken
Muskeln an Rücken, Schulter und Nacken

Quellen

Leitlinien

  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Rotatorenmanschette. AWMF-Leitlinie-Nr. 033-041. S2e, Stand 2017. www.awmf.org
  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Schulterluxation, rezidivierend und habituell. AWMF-Leitlinie Nr. 033-027. S1, Stand 2009 (in Überarbeitung). www.awmf.org
  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Schultergelenk-Erstluxation. AWMF-Leitlinie Nr. 012-012. S1, Stand 2017. www.awmf.org
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Behandlung der Polymyalgia rheumatica. AWMF-Leitlinie Nr. 060-006. S3, Stand 2017. www.awmf.org

Literatur

  1. Schaufelberger M, Meer A, Furger P, Derkx H et al.. Red Flags - Expertenkonsens - Alarmsymptome der Medizin. Neuhausen am Rheinfall, Schweiz: Editions D&F, 2018.
  2. Fleischmann T. Fälle Klinische Notfallmedizin - Die 100 wichtigsten Diagnosen. München, Deutschland: Elsevier, 2018.
  3. Burbank KM, Stevenson JH, Czarnecki GR, Dorfman J. Chronic shoulder pain: Part I. Evaluation and diagnosis. Am Fam Physician 2008; 77: 453-60. PubMed
  4. Burbank KM, Stevenson JH, Czarnecki GR, Dorfman J. Chronic shoulder pain: Part II. Treatment. Am Fam Physician 2008; 77: 493-7. PubMed
  5. Smidt N, Green S. Is the diagnosis important for the treatment of patients with shoulder complaints?. Lancet 2003; 362: 1867-8. PubMed
  6. Magosch P, Lichtenberg S, Loew M, Tauber M, Habermeyer P. Die Klinische Untersuchung der Schulter. Dtsch Z Sportmed 2013; 64 (12): 372-379. www.germanjournalsportsmedicine.com
  7. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Rotatorenmanschette. AWMF-Leitlinie-Nr.033 - 041. Stand 2017. www.awmf.org
  8. Mutschler, Kohn, Pohlemann. Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. 3., vollständig überarbeitete Auflage 2013 Thieme Verlag Stuttgart S. 944ff
  9. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Schulterluxation, rezidivierend und habituell. AWMF-Leitlinie Nr. 033-027. Stand 2009 (in Überarbeitung). www.awmf.org
  10. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Schultergelenk-Erstluxation. AWMF-Leitlinie Nr. 012-012. Stand 2017 www.awmf.org
  11. Coghlan JA, Buchbinder R, Green S, Johnston RV, Bell SN. Surgery for rotator cuff disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 1. Art. No.: CD005619. DOI: 10.1002/14651858.CD005619.pub2. DOI
  12. Bischoff H-P, Heisel J, Locher H. Praxis der konservativen Orthopädie Thieme- Verlag Stuttgart. 1. Auflage: 2007. S.369ff.
  13. Assmus H, Antoniadis G, Bischoff C. Karpaltunnel-, Kubitaltunnel- und seltene Nerven­kompressions­syndrome. Dtsch Arztebl Int 2015; 112(1-2): 14-26; DOI: 10.3238/arztebl.2015.0014. www.aerzteblatt.de
  14. European League Against Rheumatism/American College of Rheumatology: 2015 Recommendations for the Management of Polymyalgia Rheumatica, Stand 2015. www.rheumatology.org
  15. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Behandlung der Polymyalgia rheumatica. AWMF-Leitlinie Nr. 060-006. Stand 2017. www.awmf.org
  16. Brkic M, Froemel D. Meurer A. Klinische Untersuchung der Schulter. Manuelle Medizin 2015; 53:63–78. Springer-Verlag Berlin/Heidelberg, 2015.
  17. Deutsche Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie. Untersuchungstechniken des Schultergelenks. Obere Extremität Springer-Verlag 2012 www.dvse.info
  18. Englund M, Guermazi A, Gale D et al. Incidental meniscal findings on knee MRI in middle-aged and elderly persons. N Engl J Med 2008; 359: 1108-15. New England Journal of Medicine
  19. Moosmayer S, Heir S, Smith H-J. Sonography of the rotator cuff in painful shoulders performed without knowledge of clinical information: results from 58 sonographic examinations with surgical correlation. J Clin Ultrasound 2007; 35: 20-6. PubMed

Autoren

  • Monika Lenz, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Neustadt am Rübenberge
  • Stig Fossum, fysioterapeut, spesialkompetanse på muskel- og skjelettsykdommer, Moholt Fysioterapi, Trondheim
  • Bendik Johannessen, fysioterapeut, Norsk Helseinformatikk AS
  • Pål Kristensen, spesialist i allmennmedisin, Ranheim legesenter, Trondheim
  • Magne Rø, overlege Fysikalsk medisinsk avdeling, Regionsykehuset i Trondheim, og førsteamanuensis, Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet, Trondheim